21. Juni 2010
Die 62. Konferenz der Walfangkommission beginnt heute und für viele wird hier in diesen Tagen nichts weniger als die Zukunft der Wale entschieden.
Wie in den Jahren zuvor steht das seit 1986 geltende, befristete Moratorium im Zentrum der Diskussionen. Walfanggegner bekämpfen eine Aufhebung des Moratoriums vehement. Was auf den ersten Blick logisch erscheint, erweist sich beim näheren Hinsehen als fraglich. Tatsache ist, dass die jetzige Situation mit dem Moratorium die Wale nicht gut schützt. Trotz Moratorium hat sich die Zahl der durch IWC-Mitglieder erlegten Wale seit Inkrafttreten auf über 2000 vervielfacht! Schlimmer noch, die meisten davon durften ohne Zustimmung der IWC erlegt werden, da Länder wie Norwegen und Island einen Vorbehalt gegen das Moratorium einreichten (und damit das Moratorium für sie nicht bindend ist) und Japan „nur“ wissenschaftlichen Walfang betreibt. Wäre es da nicht sinnvoller, eine Regelung zu finden, die den Walfang wieder unter die Kontrolle der IWC bringt? Es sind diese Fragen, auf welche in den nächsten Tagen Antworten gesucht werden müssen.
Länder wie Japan, Norwegen, Korea oder Island wollen Wale zu kommerziellen Zwecken jagen. Dieses Anliegen unterstützen fast die Hälfte der nunmehr 88 Mitgliedstaaten. Auf der anderen Seite finden sich Länder wie Australien, England oder Neuseeland, welche eine Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs grundsätzlich ablehnen und die meisten anderen Länder hinter sich wissen.
Nachdem 1982 ein Moratorium für den kommerziellen Walfang beschlossen wurde und dieses seit 1986 in Kraft ist, wird um eine Wiederaufnahme des Walfangs, also der Aufhebung des Moratorium, gestritten. Diese Diskussionen endeten früher nicht selten in gegenseitigen Beschimpfungen und verhinderten während Jahren auch bei anderen Themen, dass bindende Beschlüsse gefasst werden konnten. Doch warum wird, wenn es um Wale geht, so hitzig diskutiert? Ginge es um Rentiere oder Seekühe, hätte man sicherlich schon eine gemeinsame Position gefunden. Wo liegt also der Unterschied? Für die einen sind Wale primär grosse Fleisch- und Öllieferanten, für andere dagegen schon beinahe den Menschen gleichgestellte Lebewesen. Wer wie ich je das Glück hatte, einem Wal aus zwei Metern Entfernung ins Auge schauen zu können, wird diesen Moment nie vergessen.
Will man den verschiedenen Interessen gerecht werden und insbesondere etwas für den Walschutz tun, sollten Entscheide aber auf wissenschaftliche Fakten und nicht auf Emotionen abgestützt werden. In diesem Sinne hat sich die Schweiz immer wieder gegen den so genannten wissenschaftlichen Walfang ausgesprochen, gleichzeitig aber nicht ausgeschlossen, dass unter bestimmten, sehr restriktiven Bedingungen kommerzieller Walfang wieder möglich sein soll.
Seit vielen Jahren liegt nun erstmals ein Vorschlag auf dem Tisch, der zentrale Themen wie kommerziellen Walfang, wissenschaftlichen Walfang oder auch die Schutzgebiete sowie die unterschiedlichen Positionen zu diesen Themen in einem Kompromissvorschlag vereinen will. Sollte es in den nächsten Tagen ein breiter Konsens gelingen, dann hätte diese Konferenz tatsächlich für lange Zeit Auswirkungen für die Wale - ob für den Schutz der Wale positiv oder negativ, wird vom Inhalt abhängen. Klar ist jetzt schon, dass es aus meiner Sicht nur eine akzeptable Lösung geben wird, wenn dadurch der Schutz der Wale verbessert werden kann.