Bundesamt für Veterinärwesen BVET

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"Unser Bezug zum Tier sagt viel aus über unsere Beziehung zu Menschen"

Die Kindersendung "Les Zèbres" von Jean-Marc Richard im Radio Suisse Romande war vom 26. bis 29. Januar 2010 beim BVET auf Besuch. Je eine 8., 7., 2. und 5. Klasse der "école cantonale de langue française" in Bern haben die Sendung produziert und verschiedene Facetten des BVET entdeckt. Wir sprachen mit Jean-Marc Richard.

 

Jean-Marc Richard, was hat Sie diese Woche besonders berührt ?

Kinder haben viel zu sagen und zu fragen rund ums Tier. Dies ist ein universales Thema, welches sie anspricht, weil es einen Bezug zu ihrem täglichen Leben hat. Das weckt in den Kleinen die Lust zu erzählen, ihren Hunger die Beziehung zum Tier zu erklären. Die grösseren haben viele Fragen gestellt, weil sie das Thema verstehen wollten. Der Kontakt mit den Fachleuten des BVET vor der Sendung war wichtig. Euer Ansatz ist nicht emotional. Ihr behandelt die Themen rund ums Tier auf wissenschaftliche, fast technische Art und Weise. Das Tier wird nicht überhöht und verherrlicht. Daraus entsteht ein Raum zum Nachdenken. Man sah das klar in den Debatten in „Les Zèbres“ (Anmerkung der Redaktion: das Thema der Woche war der Tierschutzanwalt): die Argumente waren gegensätzlich und nuanciert.

Weshalb haben Sie das BVET gewählt ? Ein Bundesamt ist für Kinder nicht unbedingt besonders witzig…

Erstaunlich, aber als wir im Team verschiedene Produktionsorte diskutiert haben, war das BVET einer der wenigen Orte, für das sich das ganze Team begeisterte. Allerdings aus ganz verschiedenen Gründen: Einige fanden den Tierschutz spannend, andere interessierten sich eher für Steaks… Ich wollte vor allem mit den Kindern über den Platz des Tieres in der Gesellschaft nachdenken – und die vielen Diskussionen haben gezeigt, wie sehr dieses Thema die Kinder berührt.

An der "école cantonale de langue française" hat es Kinder aus den verschiedensten Nationen und insbesondere aus Afrika. Sie arbeiten regelmässig in Afrika und kennen den Kontinent gut. Wie ist der Bezug zum Tier dort ?

Ganz anders ! Ich würde sogar sagen dies ist der grösste kulturelle Unterschied überhaupt. Die Wahrnehmung der Religion, der Familie, von Mann und Frau sind letztendlich nicht sehr verschieden. Der Platz des Tieres ist jedoch ganz anders. Wenn man ums Überleben kämpft, setzt man andere Prioritäten. Ein Kind aus dem Kongo, welches diese Woche die Sendung mitproduzierte, erzählte mir, wie schockiert es war, als es in der Schweiz zum ersten Mal Werbung für Katzen- und Hundefutter gesehen hat. Ihm habe es die Sprache verschlagen.

Ist der Schutz der Tiere also Luxus ?

Ich glaube, dass der Schutz von was auch immer nie Luxus ist. Es ist undenkbar, dass sich die Menschen in der Schweiz nicht um den Tierschutz kümmern. In Regionen, wo Menschen kaum überleben können, kann man sich dagegen nicht vorstellen, Duschen in Schweineställen zu installieren – wie wir es diese Woche in der Sendung besprochen haben. Es ist eine Frage der Prioritäten.

Während der ganzen Woche haben Sie Kinder gefragt, woran sie beim Wort "Tier" denken. Und Sie?

Für mich sagt der Bezug zum Tier, den jemand hat, viel über seine Beziehung zu Menschen aus. Wer sich von Tieren besser verstanden fühlt als von den Menschen, die ihn umgeben, wurde vielleicht schon mehrfach von menschlichen Beziehungen enttäuscht. Menschen, die Tiere quälen, haben oft Probleme mit sich selbst. Der Respekt vor dem Menschen und der Respekt vor dem Tier gehen Hand in Hand. Schauen Sie die Kinder: sie sind voller Menschlichkeit und sie haben einen spontanen Zugang zum Tier.

Ferkel werden ab sofort schonend kastriert

Seit dem 1. Januar 2010 dürfen Ferkel in der Schweiz nur noch nach Schmerzausschaltung kastriert werden – ein wichtiger Schritt für die tierschonende Schweineproduktion in der Schweiz. Dafür engagiert hat sich der Verband der Schweineproduzenten Suisseporcs und an vorderster Front sein Präsident Peter Hofer.

Herr Hofer, wie kastrieren Sie Ihre Ferkel? Was sind Ihre Erfahrungen?

Ich arbeite in einer Tierhaltergemeinschaft zusammen mit einem Partnerbetrieb. Die Ferkel werden auf dem Partnerbetrieb mit einem Inhalationsnarkosegerät kastriert. Eigene Erfahrungen habe ich nicht.

Was musste in den vergangenen Monaten geschehen, damit die Umsetzung klappt?

Da der Markt mit ganz wenigen Ausnahmen chirurgisch kastrierte Tiere verlangt, haben mehr als 2500 Produzenten Ausbildungskurse besucht, damit sie die Kastration mit einem Inhalationsnarkosegerät selbst durchführen können. Ein kleinerer Teil der Produzenten wird die Kastration durch den Tierarzt machen lassen. Die Inhalationsgeräte mussten bestellt werden und die Produzenten hatten bei Proviande einen Antrag zur finanziellen Unterstützung einzureichen. Außerdem hat die Branche einen Starthilfefonds errichtet, der von den Produzenten, von den Abnehmern und vom Schweinehandel bezahlt wird. Die Proviande macht die Fondsverwaltung im Auftrag der Branche.

Wie weit ist die Branche nun mit der Umsetzung?

Beim Kastrationsfonds haben etwa ein Drittel der Antragsteller mitgeteilt, dass sie das Tierarzt-Modell anwenden werden. Ich glaube, dass noch etliche Betriebe bis Ende März auf die Inhalationsnarkose wechseln. Die Geräte für die Inhalationsnarkose sind auf Grund der dreimonatigen Lieferfrist und auch auf Grund von verspäteter Bestellung noch nicht auf allen Betrieben in Betrieb genommen. Diese Betriebe müssen, bis es soweit ist, mit dem Tierarzt die Injektionsnarkose anwenden. Der Kastrationsfonds ist gut auf Kurs. Die an die schlachtenden Betriebe in Rechnung gestellten Beträge werden in den allermeisten Fällen korrekt einbezahlt. Die Angaben der etwa 2500 Anträge von Züchtern werden zurzeit mit den AGIS-Daten des Bundes abgeglichen und anschliessend werden die Modellrechnungen für die Entschädigung pro durchschnittlichen Abferkelplatz gemacht. Zucht-Mastbetriebe werden speziell analysiert. Ab Ende erstes Quartal werden dann die Auszahlungen gestartet.

Haben Sie Rückmeldungen von Schweineproduzenten?

Wir haben an der „Suisse Tier“ ein Forum über die Erfahrungen bei der Umsetzung durchgeführt. Drei Produzenten haben über ihre praktischen Erfahrungen mit den Geräten und der Methode berichtet. Die Schmerzausschaltung der Ferkel sei sehr gut. Da die Ferkel schlafen, sei es wesentlich ruhiger im Stall und die Arbeit angenehmer. Der Zeitaufwand steige jedoch merklich und auch der Aufwand für den Geräteunterhalt sei nicht zu unterschätzen. Der finanzielle Aufwand für die Geräteanschaffung wird durch den Beitrag aus dem Umsetzungsfonds stark reduziert. Die Rückmeldung von weiteren Produzenten zeigt ein ähnliches Bild.

Wie begleitet Suisseporcs die Umsetzung?

Die Fäden für die Umsetzung laufen beim Schweinegesundheitsdienst SGD zusammen. Er ist mit seinen Beratungsbesuchen sehr häufig auf den Zuchtbetrieben und wird in den nächsten Monaten spezielle Hilfestellung bei allfälligen Problemen oder Fragen bei der Kastration anbieten. Der SGD wird in Zusammenarbeit mit den Tierärzten ein Monitoring durchführen und regelmässig über Verbesserungsmöglichkeiten informieren. Für die Arbeitsplatzsicherheit arbeiten wir mit der SUVA/agriss zusammen. Sollte ein Betrieb das Gefühl haben, die Belastung durch Isofluran sei zu hoch, kann er kostenlos Messungen durch die Spezialisten durchführen lassen.

Wie sehen Sie die Zukunft?

Die chirurgische Kastration wird wohl noch während Jahren praktiziert. Mit der Inhalationsnarkose mit Isofluran und der zusätzlichen Anwendung eines Schmerzmittels hat die Schweiz europaweit die beste Schmerzausschaltung. Die Schweiz wird sich den Entwicklungen in den europäischen Märkten nicht entziehen können. Dort kommen bereits heute Impulse vom Markt für einen Verzicht auf die chirurgische Kastration. Die mengenmäßige Bedeutung ist jedoch noch klein. Auch in der Schweiz muss der Markt diese Impulse setzen. Wann das sein wird, kann niemand zuverlässig voraussagen. Ein gesetzliches Verbot der Kastration von Ferkeln lehnen wir ab. Sonst müsste die Kastration generell - auch für Haustiere - verboten werden.

Weitere Informationen zur Ferkelkastration

In Tiere vernarrt

30. Juni 2009 im Berner Käfigturm: Letzte Veranstaltung der Diskussionsserie  „Tierisch-Animal“ - diesmal zum Thema  „In Tiere vernarrt – weshalb wir die einen kraulen und die anderen essen „ – ein kleiner unvollständiger Einblick in die Diskussion.


Von links nach rechts: Annik Dubied, Olivier Pagan, Claudia Mertens, Franco Inderbitzin

„Danke, Farasi geht es gut.“ Oliver Pagan, Direktor des Zolli Basel, antwortet mit einem kleinen Seufzer auf die Eröffnungsfrage dieser letzten Podiumsdiskussion.   Farasi ist das kleine Nilpferd, für das ein Platz in einem anderen Zoo gesucht werden muss. Dass es zu einer Medienikone geworden ist, stört Pagan. „Ein Zootier ist hier als Vertreter seiner wildlebenden Artgenossen. Es muss sich arttypisch verhalten können und es muss sich insbesondere – wie die Elterntiere von Farasi – fortpflanzen können. Aber die Medien instrumentalisieren unsere Tiere. Sie machen aus ihnen personalisierte, vermenschlichte Publikumslieblinge. Das hat nichts mit der wissenschaftlichen Realität zu tun. Ein solcher Bezug zum Tier ist nicht gesund.“ Für Claudia Mertens, Biologin und Tierschutzfachfrau aus Zürich, werden Tiere oftmals als Projektionsfläche für menschliche Gefühle und Sehnsüchte benutzt. „Man findet insbesondere Tierbabys „herzig“, bringt ihnen starke Gefühle entgegen und sieht in ihnen reine und unschuldige Wesen. Sind die Tiere einmal ausgewachsen und zeigen die arttypischen Verhaltensweisen der Wildtiere, schwindet das Interesse des Publikums. Man konnte das bei Knut, dem Berliner Eisbären, sehr schön verfolgen.“ Aber profitieren die Zoos nicht von diesem Medieninteresse? Oliver Pagan relativiert: „Um die Menschen in den Zoo zu bringen, braucht es sicher emotionale Argumente. Wenn sie dann erst einmal im Zoo sind, können wir ihnen wissenschaftliche Informationen geben und wirkliche Aufklärungsarbeit leisten. Es ist eine Gratwanderung zwischen Emotionen und Wissenschaft.“

Für Annik Dubied, Soziologin der Universität Genf, ist die Präsentation von Tieren als Medienstars und Publikumslieblinge ein Zeichen der Zeit. „Unsere Studie zeigt klar, dass die Einstellung gegenüber Tieren seit mehreren Jahren im Umbruch ist.  Man will mehr Respekt und mehr Schutz für gewisse Tiere, man kommt von dem reinen Nützlichkeitsdenken weg, das noch vor 50 Jahren vorherrschte.“

Während Zootiere häufig Schlagzeilen machen, gelingt dies den Tieren, die zum Schlachthof geführt werden, nicht. Franco Inderbitzin, Tierarzt im Schlachthof St.Gallen lächelt: Es stimmt, man spricht selten über den Tod unserer Schlachttiere. Häufig wissen die Leute nicht einmal, dass ein Tierarzt den ganzen Prozess im Schlachtbetrieb – vom Tierschutz bis zur Fleischqualität - kontrolliert. Für Franco Inderbitzin ist das Verhalten der Konsumentinnen und Konsumenten nicht immer widerspruchsfrei: „Man erregt sich zu Recht über die Schlachtiertransporte quer durch Europa, aber wenn es ans Bezahlen geht, wählt man trotzdem das billigere Fleisch in der Auslage.“

Annik Dubied erklärt: „Der Bezug zum Tier ist von Ambivalenz geprägt.“ Man ist bereit, die Tiere zu schützen, aber nur bis zu einem gewissen Grad – und einige Tiere mehr als andere. Es gibt so etwas wie eine unbewusste Hierarchie, die auch ins Spiel kommt, wenn es um den Verzehr von Tieren geht. Man isst Rinder ohne Probleme, aber man isst nicht seinen Hund. Je enger die Bindung zu einem Tier ist, desto weniger kann man sich vorstellen, es zu essen.“

Und unsere Gesprächsteilnehmer? Essen sie Fleisch? Alle nicken, beeilen sich aber – Zeichen der Zeit? – hinzuzufügen, dass sie „nur wenig“ Fleisch essen. Ein Teil des Publikums regt sich auf: „Wie kann man sich für den Tierschutz einsetzen und trotzdem Fleisch essen?“ Für Franco Inderbitzin ist das kein Widerspruch: „Für mich kommt es in erster Linie darauf an, dass das Tier artgerecht leben kann und sein Wohlergehen respektiert wird. Ist das der Fall, habe ich keinerlei Probleme damit, Fleisch zu essen. Aber das ist eine persönliche Entscheidung, die jede und jeder für sich treffen muss. „ Eine Dame aus dem Publikum, die sich als Veganerin outet, wendet ein: „Aber können Sie angesichts der Todesangst der Tiere ruhig bleiben?“ Franco Inderbitzin  antwortet: „Ich glaube nicht, dass Schlachttiere Todesangst ausstehen. Ich sehe manchmal, dass sie durch die neue Umgebung etwas gestresst sind, manchmal aber auch sehr neugierig auf dem neuen Terrain. Aber ich könnte sie nicht als Tiere in Todesangst beschreiben.“ Olivier Pagan ergänzt: „Im Rahmen unserer Animationsbemühungen im Zoo geben wir den Kindern die Möglichkeit, sich mit Haustieren zu beschäftigen. Sie können Schafe füttern, Lamas pflegen und wenn eines unserer Tiere geschlachtet werden muss, dürfen sie es begleiten, wenn sie wollen. Die Kinder zeigen sich angesichts des Todes sehr ruhig und gelassen; sicher gibt es manchmal Tränen, aber im Grossen und Ganzen ist das für sie ein normaler Vorgang.“ Franco Inderbitzin erinnert sich: „Als ich das erste Mal einen Schlachthof besuchte, war ich betroffen. Aber seither habe ich gelernt, mit dem Tod von Tieren umzugehen.“ Claudia Mertens findet das Schlusswort: „Je mehr wir über die Fähigkeiten von Tieren forschen, umso klarer wird, dass sie mehr wissen, können und spüren als wir gedacht hatten und z.T. immer noch denken. Womöglich erahnen sie auch ihren nahenden Tod. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass kein Tier der Welt so viele Probleme mit dem Tod hat wie der Mensch selbst.“
 

Debatte im Käfigturm: „Wir verlangen viel vom heutigen Gesellschaftshund“

Seit einigen Jahren, spätestens seit dem tragischen Beissunfall in Oberglatt, als ein Kindergärtler von drei Pitbulls zu Tode gebissen wurde, sucht die Schweiz intensiv nach Wegen, mit ihren Hunden umzugehen. Wie konnte der seit Tausenden von Jahren enge Begleiter des Menschen urplötzlich so umstritten werden? Um diese Frage drehte sich die Podiumsdiskussion „Hot Dogs“ am 16. Juni im Käfigturm Bern unter der Leitung des Journalisten Matthias Lauterburg.

Die Hundedebatte untersucht hat das Team der Genfer Soziologin Claudine Burton-Jeangros: „Bisse gab es schon immer. In den letzten Jahren hat sich aber das Umfeld verändert, wir verlangen mehr Sicherheit und in diesem Umfeld war ein Beissunfall wie in Oberglatt nicht mehr akzeptabel.“ Vom Beissunfall direkt betroffen war die Zürcher Kantonstierärztin Regula Vogel: „Ich habe vom tragischen Unfall im Autoradio gehört und wusste, dies wird vieles verändern.“ Die Toleranz gegenüber Hunden schwindet und gleichzeitig verlangen wir immer mehr einen vollkommen in die Gesellschaft integrierten Hund. „Wir legen heute Hunden einen Bypass, wir haben sie überall dabei, fordern aber auch viel Anpassung von ihnen“, sagt Vogel. Burton-Jeangros: „Hunde sind omnipräsent in unserer Gesellschaft, sie sind überall und bei Vorfällen merken wir, dass sie gefährlich sein können. Das irritiert.“

Für Vogel gibt es jedoch keine Urangst vor dem Hund an sich. „Im Alltag etwas zu begegnen, dass wir nicht kontrollieren können, das macht Angst. Diese Nicht-Bezwingbarkeit der Natur führt uns der Hund tagtäglich vor“, sagt Vogel. Für Heiner Studer, ehemals Nationalrat und Präsident der Subkommission, welche damals die Hundegesetzgebung ausarbeitete, kann man die Problematik nicht einfach auf eine diffuse Angst reduzieren: „Es passiert tatsächlich viel. Zu mir kommen immer wieder Eltern, deren Kinder auf dem Schulweg an auffälligen Hunden vorbei müssen. Wir sollten uns fragen, weshalb die schärfsten Hundegesetze immer am deutlichsten angenommen werden.“

Die NZZ-Journalistin und Hundehalterin Claudia Wirz erkennt in all dem nicht viel Neues: „Der Hund lebt seit 15.000 Jahren mit dem Menschen zusammen. Bei den Griechen und Römern waren Hunde sehr beliebt. Die biblischen Texte jedoch sind hundefeindlich. Hunde werden nur 5-mal erwähnt und dabei nur einmal positiv. Auch Massnahmen gegen Hunde gibt es seit langem. Im Mittelalter galt in Städten Leinenzwang und Berlin führte 1854 eine Maulkorbpflicht ein.“ Die heutige Debatte sieht sie kritisch: „Selbstverständlich müssen wir alles unternehmen, um so tragische Unfälle wie in Oberglatt möglichst zu verhindern. Mit dem Finger auf eine Minderheit zu zeigen, seien das Ausländer oder Hundehalter, ist jedoch zu einfach. Für mich ist das eine moderne Hexenjagd.“ Schliesslich könnten auch Pferde, Kühe oder Schlangen Menschen verletzen. „Aber nur mit dem Hund gehen wir auf der Bahnhofstrasse spazieren“, kontert Vogel.

Weshalb aber ist diese Debatte so schwierig? Für Studer gibt es zu wenig Gespräche zwischen den Beteiligten. „Ich vermisse da viel Dialogfähigkeit“, sagt er. Vogel erinnert an die Debatte im Zürcher Kantonsrat über die Hundegesetzgebung: „Auffällig war, dass alle Parteien gespalten waren.“ Offenbar hänge die Meinung bei dem Thema nicht von der Weltanschauung ab, sondern von den persönlichen Erfahrungen. Es sei deshalb auch nicht erstaunlich, dass sich jeder als Experte fühle und am Schluss die emotional überzeugendste Lösung gewinne. „Wir haben viel Aufklärung geleistet, sind aber letztendlich mit unserer fachlichen Argumentation nicht durchgedrungen“, sagt Vogel.

Sie stört sich aus fachlicher Sicht vor allem an den Rasseverboten – die heisseste Frage in den Hundedebatten. Für Vogel ist klar, dass es keine an sich gefährliche Rassen gibt. „Der gefährlichste Hund, der mir als Kantonstierärztin begegnet ist, war ein Labrador-Appenzeller-Mischling“, sagt sie. Bestimmte Rassen würden jedoch von einer Minderheit, die wenig von Hunden versteht, zum Imponieren missbraucht. Auch Wirz ist sachlich gesehen gegen Rasseverbote. „Politisch wäre es vielleicht klug gewesen, die von Bundesrat Deiss vorgeschlagene Rasseliste zu akzeptieren“, sagt Wirz. Damit hätte man wohl in der ganzen Schweiz eine einheitliche Regelung durchsetzen können.

Studer freut sich, dass es nun wohl bald eine Verfassungsgrundlage auf Bundesebene geben wird – und damit vorab eine Volksabstimmung. „Dies ist eine grosse Chance, um eine breite Debatte über Hunde zu führen“, sagt er. Wirz macht aber auch auf die Gefahr immer weiter gehender Regelungen aufmerksam: „Mit den eidgenössischen und all den kantonalen Gesetzen hat sich die Beziehung nicht verbessert. Man vertieft die Gräben. Hundehalter werden schikaniert. Und wer Angst vor Hunden hat, fühlt sich durch die Gesetzesflut darin bestärkt.“

In all den Debatten, auch hier im Käfigturm, fehlt Wirz ein wesentlicher Aspekt: „Hunde bringen der Gesellschaft viel und dies nicht nur als Lawinen- und Blindenhunde. Vielen Menschen ist die Beziehung zum Hund äusserst wichtig“, sagt sie. Und erntet mit dem Votum spontanen Applaus.

Zahnüberzug als Beissschutz für Hunde: „noch viele offene Fragen“

Viele Medien berichten heute über einen neuen Beissschutz für Hunde, einen Zahnüberzug der Firma Saciri. Die Verhaltenstierärztin Linda Hornisberger untersucht zusammen mit Experten der Universität Bern den „Maulkorb-Ersatz“ momentan in einer Pilotstudie an 4 Hunden.

Viele Medien berichten heute begeistert vom neuen Beissschutz? Was verspricht der Zahnüberzug wirklich?

Linda Hornisberger: Zu meinem Bedauern ist die Berichterstattung ziemlich verherrlichend, obschon die Medien über die an der Vetsuisse Fakultät Bern laufende Pilotstudie informiert wurden. Letztendlich wissen wir noch sehr wenig darüber, ob sich der Beissschutz im Alltag bewährt. Zur Zeit könnte ich mir das Produkt am ehesten als Alternative des Maulkorbes vorstellen, wenn Hunde an der Leine geführt werden. Der Beissschutz ist ein innovativer Ansatz, aber sicher nicht DIE Lösung für das Problem der gefährlichen Hunde. Im Zentrum stehen weiterhin die Sozialisierung des Hundes und die Ausbildung des Halters.

Es wird mehrfach behauptet, Hunde mit dem Zahnüberzug können keine gefährlichen Verletzungen mehr verursachen. Stimmen Sie zu?

Das stimmt so sicher nicht. Der Zahnüberzug verhindert das Eindringen der Schneide- und Eckzähne ins Fleisch. Allerdings sind die hinteren Zähne nicht abgedeckt. Man bedenke, dass Hunde mit diesen Zähnen Knochen zerbeissen! Zudem konnten sämtliche 4 Hunde den Unterkieferteil des Standardmodells auch nach 3-wöchiger Angewöhnungszeit abstreifen. Laut Firma soll dies mit den neuen Standardmodellen nicht mehr möglich sein. Wir hatten auch ernst zu nehmende Hinweise dafür, dass die Hunde den Beissdruck mit dem Überzug eher verstärken und die Beisshemmung eher abnimmt. Dies wäre sehr problematisch und wir wollen dies nun weiter untersuchen.

Der Beissschutz wird als „tierfreundlicher Maulkorb“ präsentiert.

Der Maulkorb schränkt Hunde stark ein. Sie können zum Beispiel nichts mehr im Maul tragen, was mit dem Beissschutz möglich ist. Allerdings speicheln die von uns untersuchten Hunde stark und sie versuchen, den Zahnüberzug wieder abzustreifen. Wie gut sich Hunde daran gewöhnen können, werden erst Langzeitstudien zeigen. Auch lässt sich ein Teil unserer 4 Hunde den Beissschutz nicht gerne einsetzen. Aus diesem Grund scheint mir der Beissschutz für aggressive Hunde ungeeignet; das Einsetzen wäre zu gefährlich.

Was raten Sie einem Hundehalter, der sich jetzt für den Beissschutz interessiert?

Bezüglich der Anwendung und der Wirksamkeit des Beissschutzes sind noch viele Fragen offen. Deshalb rate ich zur Vorsicht. Die Hundehalter sollten sich unbedingt vorab mit einem qualifizierten Verhaltensspezialisten absprechen. Der Beissschutz kann in gewissen Fällen eine gute Lösung sein. Es ist nun wichtig, weiter Erfahrungen zu sammeln und umfassendere Studien durchzuführen, welche zur Zeit in Planung sind.

An der kantonal bewilligten Pilotstudie der Universität Bern sind die Spezialisten Linda Hornisberger, Philippe Roux und Peter Schawalder beteiligt. Leiter der Pilotstudie ist Urs Geissbühler.

 

Weshalb setzen sich Politiker für Tiere ein ?

Im Nachgang einer Studie der Universität Genf zum Verhältnis von Tier und Mensch, organisiert das Bundesamt für Veterinärwesen eine Veranstaltungsreihe im Politforum Käfigturm in Bern. Einige in den Diskussionen geäusserte Gedanken sind hier aufgeführt.

Ausschnitte aus der Diskussion am 2. Juni unter dem Titel “Von Hengsten und Hechten in der Politik”

 
Von links nach rechts: David Gerber, Hans Grunder, Hansueli Huber, Tiana Moser

Hansueli Huber, Chef des Schweizer Tierschutzes STS, freut sich: „Der Tierschutz wird in Bern endlich wahrgenommen. Unsere Politiker sind viel stärker für die Sache des Tieres sensibilisiert als noch vor 20 Jahren, was ein gutes Zeichen für unsere Gesellschaft ist.“ Die grünliberale Nationalrätin Tiana Moser widerspricht da keinesfalls: „Ich engagiere mit für Tiere aus Respekt vor dem Leben und für unsere Umwelt, in der wir leben.“ Hans Grunder, Nationalrat und Präsident der Bürgerlich-demokratischen Partei, unterstreicht: „Für die Schweizer Bevölkerung sind Tiere wichtig. Als Vertreter der Menschen müssen wir ihre Anliegen einbringen und diskutieren.“ Für den Soziologen David Gerber von der Universität Genf war dieses Engagement für Tiere in der durchgeführten Studie klar nachweisbar: Man spricht in unserer Gesellschaft viel über Tiere, heute noch mehr als früher.

Obwohl das Tierwohl für alle wichtig ist, gehen die Meinungen der Politiker doch auseinander. So ist es etwa für Grunder „nicht nötig, noch mehr gesetzlich vorzuschreiben. Anstatt die Dimension eines Stalles auf den Zentimeter genau zu definieren, informiert man die Leute besser, was ein Tier ist. Wenn ich meine Pferde im Regen nach draussen lasse, schreien die Leute Skandal, weil sie fälschlicherweise das Gefühl haben, die Tiere leiden. Es braucht nicht mehr Regeln, sondern mehr Information!“ Für Moser schliesst das eine das andere nicht aus: „Man muss auch klare Regeln haben, um den Leuten zu zeigen, dass einige Dinge einfach nicht akzeptabel sind – und das gilt nicht nur für Nutztiere, sondern auch für Heimtiere.“ Grunder stellt das in Frage: „Weshalb legen wir Vorschriften für Heimtiere fest, wenn wir sie nicht kontrollieren können? Die Bildung der Bevölkerung ist realistischer und effizienter.“ Es zeigt sich klar: Die Frage ist nicht, ob sich Politiker für Tiere engagieren, sondern nur mit welchen Mitteln und wie weit sie gehen.

Das stimmt auch für Wildtiere. Grunder, damals noch Kantonsrat in Bern, unterstützte die Vergiftung von Krähen, weil sie die Saat schädigten. Für Moser „muss es andere Lösungen geben als einfach alles auszuradieren, was einem stört“. Gerber meint dazu: „Das Verhältnis der Gesellschaft zum Tier ist ambivalent und der Platz des Tieres ist nicht geklärt.“

Tiere sind attraktive Themen. Eine Frage bleibt : Können es sich Politiker in der heutigen Gesellschaft erlauben, nicht für Tiere einzustehen ?

Auch wenn sich Huber über die neue Sensibilität unserer Politiker freut, glaubt er doch, dass sie in einer Sache zu weit gehen: bei den gefährlichen Hunden. Genau dies ist das Thema unserer nächsten Podiumsdiskussion am 16. Juni, um 18.30 Uhr, im Käfigturm. Wir diskutieren, weshalb die Hunde die Gesellschaft entzweien.

Die Fische und das Gesetz: Eine Klärung

Die Melander-Fischfarm in Oberriet, die geplante Fischfarm in Mollis im Kanton Glarus: Fischfarmen stehen plötzlich im Rampenlicht. Unerfreulich ist der Anlass, die Schliessung der Melanderfarm. Erfreulich ist das Interesse an Tierschutzfragen. In den medialen Diskursen tauchten dabei immer wieder falsche Behauptungen auf. Zudem nahmen einige die Melanderfarm zum Anlass, um weitergehende Tierschutzbestimmungen für Fischfarmen zu fordern. Punkto Melanderfarm: diese ist nicht wegen unklarer Bestimmungen gescheitert, sondern weil sich der Besitzer standhaft weigerte, die klaren Bestimmungen zur Betäubung einzuhalten.

Um Klarheit in die Diskussionen zu bringen, liste ich hier die wichtigsten Tierschutzvorschriften für Fischfarmen auf:

  • Wer eine Fischfarm betreiben möchte, braucht unter anderem eine Wildtier-Haltebewilligung vom kantonalen Veterinäramt. Dieses prüft, ob sämtliche Tierschutzbestimmungen eingehalten sind. Die Bewilligung muss erteilt werden, bevor in der Anlage Fische gezüchtet werden.
  • Eine Fischfarm muss von einer im Umgang mit Fischen ausgebildeten Person geführt werden. In der Tierschutzverordnung ist festgelegt, welche Berufe oder fachspezifischen Ausbildungen dazu befähigen und dass jede Person, die. Speisefische fängt, markiert, züchtet, hält oder tötet einen Sachkundenachweise erbringen muss. Bei bestehenden Fischfarmen und Fischzuchtanlagen gilt für den Nachweis dieser Ausbildungen eine Übergangsfrist bis zum 31. August 2013.
  • Fische müssen immer in Wasser mit guter Qualität gehalten werden.
  • Bei Fischen ist eine so genannte maximale Besatzdichte vorgeschrieben. In der Tierschutzgesetzgebung steht also, wie eng man Fische zusammen halten darf. Konkrete Zahlen gibt es dabei für Forellen- und Karpfenartige. Für andere Fischarten wird in Analogie entschieden.
  • Fische müssen bei der  Schlachtung wie alle Wirbeltiere  vor dem Töten betäubt werden. In der Tierschutzverordnung ist dabei aufgeführt, welche Betäubungsmethoden funktionieren und erlaubt sind.
  • Es gibt Vorschriften für den Umgang mit Fischen und das Transportieren von Fischen.
  • Alle bewilligten Fischfarmen müssen von den kantonalen Fachstellen mindestens alle 2 Jahre kontrolliert werden. Werden beanstandete Missstände nicht fristgerecht behoben, kann die Bewilligung entzogen werden.

Genügen diese Regeln, um eine tiergerechte Haltung von Fischen sicherzustellen? Reicht die Regelungsdichte? Diese Frage hat eine fachliche, aber auch eine politische Komponente. Fachlich bin ich überzeugt, dass wir genügend Grundlagen haben, um als Behörden eine tiergerechte Fischhaltung einzufordern. Wir dürfen nicht vergessen, dass erst mit der neuen Tierschutzgesetzgebung am 1. September 2008 klare Vorschriften für Fang und Haltung von Fischen in Kraft getreten sind. Weil die Betriebe Zeit brauchen für die Anpassungen, sind Übergangsfristen eingeführt worden. Diese Bestimmungen wurden von einer umfassenden Gruppe von Experten ausgearbeitet und wie die gesamte neue Tierschutzgesetzgebung breit vernehmlasst. Die jetzigen Vorschriften sind also der aktuelle gesellschaftliche Konsens.

Fische sind leidensfähige Wesen. Es ist diese wissenschaftliche Erkenntnis der vergangenen Jahre, die zu den nun geltenden, präzisen Tierschutzvorschriften geführt haben. Ich gehe davon aus, dass wir in den kommenden Jahren mehr über die Bedürfnisse und die Leidensfähigkeit von Fischen lernen werden. Auf dieser Basis werden wir in Zukunft unsere Tierschutzvorschriften für Fische wohl überdenken. Wir passen den Tierschutz immer wieder dem aktuellen Stand des Wissens an. Dies ist mit der soeben in Kraft gesetzten Tierschutzgesetzgebung vor wenigen Monaten geschehen.

Tierschutz ist den Schweizerinnen und Schweizern wichtig

Vergangenen Freitag hat Coop eine Studie zu den Tierschutz-Ansichten veröffentlicht. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie wichtig Menschen in der Schweiz ethische Aspekte sind. Laut Studie halten 90 Prozent der Befragten den Tierschutz für wichtig – bei Nutztieren genauso wie bei Heimtieren. Nur 12 Prozent achten beim Kauf von Fleisch nie auf den Tierschutz.

Die Resultate bestätigen frühere Studien. So veröffentlichte das Bundesamt für Landwirtschaft im März 2007 eine Untersuchung dazu, welche Erwartung die Schweizer Bevölkerung an die Landwirtschaft hat. Die am häufigsten geäusserte Erwartung: „Einhaltung besonders strenger Tierschutzbestimmungen“.

Nicht nur Menschen in der Schweiz ist der Tierschutz wichtig. Auch in der Europäischen Union gaben in einer Befragung im Jahr 2005 43% der Personen an, beim Kauf von Fleisch meist oder gelegentlich an Tierschutz zu denken. Die Unterschiede in der EU sind jedoch gewaltig: In Schweden sind es 67%, in Deutschland 52% und in Tschechien 21%.

Die Erwartung der Schweizer Bevölkerung ist für die Schweizer Landwirtschaft Auftrag und Chance zugleich. Fragt man, was unter Tierschutz bei Nutztieren zu verstehen sei, nennen die meisten „ artgerechte Haltung/nach Tierschutzgesetz/tierwürdig“, wiederum nach der Studie von Coop. Für mich heisst das, dass wir mit überzeugenden Tierschutzbestimmungen die Bauern in der Schweiz unterstützen können.

Am zweithäufigsten wurden die Kriterien „Auslauf/Freilauf“ genannt. „Bewegung“ ist tatsächlich ein zentrales Bedürfnis von Tieren. Im Rahmen der Informationskampagne „Tiere richtig halten“ wollen wir in den kommenden Monaten denn auch die „Bewegung“ von allen Seiten beleuchten – bei Nutz- genauso wie bei Heimtieren.

Bestimmte Hundetypen beissen häufiger – was bedeutet das?

Die Diskussion rund um gefährliche Hunde fokussierte von Beginn weg auf Pitbulls und andere Hundetypen, die unter dem Begriff „Kampfhunde“ liefen. Sind diese Hunde aufgrund der Zucht von sich aus gefährlicher? Sind sie für Halter besonders attraktiv, die selbst zur Aggression neigen? Oder ist das Problem „Pitbull“ einfach von den Medien produziert? Solche und ähnliche Fragen wurden heftig diskutiert, nachdem ein Knabe in Oberglatt von mehreren Pitbulls brutal zu Tode gebissen wurde.

Die Auswertung der Hundebissmeldungen aus dem Jahr 2007 gibt nun erstmals Anhaltspunkte zur Beantwortung der Fragen. Einige Hundetypen wie Rottweiler, Dobermänner oder Pitbulls beissen häufiger und zwar um das Mehrfache. Dies macht die Statistik deutlich. Die Zahlen beantworten jedoch die Frage nicht, ob diese Hunde von sich aus aggressiver sind oder ob das Problem eher beim Halter zu suchen ist. Oder anders gesagt: Es ist durchaus möglich, dass ein Pitbull in den Händen eines kompetenten Halter oder einer kompetenten Halterin kein erhöhtes Risiko darstellt. Die Frage ist somit, wie stellt man sicher, dass solche Hunde nicht in falsche Hände geraten.

Alle bisher auf nationaler Ebene getroffenen Massnahmen gelten für sämtliche Hunde und ihre HalterInnen gleichermassen. Hunde müssen gekennzeichnet und registriert werden und ab dem Herbst müssen Hundehaltende jeden neuen Hund ausbilden bzw. erziehen. Solche Massnahmen für alle Hunde in der Schweiz machen Sinn, werden die meisten Bissunfälle doch von den häufigsten Hundetypen verursacht. Ob diese Massnahmen aber auch für die oben erwähnten anspruchsvolleren Hundetypen reichen, muss geprüft werden.

Eines muss man sich dabei bewusst sein: Solche tragischen Vorfälle wie in Oberglatt lassen sich auch mit den strengsten Massnahmen nie ausschliessen. Unser Ziel muss es sein, einerseits das Risiko von Beissunfällen zu senken und den Vollzugsbehörden andererseits die Möglichkeit zu geben, möglichst früh einzuschreiten, wenn ein Hund-Halter-Gespann zum Risiko wird.

Hundebissstatistik 2007: http://www.bvet.admin.ch/themen/tierschutz/00760/00763/index.html?lang=de

 

Impfung gegen Ebergeruch – vieles spricht dafür

Die meisten Konsumentinnen und Konsumenten haben zwar noch nie davon gehört, doch Eberfleisch – also das Fleisch männlicher Schweine – kann bisweilen einen recht unangenehmen Geruch verströmen. Dieser spezielle Fleischgeruch kann vermieden werden, wenn die Hormonproduktion der Eber unterdrückt wird. Bisher geschah das meistens durch die chirurgische Kastration der männlichen Ferkel. Ab 2010 darf dieser Eingriff jedoch nur noch unter Narkose durchgeführt werden. Doch es gibt andere Methoden. Eine davon – die Impfung gegen den Ebergeruch – bietet besonders viele Vorteile.

Die Impfung bewirkt, dass die Stoffe, die zum Ebergeruch führen, nicht mehr produziert werden. Die Impfung verursacht keine Rückstände im Fleisch und ist für den Konsum absolut unbedenklich. Sie ist einfacher durchzuführen als eine chirurgische Kastration unter Narkose. Die korrekte Durchführung ist also kontrollierbar. Die Impfung ist auch gut erprobt: In einigen Ländern, etwa Australien, ist sie Standard und schon millionenfach durchgeführt worden.

Dennoch setzen die Grossabnehmer heute eher auf die chirurgische Kastration unter Narkose. Die Impfung hat nämlich gemäss Umfragen bei Konsumentinnen und Konsumenten ein Problem: Das Konzept ist nicht ganz einfach zu verstehen. In Befragungen zeigen sich Konsumierende deshalb skeptisch. Manche halten die Impfung für eine Hormonbehandlung, was völlig falsch ist. Andere befürchten Rückstände im Fleisch, obwohl dies nachweislich nicht der Fall ist. Ja, die chirurgische Kastration unter Vollnarkose wird von einigen sogar als tiergerechter beurteilt als die Impfung, obwohl dabei nach wie vor ein chirurgischer Eingriff erfolgen muss. Dies zeigt, dass die Impfung gegen den Ebergeruch nicht verstanden wird.

Sollen wir nun auf diese gute und für das Tier schonendste Methode verzichten, nur weil sie schwierig zu erklären ist ? Oder sollen wir nicht viel mehr auf eine gute und verständliche Information der Bevölkerung bauen? Für mich ist klar der zweite Weg der richtige – und ich hoffe auch, die Schweinebranche und die Grossverteiler bringen den Mut auf, für die fachlich bessere Methode einzustehen und sie den Konsumierenden zu erklären. Dann haben wir wirklich einen zukunftsträchtigen Ansatz gewählt, der tiergerecht ist und den Konsumierenden dennoch gesundheitlich einwandfreies Fleisch liefert.

Mehr Infos hier

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