Im Nachgang einer Studie der Universität Genf zum Verhältnis von Tier und Mensch, organisiert das Bundesamt für Veterinärwesen eine Veranstaltungsreihe im Politforum Käfigturm in Bern. Einige in den Diskussionen geäusserte Gedanken sind hier aufgeführt.

Ausschnitte aus der Diskussion am 2. Juni unter dem Titel “Von Hengsten und Hechten in der Politik”

 
Von links nach rechts: David Gerber, Hans Grunder, Hansueli Huber, Tiana Moser

Hansueli Huber, Chef des Schweizer Tierschutzes STS, freut sich: „Der Tierschutz wird in Bern endlich wahrgenommen. Unsere Politiker sind viel stärker für die Sache des Tieres sensibilisiert als noch vor 20 Jahren, was ein gutes Zeichen für unsere Gesellschaft ist.“ Die grünliberale Nationalrätin Tiana Moser widerspricht da keinesfalls: „Ich engagiere mit für Tiere aus Respekt vor dem Leben und für unsere Umwelt, in der wir leben.“ Hans Grunder, Nationalrat und Präsident der Bürgerlich-demokratischen Partei, unterstreicht: „Für die Schweizer Bevölkerung sind Tiere wichtig. Als Vertreter der Menschen müssen wir ihre Anliegen einbringen und diskutieren.“ Für den Soziologen David Gerber von der Universität Genf war dieses Engagement für Tiere in der durchgeführten Studie klar nachweisbar: Man spricht in unserer Gesellschaft viel über Tiere, heute noch mehr als früher.

Obwohl das Tierwohl für alle wichtig ist, gehen die Meinungen der Politiker doch auseinander. So ist es etwa für Grunder „nicht nötig, noch mehr gesetzlich vorzuschreiben. Anstatt die Dimension eines Stalles auf den Zentimeter genau zu definieren, informiert man die Leute besser, was ein Tier ist. Wenn ich meine Pferde im Regen nach draussen lasse, schreien die Leute Skandal, weil sie fälschlicherweise das Gefühl haben, die Tiere leiden. Es braucht nicht mehr Regeln, sondern mehr Information!“ Für Moser schliesst das eine das andere nicht aus: „Man muss auch klare Regeln haben, um den Leuten zu zeigen, dass einige Dinge einfach nicht akzeptabel sind – und das gilt nicht nur für Nutztiere, sondern auch für Heimtiere.“ Grunder stellt das in Frage: „Weshalb legen wir Vorschriften für Heimtiere fest, wenn wir sie nicht kontrollieren können? Die Bildung der Bevölkerung ist realistischer und effizienter.“ Es zeigt sich klar: Die Frage ist nicht, ob sich Politiker für Tiere engagieren, sondern nur mit welchen Mitteln und wie weit sie gehen.

Das stimmt auch für Wildtiere. Grunder, damals noch Kantonsrat in Bern, unterstützte die Vergiftung von Krähen, weil sie die Saat schädigten. Für Moser „muss es andere Lösungen geben als einfach alles auszuradieren, was einem stört“. Gerber meint dazu: „Das Verhältnis der Gesellschaft zum Tier ist ambivalent und der Platz des Tieres ist nicht geklärt.“

Tiere sind attraktive Themen. Eine Frage bleibt : Können es sich Politiker in der heutigen Gesellschaft erlauben, nicht für Tiere einzustehen ?

Auch wenn sich Huber über die neue Sensibilität unserer Politiker freut, glaubt er doch, dass sie in einer Sache zu weit gehen: bei den gefährlichen Hunden. Genau dies ist das Thema unserer nächsten Podiumsdiskussion am 16. Juni, um 18.30 Uhr, im Käfigturm. Wir diskutieren, weshalb die Hunde die Gesellschaft entzweien.