20. September 2010
Die Wiederkäuerkliniken der Vetsuisse Fakultät in Bern und Zürich starten zusammen mit weiteren Partnern ein umfangreiches Forschungsprojekt zur Paratuberkulose, finanziert durch das BVET. Das Ziel: Die heimtückische Rinderkrankheit soll künftig in der Schweiz effizienter bekämpft werden können. Der Landwirtschaft würden so jährliche Millionenverluste erspart.
Die Paratuberkulose ist eine uralte tödliche Krankheit von Wiederkäuern und kommt weltweit vor – und dennoch ist sie schwer zu fassen, weil sie nur sehr langsam fortschreitet. Bereits die Diagnostik im Labor ist schwierig. Die Bekämpfung im Stall ist aufwändig und dauert Jahre. Bei Kühen führt die Krankheit zu unstillbarem Durchfall, Abmagerung und Milchrückgang, bis die Tiere letztendlich an Schwäche sterben.
Viele Betriebe wurden schon von den Wiederkäuerkliniken in Bern und Zürich in der Bekämpfung der Paratuberkulose unterstützt. Im Projekt sollen nun je 20 betroffene Milchvieh- und Mutterkuhbetriebe während 5 Jahren begleitet werden – so lange dauert es, bis die Auswirkungen von Sanierungsmassnahmen erfasst werden können. „Wir brauchen Tierhaltende mit dem nötigen Durchhaltewillen“, betont die Projektleiterin Mireille Meylan von der Wiederkäuerklinik in Bern.
Dies lohnt sich jedoch: die Betriebe erhalten professionelle Unterstützung. Die Forschenden werden zusammen mit dem Tierhaltenden und der Tierärztin oder dem Tierarzt eine auf den Betrieb angepasste Bekämpfungsstrategie entwickeln und genau prüfen, wie gut die einzelnen Massnahmen wirken und wieviel sie kosten. Aus all den Daten entwickeln die Forschenden 2015 Empfehlungen für Milchvieh- und Mutterkuhbetriebe. Zudem wird sich dann die Frage stellen, ob die Paratuberkulose schweizweit koordiniert bekämpft werden soll.
In der Schweiz ist die Paratuberkulose eine zu überwachende Seuche und damit meldepflichtig. Jährlich gehen jedoch nur ein, zwei Dutzend Meldungen ein. Dabei könnte gemäss früheren Studien beinahe jeder zehnte Betrieb betroffen sein. In der Bekämpfung ist eine strikte Hygiene bei Kälbern wichtig, da sich vor allem Jungtiere durch Kontakt mit älteren infizierten Tieren anstecken. Der Durchfall und die Abmagerung treten jedoch erst bei älteren Tieren (meistens im Alter von 3 bis 5 Jahren) auf.
Eine bessere Bekämpfung der Paratuberkulose ist wichtig, um Verluste in der Landwirtschaft und Tierleid zu verhindern. Zudem gibt es Hinweise, aber bei weitem keine Klarheit, ob und in welchem Ausmass die Erreger die chronische Darmkrankheit Morbus Crohn beim Menschen mitverursachen können.
Die Wiederkäuerkliniken suchen noch Betriebe für die Studie. Tierärztinnen und Tierärzte, welche betroffene Milchvieh- oder Mutterkuhbetriebe betreuen (bestätigter Fall oder klinischer Verdacht), sollen sich melden bei: Mireille Meylan, 031 631 23 44, mireille.meylan@knp.unibe.ch oder Gabi Knubben, 044 635 82 57, gknubben@vetclinics.uzh.ch . Ins Projekt involviert sind zudem das Institut für Veterinärbakteriologie und das Institut für Lebensmittelsicherheit und -hygiene der Universität Zürich sowie der Rindergesundheitsdienst.
Das Projekt startet im Januar 2011. Betroffene Betriebe können aber schon ab Herbst 2010 angemeldet werden.
Weitere Informationen zur Paratuberkulose finden Sie auf der Website des BVET