In den USA und anderen Ländern der Welt sind bereits Nutztiere geklont worden. In der Schweiz dagegen gibt es keine geklonten Nutztiere. Vor einigen Jahren wurde jedoch Samen eines Nachkommen einer Klonkuh in die Schweiz importiert. Was bedeutet das Klonen für Konsumierende? Und was für die Tiere? Diese Fragen werden im Moment in den Medien wieder diskutiert. Eine Forscherin des Veterinary Public Health Instituts der Vetsuisse-Fakultät Bern hat soeben im Auftrag des Bundesamtes für Veterinärwesen die Faktenlage zusammengestellt.

1996 kam in Grossbritannien mit dem Schaf Dolly das erste geklonte Säugetier zur Welt. Beim Klonen werden Nachkommen mit identischem Erbgut erzeugt. Die Methode hat nichts mit gentechnischen Veränderungen zu tun. Seit 1996 wurde das Klonen als Verfahren weiterentwickelt. Es ist aber aufwändig und teuer geblieben und hat sich bisher weder in der Nutztierzucht noch in der Lebensmittelproduktion in grossem Stil durchgesetzt.

Das Bundesamtes für Veterinärwesen (BVET) hat beim Veterinary Public Health Institut (VPHI), Bern, eine Literaturrecherche in Auftrag gegeben (Sonia Menéndez González & Martin Reist: Cloning of farm animals: impact on animal health and welfare and implications in trade (2010,  zur Publikation eingereicht)). Im Fokus stehen dabei die Auswirkungen des Klonens auf die Gesundheit und das Wohl (Tierschutz) der betroffenen Tiere, die Akzeptanz bei Konsumentinnen und Konsumenten sowie die Auswirkungen auf den internationalen Handel. 

Die Frage der Lebensmittelsicherheit wurde dagegen bereits umfassend geklärt. Sowohl die European Food Safety Agency (EFSA) und die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) kommen kurz zusammengefasst zum Schluss, dass Lebensmittel von geklonten Tieren unbedenklich sind. Milch und Fleisch geklonter Tiere lässt sich schlicht nicht von demjenigen normal gezüchteter Tiere unterscheiden.

Konsumentinnen und Konsumenten sind dennoch skeptisch. In einer Umfrage in der EU im 2008 waren 58% gegen geklonte Tiere in der Lebensmittelproduktion. Auch in den USA wollen 64% der Bevölkerung keine Produkte von geklonten Tieren kaufen. 

Klonen belastet Tiere
Klonen kann vieles bedeuten. Auch eineiige Zwillinge sind ja Klone voneinander. Überlicherweise versteht man unter „Klonen“ den so genannten „somatic cell nuclear transfer, SCNT“. Dabei wird das Erbgut einer Körperzelle in eine präparierte Eizelle gespritzt.

Bei der normalen sexuellen Vermehrung steuern Spermien und Ei je das halbe Erbgut bei, was beim Nachkommen zu einer neuen Mischung führt. Genau das soll beim Klonen vermieden werden. Jeder Körperzelle enthält in ihrem Zellkern das ganze Erbgut eines Lebewesens. Die Kunst des Klonens besteht nun darin, einen solchen Zellkern aus der Körperzelle zu entnehmen und ihn in eine Eizelle zu verpflanzen, bei der zuvor ihr eigener Kern entfernt worden ist.

Aus dieser neuen, zusammengesetzten Zelle entwickelt sich in günstigen Fällen ein Embryo. Wird dieser Embryo einer "Leihmutter" eingepflanzt, kann er zu einem vollständigen Tier heranwachsen, das auf natürlichem Weg geboren wird. Es enthält genau dasselbe Erbgut wie die ehemalige Körperzelle.

Das Austauschen der Kerne, das „Anzüchten“ der Embryonen, ihre Verpflanzung in die Leihmutter und die anschliessende Trächtigkeit sind jedoch empfindliche Prozesse, die oft misslingen. Beim Klonen können anfänglich ähnlich viele Trächtigkeiten erzielt werden wie bei anderen künstlichen Vermehrungstechniken – in  55–70% der Fälle bei Rindern. Im späteren Verlauf der Trächtigkeit kommt es nach dem Klonen jedoch zu massiven Verlusten. Nur in etwa 9% der erfolgreich gestarteten Trächtigkeiten wird ein lebendes Kalb geboren. Viele Kälber sind zudem grösser als üblich, so dass oft Kaiserschnitte erforderlich sind. Das ist für die Leihmutter eine zusätzliche Belastung.

Und von den lebend geborenen Jungtieren sterben viele innert 24 Stunden. Geklonte Tiere, die die Trächtigkeit und die kritische Anfangsphase überleben, scheinen jedoch nicht krankheitsanfälliger zu sein als sexuell gezeugte Tiere. Ob geklonte Tiere weniger lang leben als andere und im Alter häufiger erkranken, lässt sich heute noch nicht schlüssig belegen.

Geklonte Tiere und ihre Leihmütter sind also besonders während der Trächtigkeit und rund um die Geburt zusätzlichen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt, was auch das Tierwohl beeinträchtigt.

Nachkommen – auch in der Schweiz
Die Nachkommen geklonter Tiere, welche wieder normal sexuell gezeugt worden sind, zeigen in ihrer Gesundheit dagegen keine Unterschiede zu Nachkommen ungeklonter Eltern. So wurde wissenschaftlich gezeigt, dass sich bei Nachkommen von geklonten Tieren Schwergeburten und Sterblichkeit der Kälber nicht von konventionell gezüchteten Tieren unterscheidet. Es wird also keine Klonspezifische Belastung weitervererbt.

Solche Nachkommen von geklonten Nutztieren stehen auch in der Schweiz. Bekannt ist, dass 2005 knapp 300 Tiere mit Samen eines Stieres besamt worden sind, dessen Mutter geklont war. Deshalb dürften in der Schweiz auch bereits einige Hundert Rinder leben, unter deren Vorfahren in zweiter oder dritter Generation („Grosseltern“ und „Urgrosseltern“) geklonte Tiere gewesen sind. In anderen europäischen Ländern soll die Situation vergleichbar sein.

Und wie sieht die Zukunft aus? Aus heutiger Sicht ist das Klonen für die Nutztierzucht nicht interessant. Die Methode ist sehr aufwändig und teuer. Zudem möchten Züchter die Eigenschaften Ihrer Tiere verbessern und nicht alte Züchtungen kopieren. Das Klonen dürfte deshalb auch in den kommenden Jahren marginal bleiben.