„Ein wichtiges Instrument zur Früherkennung von Seuchen“
Seit einigen Monaten haben Tierärztinnen und Tierärzte die Möglichkeit, bei unklaren Symptomen, die vielleicht auf eine hochansteckende Krankheit hindeuten könnten, eine Ausschluss-Untersuchung durchzuführen. Dabei werden Proben entnommen und untersucht, ohne dass Sperrmassnahmen gemäss Tierseuchenverordnung notwendig sind.
Der Erste, welcher die neue Möglichkeit nutzte, war der junge Tessiner Amtstierarzt Francesco Albanese. Wir haben mit ihm gesprochen:
Herr Albanese, Sie haben im März Blutproben von 2 Schweinen auf Maul- und Klauenseuche und Vesikulärkrankheit der Schweine testen lassen und damit als erster von der neuen Möglichkeit der Ausschlussuntersuchungen Gebrauch gemacht. Was waren Ihre Überlegungen dabei?
Ich bin Fleischkontrolleur in einem Schlachthof. Bei der Untersuchung der Tiere vor der Schlachtung fielen mir zwei Schweine auf, die verdächtige Symptome zeigten, die eventuell auf eine Maul- und Klauenseuche (MKS) hindeuten könnten. Beide Tiere waren lahm, hatten eine Entzündung am Kronsaum, einige Aphten auf dem Rüssel und eine vermehrte Speichelabsonderung. Doch die Tiere hatten kein Fieber, was für MKS untypisch ist, deshalb habe ich mich entschlossen, zur Sicherheit eine Ausschluss-Untersuchung für MKS und Ve-sikulärkrankheit zu beantragen.
Woher kannten Sie die Möglichkeit der Ausschluss-Untersuchungen?
Anfangs März war ich an einem Fortbildung für amtliche Tierärzte, das Thema war: „Die Rolle der amtliche Tierarzt bei einem MKS-Ausbruch“; dort wurde uns diese neue Möglichkeit vorgestellt.
Was hätten Sie getan, wenn es diese Möglichkeit nicht gegeben hätte?
Ich hätte wohl den Kantonstierarzt angerufen und der hätte dann entscheiden müssen, was zu tun ist. Einen echten Seuchenverdacht in einem Schlachthof auszusprechen, hätte weit-reichende Folgen. Man hätte den Schlachthof sperren müssen, das hätte beträchtliche wirt-schaftliche Konsequenzen gehabt. Deshalb hat man schon etwas Respekt vor so einem Schritt und ich war froh um die Möglichkeit der Ausschlussuntersuchung, die durchgeführt werden kann, ohne dass eine Sperre angeordnet wird. Der Verdacht auf Maul- und Klauen-seuche hat sich ja dann auch nicht bestätigt.
Wie waren Ihre Erfahrungen mit dieser Untersuchung?
Es hat alles bestens funktioniert. Ich habe die Proben eingeschickt, hatte auch telefonischen Kontakt mit dem IVI und die Untersuchung wurde sofort durchgeführt.
Glauben Sie, dass das Mittel der Ausschlussuntersuchungen etwas zur Verhinderung von Seuchenausbrüchen in der Schweiz beiträgt?
Auf jeden Fall. Es werden so sicher mehr zweifelhafte Fälle untersucht, als wenn es die Möglichkeit nicht gäbe. Die Ausschlussuntersuchungen sind ein wichtiges Instrument zur Früherkennung von Seuchen. Dadurch kann man auch früher intervenieren und das ist bei der Be-kämpfung von hochansteckenden Seuchen entscheidend.
Herr Albanese, ich danke Ihnen für dieses Gespräch!
Weitere Informationen auf der Webpage des BVET.





