Bundesamt für Veterinärwesen BVET

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Im Gespräch mit Bruno Mainini (BVET), Vorsitzender der Jahreskonferenz Internationalen Walfangkommission IWC 2012

Sie sind im Jahr 2012 ad interim Vorsitzender der Jahreskonferenz des IWC. Wie sieht Ihre Bilanz dieser alljährlichen Versammlung aus?

Die Bilanz ist aus Schweizer Sicht ist sicher positiv. Im Gegensatz zu den vergangenen vier Jahren wurden einige wichtige Entscheidungen getroffen. So werden z.B. zukünftig die Konferenzen nicht mehr jährlich, sondern nur noch alle zwei Jahre stattfinden. Dieser Wechsel soll nicht nur die Kosten senken und vor allem auch die Effizienz steigern. Weiter wurden die Quoten für die Indigenen Völker in Alaska, Sibirien, im kleinen Karibikstaat St. Vincent und auf den Grenadinen für die nächsten sechs Jahre festgelegt. Dass es nicht gelang, eine Quote für Grönland festzulegen, trübt die insgesamt positive Bilanz ein bisschen.

Wie erklären Sie sich, dass die Schweiz, ein Land ohne Meeranstoss, damit beauftragt wurde, in diesem Jahr die Diskussionen zu leiten?

Natürlich liegt die Vermutung nahe, die Schweiz sei angefragt worden, weil sie als Binnenland keine direkten Interessen im Zusammenhang mit dem Walfang habe. Die Schweiz zeigt aber seit Jahren durch ihre aktive, lösungsorientierte Teilnahme, dass sie auch bei diesem Thema eine Mitverantwortung trägt und diese auch wahrnehmen will. Sie geniesst dadurch eine grosse Glaubwürdigkeit. Zusätzlich ist es bis zu einem gewissen Punkt immer auch eine Personenwahl. Hier kam mir entgegen, dass ich schon seit einigen Jahren die Position der Schweiz vertreten darf und den meisten Teilnehmern bekannt bin, was bei Gesprächen natürlich von Vorteil ist.


Bruno Mainini (links) mit Simon Brockington, Sekretär IWC

Was konnten Sie als Vorsitzender bewirken?

Der Vorsitzende hat hauptsächlich dafür zu sorgen. dass die verschiedenen Themen sachlich diskutiert werden können. Weiter soll die Öffentlichkeit in der Gestalt von NGO’s, Beobachtern und Journalisten an der Diskussion teilnehmen können. Schliesslich geht es darum, die Geschäfte, notfalls auch mittels Abstimmungen zu einem Abschluss zu bringen. Nur wenn Entscheide vorliegen, ist auch klar, ob und in welcher Richtung weitergearbeitet werden muss.

Wie beurteilen Sie aus der Sicht des Vorsitzenden die Arbeit und vor allem die Bedeutung der verschiedenen Nichtregierungsorganisationen (NGO)?

Ich glaube, die Arbeit der NGO’s ist sehr wichtig. In vielen Ländern oder Regionen fehlen oft die Mittel, manchmal auch der Wille, die Natur besser zu schützen. Den NGO’s kommt dabei eine wichtig Rolle zu, da sie auf solche Versäumnisse aufmerksam machen können und sich nicht selten auch finanziell an der Lösung von Problemen beteiligen. Die NGO’s leisten diese wichtige Arbeit aber nicht an den Konferenzen. Die an einer Konferenz zu verhandelnden Themen werden schon im Vorfeld auf nationaler Ebene vorbesprochen . Während der Konferenz erfolgt nur noch die „Feinarbeit“. Diese findet oft in kleineren Arbeitsgruppen statt, ohne Beteiligung der NGO’s. Ihr Einfluss während der Konferenz ist daher oft sehr klein.
Die Teilnahme bietet den NGO’s aber die Möglichkeit, auf die im Verlaufe eines Jahres geleistete Arbeit aufmerksam zu machen und so möglicherweise zukünftige Beschlüsse zu beeinflussen. Spricht man von NGO’s, so setzt sich der Grossteil von ihnen für den Schutz der Wale und Delfine ein.  Es darf aber nicht vergessen werden, dass es auch Organisationen gibt, die sich für die Nutzung einsetzen. Wenn ich davon spreche, dass NGO’s eine wichtige Rolle spielen, gilt dies natürlich für alle. Denn auch die an der Nutzung interessierten Organisationen vertreten Interessen, die es zu respektieren gilt.

Jährlich sterben 100’00 bis 300'000 Walartige an Nebenwirkungen von Aktivitäten des Menschen : Beifang bei intensiver Fischerei, Umweltverschmutzung, Kollisionen mit Schiffen. Auf das Konto des umstrittenen wissenschaftlichen Walfangs und der Jagd durch indigene Völker gehen weniger als 2‘000 getötete Wale. Kümmert sich die IWC auch um die „wirklichen“ Probleme?

Gemäss dem Übereinkommen kann die Kommission nicht über den wissenschaftlichen Walfang bestimmen. Das gleiche gilt, wenn ein Land einen Vorbehalt gegen einen Beschluss eingebracht hat wie dies beim kommerziellen Walfang für Island und Norwegen der Fall ist. Von den in den letzten Jahren durchschnittlich 2‘000 erlegten Grosswalen hat die IWC faktisch nur über das Schicksal von rund 400 Walen/Jahr die tatsächliche Entscheidungsgewalt.
Die IWC hat aber in den letzten Jahren viele Forschungsarbeiten zu Themen wie Verschmutzung, Beifang, Schiffskollisionen usw. durch das Wissenschaftliche Komitee ausführen lassen. Diese Ergebnisse sind von zentraler Bedeutung für den besseren Schutz vieler Walarten, zu denen natürlich auch alle Delfine gehören An der Konferenz informieren einzelne Mitgliedsstaaten über national ergriffene Schutzmassnahmen, die dann von anderen Staaten übernommen werden können.
Trotz diesen Bemühungen bleibt das Hauptproblem der Beifang und somit eine Frage die primär in den Organisationen besprochen werden muss, welche sich mit Fischerei beschäftigen.

IWC ist zu Ende

Die 62. Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Marokko ist zu Ende. Eine positive Bilanz lässt sich nicht ziehen, auch wenn zum Schluss immerhin in einem Punkt – der Walfangquote für Grönländer – eine Einigung erzielt werden konnte.

Für die Fangsaison 2009/2010 werden rund 2100 getötete Wale durch die Mitglieder der IWC rapportiert. Nachdem ein Kompromiss gescheitert ist (siehe IWC - kein Kompromiss dieses Jahr), ist zu befürchtet, dass die Walfangzahlen auch in den kommenden Jahren ansteigen – ausserhalb der Kontrolle durch die IWC. Ob die deklarierte Abkühlungsphase bis zur Tagung in einem Jahr wesentliche Änderungen der Positionen ermöglicht, bleibt abzuwarten.

Dabei geht es in der IWC immer nur um einen sehr kleinen Teil der Wale, die durch menschliches Zutun ums Leben kommt. Über die Ausblendung der Kleinwale, von denen jährlich Zehntausende getötet werden, habe ich gestern berichtet. Viele weitere Faktoren, die für das Überleben der Wale zentral sind, liegen ausserhalb der Regelungskompetenz der IWC: Die Übernutzung der Ozeane, die Schadstoffanreicherung und der Klimawandel sind Faktoren, welche alle Anstrengungen zum Schutz der Wale vor einer übermässigen Ausbeutung durch die Jagd in Zukunft zunichte machen können. Entsprechend ist es – auch aus der Sicht der Schweiz – wichtig, dass die IWC mit anderen relevanten internationalen Organisationen zusammenarbeitet. Die Interventionen der Schweiz waren insbesondere auf diese Gefährdungen ausgerichtet.

Kleinwale – der blinde Fleck der IWC

Werden in der IWC Entscheide getroffen, geht die Öffentlichkeit meist davon aus, dass dies alle Wale betrifft. Dies stimmt jedoch nicht. Nur gerade 34 der rund 90 Walarten fallen nach Meinung der Mehrheit der Mitgliedsstaaten in die Zuständigkeit der Kommission. Beschlüsse betreffen daher auch nur die Bartenwale und 22 Zahnwalarten. Für Fragen des Schutzes und der Nutzung sogenannter Kleinwale, zu denen z. B. der Narwal, der Weisswal (Beluga), der Schweinswal, oder der Grosse Tümmler gehören, erklärt sich die IWC als nicht zuständig.

Die Folge: Faktisch hat die Kommission in den letzten Jahren gerade mal über wenige hundert Wale entschieden, während Jahr für Jahr Zehntausende von  Kleinwalen als Fleischlieferanten oder Köderfutter gezielt gejagt bzw. als Konkurrenten der Fischerei verfolgt werden. Eine noch grössere Anzahl wird als sogenannter Beifang Opfer der industriellen Fischerei.

Die Schweiz interpretiert das Walfangübereinkommen anders. Wir vertreten zusammen mit wenigen anderen Ländern die Meinung, dass das Übereinkommen für alle 90 Walarten gilt. Diese Position hat die Schweiz heute an der IWC-Tagung eingebracht. Eine Entscheidung dazu ist dieses Jahr jedoch nicht traktandiert.

IWC – kein Kompromiss dieses Jahr

An der IWC-Tagung in Marokko konnten sich die Staaten auf keinen Kompromiss einigen. Die Diskussionen werden nun nach dem Meeting, spätestens in einem Jahr beim nächsten Treffen, weitergeführt. Damit bleibt zwar das Moratorium in Kraft. Für die Wale sind das aber keine guten Neuigkeiten: Man muss damit rechnen, dass neben dem Moratorium der Walfang einiger Nationen weitergeht – ausserhalb internationaler Kontrolle. Die Schweiz engagiert sich für den Schutz der Wale, für einen nachhaltigen Walfang, was bedingt, dass jeglicher Walfang nur im Rahmen strikter Kontrolle durch die IWC stattfindet. Dazu braucht es aber international einen Kompromiss. Dieser hätte bedeutet, dass zumindest in den nächsten Jahren weniger Wale gejagt worden wären. Trotz an sich konstruktiver Diskussionen: Ob man den Walfang in den kommenden Jahren wieder unter internationale Kontrolle bringt, bleibt damit offen.

IWC – die Suche nach einem tragfähigen Kompromiss

Die Diskussionen an der IWC-Tagung sind intensiv. Im Moment ist alles offen. Schon klar ist, dass der ursprüngliche Kompromissvorschlag ohne Abänderungen keine Chance hat. Es wurde deshalb entschieden, bis Mittwoch Mittag die Plenartreffen auszusetzen. Bis dann wird in verschiedenen Arbeitsgruppen mit den Walfangnationen über tragfähige Kompromisse diskutiert. Ob ein solcher Kompromiss möglich sein wird, kann heute niemand abschätzen. Am Mittwoch wissen wir mehr.

Walfangkonferenz gestartet – erstmals liegt Kompromissvorschlag auf dem Tisch

Die 62. Konferenz der Walfangkommission beginnt heute und für viele wird hier in diesen Tagen nichts weniger als die Zukunft der Wale entschieden.

Wie in den Jahren zuvor steht das seit 1986 geltende, befristete Moratorium  im Zentrum der Diskussionen. Walfanggegner bekämpfen eine Aufhebung des Moratoriums vehement. Was auf den ersten Blick logisch erscheint, erweist sich beim näheren Hinsehen als fraglich. Tatsache ist, dass die jetzige Situation mit dem Moratorium die Wale nicht gut schützt. Trotz Moratorium hat sich die Zahl der durch IWC-Mitglieder erlegten Wale seit Inkrafttreten auf über 2000 vervielfacht! Schlimmer noch, die meisten davon durften ohne Zustimmung der IWC erlegt werden, da Länder wie Norwegen und Island einen Vorbehalt gegen das Moratorium einreichten (und damit das Moratorium für sie nicht bindend ist) und Japan „nur“ wissenschaftlichen Walfang betreibt. Wäre es da nicht sinnvoller, eine Regelung zu finden, die den Walfang wieder unter die Kontrolle der IWC bringt? Es sind diese Fragen, auf welche in den nächsten Tagen Antworten gesucht werden müssen.

Länder wie Japan, Norwegen, Korea oder Island wollen Wale zu kommerziellen Zwecken jagen. Dieses Anliegen unterstützen fast die Hälfte der nunmehr 88 Mitgliedstaaten. Auf der anderen Seite finden sich Länder wie Australien, England oder Neuseeland, welche eine Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs grundsätzlich ablehnen und die meisten anderen Länder hinter sich wissen.

Nachdem 1982 ein Moratorium für den kommerziellen Walfang beschlossen wurde und dieses seit 1986 in Kraft ist, wird um eine Wiederaufnahme des Walfangs, also der Aufhebung des Moratorium, gestritten. Diese Diskussionen endeten früher nicht selten in gegenseitigen Beschimpfungen und verhinderten während Jahren auch bei anderen Themen, dass bindende Beschlüsse gefasst werden konnten. Doch warum wird, wenn es um Wale geht, so hitzig diskutiert? Ginge es um Rentiere oder Seekühe, hätte man sicherlich schon eine gemeinsame Position gefunden. Wo liegt also der Unterschied? Für die einen sind Wale primär grosse Fleisch- und Öllieferanten, für andere dagegen schon beinahe den Menschen gleichgestellte Lebewesen. Wer wie ich je das Glück hatte, einem Wal aus zwei Metern Entfernung ins Auge schauen zu können, wird diesen Moment nie vergessen.

Will man den verschiedenen Interessen gerecht werden und insbesondere etwas für den Walschutz tun, sollten Entscheide aber auf  wissenschaftliche Fakten und nicht auf Emotionen abgestützt werden. In diesem Sinne hat sich die Schweiz immer wieder gegen den so genannten wissenschaftlichen Walfang ausgesprochen, gleichzeitig aber nicht ausgeschlossen, dass unter bestimmten, sehr restriktiven  Bedingungen kommerzieller Walfang wieder möglich sein soll.

Seit vielen Jahren liegt nun erstmals ein Vorschlag auf dem Tisch, der zentrale Themen wie kommerziellen Walfang, wissenschaftlichen Walfang oder auch die Schutzgebiete sowie die unterschiedlichen Positionen zu diesen Themen in einem Kompromissvorschlag vereinen will. Sollte es in den nächsten Tagen ein breiter Konsens gelingen, dann hätte diese Konferenz tatsächlich für lange Zeit Auswirkungen für die Wale - ob für den Schutz der Wale positiv oder negativ, wird vom Inhalt abhängen. Klar ist jetzt schon, dass es aus meiner Sicht nur eine akzeptable Lösung geben wird, wenn dadurch der Schutz der Wale verbessert werden kann.