18. August 2010
Charly Agustoni ist mit Leidenschaft bei der Sache, das merkt man schnell. Der Leiter des Hundeclubs « Cyno La Meute » in Assens gibt nicht nur Kurse für Hundehaltende, sondern auch für Kursleiter und -leiterinnen. Begegnung mit einem ausgewiesenem Fachmann und Hundeliebhaber.
Charly Agustoni, wie reagieren die Leute auf die obligatorischen Kurse ?
Die grosse Mehrheit der Leute reagiert positiv. Sie sind motiviert, sie sind verantwortungsbewusst, sie wollen es gut machen. Die Kurse verlaufen gut. Es hat immer eine kleine Minderheit, die nörgelt, weil man sie zwingt, den Kurs zu absolvieren. Es sind zum Teil Leute, die schon viel Erfahrung haben mit Hunden. Züchter zum Beispiel. Sie sehen die den Nutzen eines praktischen Kurses nicht ein.
Auch wenn die Kurse gut verlaufen, es gibt sicher auch Negatives ?
Probleme gibt es etwa bei den praktischen Kursen. Zuerst einmal hat der Gesetzgeber nicht präzisiert, wie alt der Hund zum Zeitpunkt des Kurses sein sollte. Ein Halter, der mit seinem Welpen einen vierstündigen Kurs macht, hat im Prinzip die gesetzlichen Mindestanforderungen bereits erfüllt. Ein Hund findet aber während des Heranwachsens zu seinem Charakter, es können Probleme auftauchen – Probleme, die man in einem Kurs angehen könnte. Mein Vorschlag wäre: Die Hunde sollten einen halbtägigen Kurs machen gegen das Ende der Jugendzeit. Das wäre gezielter.
Ein anderes Problem ist die Dauer des Kurses. Das BVET hat einen Katalog von Kurszielen definiert. In nur vier Stunden sind all diese Ziele kaum zu erreichen. Ich plädiere deshalb für etwas längere Kurse.
Was kann man in einem praktischen Kurs von vier Stunden erreichen ?
In einem so kurzen Kurs kann man höchstens sensibilisieren und auf mögliche Probleme hinweisen. Wir machen das, indem wir den Akzent auf die Sozialisation des Hundes setzen und zwei Spaziergänge machen, einen in der Stadt und einen auf dem Land. Diese Spaziergänge geben uns Gelegenheit, den Hund und seinen Besitzer, seine Besitzerin genau zu beobachten. Meistens sehen wir schon sehr viel in Bezug auf den Gehorsam des Hundes, sein Verhalten Menschen gegenüber, wie er auf Lärm reagiert, auf die Hektik in der Stadt und auf andere Tiere. Während der Spaziergänge können wir allfällige Probleme mit dem Besitzer diskutieren und sie sensibilisieren. Wir achten auch genau auf die Abrufbarkeit der Hunde und ob sie an der Leine ziehen. Wir üben zudem praktische Dinge wie das Stoppen des Hundes aus der Distanz.
Sind die Leute nach vier Stunden in der Regel zufrieden ?
Die meisten verlängern den Kurs, weil sie selber einsehen, dass vier Stunden nicht genügen. Bei mir entscheiden sich fast alle für einen Kurs von acht Stunden. Die Hundehalter und -halterinnen wollen es gut machen und sie schätzen auch das gemeinsame Lernen mit dem Hund.
Können alle von den vier Stunden profitieren ?
Ich glaube ja. Mit Ausnahme derjenigen, die viel Erfahrung haben. Züchter zum Beispiel, erfahrene Hundehalter oder Leute, die mit Schutz- oder Rettungshunden arbeiten. Ihnen kann ich nicht viel beibringen! Ich offeriere ihnen deshalb, während vier Monaten eine Stunde pro Monat zu kommen. Das bringt ihnen mehr, weil man die Entwicklung des Hundes sieht. Das ist ihrer Erfahrung angemessener und erlaubt uns, mögliche Probleme zu diskutieren. Wenn man Kurse leitet, muss man auf die unterschiedlichen Bedürfnisse eines jeden einzelnen eingehen können!
Wie ist es mit den theoretischen Kursen ?
Ich habe interessante Erfahrungen gemacht während der theoretischen Kurse. Es hat mich überrascht, wie viele Leute motiviert und interessiert gekommen sind. Die Kurse sind interaktiv aufgebaut, die Hundehalter stellen viele Fragen, vor allem was ihre Verantwortung als Halter angeht. Auch die Wahl der Rasse ist ein Diskussionspunkt. Viele Hundebesitzer und –besitzerinnen sind festgefahren, sie wollen eine bestimmte Rasse und unterschätzen häufig die Bedürfnisse dieses Hundetyps. Mit einem theoretischen Kurs vor dem Kauf des Hundes kann man solche Fragen klären und ihnen helfen, die richtige Wahl zu treffen. Das hilft.
Man hört häufig, dass ältere Menschen Mühe haben mit einem obligatorischen Kurs. Welche Erfahrungen haben sie gemacht?
Ich habe gerade eine Gruppe von Leuten jeweils am Donnerstag, die alle älter sind als 70. Einige sind sogar schon über 80 … und ich kann Ihnen sagen: Das geht tiptop! Man muss manchmal das Tempo des Kurses ein bisschen anpassen. Aber diese Menschen haben die Erfahrung eines ganzen Lebens und sie haben ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl. Sie haben Zeit und sind motiviert.
Im Rahmen der MEC Kurse bilden sie Hundeausbildner/innen aus. Hat sich die Qualität verbessert seit der Einführung des Kursobligatoriums?
Mit dem Obligatorium müssen die Ausbildner neu über 3 Jahre praktische Erfahrung verfügen. Früher kamen manchmal Leute in unsere Kurse, die überhaupt keine Erfahrung hatten (und die dann häufig bei der Prüfung durchgefallen sind…). Jetzt haben wir erfahrene Leute; dieses Jahr zum Beispiel hatten wir eine tolle Gruppe, sehr homogen. Das ist auch für uns interessant.
Mit den obligatorischen Kursen hat sich den Hundetrainern ein Markt eröffnet. Glauben sie, dass es Missbräuche geben wird?
Die grosse Mehrheit der Hundetrainer und –trainerinnen, die wir ausbilden, schätze ich als seriös ein. Aber es ist wie überall, es kann schwarze Schafe geben: Leute, die profitieren, deren Kurse schlecht sind oder die Sachkundenachweise aus Gefälligkeit geben. Das ist bedauerlich, aber es ist meiner Einschätzung nach wirklich eine Minderheit.
Sie würden die Kurse also unter dem Strich positiv beurteilen ?
Ja, ohne zu zögern. Im Theoriekurs kann man Probleme ansprechen, die die Leute vor dem Kauf eines Hundes beschäftigen: die Wahl des passenden Hundes und die Verantwortung, die man als Hundebesitzer hat. Und im praktischen Teil kann man sie sensibilisieren für mögliche Probleme im Alltag. Ich glaube wirklich, wir sind auf dem richtigen Weg.
Hier finden Sie Hundetrainerinnen und Hundetrainer in Ihrer Region.
Folgende Organisationen können zur Zeit Hundetrainerinnen und Hundetrainer für die obligatorischen Kurse ausbilden: Certodog, la fédération romande de cynologie, Leamy AG Ausbildungszentrum, NF Ausbildungszentrum, Pro cane familiari, Schweizerische Kynologische Gesellschaft (SKG), Schweizerischer Schäferhunde-Klub, l’Union canine suisse, Wakonda GmbH, die Akademie für Naturtierheilkunde, Institut für angewandte Ethologie und Tierpsychologie (I.E.T.), Triple-S Ausbildungszentrum für Mensch und Hund, le SK-9 GmbH, Eidgenössische Zollverwaltung, Kynologie Schweiz, HUNDE plus Gmbh.