Bundesamt für Veterinärwesen BVET

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Tierversuche – ein Blick über die Grenze

Gemäss der neuesten Tierversuchsstatistik der Schweiz  wurden im letzten Jahr 706‘104 Tiere in Tierversuchen verwendet. Damit ist die Zahl der Versuche gegenüber dem Vorjahr um 3.5 % gesunken. Wie aber sieht die entsprechende Statistik in der EU aus?

2008 wurden in den 27 Mitgliedstaaten der EU insgesamt 12 Millionen Tiere für Versuchs- und andere wissenschaftliche Zwecke eingesetzt. Diese Zahl ist dem 6. Bericht der Europäischen Kommission zur Statistik der Tierversuche zu entnehmen, der Ende September veröffentlicht worden ist. Ein direkter Vergleich mit früheren Berichten ist nur bedingt möglich, da die Zahlen von zwei neuen Mitgliedstaaten (Bulgarien und Rumänien) dazu gekommen sind. Zudem sind die Zahlen nicht nach Mitgliedstaaten aufgeschlüsselt (dies im Gegensatz zum letzten Bericht). Feststellen lässt sich, dass die Gesamtzahl der Tiere leicht abgenommen hat (um 1 % ).  

Am weitaus häufigsten wurden Nager und Kaninchen eingesetzt, sie machen über 80% der Versuchstiere aus. Mäuse waren mit 59% aller Versuchstiere die mit Abstand am häufigsten verwendete Spezies. In diesem Punkt ist die EU-Statistik mit derjenigen der Schweiz vergleichbar. Reptilien, Amphibien und Fische machten mit 10% die zweitgrösste Gruppe aus, die drittgrößte Gruppe betraf Vögel (6 %).Versuche mit Menschenaffen wurden keine durchgeführt,  der Anteil der nicht menschlichen Primaten beträgt 0,08 %. Die Versuchstiere stammen zum grössten Teil aus EU-Ländern.

Ein signifikanter Anstieg der Zahlen ist bei Mäusen, Kaninchen, Schweinen und der Kategorie „sonstige Vögel“ festzustellen. Bei den Mäusen beträgt die Zunahme knapp 10%, erklärt werden kann sie mit den neuen Forschungsmöglichkeiten, die durch gentechnisch veränderte Tiere entstanden sind. 

Neben der Anzahl und Art der verwendeten Tiere liefert die Statistik auch Zahlen zum Zweck der Versuche. So wurden über 60 % der Versuchstiere für Forschungs- und Entwicklungszwecke in den Bereichen  Human-, Veterinär- und Zahnmedizin sowie zur biologischen Grundlagenforschung eingesetzt. Knapp 15 % wurden für die Herstellung und Qualitätskontrolle von medizinischen Produkten und Geräten verwendet, 8.7 % für toxikologische und sonstige Unbedenklichkeitsprüfungen. An knapp 23‘000 Tiere wurden Tierversuche für Kosmetika durchgeführt, was einer markanten Abnahme entspricht und mit der verschärften EU-Gesetzgebung zusammen hängt. In der Schweiz gibt es keine Tierversuche für Kosmetika.

Keine Angaben macht der Bericht der Europäischen Kommission über den Schweregrad der Versuche. Das heisst die EU-Statistik sagt nichts darüber aus, ob die Tiere einem leicht, mittel oder stark belastenden Versuch ausgesetzt waren. Dies im Unterschied zur Tierversuchsstatistik der Schweiz.

Jeder ist verantwortlich – Internationale Konferenz über Aufklärung und Tierschutz

Wissen, Bildung und Information spielen eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, die Menschen für die Bedeutung des Tierschutzes zu sensibilisieren. Aus diesem Grund fand am Wochenende in Brüssel die erste Internationale Konferenz über Aufklärung und Tierschutz statt (Animal Welfare Education Conference).  Sie wurde organisiert von der Europäischen Kommission und der belgischen EU-Ratspräsidentschaft.

Die Konferenz ist ein erfreuliches Indiz: Tierschutz wird nicht nur in der Schweiz und in Europa zunehmend gross geschrieben, sondern weltweit. Von Santiago de Chile über Bern bis Wellington ist das Bewusstsein vorhanden, wie wichtig es ist, die Öffentlichkeit und insbesondere die Kinder über den artgerechten Umgang mit Tieren aufzuklären.

Tieren wird selten aus bösem Willen Leid zugefügt, es geschieht viel eher, weil der Mensch schlicht nicht genug über die Bedürfnisse und das artgerechte Verhalten der Tiere weiss. Aber nicht nur Tierhaltende tragen Verantwortung.  Der EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherpolitik, John Dalli, formuliert es so: „Als Bürger und Verbraucher können wir einen großen Beitrag zum Tierschutz leisten. Gut informierte Bürger können verantwortungsbewusste Entscheidungen treffen und Einfluss auf die Tierhaltung nehmen.“

Unter dem Motto „Everyone is responsible“ („Jeder ist verantwortlich“) diskutierten 400 Expert/innen aus aller Welt konkrete Programme und Strategien rund um den Tierschutz. Als Beispiel sei die Präsentation von Fachleuten aus Lateinamerika genannt. Tierschutz hat in den letzten Jahren in Chile, Brasilien, Uruguay und anderen Ländern klar an Bedeutung gewonnen. Konkret gibt es neue Aus- und Weiterbildungen für Personen, die mit Nutztieren arbeiten. Auf Universitätsebene wurden neue Unterrichtsfächer geschaffen. Ein weiterer Schwerpunkt gilt den Schulen: Kinder und Jugendliche sollen neben Wissenswertem über die einzelnen Tierarten auch lernen, dass Tiere Lebewesen sind, die mit Respekt behandelt werden wollen. Und je nach Alter werden ihnen auch ethische Überlegungen vermittelt.

Die Frage, wie man Kindern Tierschutz näher bringen kann – damit befassten sich etliche Beiträge der Konferenz.  Je mehr Kinder über den richtigen Umgang mit Tieren und über die Tiere selbst wissen, umso besser.  Denn sie sind die Tierhaltenden und Konsumenten von heute und morgen. 

Die Schweiz setzt schon länger auf gezielte Information und Sensibilisierung. Die obligatorischen Kurse für Hundehalter/innen sind in diesem Zusammenhang zu sehen, aber auch das Tierschutzportal „Tiere richtig halten“, die Webseite für Kinder www.neutierig.ch  und nicht zuletzt die zahlreichen Aus- und Weiterbildungen, die viel zu einer tiergerechten Haltung beitragen.

Die Ergebnisse der Konferenz sollen in die Arbeiten der Europäischen Kommission für eine neue europäische Tierschutzstrategie einfliessen. Zudem soll ein internationales Netzwerk aufgebaut werden zwischen Fachleuten und Institutionen, die sich mit Bildung im Tierschutzbereich befassen.

Charly Agustoni: „Heute sind Hundetrainer qualifizierter“

Charly Agustoni ist mit Leidenschaft bei der Sache, das merkt man schnell. Der Leiter des Hundeclubs « Cyno La Meute » in Assens gibt nicht nur Kurse für Hundehaltende, sondern auch für Kursleiter und -leiterinnen. Begegnung mit einem ausgewiesenem Fachmann und Hundeliebhaber.

Charly Agustoni, wie reagieren die Leute auf die obligatorischen Kurse ?
Die grosse Mehrheit der Leute reagiert positiv. Sie sind motiviert, sie sind verantwortungsbewusst, sie wollen es gut machen. Die Kurse verlaufen gut. Es hat immer eine kleine Minderheit, die nörgelt, weil man sie zwingt, den Kurs zu absolvieren. Es sind zum Teil Leute, die schon viel Erfahrung haben mit Hunden. Züchter zum Beispiel. Sie sehen die den Nutzen eines praktischen Kurses nicht ein.

Auch wenn die Kurse gut verlaufen, es gibt sicher auch Negatives ?
Probleme gibt es etwa bei den praktischen Kursen. Zuerst einmal hat der Gesetzgeber nicht präzisiert, wie alt der Hund zum Zeitpunkt des Kurses sein sollte. Ein Halter, der mit seinem Welpen einen vierstündigen Kurs macht, hat im Prinzip die gesetzlichen Mindestanforderungen bereits erfüllt. Ein Hund findet aber während des Heranwachsens zu seinem Charakter, es können Probleme auftauchen – Probleme, die man in einem Kurs angehen könnte. Mein Vorschlag wäre: Die Hunde sollten einen halbtägigen Kurs machen gegen das Ende der Jugendzeit. Das wäre gezielter.

Ein anderes Problem ist die Dauer des Kurses. Das BVET hat einen Katalog von Kurszielen definiert. In nur vier Stunden sind all diese Ziele kaum zu erreichen. Ich plädiere deshalb für etwas längere Kurse. 

Was kann man in einem praktischen Kurs von vier Stunden erreichen ?
In einem so kurzen Kurs kann man höchstens sensibilisieren und auf mögliche Probleme hinweisen. Wir machen das, indem wir den Akzent auf die Sozialisation des Hundes setzen und zwei Spaziergänge machen, einen in der Stadt und einen auf dem Land. Diese Spaziergänge geben uns Gelegenheit, den Hund und seinen Besitzer, seine Besitzerin genau zu beobachten. Meistens sehen wir schon sehr viel in Bezug auf den Gehorsam des Hundes, sein Verhalten Menschen gegenüber, wie er auf Lärm reagiert, auf die Hektik in der Stadt und auf andere Tiere. Während der Spaziergänge können wir allfällige Probleme mit dem Besitzer diskutieren und sie sensibilisieren. Wir achten auch genau auf die Abrufbarkeit der Hunde und ob sie an der Leine ziehen. Wir üben zudem praktische Dinge wie das Stoppen des Hundes aus der Distanz.

Sind die Leute nach vier Stunden in der Regel zufrieden ?
Die meisten verlängern den Kurs, weil sie selber einsehen, dass vier Stunden nicht genügen. Bei mir entscheiden sich fast alle für einen Kurs von acht Stunden. Die Hundehalter und -halterinnen wollen es gut machen und sie schätzen auch das gemeinsame Lernen mit dem Hund.

Können alle von den vier Stunden profitieren ?
Ich glaube ja. Mit Ausnahme derjenigen, die viel Erfahrung haben. Züchter zum Beispiel, erfahrene Hundehalter oder Leute, die mit Schutz- oder Rettungshunden arbeiten. Ihnen kann ich nicht viel beibringen! Ich offeriere ihnen deshalb, während vier Monaten eine Stunde pro Monat zu kommen. Das bringt ihnen mehr, weil man die Entwicklung des Hundes sieht. Das ist ihrer Erfahrung angemessener und erlaubt uns, mögliche Probleme zu diskutieren. Wenn man Kurse leitet, muss man auf die unterschiedlichen Bedürfnisse eines jeden einzelnen eingehen können!

Wie ist es mit den theoretischen Kursen ?
Ich habe interessante Erfahrungen gemacht während der theoretischen Kurse. Es hat mich überrascht, wie viele Leute motiviert und interessiert gekommen sind. Die Kurse sind interaktiv aufgebaut, die Hundehalter stellen viele Fragen, vor allem was ihre Verantwortung als Halter angeht. Auch die Wahl der Rasse ist ein Diskussionspunkt. Viele Hundebesitzer und –besitzerinnen sind festgefahren, sie wollen eine bestimmte Rasse und unterschätzen häufig die Bedürfnisse dieses Hundetyps. Mit einem theoretischen Kurs vor dem Kauf des Hundes kann man solche Fragen klären und ihnen helfen, die richtige Wahl zu treffen. Das hilft.

Man hört häufig, dass ältere Menschen Mühe haben mit einem obligatorischen Kurs. Welche Erfahrungen haben sie gemacht? 
Ich habe gerade eine Gruppe von Leuten jeweils am Donnerstag, die alle älter sind als 70. Einige sind sogar schon über 80 … und ich kann Ihnen sagen: Das geht tiptop! Man muss manchmal das Tempo des Kurses ein bisschen anpassen. Aber diese Menschen haben die Erfahrung eines ganzen Lebens und sie haben ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl. Sie haben Zeit und sind motiviert.

Im Rahmen der MEC Kurse bilden sie Hundeausbildner/innen aus. Hat sich die Qualität verbessert seit der Einführung des Kursobligatoriums?
Mit dem Obligatorium müssen die Ausbildner neu über 3 Jahre praktische Erfahrung verfügen. Früher kamen manchmal Leute in unsere Kurse, die überhaupt keine Erfahrung hatten (und die dann häufig bei der Prüfung durchgefallen sind…). Jetzt haben wir erfahrene Leute; dieses Jahr zum Beispiel hatten wir eine tolle Gruppe, sehr homogen. Das ist auch für uns interessant.

Mit den obligatorischen Kursen hat sich den Hundetrainern ein Markt eröffnet. Glauben sie, dass es Missbräuche geben wird?
Die grosse Mehrheit der Hundetrainer und –trainerinnen, die wir ausbilden, schätze ich als seriös ein. Aber es ist wie überall, es kann schwarze Schafe geben: Leute, die profitieren, deren Kurse schlecht sind oder die Sachkundenachweise aus Gefälligkeit geben. Das ist bedauerlich, aber es ist meiner Einschätzung nach wirklich eine Minderheit.

Sie würden die Kurse also unter dem Strich positiv beurteilen ?
Ja, ohne zu zögern. Im Theoriekurs kann man Probleme ansprechen, die die Leute vor dem Kauf eines Hundes beschäftigen: die Wahl des passenden Hundes und die Verantwortung, die man als Hundebesitzer hat. Und im praktischen Teil kann man sie sensibilisieren für mögliche Probleme im Alltag. Ich glaube wirklich, wir sind auf dem richtigen Weg.

Hier finden Sie Hundetrainerinnen und Hundetrainer in Ihrer Region.

Folgende Organisationen können zur Zeit Hundetrainerinnen und Hundetrainer für die obligatorischen Kurse ausbilden: Certodog, la fédération romande de cynologie, Leamy AG Ausbildungszentrum, NF Ausbildungszentrum, Pro cane familiari, Schweizerische Kynologische Gesellschaft (SKG), Schweizerischer Schäferhunde-Klub, l’Union canine suisse, Wakonda GmbH, die Akademie für Naturtierheilkunde, Institut für angewandte Ethologie und Tierpsychologie (I.E.T.), Triple-S Ausbildungszentrum für Mensch und Hund, le SK-9 GmbH, Eidgenössische Zollverwaltung,  Kynologie Schweiz, HUNDE plus Gmbh.

Klonen von Tieren – Auswirkungen auf Tiergesundheit und Tierwohl

In den USA und anderen Ländern der Welt sind bereits Nutztiere geklont worden. In der Schweiz dagegen gibt es keine geklonten Nutztiere. Vor einigen Jahren wurde jedoch Samen eines Nachkommen einer Klonkuh in die Schweiz importiert. Was bedeutet das Klonen für Konsumierende? Und was für die Tiere? Diese Fragen werden im Moment in den Medien wieder diskutiert. Eine Forscherin des Veterinary Public Health Instituts der Vetsuisse-Fakultät Bern hat soeben im Auftrag des Bundesamtes für Veterinärwesen die Faktenlage zusammengestellt.

1996 kam in Grossbritannien mit dem Schaf Dolly das erste geklonte Säugetier zur Welt. Beim Klonen werden Nachkommen mit identischem Erbgut erzeugt. Die Methode hat nichts mit gentechnischen Veränderungen zu tun. Seit 1996 wurde das Klonen als Verfahren weiterentwickelt. Es ist aber aufwändig und teuer geblieben und hat sich bisher weder in der Nutztierzucht noch in der Lebensmittelproduktion in grossem Stil durchgesetzt.

Das Bundesamtes für Veterinärwesen (BVET) hat beim Veterinary Public Health Institut (VPHI), Bern, eine Literaturrecherche in Auftrag gegeben (Sonia Menéndez González & Martin Reist: Cloning of farm animals: impact on animal health and welfare and implications in trade (2010,  zur Publikation eingereicht)). Im Fokus stehen dabei die Auswirkungen des Klonens auf die Gesundheit und das Wohl (Tierschutz) der betroffenen Tiere, die Akzeptanz bei Konsumentinnen und Konsumenten sowie die Auswirkungen auf den internationalen Handel. 

Die Frage der Lebensmittelsicherheit wurde dagegen bereits umfassend geklärt. Sowohl die European Food Safety Agency (EFSA) und die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) kommen kurz zusammengefasst zum Schluss, dass Lebensmittel von geklonten Tieren unbedenklich sind. Milch und Fleisch geklonter Tiere lässt sich schlicht nicht von demjenigen normal gezüchteter Tiere unterscheiden.

Konsumentinnen und Konsumenten sind dennoch skeptisch. In einer Umfrage in der EU im 2008 waren 58% gegen geklonte Tiere in der Lebensmittelproduktion. Auch in den USA wollen 64% der Bevölkerung keine Produkte von geklonten Tieren kaufen. 

Klonen belastet Tiere
Klonen kann vieles bedeuten. Auch eineiige Zwillinge sind ja Klone voneinander. Überlicherweise versteht man unter „Klonen“ den so genannten „somatic cell nuclear transfer, SCNT“. Dabei wird das Erbgut einer Körperzelle in eine präparierte Eizelle gespritzt.

Bei der normalen sexuellen Vermehrung steuern Spermien und Ei je das halbe Erbgut bei, was beim Nachkommen zu einer neuen Mischung führt. Genau das soll beim Klonen vermieden werden. Jeder Körperzelle enthält in ihrem Zellkern das ganze Erbgut eines Lebewesens. Die Kunst des Klonens besteht nun darin, einen solchen Zellkern aus der Körperzelle zu entnehmen und ihn in eine Eizelle zu verpflanzen, bei der zuvor ihr eigener Kern entfernt worden ist.

Aus dieser neuen, zusammengesetzten Zelle entwickelt sich in günstigen Fällen ein Embryo. Wird dieser Embryo einer "Leihmutter" eingepflanzt, kann er zu einem vollständigen Tier heranwachsen, das auf natürlichem Weg geboren wird. Es enthält genau dasselbe Erbgut wie die ehemalige Körperzelle.

Das Austauschen der Kerne, das „Anzüchten“ der Embryonen, ihre Verpflanzung in die Leihmutter und die anschliessende Trächtigkeit sind jedoch empfindliche Prozesse, die oft misslingen. Beim Klonen können anfänglich ähnlich viele Trächtigkeiten erzielt werden wie bei anderen künstlichen Vermehrungstechniken – in  55–70% der Fälle bei Rindern. Im späteren Verlauf der Trächtigkeit kommt es nach dem Klonen jedoch zu massiven Verlusten. Nur in etwa 9% der erfolgreich gestarteten Trächtigkeiten wird ein lebendes Kalb geboren. Viele Kälber sind zudem grösser als üblich, so dass oft Kaiserschnitte erforderlich sind. Das ist für die Leihmutter eine zusätzliche Belastung.

Und von den lebend geborenen Jungtieren sterben viele innert 24 Stunden. Geklonte Tiere, die die Trächtigkeit und die kritische Anfangsphase überleben, scheinen jedoch nicht krankheitsanfälliger zu sein als sexuell gezeugte Tiere. Ob geklonte Tiere weniger lang leben als andere und im Alter häufiger erkranken, lässt sich heute noch nicht schlüssig belegen.

Geklonte Tiere und ihre Leihmütter sind also besonders während der Trächtigkeit und rund um die Geburt zusätzlichen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt, was auch das Tierwohl beeinträchtigt.

Nachkommen – auch in der Schweiz
Die Nachkommen geklonter Tiere, welche wieder normal sexuell gezeugt worden sind, zeigen in ihrer Gesundheit dagegen keine Unterschiede zu Nachkommen ungeklonter Eltern. So wurde wissenschaftlich gezeigt, dass sich bei Nachkommen von geklonten Tieren Schwergeburten und Sterblichkeit der Kälber nicht von konventionell gezüchteten Tieren unterscheidet. Es wird also keine Klonspezifische Belastung weitervererbt.

Solche Nachkommen von geklonten Nutztieren stehen auch in der Schweiz. Bekannt ist, dass 2005 knapp 300 Tiere mit Samen eines Stieres besamt worden sind, dessen Mutter geklont war. Deshalb dürften in der Schweiz auch bereits einige Hundert Rinder leben, unter deren Vorfahren in zweiter oder dritter Generation („Grosseltern“ und „Urgrosseltern“) geklonte Tiere gewesen sind. In anderen europäischen Ländern soll die Situation vergleichbar sein.

Und wie sieht die Zukunft aus? Aus heutiger Sicht ist das Klonen für die Nutztierzucht nicht interessant. Die Methode ist sehr aufwändig und teuer. Zudem möchten Züchter die Eigenschaften Ihrer Tiere verbessern und nicht alte Züchtungen kopieren. Das Klonen dürfte deshalb auch in den kommenden Jahren marginal bleiben.

 

Leichte Hundebisse werden oft nicht gemeldet

Die neue Hundebissstatistik liegt vor. Die Zahlen sind fast genau gleich wie in den Vorjahren. Trotz dieser bemerkenswerten Stabilität vermuten wir seit längerem, dass Ärzte und Tierärzte Fälle häufig nicht melden. Wir führten deshalb eine anonymisierte Online-Befragung durch und wollten wissen, wie häufig Fälle gemeldet werden und insbesondere, weshalb bei einigen von einer Meldung abgesehen wird.

Auch wenn die eher kleine Umfrage nur beschränkt aussagekräftig ist, sind die Resultate interessant. So meldeten die befragten Tierärzte im Durchschnitt etwa jeden zweiten Fall, die Ärzte nur jeden Dritten. Die tatsächliche Anzahl der Vorfälle mit Hunden in der Schweiz dürfte also um einiges höher sein als die 5090 im Jahr 2009 gemeldeten. Dies ergab auch die kürzlich von der Suva veröffentlichte Studie: Nach Auswertung von Fällen der bei Ihnen Versicherten schätzt die Suva die Gesamtzahl der Bisse auf knapp 10.000.

Weshalb aber melden Ärzte und Tierärzte Fälle nicht? Der am häufigsten angegebene Grund: weil die gebissene Person bzw. der Halter des gebissenen Tieres keine Meldung möchte. Dies überrascht nicht, ergibt sich doch dadurch für den Arzt bzw. den Tierarzt tatsächlich eine schwierige Situation. Ausschlaggebend ist auch der Schweregrad der Verletzung. Schlimme Bisse werden meist gemeldet.

Oft wurde vermutet, dass auch die Rasse entscheidend ist. Tatsächlich gibt es eine Tendenz, Bisse von als gefährlich eingeschätzten Rassen eher zu melden als solche von nicht gefährlichen. Diese Verfälschung allein kann jedoch nicht erklären, weshalb von einigen Hundetypen um ein Mehrfaches häufiger Bisse gemeldet werden als von anderen.

Bei dieser Dunkelziffer stellt sich die Frage, ob die Meldepflicht bzw. die Statistik überhaupt Sinn macht. Dies sind zwei unterschiedliche Fragen. Die Meldepflicht wurde erlassen,  damit die kantonalen Veterinärämter problematische Hunde (bzw. Halter) möglichst frühzeitig erkennen und Massnahmen treffen können. Diese Meldepflicht ist also sicher sinnvoll. Der Kanton Bern hat übrigens soeben beschrieben, wie er nach Meldungen vorgeht. Die Statistik ist also eine Art Nebenprodukt. Interessant ist nicht in erster Linie die Gesamtzahl der Bisse, sondern viel mehr, wer besonders gefährdet ist und in welchen Situationen es häufig zu Bissen kommt. Die Statistik liefert dazu wertvolle Angaben.

Des Schweizers Verhältnis zum Tier – gibt es einen Röstigraben?

Haben Deutschschweizer/innen ein grundsätzlich anderes Verhältnis zu Tieren als Welschschweizer/innen? Existiert ein Röstigraben, wenn es um Fragen des Tierschutzes geht? Spielt die kulturelle, sprachregionale Zugehörigkeit in diesem Zusammenhang eine Rolle? Antworten auf diese Frage liefert eine aktuelle Studie. Das Hauptergebnis: Es gibt keine grundlegenden Unterschiede, die insgesamt 29 Fragen wurden diesseits und jenseits des vermeintlichen Röstigrabens in etwa gleich beantwortet.

Die Teilnehmenden stimmten beispielsweise den Aussagen zu, dass Tiere Gefühle haben und dass diese anders sind als die Gefühle von Menschen. Der Besitz von Heimtieren wird als positiv für die Menschen beurteilt, und sowohl Katzen als auch Hunde werden als liebenswerte Tiere angesehen. Strenge  Tierschutzbestimmungen werden gesamt-schweizerisch befürwortet, Freilandhaltung wird klar favorisiert, Käfighaltung ebenso klar abgelehnt.

Dennis Turner ist Präsident des Instituts für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung IEMT, in dessen Auftrag die Studie verfasst worden ist. Der „Katzenpapst“ zu den Ergebnissen der Studie.

 

Sind sie überrascht, dass es so wenig Unterschiede gibt zwischen den Sprachregionen? Hätten sie mehr Differenzen erwartet?

Es war mir unklar, doch hatte ich Freude, dass sich höchstens ein "Rösti-Gräbli" und kein "Rösti-Graben" abgezeichnet hat. Wir haben unterdessen auch mit Daten aus Frankreich und Deutschland Vergleiche angestellt, weil wir dachten, dass die Deutschschweizer vielleicht den Deutschen ähnlicher sind und die Romands in ihren Antworten mehr den Franzosen gleichen. Dies ist jedoch nicht der Fall.

Unterschiede gab es bei den Antworten zum Fleischkonsum. Was fällt auf und wie interpretieren Sie diese Unterschiede?

In der Romandie haben die Teilnehmenden die Aussage, dass alle Menschen Vegetarier sein und kein Fleisch essen sollen, stark abgelehnt, stärker als die Deutschschweizer. Bei den Aussagen über Schweine- und Rindfleischkonsum sprachen sich die Romands stärker für Fleischkonsum aus. Salopp ausgedrückt könnte man sagen, dass in der Romandie offenbar eine carnivorere Konsum-Einstellung herrscht als in der Deutschschweiz.

Was kann man aus der Studie heraus lesen in Bezug auf das Verhältnis zu unseren liebsten Heimtieren, Hund und Katze?

In beiden Sprachregionen stimmten die Teilnehmenden überein, dass die Heimtierhaltung dem Menschen viele Vorteile bringt. Spannenderweise sprachen sich die Romands dabei stärker dafür aus, dass Hunde liebenswerte Tiere sind, die Deutschschweizer waren mehr für die Katze. Gesamtschweizerisch war die Zustimmung höher für Katzen (80.4%) als für Hunde (63.7%), während beide Tierarten etwa gleich viele Leute unsympathisch fanden (7.5% bei Hunden, 5.2% bei Katzen).

Sie führen analoge Studien in mehreren Ländern durch - in Asien, Nahost, Europa und Südamerika. Sind schon Vergleiche mit anderen Ländern, anderen Kulturen möglich?

Diese Ergebnisse - von 12 Ländern mit unterschiedliche Religionen - wurden anfangs Juli am IAHAIO Welt-Kongress in Stockholm erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Beim Vergleich zwischen Brasilien und Japan haben wir beobachtet, dass japanisch-stämmige Menschen, die in Brasilien leben, sich in ihrer Meinung über die Mensch-Tier-Beziehung genau zwischen Japanern in Japan und europäisch-stämmigen Brasilianern liegen, also sozusagen an ihrem Wohnort halbwegs assimiliert wurden - ohne aber ihre Wurzeln zu vergessen. Bei anderen Auswertungen, z.B. was die Religion für einen Einfluss auf die Einstellung der Teilnehmenden zu Tieren hat, sind wir noch an der Auswertung.

B. Fehlbaum, E. Waiblinger, D.C. Turner: A comparison of attitudes towards animals between the German- and French-speaking part of Switzerland.

 

Leiden Tiere unter der Affenhitze?

Der Sommer hat die Schweiz fest im Griff, die Temperaturen erreichen dieser Tage Höchstwerte. Die einen freuen sich, geniessen das Bad im See und die lauen Grillabende, die anderen stöhnen ob der Hitze - nicht alle vertragen sie gleich gut. Das gilt nicht nur für die Menschen, sondern auch für die Tiere. Hunde und Kühe zum Beispiel können saumässig unter der Hitze leiden, vor allem wenn ihre Besitzer Grundlegendes nicht beachten. Unverantwortliche Hundehalter, die ihren Hund bei grosser Hitze im Auto lassen und seinen Tod riskieren, gibt es leider immer wieder.

Hunde haben keine Schweissdrüsen, sie können nicht schwitzen. Statt dessen hecheln sie, was das Zeug hält, das ist ihre Art sich abzukühlen. Ein hechelnder Hund verliert Flüssigkeit,  es ist deshalb wichtig, dass er genug zu Trinken bekommt. Auch sonst kann man als Hundebesitzer einiges tun, dass die Hitze für den Hund nicht gefährlich wird, sondern zum aushalten ist. Er fühlt sich vielleicht nicht gerade pudelwohl, aber die Hundehitze ist nicht mehr ganz so quälend.

Ein paar Tipps: Man sollte seinem Hund bei sommerlichen Temperaturen tagsüber einen möglichst kühlen Platz gönnen. Ausgedehnte Spaziergänge sind auf den frühen Morgen oder den Abend zu beschränken. Wenn ein Hund überhitzt ist, kann es zu Erbrechen, Durchfall, Taumeln oder Krämpfen kommen. Ist das der Fall, muss der Hund sofort gekühlt werden, mit nassen Tüchern zum Beispiel. Man sollte sicherheitshalber auch zum Tierarzt. Als Besitzer achtet man am besten auf erste Anzeichen: Wenn der Hund stark hechelt und sich hinlegt, dann muss man das ernst nehmen. Er signalisiert, dass er nicht mehr mag – oder sogar schon nicht mehr kann.

Rindviecher sind nicht ganz so hitzeempfindlich wie Hunde, aber auch sie vertragen Kälte wesentlich besser als Wärme. Kommt zur Hitze noch eine hohe Luftfeuchtigkeit hinzu, kommen Kühe in einen Hitzestress. Hecheln, ein erhöhter Herzschlag und ein schweissnasses Fell sind deutliche Anzeichen, dass eine Kuh unter der Hitze leidet. Wenn die Kuh am Verdauen ist oder Milch produziert, entsteht zusätzliche Wärme. Es kommt zu einem natürlichen Schutzreflex: Damit sie nicht noch heisser hat, frisst die Kuh weniger und produziert weniger Milch. Ein Bauer mit Hochleistungskühen kann deshalb nur daran interessiert sein, dass die hohen Temperaturen die Tiere nicht allzu sehr plagen. Er muss für Abkühlung sorgen. Eine gute Durchlüftung mittels offener Türen und Fenster, Ventilatoren oder auch eine Sprinkleranlage können helfen. Schattenplätze auf der Weide sind sowieso Pflicht.

Pferde gehören zu jenen Tieren, die Temperaturschwankungen relativ gut verkraften. Aber auch sie können einen  Hitzschlag erleiden. Unnötige Transporte, enge Verhältnisse und schlecht durchlüftete Ställe sind zu vermeiden.

Wer nicht sicher ist, wie es um sein Haustier in Sachen Hitzeverträglichkeit steht und was es allenfalls zu beachten gilt, erkundigt sich am besten auf www.tiererichtighalten.ch oder bei einer Fachperson.

Käfighaltung in der EU immer noch stark verbreitet

In den meisten europäischen Ländern wird erst jetzt, wenn überhaupt, über ein Verbot der Käfighaltung nachgedacht. Laut aktuellsten Zahlen ist sie in der EU zwar rückläufig aber immer noch die gängigste Haltungsform. 71 Prozent der Legehennen werden nach wie vor in Käfigen gehalten. Unsere Nachbarn Österreich und Deutschland sind die Spitzenreiter bei den alternativen Haltungsformen: In Österreich leben 95 Prozent der Legehennen nicht mehr in Käfigen, in Deutschland sind es 63 Prozent.

Im Gegensatz dazu kann sich die Geflügelhaltung in der Schweiz in Sachen Tierschutz sehen lassen. So ist das Verbot der Käfighaltung hierzulande eine eigentliche Erfolgsgeschichte. Es wurde vor fast 30 Jahren eingeführt, zu einer Zeit als man ausser der Bodenhaltung nur Batteriekäfige und Vollgittersysteme kannte. Parallel zum Verbot wurde intensiv an der Entwicklung alternativer Systeme gearbeitet, verschiedene Haltungsformen wurden erforscht: Wie wirken sie sich auf die Gesundheit und die Produktivität der Tiere aus? Es galt, Alternativen zu den herkömmlichen Batteriekäfigen zu finden. Alternativen, die wirtschaftlich sind und tiergerecht. 1979 wurde erstmals ein Volierensystem getestet, diese Form der Haltung hat sich in der Schweiz schliesslich durchgesetzt. 

Aktuell sind 86 Prozent der hiesigen Legehennen in „besonders tierfreundlichen Stallhaltungen“ (BTS) untergebracht, bei den Poulets sind es 88 Prozent (BTS ist ein vom Bund definiertes Qualitätsmerkmal).

Das Zentrum für tiergerechte Haltung des BVET und das Aviforum in Zollikofen haben massgeblich dazu beigetragen, dass Schweizer Hühner heute deutlich besser leben als ihre Artgenossen in der EU. Das Aviforum ist das Kompetenzzentrum der Schweizerischen Geflügelwirtschaft. Seine Schwerpunkte:  Aus- und Weiterbildung, Forschung sowie Beratung und Information. Das Zentrum kann heuer sein 75-Jahr-Jubiläum feiern.

Diese Woche präsentierte das Aviforum anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten seine neuen Versuchsställe. Die alten, über 40-jährigen Ställe waren nicht BTS-konform und in einem schlechten baulichen Zustand. Dank der neuen topmodernen Infrastruktur hoffen die Forschenden auf noch präzisere Ergebnisse. Bei den in Zollikofen durchgeführten Versuchen geht es um die Funktionalität der Systeme, aber auch – und dies nicht zuletzt - um eine möglichst artgerechte und tierfreundliche Haltung. Der Legehennenstall ist seit letztem Jahr in Betrieb, der Maststall befindet sich im Bau.

Das Aviforum ist eine von Bund, Kantonen und Branchenorganisationen getragene Stiftung.

Weitere Informationen: www.aviforum.ch

Zu enge Ställe aus den 70er Jahren bis 2013 anpassen

Mit der neuen Tierschutzgesetzgebung müssen Milchviehbetriebe, die bereits vor September 2008 bestanden haben, keine baulichen Anpassungen vornehmen. Dabei gibt es eine Ausnahme: In alten Ställen aus den 70er Jahren gelten bisher immer noch besonders kleine Minimalmasse. Diese Ställe müssen bis 2013 – nach über 30 Jahren – angepasst werden.

 

Als Anfang der 80er Jahre in der Schweiz die erste Tierschutzgesetzgebung in Kraft trat, gab es besondere Regeln für bestehende Ställe. Noch heute gelten für Standplätze, die vor 1981 eingerichtet worden sind, kleinere Minimalmasse – die so genannten Klammermasse. Durch die Zucht sind Milchkühe in der Zwischenzeit grösser geworden – diese alten, kleinen Standplätze genügen nicht mehr. Die neue Tierschutzgesetzgebung schreibt deshalb vor, dass solche Standplätze bis Ende August 2013 an die normalen Minimalmasse angepasst werden müssen.

Wer ist betroffen?

Welche Ställe sind betroffen? Dies lässt sich einfach herausfinden. Angepasst werden müssen alle Ställe, in denen die Abmessungen für Standplätze und Liegeboxen nicht mindestens den im „Stall-Check“ aufgeführten Werten entsprechen. Liegen sie darunter, so müssen die Abmessungen den Vorgaben der neuen Tierschutzverordnung angepasst werden. Nur für Milchkühe im Sömmerungsgebiet gelten Ausnahmeregelungen, sofern die Tiere in der Regel nicht länger als acht Stunden täglich in den Ställen sind.

Bauliche Anpassungen jetzt planen

Anpassungen von Standplätzen und Liegeboxen müssen sorgfältig geplant werden. Prüfen Sie jetzt, ob Ihr Stall angepasst werden muss. Dabei hilft Ihnen die Planungshilfe mit dem Titel "Vorschläge für einfache Anpassungen in Anbindeställen für Kühe".

Freiwillige Anpassung kann sinnvoll sein

Von Gesetzes wegen nicht angepasst werden müssen Standplätze und Liegeboxen, welche den „Stall-Check“ bestehen – dies sind die normalen Masse der alten Tierschutzverordnung. So können beispielsweise Kühe mit einer Widerristhöhe von 145 cm weiterhin auf Standplätzen oder in Liegeboxen mit den Abmessungen für Kühe mit einer Widerristhöhe von 130-140 cm gehalten werden.

Dennoch kann es im Einzelfall angezeigt sein, die Abmessungen an die Widerristhöhe der im Stall stehenden Tiere anzupassen. Empfehlenswert ist dies, wenn einzelne Tiere nicht mehr Platz zum Abliegen finden und nicht artgemäss ruhen können, oder wenn gehäuft Verletzungen am Euter oder an den Gelenken auftreten. In diesen Fällen kann ein grösseres Platzangebot das Tierwohl entscheidend ver-bessern. In extremen Fällen kann die kantonale Tierschutzvollzugsstelle entsprechende Anpassungen auch verlangen.
Neue Ställe, die nach dem 31. August 2008 gebaut oder neu eingerichtet wurden, müssen alle Anforderungen der neuen Tierschutzverordnung erfüllen.

Stall-Check: Anpassungen sind notwendig, wenn folgende Abmessungen unterschritten werden

Breite in cm Länge in cm
Standplätze
Jungtiere bis 400 kg im Kurzstand 90 145
Jungtiere über 400 kg im Kurzstand 100 155
Milchvieh mit Widerristhöhe von über 130 cm im Kurzstand 110 165
Milchvieh mit Widerristhöhe von über 130 cm im Mittellangstand 110 200
Liegeboxen
Milchvieh mit Widerristhöhe von über 130 cm, wandständige Liegeboxen 120 240
Milchvieh mit Widerristhöhe von über 130 cm, gegenständige Liegeboxen 120 220

"Unser Bezug zum Tier sagt viel aus über unsere Beziehung zu Menschen"

Die Kindersendung "Les Zèbres" von Jean-Marc Richard im Radio Suisse Romande war vom 26. bis 29. Januar 2010 beim BVET auf Besuch. Je eine 8., 7., 2. und 5. Klasse der "école cantonale de langue française" in Bern haben die Sendung produziert und verschiedene Facetten des BVET entdeckt. Wir sprachen mit Jean-Marc Richard.

 

Jean-Marc Richard, was hat Sie diese Woche besonders berührt ?

Kinder haben viel zu sagen und zu fragen rund ums Tier. Dies ist ein universales Thema, welches sie anspricht, weil es einen Bezug zu ihrem täglichen Leben hat. Das weckt in den Kleinen die Lust zu erzählen, ihren Hunger die Beziehung zum Tier zu erklären. Die grösseren haben viele Fragen gestellt, weil sie das Thema verstehen wollten. Der Kontakt mit den Fachleuten des BVET vor der Sendung war wichtig. Euer Ansatz ist nicht emotional. Ihr behandelt die Themen rund ums Tier auf wissenschaftliche, fast technische Art und Weise. Das Tier wird nicht überhöht und verherrlicht. Daraus entsteht ein Raum zum Nachdenken. Man sah das klar in den Debatten in „Les Zèbres“ (Anmerkung der Redaktion: das Thema der Woche war der Tierschutzanwalt): die Argumente waren gegensätzlich und nuanciert.

Weshalb haben Sie das BVET gewählt ? Ein Bundesamt ist für Kinder nicht unbedingt besonders witzig…

Erstaunlich, aber als wir im Team verschiedene Produktionsorte diskutiert haben, war das BVET einer der wenigen Orte, für das sich das ganze Team begeisterte. Allerdings aus ganz verschiedenen Gründen: Einige fanden den Tierschutz spannend, andere interessierten sich eher für Steaks… Ich wollte vor allem mit den Kindern über den Platz des Tieres in der Gesellschaft nachdenken – und die vielen Diskussionen haben gezeigt, wie sehr dieses Thema die Kinder berührt.

An der "école cantonale de langue française" hat es Kinder aus den verschiedensten Nationen und insbesondere aus Afrika. Sie arbeiten regelmässig in Afrika und kennen den Kontinent gut. Wie ist der Bezug zum Tier dort ?

Ganz anders ! Ich würde sogar sagen dies ist der grösste kulturelle Unterschied überhaupt. Die Wahrnehmung der Religion, der Familie, von Mann und Frau sind letztendlich nicht sehr verschieden. Der Platz des Tieres ist jedoch ganz anders. Wenn man ums Überleben kämpft, setzt man andere Prioritäten. Ein Kind aus dem Kongo, welches diese Woche die Sendung mitproduzierte, erzählte mir, wie schockiert es war, als es in der Schweiz zum ersten Mal Werbung für Katzen- und Hundefutter gesehen hat. Ihm habe es die Sprache verschlagen.

Ist der Schutz der Tiere also Luxus ?

Ich glaube, dass der Schutz von was auch immer nie Luxus ist. Es ist undenkbar, dass sich die Menschen in der Schweiz nicht um den Tierschutz kümmern. In Regionen, wo Menschen kaum überleben können, kann man sich dagegen nicht vorstellen, Duschen in Schweineställen zu installieren – wie wir es diese Woche in der Sendung besprochen haben. Es ist eine Frage der Prioritäten.

Während der ganzen Woche haben Sie Kinder gefragt, woran sie beim Wort "Tier" denken. Und Sie?

Für mich sagt der Bezug zum Tier, den jemand hat, viel über seine Beziehung zu Menschen aus. Wer sich von Tieren besser verstanden fühlt als von den Menschen, die ihn umgeben, wurde vielleicht schon mehrfach von menschlichen Beziehungen enttäuscht. Menschen, die Tiere quälen, haben oft Probleme mit sich selbst. Der Respekt vor dem Menschen und der Respekt vor dem Tier gehen Hand in Hand. Schauen Sie die Kinder: sie sind voller Menschlichkeit und sie haben einen spontanen Zugang zum Tier.

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