Bundesamt für Veterinärwesen BVET

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Inspektion von schweizerischen Fleisch- und Milchbetrieben durch die Zollunion (Russland, Weissrussland und Kasachstan)

Vom 8.-19.August 2011 weilten sieben russische Inspektorinnen und Inspektoren der Zoll-union in der Schweiz, um zu überprüfen, ob Schweizer Milch- und Fleischbetriebe, die bereits Waren in die Zollunion exportieren oder dies in absehbarerer Zeit beabsichtigen, die gesetzlichen Anforderungen der Zollunion erfüllen. Der eigentlichen Inspektion ging eine lange Vorbereitungsphase voraus. Der  Bund und die Exportbetriebe hatten der Zollunion beachtliche Mengen an Informationen über die zu inspizierenden Betriebe und das Kontrollsystem in der Schweiz  zu übermitteln. Die gesamten Vorbereitungsarbeiten und die Inspektion selbst waren  somit mit einem grossen Aufwand verbunden, stellten aber exemplarisch die gute Zusammenarbeit aller beteiligten Behörden, Verbände und Betriebe dar. Beteiligt waren vom BVET, BAG, BLK, EDA (CH- Botschaft in Moskau), BLW, SECO, Kantonsvertreter über die Branchenvertreter Milch und Fleisch und die Leitung und Mitarbeiter der inspizierten Betriebe doch etliche Personen.
Neben der Überwachung der Kontrolltätigkeit von Kantonen und Bund stand die Inspektion der Herstellungsbetriebe im Vordergrund.
Exemplarisch für die am Export interessierten Betriebe hatte die Zollunion im Vorfeld elf Milch- und vier Fleischbetriebe ausgewählt, die einer detaillierten Kontrolle sowohl der Do-kumente- als auch der Warenflüsse und insbesondere der Einhaltung ihrer Anforderungen an die Hygiene unterzogen wurden.
 Inspektion im Betrieb (Quelle: Micarna SA)

Die Inspektoren zeigten sich beeindruckt von der technischen Ausrüstung der Firmen und der Schweizer Gastfreundschaft. Sie stellten aber auch Mängel, insbesondere im Bereich der Hygiene und der Dokumentation fest. Systemabweichungen im Bereich der amtlichen Kontrolle der Endprodukte, welche in der Schweiz strukturbedingt anders durchgeführt wer-den als in der Zollunion , wurden als eher kritisch eingestuft.
Inwiefern diese Mängel und Abweichungen die  Exportchancen der Schweizer Firmen beein-trächtigen könnten, ist derzeit schwer abschätzbar. Die  russischen Inspektoren sammelten bei ihrem Schweizer Besuch in erster Linie Daten. Die Entscheidung über die Exportzulas-sung wird aber an höherer Stelle in der Zollunion getroffen werden .  Die Schweiz darf den Schlussbericht in rund 2 Monaten erwarten.

Gruppenfoto Inspektion (Quelle: BVET)

Campylobacter : Fälle überall in Europa

Bei den Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragbar sind, vergisst man nicht selten, dass die zwei häufigsten Zoonosen Krankheiten sind, die durch Lebensmittel übertragen werden. Wir alle wissen um die Gefahr von Salmonellen, weniger bekannt sind Campylobacter. Auch wenn sie die Bakterien sind, die unser Fleisch am häufigsten kontaminieren – insbesondere Pouletfleisch. Noch in jedem Jahr haben unsere Kontrolleure in den Schlachthöfen  Campylobacter gefunden, mit einer saisonalen Spitze im Sommer.

Die Situation in Europa ist vergleichbar. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hat in ihrem neuesten Jahresbericht die Resultate einer Untersuchung publiziert, die zwischen Januar und Dezember 2008 in 26 EU-Staaten durchgeführt wurde. Die Schweiz nahm auch teil. Insgesamt wurden 10‘000 Mastpoulets in 561 Schlachthöfen untersucht. In den Schlachthöfen der EU-Staaten wurden bei 71,2 Prozent der Mastpoulets (vor der Schlachtung) Campylobacter gefunden und in 75,8 Prozent des Fleisches (nach der Schlachtung). In der Schweiz waren die Zahlen tiefer: 59 Prozent Campylobacter tragende Tiere und 71 Prozent kontaminiertes Fleisch nach der Schlachtung. Festgehalten werden muss aber, dass sich die Zahlen für die Schweiz nicht auf das ganze Jahr beziehen, die Wintermonate wurden nicht mit einbezogen. Das heisst, die tatsächliche Häufigkeit über das ganze Jahr dürfte niedriger sein.

Mit Blick auf diese wenig zufriedenstellenden Ergebnisse haben die Schweizer Gesundheitsbehörden zusammen mit der Branche die Initiative ergriffen, um das Problem in den Griff zu bekommen. Unsere Spezialisten arbeiten intensiv daran, Mittel und Wege zu finden, damit die Zahl der Kontaminationen reduziert werden kann. Es ist eine schwierige Aufgabe, vor allem in der Geflügelzucht, wo auch mit sehr ernsthaften Hygienemassnahmen die Zahl der Verunreinigungen nur schwer reduziert werden kann. Campylobacter sind Bakterien, die natürlicherweise in der Darmflora des Huhns vorkommen, ohne dass es krank ist. Eine andere Strategie, die wir selbstverständlich verfolgen, ist eine verbesserte Hygiene in den Schlachthöfen. Hier passieren viele Kontaminationen von einem Tierkörper auf den anderen. Wir arbeiten daran – und werden weiter gefordert sein.

Bleibt anzumerken, dass man sich relativ einfach vor Campylobacter schützen kann: Indem man bei der Zubereitung von Fleisch die elementarsten Hygienemassnahmen berücksichtigt. Denken Sie daran, rohes Fleisch darf nie in Kontakt mit genussfertigen Lebensmitteln kommen, die Hände sind gründlich zu waschen, ebenso Schneidebretter, Messer und die Arbeitsunterlage - und vor allem muss man das Fleisch vollständig durchgaren. Das Bundesamt für Gesundheit BAG hat eine Broschüre zum Thema, die sämtliche nützlichen Tipps enthält – damit Sie beim genussvollen Verzehr eines guten Stückes Fleisch vor unliebsamen Folgen bewahrt werden.

Vom gemeinsamen Veterinär- zum gemeinsamen Agrarraum

Am 1. Januar 2009 wird der gemeinsame Veterinärraum Schweiz-EU Realität. Grenztierärztliche Kontrollen an den Landesgrenzen fallen weg; der Handel mit Tieren und landwirtschaftlichen Erzeugnissen wird erleichtert. Tierseuchen, die sich nicht an Landesgrenzen halten, werden grossflächig bekämpft. Aus fernen Ländern importierte Produkte und Lebensmittel werden sicherer, weil die Schweiz zusammen mit der EU die Kontrolle vor Ort verstärken kann. Der gemeinsame Veterinärraum hilft der Schweizer Landwirtschaft und ist ein Plus für Konsumentinnen und Konsumenten.

Die Bemühungen für einen sicheren, gemeinsamen Veterinärraum haben wir seit den Verhandlungen zu den Bilateralen Abkommen in den 90er Jahren konsequent verfolgt und Schritt für Schritt umgesetzt. Seit 2002 haben wir gleichwertige Tierseuchenbestimmungen wie die EU und seit 2005 auch für die Produktion von Lebensmitteln tierischer Herkunft. 2006 wurden die veterinärmedizinischen Zeugnisse überflüssig. 2009 sind nun alle Voraussetzungen erfüllt, um sämtliche grenztierärztlichen Kontrollen gegenüber der EU abzuschaffen. Dies führt im Handel zu Einsparungen in Millionenhöhe.

In den 90er Jahren war das Ziel eines Freihandelsabkommens im Agrar- und Lebensmittelbereich noch nicht vor Augen. Ursprünglich für die gegenseitige Öffnung des Käsemarktes, stellen wir heute fest, dass der gemeinsame Veterinärraum auch eine Grundlage für dieses Abkommen ist. Die Verhandlungen dazu haben erst begonnen. Das nächste Ziel, die nächste Vision, ist jedoch bereits gesetzt: Schweizer Bäuerinnen und Bauern und die Lebensmittelverarbeiter sollen ihre qualitativ hochstehenden Produkte ungehindert in der gesamten EU verkaufen können, einem Markt mit 490 Millionen Konsumentinnen und Konsumenten. Das Gleiche wird selbstverständlich auch umgekehrt für Produkte aus der EU gelten. Ich bin mir sicher, dass wir gute Trümpfe in der Hand haben und die Chance nutzen werden dank bekannten Marken, guter Qualität und hoher Sicherheit. Gesunde, tiergerecht produzierte und ökologisch nachhaltige Produkte sind gefragt. Viele Konsumentinnen und Konsumenten werden deshalb auch bei Lebensmitteln Schweizer Qualität schätzen lernen.

Campylobacter: ein altes Problem macht Schlagzeilen

In den letzten Tagen wurden in Zeitungen Artikel mit Überschriften wie „Schweizer Hühner sind verseucht“, „Geflügelfleisch stark von Bakterien befallen“ oder „Die Bevölkerung isst sich krank“ veröffentlicht. Die Beiträge zeigen, dass viele Campylobacter als neue Bedrohung ansehen. Das ist falsch. Campylobacter hat weltweit, auch in der Schweiz, schon immer Menschen befallen und heftige Durchfälle ausgelöst. Da sein viel bekannteres Pendant, die Salmonellen, besonders in der Schweiz erfolgreich zurückgedrängt werden konnte, führt Campylobacter seit Jahren zu weitaus mehr Erkrankungen als Salmonellen.

Menschen stecken sich bei weitem nicht nur über den Kontakt oder Konsum von schlecht erhitztem Schweizer Poulet an. Weitaus mehr Menschen lesen Campylobacter auf Auslandreisen auf, andere durch Kontakt zu Haustieren. Campylobacter ist ein häufiger Darmbewohner in Tieren und macht gerade Hühner nicht krank. Um die Situation im Auge zu behalten, bestimmten wir jeweils im Frühjahr den Campylobacter-Befall in Mastpouletherden – mit Werten bis zu 45 Prozent. 2008 nun massen wir Campylobacter jeden Monat und fanden wie erwartet einen ausgeprägten Anstieg in den Sommermonaten. Der Spitzenwert im August lag bei 90 Prozent. Jeden Sommer steigen die Campylobacter-Werte an. Ob sie jeden Sommer derart stark zunehmen, werden erst die Untersuchungen der kommenden Jahre zeigen.

Konsumierende können sich im Prinzip relativ einfach schützen: Pouletfleisch gut durchbraten und nach dem Berühren von rohem Fleisch die Hände gründlich waschen. Und dennoch ist die Situation nicht zufriedenstellend. Wir möchten den Campylobacter-Befall in Mastpouletställen durch vorbeugende Hygienemassnahmen senken. Auch die hygienischen Massnahmen im Schlachthof gilt es zu prüfen. Fertige Konzepte gibt es dazu nicht. Auch nach der Arbeitssitzung vom 18. Dezember werden wir diese Konzepte nicht haben. Zu verhindern, dass Campylobacter in Mastpouletställe gelangt, ist nicht ganz einfach. Der Keim kann über unzählige Wege eingetragen werden. Man wird viele Lösungsansätze testen müssen und es braucht wohl einige Jahre, bis sich die Situation nachhaltig verbessert.

Weitere Informationen zu Campylobacter finden Sie hier.