An der letzten Vertragsstaatenkonferenz glaubte man mit einem historischen Schulterschluss der afrikanischen Staaten den seit Jahrzehnten andauernden Streit um den Handel mit Elfenbein für mindestens neun Jahre mittels eines Moratoriums geschlichtet zu haben. Dieser Schluss trügte jedoch, da auf der einen Seite Sambia und Tansania von ihrem Recht Gebrauch gemacht haben, erneut Anträge zu stellen, ihre Lagerbestände an Elfenbein aus natürlicher Mortalität und Hegeabschüssen zu verkaufen und andererseits eine Allianz diverser Staaten rund um Kenia unter anderem eine Ausdehnung des Moratoriums auf 20 Jahre beantragen. Damit sind die alten Gräben wieder aufgebrochen und es wird am Montag zu einem erneuten Aufeinandertreffen der beiden Seiten kommen.

Ein Expertenpanel hat die beiden Anträge von Sambia und Tansania genau überprüft. Die erst letzte Woche vorgelegten Berichte zeichnen ein kompliziertes und zwiespältiges Bild. Auf der einen Seite wird aufgezeigt, dass die Bestände in beiden Ländern gross, teilweise aber rückläufig sind. Als Hauptgrund für diese Trends wird die zunehmende Wilderei angeführt. Zudem werden Mängel in der Buchführung der Lagerbestände an Elfenbein sowie in der Bereitschaft, genügend Mittel für die Bekämpfung der Wilderei zu stellen, aufgezeigt. Trotzdem kommt das Expertenpanel zum Schluss, dass ein Verkauf der Lagerbestände die Populationen in den beiden Staaten nicht zusätzlich gefährde, sondern eher helfen werde. Dies aber nur unter zwei Bedingungen: Einerseits muss ein beträchtlicher Teil des Erlöses aus dem Verkauf zur Bekämpfung der Wilderei verwendet werden und andererseits soll ein weiterer beträchtlicher Teil den Gemeinschaften, welche mit den als Problemtiere abgeschossenen Elefanten zusammengelebt haben, zufliessen.

Diese Einschätzung des Expertenpanels mag auf den ersten Blick erstaunen, basiert aber auf der Einschätzung, dass der Verkauf der Lagerbestände an sich keinen Einfluss auf die Wilderei habe. Diese Ansicht wird durch eine langjährige Untersuchung teilweise gestützt, welche keine Korrelation zwischen dem Verkauf von Lagerbeständen und der Intensität der Wilderei festgestellt hat. Wenn dies der Fall ist und der Erlös wirklich der Bekämpfung der Wilderei, der Unterstützung der lokalen Bevölkerung und dem Schutz der Elefanten zu Gute kommt, wäre ein solcher Verkauf effektiv zu unterstützen. Es bestehen aber heute noch einige Fragezeichen, welche bis am kommenden Montag noch zu klären sind. Nur wenn alle diese Punkte glaubwürdig für beide Anträge dargelegt werden können, wird sich die Schweiz hinter die beiden Anträge stellen.

Was den Antrag der Staaten rund um Kenia betrifft, so ist die Schweiz der Meinung, dass ein Moratorium mit den Bestimmungen des Übereinkommens nicht vereinbar ist, da jedes Land jederzeit Anträge stellen darf. Ein solches Moratorium kann somit gar keine Wirkung entfalten.

Mit anderen Worten - es ist noch vieles unklar und der Montag verspricht sehr spannend zu werden.