Impfung gegen Ebergeruch – vieles spricht dafür
Die meisten Konsumentinnen und Konsumenten haben zwar noch nie davon gehört, doch Eberfleisch – also das Fleisch männlicher Schweine – kann bisweilen einen recht unangenehmen Geruch verströmen. Dieser spezielle Fleischgeruch kann vermieden werden, wenn die Hormonproduktion der Eber unterdrückt wird. Bisher geschah das meistens durch die chirurgische Kastration der männlichen Ferkel. Ab 2010 darf dieser Eingriff jedoch nur noch unter Narkose durchgeführt werden. Doch es gibt andere Methoden. Eine davon – die Impfung gegen den Ebergeruch – bietet besonders viele Vorteile.
Die Impfung bewirkt, dass die Stoffe, die zum Ebergeruch führen, nicht mehr produziert werden. Die Impfung verursacht keine Rückstände im Fleisch und ist für den Konsum absolut unbedenklich. Sie ist einfacher durchzuführen als eine chirurgische Kastration unter Narkose. Die korrekte Durchführung ist also kontrollierbar. Die Impfung ist auch gut erprobt: In einigen Ländern, etwa Australien, ist sie Standard und schon millionenfach durchgeführt worden.
Dennoch setzen die Grossabnehmer heute eher auf die chirurgische Kastration unter Narkose. Die Impfung hat nämlich gemäss Umfragen bei Konsumentinnen und Konsumenten ein Problem: Das Konzept ist nicht ganz einfach zu verstehen. In Befragungen zeigen sich Konsumierende deshalb skeptisch. Manche halten die Impfung für eine Hormonbehandlung, was völlig falsch ist. Andere befürchten Rückstände im Fleisch, obwohl dies nachweislich nicht der Fall ist. Ja, die chirurgische Kastration unter Vollnarkose wird von einigen sogar als tiergerechter beurteilt als die Impfung, obwohl dabei nach wie vor ein chirurgischer Eingriff erfolgen muss. Dies zeigt, dass die Impfung gegen den Ebergeruch nicht verstanden wird.
Sollen wir nun auf diese gute und für das Tier schonendste Methode verzichten, nur weil sie schwierig zu erklären ist ? Oder sollen wir nicht viel mehr auf eine gute und verständliche Information der Bevölkerung bauen? Für mich ist klar der zweite Weg der richtige – und ich hoffe auch, die Schweinebranche und die Grossverteiler bringen den Mut auf, für die fachlich bessere Methode einzustehen und sie den Konsumierenden zu erklären. Dann haben wir wirklich einen zukunftsträchtigen Ansatz gewählt, der tiergerecht ist und den Konsumierenden dennoch gesundheitlich einwandfreies Fleisch liefert.


Kommentare
Wenn Sie hier gross von Information der Bevölkerung sprechen, dann erzählen Sie bitte die ganze Geschichte. Warum lancieren Sie keine Kampagne, die über tatsächliche Verhältnisse aufklärt, anstatt solche hirnrissigen Methoden zu unterstützen.
ja welches ist denn die fachlich bessere methode? die von ihnen eingangs erwähnte und favorisierte impfung oder die chirurgische?
laut der vorgestern veröffentlichten studie von 'pro schwein' - in der das bvet auch einen vertreter hat - kommt klar zum ausdruck, dass eben beide varianten fachlich gute methoden sind. mit allen pro und contras.
dieses problem ist ein branchenproblem und nicht eines von migros und anderen grossverteilern: wir verkaufen was das gesetz vorschreibt und die kundinnen und kunden wollen.
die grossverteiler werden ihre position in die gespräche mit der branche einbringen. die position des bvet kennen wir ja nun...
in einem punkt beziehen wir bereits jetzt klar stellung: wir haben immer gefordert, dass es keine fristerstreckung geben soll, sondern die ferkelkastration unter schmerzausschluss unbedingt - wie ursprünglich vorgesehen - per 1.1.2009 gesetzlich verankert werden muss.
leider wurde zum nachteil der armen ferkel die bereits mehrjährige übergangsfrist um ein jahr verlängert. dies garantiert nicht auf wunsch der grossverteiler oder der ferkel.
urs peter naef
mediensprecher
migros-genossenschaft-bund
Ich finde es einen sehr guten Ansatz, die Kosumentinnen und Konsumenten richtig aufzuklären. Ich vermisse aber etwas Ihren Mut, da gleich anzufangen.
Sie sagen, dass die Impfung gut erprobt und in Australien sogar als Standard gelte. Tatsache ist aber, dass in Australien nur wenige Prozente der männlichen Schweine mit der Impfung immunokastriert werden und dies schon seit Jahren ohne zunehmender Tendenz. Australien würde gerne vermehrt Singapur und Japan mit Schweinefleisch beliefern. Diese Länder akzeptieren Fleisch von immunokastrierten Tieren aber aus wohlweislichen Gründen nicht.
Ich beschäftige mich seit Jahren mit der tiergerechten Schweinekastration und habe auf diesem Gebiet doktoriert. Sie wären der Erste, der mir eine Studie über Langzeitfolgen etc. angeben könnte. Aus Australien gibt es auf jeden Fall keine brauchbaren Untersuchungen. Studien in der Schweiz an der Universität Zürich untersuchten "nur" die Effektivität der Hormonunterdrückung beim Schwein durch den Impfstoff Improvac.
Der Impfstoff ist kein aktives Hormon, löst aber im Schweinekörper eine Autoimmunreaktion aus (das Immunsystem wird gegen körpereigene Substanzen gerichtet), was nicht direkt einer Impfung entspricht. Diese Tatsache kann bei Konsumentinnen und Konsumenten Unbehagen auslösen, was absolut verständlich ist. Allgemein sind die Leute gegen einen künstlichen Eingriff ins funktionierende Hormonsystem von Nutztieren.
Nun noch etwas zum Tierwohl. Es ist umbestritten, dass jede Manipulation beim Tier einen gewissen Stress bedeutet. Wir müssen aber nicht vergessen, dass geimpfte Tiere bis kurz nach der zweiten Impfung Eber sind, mit z.T. den entsprechenden Aggressionen und Sexualtrieben. Diese ebertypischen Verhaltensweisen bedeuten für die anderen Schweine in der gleichen Bucht Stress mit Verletzungsgefahren, was ganz klar nicht im Sinn des Tierschutzes sein kann. Ansonsten müssten viele Ställe für Ausweichmöglichkieiten umgebaut werden.
In der Schweiz sind wir als einziges Land auf der Welt in der glücklichen Lage, dass wir drei verschiedene Methoden (Kastration unter Narkose, Immunokastration und Ebermast) legal zur Verfügung haben. Dafür wurde sehr viel gearbeitet. Anpreisungen von Einzelmethoden von Ihnen als Vertreter des sonst so überlegenen BVETs auf deren Homepage betrachte ich als heikel. Ich befürchte den Verlust an Glaubwürdigkeit und einen Bummerangeffekt.
Eigentlich bin ich recht Erstaunt, dass nun das BVET die Impfung als - ja so zu sagen - als bessere Alternative gegenüber der Schmerzaussschaltung unter Narkose propagiert. Das BVET sollte sich grundsätzlich Neutral verhalten und Absehen diese Methode zu bevorzugen, solange ungenügende Testdaten von Pfizer in der Schweiz auf dem Tisch liegen.
Diese Firma steckt nun viel Geld in das Marketing um das Vertrauen der Kunden für diese Sache zu gewinnen. Es geht ja um ein zukünftiges Millionengeschäft in der Schweiz und dann in Europa.
Ich stecke voll hinter der Entscheidung der Grossverteiler Migros und Coop welche das Risiko nicht eingehen wollen, dieses "geimpfte Fleisch" den Konsumenten anzubieten.
Die Schmerzausschaltung unter Narkose wurde in den letzten Jahren fachlich und seriös getestet und als eine der besten Lösungen angesehen. Warum nun das BVET eine andere Position einnimmt ist mir ein Rätsel.
Die Resultate und Empfehlungen von Pro Schwein stehen ja auf dem Tisch.
Unverständlich ist wieder einmal die Verzögerungspolitik um 1 Jahr und das der Schweizerische Tierschutz STS in der letzten Werbekampagnie voll Mobil auf diese Impfungsvariante macht.
Hier steckt sicher wieder einmal rechtes Sponsoring von der Pharmaindustrie dahinter.
Na - ja wir werden sehen wie sich der Konsument so entscheiden wird!
Ihre Frage, warum wir auf eine sehr tierfreundliche Methode bei der viel diskutierten Ferkelkastration verzichten sollen, ist völlig berechtigt. Weil vielen Konsumenten die Narkose vertrauter zu sein scheint, als eine Impfung, wo unbegründeterweise viele Ängste geschürt werden, hat zur Folge, dass eine Schmerzausschaltung mittels Gasnarkose propagiert wird, die neben hohen Kosten auch noch andere Tücken aufweist. So wird nur versteckt erwähnt, dass Isofluran die Schmerzrezeptoren beim Tier reizt, was zur Folge hat, dass nach dem Abfluten des Isoflurans (ca.nach 1 Minute) der Schmerz stärker wahrgenommen wird. Also muss zwingend 15 - 20 Minuten vor der Kastration den zu kastrierenden Ferkeln ein Schmerzmittel appliziert werden. Alles andere wäre schlimmer als der momentane unbefriedigende Ist-Zustand. Nebenbei soll noch erwähnt werden, dass die Narkosegase zu den Ozonkillern zu zählen sind. Eine Narkose ist nur wirksam, wenn sie fachgerecht gemacht wird und die Geräte entsprechend gewartet und gepflegt werden. Ein Schweinestall ist kein Operationssaal und ein Ferkel-produzent ist kein Anästhesist, auch nach einer Kurzausbildung, wie sie die Tierarzneimittelverordnung verlangt, nicht!
Mit der Impfung gegen den Ebergeruch stünde eine Methode zur Verfügung, die diese Diskussion um die Schmerzaus-schaltung, Narkosegeräte, Einfluss auf Ozonschicht, und die eigentliche chirurg. Kastration völlig überflüssig machen würde.
Zur Verhinderung von Krankheiten sind Impfungen in unseren Schweinebeständen nicht mehr wegzudenken und hinterlassen im Tier überhaupt keine Rückstände. Die Impfung gegen den Ebergeruch ist für die Konsumenten absolut gefahrlos! Der Impfstoff wurde weltweit schon von mehreren Zulassungbehörden hinsichtlich Unbedenklichkeit und Wirksamkeit geprüft und zudem wurde diese Impfung weltweit schon an über 7 Mio. Schweinen erfolgreich eingesetzt.
In Leserbriefen wird von den Konsumenten zurecht eine Methode gefordert, die tierfreundlich, zuverlässig und unbedenklich ist, was auch im Sinne der Produzenten ist. Die Impfung gegen den Ebergeruch erfüllt alle diese Anforderungen!
Die aus Tierwohl-Sicht beste Methode ist die EBERMAST. Die Ferkel bleiben unversehrt und müssen weder kastriert noch geimpft, weder narkotisiert noch gespritzt werden. KAGfreiland hat bewiesen, dass mittels Kochprobe die Stinker ausfindig gemacht werden können, und dass aus geruchsbelastetem Fleisch hervorragende Rohess-Spezialitäten hergestellt werden können. Für Kleinbetriebe ist die Ebermast heute schon praxistauglich. Für die Umsetzung im grossen Stil fehlt eine schlachthoftaugliche elektronische Spürnase. Hier muss dringend Geld zur Entwicklung investiert werden.
Die aus Tierwohl-Sicht zweitbeste Methode ist die IMMUNOKASTRATION. Es ist zwar eine unnatürliche Methode, doch dafür bereiten die zwei Impfungen den Tieren keinen Stress. Man muss wissen, dass gerade im Nutztierbereich schon heute diverse Impfungen üblich sind. Wer die Impfmethode abschiesst, muss klar sagen, welche andere Methode besser ist. Denn jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile. Und wer auf eine nachteilslose Methode hofft und immer neue Forschungen fordert, ist bereit, Ferkel nach wie vor ohne Betäubung tierquälerisch kastrieren zu lassen.
Die GASNARKOSE ist leider aus Tierwohlsicht eine problematische Methode. Die Tiere werden zwar schmerzfrei narkotisiert. Aber sie erleiden grossen Stress beim Handling (ergreifen, Kopf in Narkosemaske drücken, in Apparatur fixieren) und werden weiterhin chirurgisch kastriert, wobei rund 8% der Ferkel nicht vollständig betäubt sind. Würde diese Methode breit angewendet, würden also rund 100'000 Ferkel jährlich unter unvollständiger Narkose, und also unter Schmerzen kastriert.
- Rangliste aus Tierwohl-Sicht: 1. Ebermast; 2. Immunokastration; 3. Gasnarkose
- Rangliste für kurzfristige Umsetzung: für Kleinbetriebe Ebermast; für Mittel- und Grossbetriebe Immunokastration.
KAGfreiland, die schweiz. Nutztierschutz-Organisation, wird in Kürze ein ausführliches Positionspapier veröffentlichen.
du misst hier mit unterschiedlichen Massen! Ja, eine Spritze ist günstiger als eine Narkoseanlage. Aber: Wenn ich meinem Tierarzt und Pfizer für jede Chemieinjektion das FÜNF-FACHE bezahlen muss (und das mehrmals für JEDES Ferkel) als für das Narkosegas, dann hab ich meine Anlage schnell wieder drin!
Wer soll denn diese Impfung bezahlen und den Aufwand der SChlachtbetriebe für die Überprüfung?? Der Konsument etwa?
Ich bleibe bei meiner Narkoseanlage und danke der Migros, dass sie den Mut hat sich dafür einzusetzen!