Vogelgrippe in der Schweiz. Na und?
Ich wage eine Prognose: Heute melden wir den ersten Vogelgrippefall seit 2 Jahren - interessieren wird das nur am Rande. Was ist passiert in diesen Jahren? Damals war die Vogelgrippe über Monate hinweg das Medienthema Nummer 1. Über den Hurrikan Kathrina und den Untergang New Orleans wurde nicht einmal halb so oft berichtet. Dennoch war das meiner Meinung nach nicht einfach ein Medienhype. Man wusste damals tatsächlich vieles nicht über dieses H5N1. Heute ist allen klar, die Vogelgrippe ist in erster Linie eine Tierseuche. Auch wenn einige Vögel auf Schweizer Seen infiziert sind, sind Menschen in der Schweiz nicht unmittelbar gefährdet. Aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Vogelgrippe von Wildvögeln in Hühnerhaltungen getragen wird, können wir heute besser einschätzen. Die Vogelgrippe kann einzelne Tiere einer Wildpopulation befallen, ohne eine Durchseuchung auszulösen. Dies ist der Grund, weshalb wir von einem Freilandhaltungsverbot für Geflügel weggekommen sind. Ist das Thema Vogelgrippe damit erledigt? Sicher nicht. Weltweit hat sich die Vogelgrippe-Situation seit 2006 zwar nicht weiter verschlechtert, aber auch nicht verbessert. Die Vogelgrippe ist nach wie vor in Asien, Afrika, rund ums Schwarze Meer, aber eben auch in Mitteleuropa aktiv. Im Dezember 2007 etwa fand man das Virus in Hobbyhühnerhaltungen in Deutschland. England meldete kürzlich infizierte Schwäne. Wir müssen also weiterhin mit der Vogelgrippe rechnen und unsere Geflügelhaltungen davor schützen. Und wir müssen weiterhin mehr über die Krankheit lernen - zum Beispiel mit dem Forschungsprojekt Constanze am Bodensee.


Kommentare
Ein Bundesamt ist meines Erachtens den Tatsachen und nicht den Mutmassungen verpflichtet.
von Mutationen/Reassortment und einer Anpassung des
neuen Virus an den Menschen. Deshalb hat die Schweiz
den Impfstoff gekauft, deshalb werden antivirale Mittel
eingelagert.
Der direkte derzeitige Schaden fuer die Schweiz
und die Gefahr fuer Menschen durch einheimische
Voegel ist wohl gering.
Die Pandemie startet ja auch wohl kaum in der Schweiz
sondern in Asien oder Afrika.Dort ist stellenweise
auch der derzeitige direkte Schaden schon beachtlich.
Die Hauptursache liegt m.E. darin, dass viele Wissenschaftler schlichtweg auf das falsche Pferd - will sagen: Hypothese - setzten. Es ist bei oberflächlicher Betrachtung ja auch ein schönes, augenscheinlich zunächst auch konsistenstes Modell: Wildvögel sind hochmobile Lebewesen, nahezu überall auf dem Globus präsent. Wildvögel sind so ziemlich überall anzutreffen, und zu Orten wo sie gewöhnlich nicht anzutreffen sind, könnte sich immer noch einer "verflogen" haben. Theoretisch also in der Tat der ideale Vektor wenn es um die Verbreitung von Krankheitserregern geht. Dabei ist gegen die Formulierung und Veröffentlichung - auch dieser - Hypothese im Rahmen und auf Basis eines freien wissenschaftlichen Diskuses selbstverständlich nichts einzuwenden. Zu beobachten war allerdings konkret in Bezug auf H5N1 und die Wildvögel etwas ganz anderes:
Zuerst sagten die Befürworter dieser Hypothese, die Vogelzug sei ein - wenn nicht _der_ - entscheidende Faktor für die globale Verbreitung des Virus. Sehr schnell zeigte sich, dass die Flyways der Zugvögel in den wenigsten Fällen mit den Ausbruchsorten in Korrelation zu bringen waren. Mehr noch: Eine Übereinstimmung mit menschlischen Transport- und Handelswegen wurden mehrfach plausibel dargelegt. Das wurde (und wird es heute noch) von den Vertretern der Wildvogelhypothese ignoriert. Auch das Phänomen, dass die Ausbreitung von H5N1 offenbar an manchen Ländergrenzen Halt zu machen scheint, passt zwar nicht ins Bild der Wildvogelhypothese, versetzt deren Apologeten andererseits auch kein Stück weit in Nachdenklichkeit. Warum auch? Schließlich glaubt man ja, den gefiederten Sündenbock bereits ausfindig gemacht zu haben.
Vorurteile erweisen sich nun einmal als kontraproduktiv. Insbesondere in Wissenschaften, wo diese per definitionem nun wirklich auch rein gar nichts verloren haben. Diese laufen konträr jeglicher Ergebnisoffenheit und verursachen bei jedem der sie Pflegt unweigerlich einen Tunnelblick. Auch passt es nicht zu einem hoch pathogenen, hoch infektiösen Erreger, wenn sich auch in Vogelpopulationen hoher Dichte (z.B. Dorset, GB - rd. 750 Schwäne in engstem Kontakt, davon insgesamt 10 infiziert, sämtliche anderen Tiere nicht infiziert) nur vereinzelte Tiere infizieren.
Auch das vermutete Reservoir für H5N1 hpai konnte bis heute in der Wildvogelpopulation nicht ausgemacht werden. Den Vertretern der Wildvogelhypothese blieben nach in einem der größten Wildvogelmonitoring-Programme untersuchten 350.000 Vögeln nur einige hundert sterbenskrank bzw. postmortal beprobte Vögel - mit unklarem Infektionsweg. Der gesunde bzw. asymptomatisch H5N1 hpai verbreitende Wildvogel - sechs verdächtigte Enten (Quinghai) auf Grund unklarer Beprobungsumstände und statischer Bedeutungslosigkeit mal außen vor gelassen - hat sich als Legende erwiesen. Es ist wie mit Reinhold Messners sagenhaftem "Yeti": Auch wenn man von dessen Existenz noch so sehr überzeugt sein mag - der Beweis steht nun einmal aus.
"Die Angewöhnung geistiger Grundsätze ohne Gründe," wie Friedrich Nietzsche sehr treffend formulierte "nennt man bekanntlich: Glauben". So hat denn auch der Glaube, Es müsse etwas 'dran sein an der Wildvogelhypothese, und zu deren Bestätigung fehle es lediglich an weiteren Daten (350 000 Beprobungen reichen da offenbar nicht..), diese Hypothese in den Köpfen der Leute zu einer fixen Idee werden lassen. Das hat der Wissenschaft Ressourcen gekostet, welche zu Erlangung ergebnisoffener und insbesondere im Kontext einer epidemiologischen Untersuchung eines Krankheitserregers, zielführender eingesetzt worden wären.
Es haben sich offenbar viele Wissenschaftler dadurch selbst in eine Situation gebracht, aus welcher sie glauben ohne "Gesichtsverust" nicht mehr herauszukommen. Man hat den vermeintlich einfachsten - und weil mit der Wildvogelhypothese eben ausschließlich den Wildvögeln, und nicht etwa der Geflügelindustrie in die Quere kommt - den opportunistischsten Weg gewählt. Von wenigen (aber um so lauter zu vernehmenden..)Pharma-Propagandisten ganz zu schweigen.
Es freut mich jedenfalls sehr, dass die Schweiz sich neben ihrer politischen Neutralität offenbar auch ihre wissenschaftliche Objektivität bewahrt. An letzterem waren mir - ich muss es zugeben - insbesondere in Bezug auf auf mediale Risikokommunikation (ein Kommentator hatte es bereits angedeutet) und kritischer Bewertung wissenschaftlicher Hypothesen um H5N1 in 2006 einige Zweifel gekommen.
Als um so erfreulicher finde ich es wie gesagt, dass man nun zu einer sachlichen, objektiven und somit zielführenden Sichtweise zurückgefunden zu haben scheint.
Ich bin dabei zuversichtlich, dass sich die Herkunft der aktuell positiv beprobten Tafelente - ggfs. unter Hinzuziehung von Ornithologen - klären lässt und sich somit auch Hinweise auf mögliche Infektionswege und -Quellen finden lassen werden.
MfG
Diese Annahme wird auch durch neuere, experimentelle Untersuchungen an diversen Wildentenspezies, und zwar durch Infektion mit realistischen Infektionsdosen eindrucksvoll gestützt.
Wasservögel sind das klassische Reservoir für die verschiedensten niedrigpathogenen AI Viren, warum sollte das für den H5N1 Typus so unvorstellbar sein?
Was von der Aussagekraft der angenommenen Flugrouten zu halten ist, wird durch sich häufende Funde, die sich jeder Einordnung widersetzen, anschaulich apostrophiert.
Dass bisher kein Reservoir bei Wildvögeln entdeckt wurde, gilt auch für die übrigen Theorien, z.B. Geflügel als Hauptfaktor, und besagt für sich genommen nichts. Die Schlussfolgerung kann allenfalls sein, die Verlässlichkeit bislang verwendeten Beprobungsmethoden zu hinterfragen. Immerhin ist es bislang nicht einmal gelungen, im Umfeld nachgewiesener Fälle in Deutschland, Tschechien und anderen Ländern Virusmaterial nachzuweisen.
Die Protagonisten der "dead ducks don't Theorie" werden umdenken müssen.