Das Q-Fieber, auch Coxiellose genannt, hat sich in den Niederlanden markant ausgebreitet. Bei Schafen und Ziegen wurden nun strenge Massnahmen erlassen. Peter Braam, Programmverantwortlicher Tiergesundheit und Tierseuchen-Eradikation vom niederländischen Ministerium für Landwirtschaft, Natur und Lebensmittelqualität, erklärt die Hintergründe.

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Wie verbreitet ist das Q-Fieber mittlerweile in den Niederlanden?

Mit Stand vom 18. Dezember 2009 sind 60 Farmen betroffen. Beim Menschen sind bis 16. Dezember 2161 Fälle den Dutch Health Services gemeldet worden. 2007 waren es 193 und 2008 973.

Was hat zum Anstieg geführt?

Wir vermuten, dass grosse Ziegen-Milchbetriebe der Ursprung der menschlichen Epidemie sind. Die Ziegenpopulation stieg von 10.000 Tieren in den 90er Jahren auf heute 360.000 Tiere. Abortwellen auf Betrieben führten zur Verbreitung von Milliarden von Bakterien. Diese sind sehr stabil. Über Mist und Gülle kann die Umwelt kontaminiert werden, vor allem während der Ablamm-Saison, im trockenen Klima im Frühling und bei Wind. Nur wenige Dutzend Bakterien können einen Menschen krank machen!

Wie wurde der Anstieg bemerkt?

Man bemerkte 2007 zuerst die menschliche Epidemie. Die Fallzahlen waren erstaunlich, erkrankten vorher in den Niederlanden doch nur wenige Menschen pro Jahr an Q-Fieber. Im 2007 begann deshalb eine enge Zusammenarbeit zwischen den Veterinär- und Gesundheitsbehörden und der Landwirtschaft. Für Landwirte, Tierärzte und Laborpersonal wurde Q-Fieber 2008 meldepflichtig. Auch ungewöhnlich hohe Abortraten bei Nutztieren müssen seither gemeldet und untersucht werden. Zudem müssen Hygienemassnahmen beachtet werden und in einer Region im Südosten gilt eine Impfpflicht. Weiter haben wir die Forschung intensiviert, da immer noch viele Fragen offen sind, und eine aktive Überwachung installiert. Zur Zeit werden alle Ziegen- und Schaf-Milchbetriebe alle zwei Wochen per Tankmilchproben untersucht.

Mittlerweile wurden weitergehende Massnahmen wie das Keulen trächtiger Ziegen und Schafe beschlossen. Weshalb?

Die Impfungen bleiben die wichtigste Massnahme. Leider haben wir nicht genügend Impfdosen und es gibt Unsicherheiten, wie wirksam der Impfstoff bei bereits betroffenen trächtigen Tieren ist. Wir mussten deshalb dringend vor der Ablamm-Saison 2010 weitere Massnahmen treffen, um eine neue Epidemie beim Menschen zu verhindern. So müssen alle trächtigen Tiere auf betroffenen Ziegen- und Schafbeständen gekeult werden, der Tierverkehr ist national eingeschränkt, das Impfprogramm wird ausgeweitet und bis 1. Juli 2010 dürfen Schafe und Ziegen nicht befruchtet werden.

Wie haben die Landwirte darauf reagiert?

Den Landwirten ist das Problem klar. Sie haben 2007 und 2008 hart gearbeitet, um die Massnahmen umzusetzen. Das Keulen von Tieren, vor allem wenn sie soeben geimpft wurden, trifft Landwirte hart. Aus wissenschaftlichen und zeitlichen Gründen können wir nicht zwischen betroffenen und nicht betroffenen Tieren unterschieden – ist der Betrieb betroffen, müssen alle trächtigen Schafe und Ziegen gekeult werden. Dabei werden Landwirte nur für den Wert der Tiere entschädigt, jedoch nicht für alle Folgeschäden.

Ist das Q-Fieber in der breiten Bevölkerung ein Thema?

Das Keulen von Tieren löst immer starke Reaktionen aus. Seit den Ausbrüchen der Maul- und Klauenseuche vor einigen Jahren setzen wir uns deshalb EU-weit für eine Änderung der Tierseuchenbekämpfung ein - mit dem Ziel, dass im Grundsatz kein gesundes Tier mehr ausgemerzt werden muss. Dabei gewinnt die Impfung an Bedeutung. Leider führt das Q-Fieber auch zu vielen Erkrankungen beim Menschen und Betroffene müssen früh mit Antibiotika behandelt werden, um chronische Erkrankungen zu vermeiden. Zudem hatte das Q-Fieber in einigen Regionen grosse Auswirkungen. In der jetzigen Situation wird deshalb anerkannt, dass die Massnahmen, auch das Keulen, zum Schutz der Menschen nötig sind.

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