Bundesamt für Veterinärwesen BVET

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Hochansteckende Tierseuchen auf einfache Weise ausschliessen!

Hochansteckende Tierseuchen wie etwa die Maul- und Klauenseuche oder Schweinepest sind nach wie vor in vielen Ländern präsent. Ihre Einschleppung in die Schweiz hätte unabsehbare Konsequenzen für die betroffenen Landwirte, aber auch für die gesamte Wirtschaft. Deshalb sind die gesetzlichen Bestimmungen für diese Seuchen drastisch: Um jegliche Verbreitung zu verhindern, muss schon bei einem Verdacht auf eine hochansteckende Seuche ein Betrieb gesperrt werden. Weder Tiere noch ihre Produkte dürfen den Betrieb verlassen, denn das Risiko einer Weiterverbreitung der Seuche ist hoch!

Doch wann spricht man von einem Verdacht? Die Symptome der hochansteckenden Seuchen sind im Anfangsstadium nicht immer eindeutig. Was sollen Tierärzte und Tierärztinnen tun, wenn sie auf  kritische Symptome treffen, bei denen nicht ganz auszuschliessen ist, dass es erste Anzeichen einer hochansteckenden Seuche sind, die aber genauso ganz harmlos sein könnten? Sollen sie – nur um ganz sicher zu gehen – beispielsweise einen Verdacht auf Maul- und Klauenseuche melden und damit eine Betriebssperrung auslösen? In der Praxis schrecken viele Tierärzte und Tierärztinnen in dieser Situation vor so einem Schritt zurück – und auch die Tierhalter/-innen werden einen so schwerwiegenden Verdacht nur äussern, wenn die Zeichen einigermassen eindeutig sind. In den meisten Fällen geht das gut – aber was, wenn die unklaren Anzeichen sich dann doch als frühe Symptome einer Maul- und Klauenseuche entpuppen? Die Folgen wären fatal, denn jede Verzögerung bei der Früherkennung einer hochansteckenden Tierseuche erschwert ihre Eindämmung und Bekämpfung drastisch.

Seit einigen Monaten gibt es nun einen Ausweg aus diesem Dilemma: Bei den hochansteckenden Tierseuchen Maul- und Klauenseuche, Klassische Schweinepest, Afrikanische Schweinepest, Aviäre Influenza und Newcastle-Krankheit haben Tierärztinnen und Tierärzte neu die Möglichkeit, bei unklaren, seuchenähnlichen Symptomen eine Ausschluss-Untersuchung durchzuführen. Auf den Tiergesundheitsseiten des BVET ist unter den genannten Krankheiten diese Möglichkeit der Ausschluss-Untersuchung beschrieben. Bei einer Ausschluss-Untersuchung können Proben entnommen und auf die entsprechende hochansteckende Tierseuche untersucht werden, ohne dass Sperrmassnahmen gemäss Tierseuchenverordnung notwendig sind. Die Proben werden am Referenzlabor für hochansteckende Tierseuchen, dem Institut für Viruskrankheiten und Immunprophylaxe (IVI) in Mittelhäusern untersucht. Wenn sich der vage Verdacht nicht bestätigt, hat dies keine weiteren Folgen für den betroffenen Betrieb. Sollte sich ein ungutes Gefühl aber doch einmal bestätigen, können rasch Massnahmen ergriffen und weiteres Unheil und damit grosses Leid für die Tiere und ihre Halter/-innen verhindert werden.

Der Gesetzgeber eröffnet damit Bestandestierärzten, Tierärztinnen und Tierhaltern einen unkomplizierten Weg, Zweifelsfälle zu klären ohne bereits rigorose Massnahmen treffen zu müssen, die sich dann als unnötig erweisen.

Pferderegistrierung: Schon 12‘000 Tiere gemeldet

Die Registrierung der Pferde, Ponys und Esel ist seit Anfang Jahr Pflicht und nach einem Quartal sind bereits  mehr als 12‘000 Equiden bei der Tierverkehrsdatenbank TVD registriert worden. Im Rahmen der Informationskampagne zur obligatorischen Pferderegistrierung wurden einige Pferdeeigentümer für das frühzeitige Registrieren belohnt. Jede tausendste Registrierung wurde je mit einem Preis honoriert. Die Übergabe der Preise fand anlässlich der BEA/Pferd 2011 statt.

Pferdehaltende und –eigentümer hatten während der nationalen Pferdemesse Pferd 2011 die Möglichkeit ihr Tier am Agate-Stand registrieren zu lassen. Weil das System zu Beginn noch Kinderkrankheiten aufwies, nutzten viele  Besucher die Gelegenheit, ihre Tiere unter Anleitung zu registrieren.  Das Team von Agate arbeitet auf Hochtouren, die Software hinter der Datenbank wird laufend verbessert. Unterdessen sind alle Dienste und Funktionen verfügbar.

Wer nicht gezaudert und sich schnell ans Registrieren gemacht hat, dem bot sich die Chance einen von 10 Preisen zu gewinnen.  Die Preisverleihung fand im Rahmen der nationalen Pferdemesse statt. Diejenigen Gewinner und Gewinnerinnen, die die Einladung nach Bern annehmen konnten, erhielten ihren Preis von BVET-Direktor Hans Wyss überreicht.



Sie haben gewonnen: Brigitte Boller, Susanne Bürgin, Sandra Zimmermann

 

Antworten auf alle Fragen gibt es auf www.agate.ch

Die obligatorische Pferderegistrierung bedeutet einen markanten Wechsel für die gesamte Pferdebranche und die Pferdehaltenden. Es ist klar, dass ein solcher Wechsel Fragen aufwirft und es einige Zeit braucht, bis sich das System eingespielt hat und die Handhabung der neuen Regelungen selbstverständlich geworden ist. Die Mühe, sich eingehend zu informieren, lohnt sich! Sie finden sämtliche relevanten Informationen zur Pferderegistrierung auf dem Webportal www.agate.ch . Bei Problemen hilft das Agate-Helpdesk gerne weiter: Tel. 0848 222 400 (Mo bis Fr, 8:00 bis 16:30 Uhr).

Neu im Netz: Umfassende Informationen über Parasiten bei Hunden und Katzen

Sei es hartnäckiger Durchfall der Katze oder seien es Flöhe und Zecken beim Hund: Parasiten sind ein Thema, das Hunde- und Katzenbesitzer/innen immer wieder beschäftigt. Entsprechend gross ist das Bedürfnis nach Information und Beratung. Genau diesem Bedürfnis trägt das ESCCAP Rechnung. Das ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites) steht für unabhängige, fachkundige und verständliche Informationen zu Parasiten bei Hunden und Katzen. Die ESCCAP Schweiz bietet diese Information neu auch online an. Ein Angebot, das es zu entdecken gilt – und das zu nutzen sich lohnt. 

Die ESCCAP ist eine Vereinigung von Veterinärparasitologen und ein eigentliches Kompetenzzentrum für  Parasitologie. Die ESCCAP Schweiz will mit fundierten Informationen helfen, Hunde und Katzen vor Parasiten und deren Folgen zu schützen. Nach dem Motto „Wissen hilft Vorbeugen“. Verhindert werden soll auch, dass der Mensch sich mit vom Tier zum Menschen übertragbaren Krankheiten (Zoonosen) ansteckt. Angesprochen sind vor allem Tierärztinnen und Tierärzte, Veterinärmedizinische Fachangestellte und Tierhalter/innen.

Wer sich also genauer über Flöhe, Zecken, Läuse, Hautpilze, Würmer und Sandmücken informieren will, dem sei die neue Homepage der ESCCAP empfohlen. Der lesenswerte Inhalt reicht vom Hintergrundartikel über Tipps zur Prävention und Behandlung bis zu aktuellen Informationen. So gibt es zum Beispiel Experten-Tipps zum Schutz vor Reisekrankheiten beim Hund und zur richtigen Entwurmung von Hunden und Katzen. Die Frage „Kann man gegen Zecken impfen?“ wird genauso beantwortet wie jene, was zu tun ist, wenn das Tier immer wieder an hartnäckigem Durchfall leidet, oder ob es einen Zusammenhang gibt zwischen Floh- und Wurmbefall. Wer ausser dem erfahrenen Tierarzt oder der Parasitologin weiss schon, dass sich Hunde und Katzen vor allem im Winter Flöhe holen und zwar vorzugsweise über Eier, Larven und Puppen in der eigenen Wohnung? Das neue Informationsangebot hat nur einen Haken – in Bezug auf alle möglichen und unmöglichen Parasiten möchte man es manchmal gar nicht so genau wissen…

Informationen über Parasiten bei Hunden und Katzen: www.esccap.ch  
Informationen zur Haltung von Hunden und Katzen generell: www.tiererichtighalten.ch 

Tollwut in Norditalien : Der Kampf gegen die Seuche dient dem Schutz der Schweiz

Sie erinnern sich: vor einem Jahr haben wir über die kritische Tollwut-Situation in Norditalien berichtet. Innerhalb von zwei Jahren hatten die Fälle massiv zugenommen, die Tollwut breitete sich aus und kam bis auf 100 Kilometer an die Schweiz heran. Die italienischen Behörden reagierten und starteten eine breite Impfkampagne. Die Schweiz ist in ständigem Kontakt mit den italienischen Kolleg/innen, zum letzten Mal Ende Februar. Eine gute Gelegenheit, einen Blick auf die aktuelle Situation zu werfen.

Dank der getroffenen Massnahmen hat sich die Situation in Norditalien verbessert: Im zweiten Halbjahr 2010 wurden deutlich weniger neue Fälle gemeldet. Die Tollwut hat sich auch nicht weiter ausgebreitet. Die betroffenen Regionen sind dieselben geblieben, am stärksten betroffen ist die Provinz Belluno.

Diese vergleichsweise günstige Situation ist auf die Anstrengungen der italienischen Gesundheitsbehörden zurückzuführen. Im letzten Jahr wurden vier Impfkampagnen durchgeführt. Jedes Mal wurden gegen 650‘000 Köder verteilt auf einer Fläche von über 32‘000 Quadratkilometern. Im Sommer wurden die Köder im Gebirge sogar per Helikopter verteilt bis auf eine Höhe von 2300 Metern.

Es wurde auch ein Programm zur Überwachung der Fuchspopulation gestartet. Es hat gezeigt, dass die Impfkampagne wirksam ist. Erlegte oder tot aufgefundene Füchse wurden untersucht und gemäss dieser Analyse hatten zwischen 40 und 70 Prozent der Füchse den Impfstoff geschluckt und waren demnach geschützt. 

Neben dieser Kampagne zum Schutze der Wildtiere bleibt die Tollwutimpfung der Hunde (und einiger Nutztiere) eminent wichtig. Dies nicht zuletzt, um zu verhindern, dass sich Menschen mit dieser heimtückischen Krankheit anstecken.  

Die Impfkampagnen in Italien werden sicher 2011 und 2012 weitergeführt – es kann aber auch sein, dass sie noch länger nötig sein werden. Internationale Standards empfehlen, dass während mindestens zwei Jahren nach Auftreten des letzten neuen Falles weiter geimpft wird.

Eine solche Impfkampagne hat natürlich ihren Preis: Sie verursacht für Italien und die Europäische Union, die einen Teil der Kampagne finanziert, Kosten in der Höhe von mehreren Millionen Euro. Das Beispiel zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, frühzeitig zu reagieren, wenn eine Epidemie droht. Mit drastischen Massnahmen zu Beginn kann eine langandauernde und teure Kampagne unter Umständen verhindert werden.

Die Situation für die Schweiz ist im Moment dank der in Italien getroffenen Massnahmen nicht besorgniserregend. Die Tollwut ist in Europa aber noch lange nicht ausgerottet. In Kroatien beispielsweise stellt sie ein Problem dar. Man muss die Krankheit nach wie vor im Auge behalten. Deshalb auch die Empfehlung an alle, die mit ihrem vierbeinigen Gefährten ins Ausland reisen: Vergessen Sie nicht, ihr Tier gegen Tollwut zu impfen! Weitere Informationen finden Sie in der Online-Datenbank „Mit Hund oder Katze über die Grenze“.

Deutschland startet eine nationale BVD-Ausrottung

Ab dem 1. Januar 2011 werden Kälber in Deutschland mit einer speziellen Ohrmarke gekennzeichnet, welche die Entnahme einer Ohrstanzprobe erlaubt. Rindviehhaltenden der Schweiz dürfte dies bekannt vorkommen. Tatsächlich startet Deutschland dieses Jahr ein ähnliches Programm zur Ausrottung der Bovinen Virus Diarrhoe (BVD) wie jenes der Schweiz, welches seit 2008 läuft.

Auch wenn die Ziele der Programme in Deutschland und der Schweiz die gleichen sind – nämlich die Tilgung von stark Virus streuenden Tieren, so genannten PI-Tieren – ist das Vorgehen leicht unterschiedlich. In Deutschland etwa wird zum Start nicht der gesamte Rindviehbestand durchgetestet wie in der Schweiz geschehen. Das Programm fokussiert schon zu Beginn auf die Kälber. Diese müssen in den ersten sechs Lebensmonaten getestet werden. Sind sie negativ, gilt auch das Muttertier als bestätigt negativ. Ist das Kalb positiv, muss es getötet werden und das Muttertier wird getestet. Wie in der Schweiz erfolgt die Probenahme während der Markierung durch den Bauern, welcher die Probe danach ins Labor schickt. Auch der Test per Blutprobe ist möglich.

Eingeschränkt ist auch der Tierverkehr: Nur negativ getestete Tiere dürfen verstellt werden – auf andere Betriebe, auf Märkte und Ausstellungen. Bei Schweizer Tieren ist diese Vorgabe dank des Ausrottungsprogrammes durchwegs erfüllt. In Schlachthöfe und zur Mast dürfen in Deutschland jedoch auch ungetestete Tiere verstellt werden.

Im Unterschied zur Schweiz stellt Deutschland tragende Tiere nicht unter Sperre, wenn ein Tier im Betrieb positiv getestet wird. In der Schweiz garantiert diese Massnahme, dass die ungeborenen Tiere, die angesteckt werden, den Erreger nicht in einen anderen Betrieb einschleppen.

Der Ansatz in Deutschland ist weniger intensiv als in der Schweiz, weshalb die Phase mit den Einschränkungen im Tierverkehr und die Ausrottung insgesamt voraussichtlich länger dauern wird.

Für die Schweiz ist das Ausrottungsprogramm in Deutschland eine positive Nachricht. Es hilft das in der Schweiz Erreichte zu sichern und zeigt, dass immer mehr Länder in Europa BVD ausrotten – wie es die skandinavischen Länder bereits vorgemacht haben.

Und wo stehen wir in der Schweiz ? Das Ausrottungsprogramm kommt gut voran. Im Moment sind noch 0,1% der neu-geborenen Kälber PI-Tiere – im Vergleich zu 1,5% vor Start des Programmes. Dafür braucht es jedoch den Einsatz von allen: die Sperren stets einhalten, alle Kälber testen und nicht vor Erhalt der Testresultate verstellen.

 

Infoabende zur Pferderegistrierung: Knackpunkt Aufbewahrung des Passes im Stall

Anfang November haben sich TierärztInnen, Zuchtverbände und andere Akteure der Pferdebranche an Infoabenden über die Pferderegistrierung informieren lassen. Sie werden die erhaltenen Informationen in den kommenden Wochen Pferdehaltenden weitergeben. Ob in der Deutsch- oder der Westschweiz: an den Infoabenden konnten viele Details in der Umsetzung geklärt werden.

Ein Thema wurde besonders häufig angesprochen und stört viele Pferdehaltende : weshalb muss der Pferdepass beim Pferd deponiert werden ? Pferdeeigentümer wie Besitzer von Stallungen haben sich ablehnend gegenüber dieser Vorschrift geäussert.

Diese Vorschrift hat ihren Grund : Im Seuchenfall müssen die wichtigsten Informationen (Wer ist Eigentümer ? etc.) ohne langwierige Recherchen im Stall verfügbar sein. Diese Informationen sind aber nicht im Chip gespeichert, sondern stehen im Pass. Wie verschiedene Teilnehmende an den Infoabenden richtig gesagt hatten, lässt sich dies im Prinzip auch anders lösen, als mit der Aufbewahrung des Pferdepasses im Stall. Sollte sich keine tragbare Lösung im Rahmen der jetzigen Vorschrift finden lassen, muss diese nochmals diskutiert werden.

Auch die weiteren - weniger umstrittenen - Fragen, drehten sich um die Umsetzung der Pferderegistrierung: Muss der Stallbesitzer die Pferde registrieren? (Nein, der Eigentümer.) Müssen Pferde, welche nach Frankreich zur Sömmerung gehen, gemeldet werden? (Ja, wenn sie länger als 30 Tage da bleiben.) Muss der Pass in der Schweiz ausgestellt sein? (Für alle nach dem 1. Januar 2011 in der Schweiz geborenen Pferde ja.) Die Antworten auf diese und andere Fragen finden Sie auch unter www.agate.ch.

Man spricht wieder von der Vogelgrippe

In Deutschland wurde letzte Woche ein Ausbruch niedrigpathogener Vogelgrippe in einem Geflügelbetrieb gemeldet – eine Neuigkeit, die in der Öffentlichkeit völlig unbeachtet blieb, denn die Vogelgrippe ist seit langem nicht mehr im Visier der Medien.  Für uns jedoch ein Grund mehr, kurz innezuhalten und uns bewusst zu machen, dass die Vogelgrippe immer noch eine der Krankheiten ist, die es im Auge zu behalten gilt.

Das in Deutschland gefundene Vogelgrippevirus ist vom Typ H5N2. Es ist nur schwach virulent, deshalb spricht man von einem niedrigpathogenen Typ. Das befallene Geflügel zeigte keinerlei Symptome, die Fälle wurden im Rahmen eines aktiven und freiwilligen Überwachungsprogramms gefunden. Nach Aussage der deutschen Behörden hatte das Geflügel Zugang zu einem Freigelände und dürfte von Wildvögeln infiziert worden sein, die Virusträger waren.  Weil es sich um ein Virus des Typs H5 handelt, wurden drastische Massnahmen ergriffen: Der ganze Geflügelbestand des Betriebes musste getötet werden - dabei handelte es sich um 17‘000 Legehennen, Enten, Gänse, Truten und Perlhühner.

Niedrig pathogene Vogelgrippeviren werden auf einem Betrieb häufig gar nicht entdeckt. Schliesslich gibt es keine toten Tiere und keinerlei Leistungseinbussen; also eigentlich gar keinen Anlass, etwas zu unternehmen – wenn da nicht die bösartige Tendenz der H5- und H7-Viren wäre, zu mutieren und sich in hochpathogene Viren zu verwandeln. Das allerdings hätte verheerende Auswirkungen für den Betrieb:  Eine Mortalität von gegen 80% und ein fast vollständiger Zusammenbruch der Produktivität. Das Eindringen eines H5- oder H7-Virus in einen Betrieb stellt deshalb auch dann eine reale Gefahr dar, wenn das Virus offensichtlich vom niedrigpathogenen Typ ist.  Bei der hohen Tierdichte vermehren sich die Viren rasend schnell und jeder Vermehrungszyklus birgt die Gefahr der Mutation in einen hochpathogenen Virentyp. Deshalb würden in einem solchen Fall auch in der Schweiz drastische Massnahmen ergriffen: Hier wie in Deutschland müssten sämtliche Herdentiere getötet werden. Schliesslich ist es eine Chance, das Virus in diesem frühen Stadium zu entdecken – eine Chance, einem schlimmen Ausbruch zuvorzukommen.

Der Fall in Deutschland ruft uns wieder die immer noch andauernde Präsenz der Vogelgrippe in Erinnerung – eine Präsenz, die in Südostasien nie nachgelassen hat. Dort wütet der Virustyp H5N1 – der berühmte Vogelgrippe-Virustyp – mit fast unverminderter Heftigkeit in den Geflügelbetrieben. Der Situationsbericht der FAO vom September 2010 klingt nicht sehr zuversichtlich : Die Situation hat sich nicht wirklich zum Guten gewendet und die Vogelgrippe ist in einigen Weltregionen weit verbreitet.

All das beweist, dass die Vogelgrippe zu den Krankheiten gehört, die es immer im Auge zu behalten gilt und die auch wieder die Schweiz betreffen können. Einmal mehr also muss die erstrangige Bedeutung professioneller Biosicherheitsmassnahmen hervorgehoben werden:  Strikte Hygieneregeln gehören zum elementaren Handwerkszeug eines verantwortungsbewussten Geflügelhalters.

Maul- und Klauenseuche in der Türkei – ein Augenschein

Ein Ausbruch der Maul- und Klauenseuche MKS in der Schweiz hätte verheerende Folgen. Wie aber können sich Tierärzte auf den Ernstfall vorbereiten, wenn die Seuche seit Jahrzehnten nicht mehr aufgetreten ist? Die Europäische Union und die Schweiz schickten deshalb gut ein Dutzend Tierärztinnen und Tierärzte in die Türkei – zur Schulung. Mit dabei war Daniela Hadorn vom Bundesamt für Veterinärwesen. Die Schulung war von der Europäischen Kommission zur Kontrolle der Maul- und Klauenseuche (EuFMD) organisiert worden.

Weshalb die Türkei?
Abgesehen von der Gegend rund um Istanbul ist die Maul- und Klauenseuche in der Türkei weit verbreitet. Zudem war die Türkei bereit, uns Tierärztinnen und Tierärzte, natürlich unter Berücksichtigung von strengen Biosicherheitsmassnahmen, in die Seuchengebiete zu führen – keine Selbstverständlichkeit!

Haben Sie erkrankte Tiere gesehen?
Allerdings. In einem Dorf im Osten Anatoliens hatten wir die Gelegenheit, einen frisch mit Maul- und Klauenseuche verseuchten Tierbestand zu untersuchen. Schon von weitem war klar ersichtlich, dass die Tiere krank waren. Sie lahmten, waren apathisch, frassen kaum, speichelten – typische MKS-Symptome. Wir haben dann einzelne Tiere klinisch genau untersucht. Fast alle dieser untersuchten jungen Tiere waren schwer von der Krankheit betroffen. Viele hatten markante Schleimhautläsionen (offene Stellen) im Maul und zwischen den Klauen – ein Tier war nahe am Ausschuhen! Gerade den Jungtieren ging es teilweise sehr schlecht, da sie noch nicht geimpft waren. Den älteren Tieren sah man dagegen kaum etwas an, weil sie geimpft sind oder weil sie die Seuche durchgemacht haben und nun immun sind.

Wie geht die Türkei mit der MKS um?
Die Türkei leistet einen beeindruckenden Effort im Kampf gegen die Seuche. Ein wichtiges Ziel ist es, die Gegend um Istanbul und damit das Grenzgebiet zur EU MKS-frei zu halten. In den übrigen Gebieten ist eine Ausrottung aktuell sehr schwierig – unter anderem wegen ständiger illegaler Importe von verseuchten Tieren v.a. aus dem Iran. Mit halbjährlichen grossangelegten Impfkampagnen hält die Türkei im ganzen Land die Schäden der Seuche so gering wie möglich.

Frappierend war für mich der Unterschied zur Situation in Grossbritannien 2001. Ich konnte damals die britischen Behörden im Kampf gegen den gigantischen MKS-Ausbruch vor Ort unterstützen. Der Ausbruch war eine Krise der gesamten Gesellschaft: mit grossangelegten Tiertötungen, mit wirtschaftlichen Einbrüchen in der Landwirtschaft und im Tourismus, mit grosser Verunsicherung, mit Selbstmorden von Tierhaltern. In der Türkei dagegen ist die Krankheit für die Bauern Alltag – ein Alltag allerdings, der v.a. durch das Verkaufsverbot von infizierten Tieren massiv erschwert wird. Dies zeigte mir einmal mehr klar, dass Tierseuchenbekämpfung immer an die lokalen Gegebenheiten angepasst sein muss.

Was haben Sie für die Schweiz gelernt?
Steht man vor einer betroffenen Jungtiergruppe in der Türkei, scheint es offensichtlich, dass die Tiere an MKS leiden. Nicht bei allen Tieren sind die Symptome jedoch so klar ausgeprägt. Und gerade in der Schweiz denkt man bei solchen oder ähnlichen Symptomen nicht zuerst an MKS. Wir Tierärztinnen und Tierärzte müssen uns die Symptomatik deshalb immer wieder vor Augen führen und daran denken, dass die MKS jederzeit auftreten kann. Auch hierfür ist die Türkei ein gutes Beispiel: Viele Schweizerinnen und Schweizer machen in der Türkei Ferien. Es muss nur ein Schweizer Tourist verbotenerweise eine Wurst aus der Türkei mitnehmen und diese einem Schwein zu Fressen geben – dies reicht für einen Seuchenausbruch.

Auch für die Notfallplanung in der Schweiz habe ich einige Punkte mitgenommen. So haben wir etwa die Vorgaben für die Probenahme etwas angepasst. Wichtig war zudem der Austausch mit den erfahrenen Kollegen aus der Türkei und den Kollegen aus anderen europäischen Ländern über die MKS-Notfallplanung. Insgesamt war die nur wenige Tage dauernde Reise sehr wertvoll.

Das Friedrich-Loeffler-Institut wird 100 – und bald bedeutend grösser

Eines der wichtigsten Forschungsinstitute für Tierseuchen der Welt, das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der deutschen Insel Riems, wurde am 10. Oktober 2010 100-jährig. Zudem feiert das Institut einen grossen Neubau. Das FLI wird damit zum einzigen Institut in Europa, welches bei Grosstieren Bekämpfungsstrategien gegen so gefährliche Erreger wie das Nipah- oder das Hendravirus erforschen kann. Die Schweiz hat seit 1942 ein Forschungsinstitut für Tierseuchen, seit 1992 ist dies das Institut für Viruskrankheiten und Immunprophylaxe (IVI) in Mittelhäusern.

Am 10. Oktober 1910 begann Friedrich Loeffler, der Entdecker des Virus der Maul- und Klauenseuche, zusammen mit Mitarbeitenden auf der Insel Riems zu forschen. Die Arbeiten trugen wesentlich zur Beschreibung der Maul- und Klauenseuche und zur Entwicklung von Impfstoffen bei. Heute erforschen Hunderte von Wissenschafterinnen und Wissenschafter verschiedenste Tierseuchenerreger und entwickeln Diagnostika und Bekämpfungsmethoden.

Und das FLI erhält bald Zuwachs: der grosse Neubau mit 89 Laboren und 163 Stallräumen wird 2011 und 2012 bezogen. Einige der Labore erfüllen derart hohe Sicherheitsanforderungen, dass darin an Grosstieren mit besonders gefährlichen Erregern geforscht werden kann. Dies sind Labors der höchsten Sicherheitsstufe 4. Solche Arbeiten sind bislang nur in zwei Instituten weltweit – in Australien und Kanada – möglich. Die Bedeutung des FLI in der Erforschung und Bekämpfung von Tierseuchen wird damit weiter wachsen – ein Gewinn für Tierhaltende und die Bevölkerung insgesamt weltweit.

Das FLI, Insel Riems, feierte das 100-jährige Bestehen mit einem Tag der offenen Tür am 10.10.2010 um 10.10 Uhr. Es kamen über 8000 Interessierte.

Ab 1. Januar 2011: Zukäufe von Schweinen melden

Ab dem 1. Januar 2011 müssen Zukäufe von Schweinen bei der Tierverkehrsdatenbank TVD gemeldet werden. Damit wird die Rückverfolgbarkeit verbessert – eine wichtige Massnahme, um bei Ausbrüchen von Tierseuchen rasch und richtig zu handeln. Über diese seit Monaten bekannte Vorschrift wird nun im Detail bei www.agate.ch informiert – also auf jener Website, über die auch die Meldungen ab 2011 stattfinden werden.

Alle Schweinehalter und Schlachthöfe erhalten Ende Dezember per Post von Agate einen persönlichen Zugang zu www.agate.ch, inkl. PIN-Code. Damit haben sie Zugang auf ihre Betriebsdaten und können Zukäufe oder Schlachtungen von Schweinen melden.

Konkret: Ab dem 1. Januar 2011 müssen Schweinehalter der TVD alle Zukäufe von Schweinen melden. Dabei meldet der Schweinehalter, der die Tiere kauft, die Anzahl der zugekauften Tiere und deren Herkunftsbetrieb. Die Anzahl der Tiere genügt, die TVD-Nummer der Tiere muss nicht übermittelt werden. Auch Verkäufe oder Würfe von Schweinen müssen nicht gemeldet werden. Dagegen werden Schweineschlachtungen durch die Schlachtbetriebe gemeldet. Diese melden das Schlachtdatum, die Anzahl Tiere, die TVD-Nummer des Herkunftsbetriebes und jene des Schlachthofes. Wer keinen Internetzugang hat, kann Meldekarten verwenden, welche ab Mitte Dezember über das Helpdesk von www.agate.ch bestellt werden können.

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