Bundesamt für Veterinärwesen BVET

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IWC ist zu Ende

Die 62. Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Marokko ist zu Ende. Eine positive Bilanz lässt sich nicht ziehen, auch wenn zum Schluss immerhin in einem Punkt – der Walfangquote für Grönländer – eine Einigung erzielt werden konnte.

Für die Fangsaison 2009/2010 werden rund 2100 getötete Wale durch die Mitglieder der IWC rapportiert. Nachdem ein Kompromiss gescheitert ist (siehe IWC - kein Kompromiss dieses Jahr), ist zu befürchtet, dass die Walfangzahlen auch in den kommenden Jahren ansteigen – ausserhalb der Kontrolle durch die IWC. Ob die deklarierte Abkühlungsphase bis zur Tagung in einem Jahr wesentliche Änderungen der Positionen ermöglicht, bleibt abzuwarten.

Dabei geht es in der IWC immer nur um einen sehr kleinen Teil der Wale, die durch menschliches Zutun ums Leben kommt. Über die Ausblendung der Kleinwale, von denen jährlich Zehntausende getötet werden, habe ich gestern berichtet. Viele weitere Faktoren, die für das Überleben der Wale zentral sind, liegen ausserhalb der Regelungskompetenz der IWC: Die Übernutzung der Ozeane, die Schadstoffanreicherung und der Klimawandel sind Faktoren, welche alle Anstrengungen zum Schutz der Wale vor einer übermässigen Ausbeutung durch die Jagd in Zukunft zunichte machen können. Entsprechend ist es – auch aus der Sicht der Schweiz – wichtig, dass die IWC mit anderen relevanten internationalen Organisationen zusammenarbeitet. Die Interventionen der Schweiz waren insbesondere auf diese Gefährdungen ausgerichtet.

Kleinwale – der blinde Fleck der IWC

Werden in der IWC Entscheide getroffen, geht die Öffentlichkeit meist davon aus, dass dies alle Wale betrifft. Dies stimmt jedoch nicht. Nur gerade 34 der rund 90 Walarten fallen nach Meinung der Mehrheit der Mitgliedsstaaten in die Zuständigkeit der Kommission. Beschlüsse betreffen daher auch nur die Bartenwale und 22 Zahnwalarten. Für Fragen des Schutzes und der Nutzung sogenannter Kleinwale, zu denen z. B. der Narwal, der Weisswal (Beluga), der Schweinswal, oder der Grosse Tümmler gehören, erklärt sich die IWC als nicht zuständig.

Die Folge: Faktisch hat die Kommission in den letzten Jahren gerade mal über wenige hundert Wale entschieden, während Jahr für Jahr Zehntausende von  Kleinwalen als Fleischlieferanten oder Köderfutter gezielt gejagt bzw. als Konkurrenten der Fischerei verfolgt werden. Eine noch grössere Anzahl wird als sogenannter Beifang Opfer der industriellen Fischerei.

Die Schweiz interpretiert das Walfangübereinkommen anders. Wir vertreten zusammen mit wenigen anderen Ländern die Meinung, dass das Übereinkommen für alle 90 Walarten gilt. Diese Position hat die Schweiz heute an der IWC-Tagung eingebracht. Eine Entscheidung dazu ist dieses Jahr jedoch nicht traktandiert.

IWC – kein Kompromiss dieses Jahr

An der IWC-Tagung in Marokko konnten sich die Staaten auf keinen Kompromiss einigen. Die Diskussionen werden nun nach dem Meeting, spätestens in einem Jahr beim nächsten Treffen, weitergeführt. Damit bleibt zwar das Moratorium in Kraft. Für die Wale sind das aber keine guten Neuigkeiten: Man muss damit rechnen, dass neben dem Moratorium der Walfang einiger Nationen weitergeht – ausserhalb internationaler Kontrolle. Die Schweiz engagiert sich für den Schutz der Wale, für einen nachhaltigen Walfang, was bedingt, dass jeglicher Walfang nur im Rahmen strikter Kontrolle durch die IWC stattfindet. Dazu braucht es aber international einen Kompromiss. Dieser hätte bedeutet, dass zumindest in den nächsten Jahren weniger Wale gejagt worden wären. Trotz an sich konstruktiver Diskussionen: Ob man den Walfang in den kommenden Jahren wieder unter internationale Kontrolle bringt, bleibt damit offen.

IWC – die Suche nach einem tragfähigen Kompromiss

Die Diskussionen an der IWC-Tagung sind intensiv. Im Moment ist alles offen. Schon klar ist, dass der ursprüngliche Kompromissvorschlag ohne Abänderungen keine Chance hat. Es wurde deshalb entschieden, bis Mittwoch Mittag die Plenartreffen auszusetzen. Bis dann wird in verschiedenen Arbeitsgruppen mit den Walfangnationen über tragfähige Kompromisse diskutiert. Ob ein solcher Kompromiss möglich sein wird, kann heute niemand abschätzen. Am Mittwoch wissen wir mehr.

Walfangkonferenz gestartet – erstmals liegt Kompromissvorschlag auf dem Tisch

Die 62. Konferenz der Walfangkommission beginnt heute und für viele wird hier in diesen Tagen nichts weniger als die Zukunft der Wale entschieden.

Wie in den Jahren zuvor steht das seit 1986 geltende, befristete Moratorium  im Zentrum der Diskussionen. Walfanggegner bekämpfen eine Aufhebung des Moratoriums vehement. Was auf den ersten Blick logisch erscheint, erweist sich beim näheren Hinsehen als fraglich. Tatsache ist, dass die jetzige Situation mit dem Moratorium die Wale nicht gut schützt. Trotz Moratorium hat sich die Zahl der durch IWC-Mitglieder erlegten Wale seit Inkrafttreten auf über 2000 vervielfacht! Schlimmer noch, die meisten davon durften ohne Zustimmung der IWC erlegt werden, da Länder wie Norwegen und Island einen Vorbehalt gegen das Moratorium einreichten (und damit das Moratorium für sie nicht bindend ist) und Japan „nur“ wissenschaftlichen Walfang betreibt. Wäre es da nicht sinnvoller, eine Regelung zu finden, die den Walfang wieder unter die Kontrolle der IWC bringt? Es sind diese Fragen, auf welche in den nächsten Tagen Antworten gesucht werden müssen.

Länder wie Japan, Norwegen, Korea oder Island wollen Wale zu kommerziellen Zwecken jagen. Dieses Anliegen unterstützen fast die Hälfte der nunmehr 88 Mitgliedstaaten. Auf der anderen Seite finden sich Länder wie Australien, England oder Neuseeland, welche eine Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs grundsätzlich ablehnen und die meisten anderen Länder hinter sich wissen.

Nachdem 1982 ein Moratorium für den kommerziellen Walfang beschlossen wurde und dieses seit 1986 in Kraft ist, wird um eine Wiederaufnahme des Walfangs, also der Aufhebung des Moratorium, gestritten. Diese Diskussionen endeten früher nicht selten in gegenseitigen Beschimpfungen und verhinderten während Jahren auch bei anderen Themen, dass bindende Beschlüsse gefasst werden konnten. Doch warum wird, wenn es um Wale geht, so hitzig diskutiert? Ginge es um Rentiere oder Seekühe, hätte man sicherlich schon eine gemeinsame Position gefunden. Wo liegt also der Unterschied? Für die einen sind Wale primär grosse Fleisch- und Öllieferanten, für andere dagegen schon beinahe den Menschen gleichgestellte Lebewesen. Wer wie ich je das Glück hatte, einem Wal aus zwei Metern Entfernung ins Auge schauen zu können, wird diesen Moment nie vergessen.

Will man den verschiedenen Interessen gerecht werden und insbesondere etwas für den Walschutz tun, sollten Entscheide aber auf  wissenschaftliche Fakten und nicht auf Emotionen abgestützt werden. In diesem Sinne hat sich die Schweiz immer wieder gegen den so genannten wissenschaftlichen Walfang ausgesprochen, gleichzeitig aber nicht ausgeschlossen, dass unter bestimmten, sehr restriktiven  Bedingungen kommerzieller Walfang wieder möglich sein soll.

Seit vielen Jahren liegt nun erstmals ein Vorschlag auf dem Tisch, der zentrale Themen wie kommerziellen Walfang, wissenschaftlichen Walfang oder auch die Schutzgebiete sowie die unterschiedlichen Positionen zu diesen Themen in einem Kompromissvorschlag vereinen will. Sollte es in den nächsten Tagen ein breiter Konsens gelingen, dann hätte diese Konferenz tatsächlich für lange Zeit Auswirkungen für die Wale - ob für den Schutz der Wale positiv oder negativ, wird vom Inhalt abhängen. Klar ist jetzt schon, dass es aus meiner Sicht nur eine akzeptable Lösung geben wird, wenn dadurch der Schutz der Wale verbessert werden kann.