Bundesamt für Veterinärwesen BVET

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Rinderkrankheit Besnoitiose breitet sich in Europa aus

Die Besnoitiose breitet sich in Europa aus und führt zu immer mehr Fällen in immer neuen Regionen. Dies schreibt die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA in einer soeben veröffentlichten Zusammenstellung der verfügbaren Daten. Die Krankheit kann bei Rindern schwere Symptome wie massive Hautschäden und Unfruchtbarkeit und gar den Tod auslösen, ist für Menschen jedoch ungefährlich.

Die Schweiz könnte jederzeit betroffen sein. In den französischen Alpen kam es schon mehrfach zu grösseren Ausbrüchen der Besnoitiose. Über aus Frankreich importierte Rinder gelangte die Krankheit bereits nach Deutschland und Italien. Gegen die Besnoitiose gibt es in Europa weder wirksame Impfstoffe noch Medikamente. Wirklich wirksam kann die Ausbreitung der Krankheit nur durch das Töten der ganzen Herde unterbunden werden.
Vieles ist bei der Besnoitiose noch unbekannt. Übertragen wird die Krankheit vermutlich vor allem über Bremsen und andere stechende Fliegen. Aber auch beim direkten Kontakt von Tieren über offene Wunden und beim Natursprung scheint eine Übertragung möglich. Die Autoren der Studie fordern in erster Linie eine Verstärkung der Forschung, um die Verbreitungswege der Krankheit zu klären. Zudem sollen Tierhaltende und Tierärzte auf die Krankheit aufmerksam gemacht werden.

Zum Schutz der Schweizer Rinderpopulation braucht es vor allem zwei Massnahmen:

  • Testen Sie bei Importen aus betroffenen Regionen, insbesondere Frankreich, die Tiere vorab auf Besnoitiose.
  • Machen Sie sich mit den Symptomen der Krankheit vertraut und reagieren Sie bei Verdachtsfällen sofort. Erste Anzeichnen sind starker Tränenfluss und Veränderungen am Flotzmaul und an den Zitzen. Oft wird die Krankheit anhand von Knötchen (Zysten) auf dem Augapfel entdeckt, die sehr typisch für die Besnoitiose sind. Untersuchungen macht das Institut für Parasitologie der Vetsuisse-Fakultät Bern.

Viele weitere Informationen zur Besnoitiose finden Sie auf der Website des BVET. Unter anderem erklärt Prof. Bruno Gottstein, der an der EFSA-Studie mitgewirkt hat, in einem 10-minütigen Video die Krankheit.

Tollwut in Italien: Hunde unbedingt vorschriftsgemäss impfen

Die Tollwut breitet sich seit Herbst 2008 wieder in Italien aus. Wurde Italien 1997 als Tollwut-frei erklärt, wurden 2009 68 Fälle entdeckt und im 2010 bis am 4. März bereits 86. Italien hat nun die Bekämpfung verstärkt. Der beste Schutz für Reisende in die betroffenen Regionen Italiens ist die korrekte Tollwut-Impfung von Hunden.

Betrachtet man die Tollwut-Fälle in ganz Europa, ist die Ausbreitung in Italien wenig überraschend. In Osteuropa tritt die Krankheit in einigen Ländern immer noch häufig auf, auch in Slowenien. Von da sind befallene Füchse nach Italien eingewandert und die Krankheit hat mittlerweile die Regionen Friaul, Veneto und das Südtirol ergriffen. Die Tollwut scheint in den Regionen wieder endemisch geworden zu sein, was heisst, dass die Krankheit sich dort in der lokalen Wildtierpopulation ausbreitet. Italien und vorbeugend auch Österreich haben deshalb Hunderttausende von Impfködern ausgelegt. Über diese mit Impfstoffen versehenen, zündholzschachtelgrossen Happen sollen die Füchse geimpft werden.

Betroffen waren in Italien bisher vor allem Füchse. Aber auch bei Hirschen, Dachsen, Eseln – und bei drei Hunden und einer Katze – wurde Tollwut nachgewiesen. Dies macht eines deutlich: Wer mit seinen Hunden in diese Regionen reist, soll unbedingt prüfen, ob die Hunde die vorgeschriebene Tollwut-Impfung erhalten haben und diese noch wirksam ist. Die Angaben finden Sie im Heimtierausweis. Sind Sie unsicher, fragen Sie Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt. Zeigen die Tiere Tollwut-Symptome – auffällige Verhaltensveränderungen und  Bewegungsstörungen – und waren sie nicht korrekt geimpft, kontaktieren Sie sofort Ihre Tierärztin / Ihren Tierarzt. Zudem sollen Personen, die in diesen Regionen von Wildtieren geleckt, gekratzt oder gebissen worden sind, umgehend einen Arzt aufsuchen.

Die Tollwut-Impfungen von Hunden und Katzen sind bei jeder Auslandreise vorgeschrieben. Die Bestimmungen je Land finden Sie in der Online-Hilfe „Mit Hund oder Katze über die Grenze“. Die übrigen Vorsichtsmassnahmen sind auch bei Aufenthalten in allen anderen Ländern zu empfehlen, in denen Tollwut häufig auftritt (siehe Karte).

Die Tollwut ist eine heimtückische Krankheit. Tiere wie Hunde und Katzen sind genauso betroffen wie der Mensch. Unbehandelt führt die Krankheit zum Tod. Bei Verdacht – nach einem Biss eines Wildtieres – muss deshalb rasch gehandelt werden. Dabei gilt es zu beachten, dass die Tollwut in Menschen wie in Tieren während Wochen unbemerkt schlummern und plötzlich ausbrechen kann. Dann kommt jede Behandlung zu spät.

Die Schweiz hat die Tollwut ausgerottet und ist seit 1998 frei. Wegen der Fälle in Italien wurden in der Schweiz bislang keine vorbeugenden Massnahmen nötig. Die Ausbreitung der Tollwut wird jedoch ständig beobachtet.

Weitere Informationen zur Tollwut generell beim Bundesamt für Veterinärwesen, bei der Schweizerischen Tollwutzentrale und beim Bundesamt für Gesundheit. Informationen zur Tollwutlage in Italien (auf italienisch). 

 

 

Rinderpest : erste weltweit ausgerottete Tierseuche

Die FAO hat es kürzlich verkündet : die Rinderpest ist vom Planeten Erde verschwunden. Juan Lubroth, Leiter der Veterinärabteilung bei der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), schildert die Erfolgsgeschichte.

Ist die Rinderpest wirklich global ausgerottet?

Wir gehen tatsächlich davon aus, dass das Rinderpest-Virus in der Natur nicht mehr zirkuliert. Der letzte Ausbruch wurde 2001 in Kenia verzeichnet und alle Überwachungsprogramme weltweit zeigen, dass die Übertragung der Rinderpest seit mindestens 10 Jahren nicht mehr stattfindet. Damit die Welt jedoch offiziell als Rinderpest-frei deklariert werden kann, müssen sämtliche Länder von der Welt-Tiergesundheitsorganisation OIE als frei anerkannt werden. Diesen formellen Prozess haben noch nicht alle Länder abgeschlossen.

Welche Bedeutung hat die Ausrottung der Rinderpest ?

Die Ausrottung der Rinderpest ist ein bedeutender sanitarischer Erfolg und ein wichtiger Schritt zur Verringerung der Armut. Die Rinderpest tötete im Laufe der Geschichte zig Millionen von Tieren und war noch in den 80er Jahren weltweit verbreitet – alleine in Nigeria wurden die Verluste auf 2 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die Bedeutung zeigt sich auch daran, dass die Rinderpest erst die zweite weltweit ausgerottete Krankheit nach den Pocken beim Menschen ist. Die Ausrottung ist vor allem ein Erfolg für Bauern: sie verbessert die Tiergesundheit, fördert die Produktion von Milch und Fleisch und die Nutzung der Tiere, um den Boden zu bearbeiten oder Ernten zu transportieren. Dieser Erfolg war nur möglich dank der engen Zusammenarbeit von regionalen und internationalen Organisationen, von Veterinärbehörden und Tierhaltern während Dutzenden von Jahren.

Wie können Sie sicher sein, dass das Virus verschwunden ist ?

In den vergangenen acht Jahren haben wir jegliche Spuren der Rinderpest in den gefährdeten Gebieten gesucht – Viren und Antikörper, klinische und nicht sichtbare Infektionen. Wir haben Tierhalter befragt, um Anzeichen der Krankheit zu finden. Dabei zeigte sich, dass die Krankheit seit langem nicht mehr aufgetaucht war. Wir sind selbst Gerüchten aus allen Ecken und Enden der Welt nachgegangen und haben die entsprechenden Herden beprobt. Mit diesen Analysen konnten wir Verdachtsfälle ausräumen. Auch in Wildtieren haben wir gesucht und auch da gibt es seit 2001 keine Anzeichen mehr.

Was brachte die Ausrottung zum Erfolg ?

Mehrere Aspekte waren entscheidend und alle getroffenen Massnahmen hätten für sich alleine nicht zum Erfolg geführt. Wir mussten gleichzeitig regional und international vorgehen und es brauchte Kooperationen zwischen Politik und Gesundheitswesen und finanzielle Unterstützung, um im Feld Massnahmen zu treffen und die Infrastruktur zu verbessern. Auch die standardisierte Diagnostik war wichtig für den Erfolg. Ausschlaggebend war aber die Impfung. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat die FAO eine massive Informationskampagne durchgeführt, mit dem Ziel, die Impfung einzuschränken. Nachdem die Impfungen gestoppt waren, konnten die Regionen identifiziert werden, in denen die Krankheit noch grassierte. Dort wurde dann intensiv geimpft und das Virus lokal ausgerottet. Damit diese Methode akzeptiert wurde, mussten wir zeigen, dass genügend Impfstoff vorhanden war und bei Ausbruch sofort eingesetzt wurde. Heute zeigt sich: diese Strategie zahlte sich aus. 

Wie kann ein Wiederaufflackern der Krankheit verhindert werden?

Wir müssen wachsam bleiben. Die gefährdeten Regionen müssen noch während 10 bis 15 Jahren jederzeit bereit sein. Keine leichte Aufgabe. Man erinnert sich an Konflikte in der Subsahara in den 80er Jahren, welche eine rasche Reaktion verunmöglichten. Wir müssen auch weiterhin Tierhalter und Tierärzte ausbilden, vor allem die Jungen, damit sie sich dieser Krankheit bewusst sind, mit der sie nie konfrontiert waren. Schlussendlich gilt es zu verhindern, dass infiziertes Material in Umlauf kommt – die Biosicherheit in Anlagen, die mit dem Virus arbeiten, muss jederzeit gewährleistet sein.

Haben Sie bereits weitere Krankheit im Visier ?

Wir haben viele Ziele. So wollen wir die Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche bremsen, eine schwierige Aufgabe, da wegen zahlreicher Serotypen eine Impfung anspruchsvoll ist. Die Pest der kleinen Wiederkäuer könnte nach den gleichen Prinzipien wie die Rinderpest ausgerottet werden – die beiden Krankheiten haben vieles gemeinsam. Dazu müssen wir aber noch potenzielle Geldgeber überzeugen. Man erhält für generelle Massnahmen leichter Geld als zur Ausrottung einer bestimmten Krankheit. So könnte man sich generell auf die Gesundheit von Kleinwiederkäuern konzentrieren und globale Programme entwickeln. Wir haben noch viel Arbeit vor uns !

Weitere Informationen zur Rinderpest und zum Global Rinderpest Eradication Programme

Schutz gegen Blauzungenkrankheit bleibt 2010 gut

Nun liegen die Zahlen vor: 87 Prozent wollen ihre Rinder und Schafe per Impfung vor der Blauzungenkrankheit schützen; 13 Prozent der Tierhalter haben sich davon befreien lassen. Die Werte können sich in den kommenden Wochen noch leicht ändern. Schon heute lässt sich aber sagen: Wir werden auch 2010 eine gute Impfabdeckung haben.

Der Anteil der Abmeldungen ist kantonal stark verschieden. Die höchsten Raten ergaben sich in den Kantonen SG (35%), den Urkantonen (25%) und AI/AR (20%), in den Westschweizer Kantonen sind sie deutlich tiefer, etwa in FR (2,4%), JU (4,3%) oder VD (1,4%). Die Gründe dafür sind vielfältig. Westschweizer Landwirte haben miterlebt, wie 2008 bei Kollegen in Frankreich die Produktion unter der Blauzungenkrankheit litt. In keinem anderen Nachbarland ist die Seuche so massiv in den Grenzregionen aufgetreten.

Die gute Impfabdeckung ist erfreulich. Wir haben damit die Chance, nicht die Sicherheit, dass es auch 2010 wie im Jahr zuvor keine neuen Ansteckungen mit der Blauzungenkrankheit mehr gibt. Können wir – und unsere Nachbarländer in den Grenzregionen – die aktuell gute Seuchenlage halten, haben wir die Grundlage, um die Schutzmassnahmen 2011 weiter zu lockern.

  Anzahl Gesuche (Rinder und Schafe) Anteil Betriebe (Rinder und Schafe, %)
AG 197 6.6
AI/AR 323 20.3
BE 1113 8.4
BL 90 9.8
BS 0 0.0
FL 4 3.0
FR 78 2.4
GE 0 0.0
GL 54 12.9
GR 440 16.1
JU 49 4.3 (korrigiert)
LU 680 13.8
NE 53 6.2
SG 1529 34.5
SH 59 16.4
SO 85 5.1
TG 400 16.0
TI 57 6.4
URK 919 25.4
VD 40 1.4
VS 332 13.5
ZG 97 17.2
ZH 461 14.9
Schweiz 7060 12.9

Weitere Informationen zur Impfkampagne 2010

Hin zu einer Einzelkennzeichnung von Pferden

Seit dem 1. Januar 2010 müssen alle Halterinnen und Halter von Pferden – Profis wie Amateure – ihren Betrieb registrieren. Dadurch wissen die Behörden, wo überall in der Schweiz Pferde stehen – im Seuchenfall ein entscheidender Vorteil für eine effiziente Bekämpfung.

Die Registrierung der Betriebe betrifft nicht die Eigentümer der Pferde, sondern nur die Halter (die Besitzer des Stalles). Dabei sind in der Landwirtschaft tätige Halter schon erfasst und müssen im Moment nichts unternehmen. Für sie ist es einfach: sie erhalten im Frühling im Rahmen der koordinierten landwirtschaftlichen Betriebsdatenerhebung per Post ein Formular, welches sie ausfüllen müssen. Nicht-landwirtschaftliche Halter dagegen müssen sich jetzt bei der entsprechenden kantonalen Stelle melden, damit sie später ebenfalls das Formular zugeschickt erhalten. Sie finden sämtliche Informationen auf www.tiererichtighalten.ch.

Die Betriebsregistrierung ist ein erster Schritt hin zu einer Einzelkennzeichnung von Pferden. Dies wird die Seuchenbekämpfung weiter erleichtern. Im Seuchenfall muss man wissen, wo ein infiziertes Tiere überall war und andere Tiere anstecken konnte. Eine Arbeitsgruppe mit Mitgliedern aus Pferdeverbänden und von Behörden erarbeiten zur Zeit die Details. Bereits 2011 könnte die Einzelkennzeichnung von Pferden starten.

In der Europäischen Union ist dies bereits beschlossen : seit dem 1. Juli 2009 müssen alle Pferdeartigen einzeln gekennzeichnet sein und einen Pferdepass besitzen. Die Mitgliedsländer sind zur Zeit daran, diese Vorgaben umzusetzen. Die meisten Mitgliedsstaaten setzen für die Kennzeichnung auf Mikrochips. Einige Länder haben eine zentrale Datenbank aufgebaut, andere erfassen die Daten über die nationalen Zuchtverbände. Mikrochips, zentrale Datenbank, Pferdepass – alle diese Punkte werden aktuell in der Schweiz diskutiert. Der Bundesrat wird die angepasste Gesetzgebung voraussichtlich bis im Herbst verabschieden.

Eigentümer und Halter von Pferden, Tierärzte, Mitglieder von Pferdeorganisationen und andere – wir halten Sie gerne auf dem Laufenden. Abonnieren Sie dazu den elektronischen Newsletter „Nutztier-News“.

Erstmals EIA bei Pferden in Grossbritannien seit 1976

Bei zwei aus Rumänien importierten Pferden wurde die Equine Infektiöse Anämie (EIA) entdeckt. Die Laboruntersuchungen fanden im Rahmen der Importkontrollen statt. Wie das Departement for Environment, Food and Rural Affairs (DEFRA) mitteilte, sind dies die ersten Fälle seit 1976. Die beiden Pferde mussten getötet werden. Nachuntersuchungen bei weiteren Tieren laufen.

Der Import von Pferden in die Schweiz aus einem EIA-Betrieb in Deutschland endet dagegen gut – siehe Meldung vom 10. Dezember 2009. Auch in den Nachuntersuchungen zeigte sich, dass keines der Tiere EIA hat. Sämtliche Restriktionen in den Kantonen Zürich und Thurgau konnten aufgehoben werden.

Die Schweiz ist frei von EIA. Weltweit ist die Krankheit jedoch verbreitet. Sie kommt in Osteuropa und in Italien häufig vor und auch unsere übrigen Nachbarländer melden immer wieder einzelne Fälle – letztmals im 2008 in Deutschland und Frankreich. Die Viruskrankheit kann bei betroffenen Tieren zu hohem Fieber, Blutarmut, starker Abmagerung und manchmal gar zum raschen Tod führen. Oft entwickeln die Pferde jedoch kaum Symptome – sie bleiben aktiv, fressen gut, aber verlieren ohne ersichtlichen Grund Gewicht. Die Krankheit wird mechanisch von Bremsen, Fliegen oder Mücken übertragen. Da sich die Insekten nur schwer bekämpfen lassen, ist auch die Krankheit nicht leicht in den Griff zu kriegen. Im Seuchenfall müssen deshalb betroffene Tiere rasch getötet werden, um eine Ausbreitung zu verhindern.

Die EIA kann die Schweiz jederzeit treffen. Tierhaltende und Tierärzte sollen deshalb wachsam sein, auf Symptome achten und es ist empfohlen, bei Importen je nach Herkunftsland die Tiere vor dem Import testen zu lassen. Für Menschen ist die EIA nicht gefährlich.

Weitere Information zur Equiner Infektiöser Anämie (EIA) finden Sie hier.

Landwirtschaftliche Organisationen stehen für hohe Impfrate ein

Zum Schutz vor der Blauzungenkrankheit braucht die Schweiz auch 2010 eine hohe Impfrate. Landwirtschaftliche Organisationen, die Tierärzteschaft und die Veterinärbehörden empfehlen Tierhaltenden, ihre Tiere durch eine Impfung vor Ansteckung zu schützen.

Der Schweizerische Bauernverband empfiehlt den Landwirten, ihre Tiere gegen die Blauzungenkrankheit zu impfen. Die Impfung schützt die Tiere wirkungsvoll vor der Krankheit und hilft wirtschaftliche Schäden auf den Betrieben zu verhindern. Gesunde Tiere sind die Voraussetzung für eine glaubwürdige und erfolgreiche Landwirtschaft. Schützen Sie daher die Tiere mit der Impfung und helfen Sie mit, die Blauzungenkrankheit in der Schweiz zurückzudrängen!
Hansjörg Walter, Präsident Schweizerischer Bauernverband

 

Die Impfkampagne gegen die Blauzungenkrankheit bedeutet für die Tierärztinnen und Tierärzte in der Schweiz einen beträchtlichen Zusatzaufwand. Sie leisten diesen Einsatz gerne und aus Überzeugung. Der Vergleich mit der Situation in anderen Ländern Europas beweist es eindrücklich: Dank der Impfung werden unsere Tierbestände umfassend geschützt, und die Landwirtschaft wird vor enormen Schäden bewahrt. Der Einsatz lohnt sich für alle.
Charles Trolliet, Präsident der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte

 


Wer seine Tiere impft, hilft mit, damit nicht nur seine, sondern die Viehbestände der ganzen Schweiz geschützt werden.
Markus Zemp, Präsident Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter

Die Blauzungenbekämpfung ist im letzten Jahr erfolgreich verlaufen. Auch im 2010 ist das Impfen gegen die Blauzungenkrankheit obligatorisch; Ausnahmen ohne besondere Begründung sind aber möglich. Es ist für unsere Tierbestände zwingend, dass wir einen hohen Impfschutz garantieren, denn nur so können wir die Gesundheit erhalten und Leiden und Ausfälle verhindern. Damit leisten wir einen gemeinsamen Grundbeitrag für ein gesundes Viehwirtschaftsjahr, welcher die Tierzucht Schweiz stärkt.
Andreas Aebi, Präsident swiss herdbook

 

Die Blauzungenkrankheit konnte 2008 und 2009 mit den Impfungen in der Schweiz erfolgreich zurückgedrängt werden. Doch wir müssen auch für die Zukunft gerüstet sein. Unser Land ist seit mehr als einem Jahr starken ökonomischen Turbulenzen ausgesetzt, die auch die Landwirtschaft betroffen haben. Die Konsumenten erwarten auch weiterhin eine inländische Produktion von gesundem Lammfleisch. Wir Schafhalter wollen das Risiko eines Ausbruchs der Blauzungenkrankheit mit all den Folgen nicht tragen und empfehlen deshalb, unsere Schafe auch im 2010 mit der Impfung zu schützen.
German Schmutz, Präsident Schweizerischer Schafzuchtverband

„Q-Fieber nimmt wegen wachsender Ziegenpopulation zu“

Das Q-Fieber, auch Coxiellose genannt, hat sich in den Niederlanden markant ausgebreitet. Bei Schafen und Ziegen wurden nun strenge Massnahmen erlassen. Peter Braam, Programmverantwortlicher Tiergesundheit und Tierseuchen-Eradikation vom niederländischen Ministerium für Landwirtschaft, Natur und Lebensmittelqualität, erklärt die Hintergründe.

braam

Wie verbreitet ist das Q-Fieber mittlerweile in den Niederlanden?

Mit Stand vom 18. Dezember 2009 sind 60 Farmen betroffen. Beim Menschen sind bis 16. Dezember 2161 Fälle den Dutch Health Services gemeldet worden. 2007 waren es 193 und 2008 973.

Was hat zum Anstieg geführt?

Wir vermuten, dass grosse Ziegen-Milchbetriebe der Ursprung der menschlichen Epidemie sind. Die Ziegenpopulation stieg von 10.000 Tieren in den 90er Jahren auf heute 360.000 Tiere. Abortwellen auf Betrieben führten zur Verbreitung von Milliarden von Bakterien. Diese sind sehr stabil. Über Mist und Gülle kann die Umwelt kontaminiert werden, vor allem während der Ablamm-Saison, im trockenen Klima im Frühling und bei Wind. Nur wenige Dutzend Bakterien können einen Menschen krank machen!

Wie wurde der Anstieg bemerkt?

Man bemerkte 2007 zuerst die menschliche Epidemie. Die Fallzahlen waren erstaunlich, erkrankten vorher in den Niederlanden doch nur wenige Menschen pro Jahr an Q-Fieber. Im 2007 begann deshalb eine enge Zusammenarbeit zwischen den Veterinär- und Gesundheitsbehörden und der Landwirtschaft. Für Landwirte, Tierärzte und Laborpersonal wurde Q-Fieber 2008 meldepflichtig. Auch ungewöhnlich hohe Abortraten bei Nutztieren müssen seither gemeldet und untersucht werden. Zudem müssen Hygienemassnahmen beachtet werden und in einer Region im Südosten gilt eine Impfpflicht. Weiter haben wir die Forschung intensiviert, da immer noch viele Fragen offen sind, und eine aktive Überwachung installiert. Zur Zeit werden alle Ziegen- und Schaf-Milchbetriebe alle zwei Wochen per Tankmilchproben untersucht.

Mittlerweile wurden weitergehende Massnahmen wie das Keulen trächtiger Ziegen und Schafe beschlossen. Weshalb?

Die Impfungen bleiben die wichtigste Massnahme. Leider haben wir nicht genügend Impfdosen und es gibt Unsicherheiten, wie wirksam der Impfstoff bei bereits betroffenen trächtigen Tieren ist. Wir mussten deshalb dringend vor der Ablamm-Saison 2010 weitere Massnahmen treffen, um eine neue Epidemie beim Menschen zu verhindern. So müssen alle trächtigen Tiere auf betroffenen Ziegen- und Schafbeständen gekeult werden, der Tierverkehr ist national eingeschränkt, das Impfprogramm wird ausgeweitet und bis 1. Juli 2010 dürfen Schafe und Ziegen nicht befruchtet werden.

Wie haben die Landwirte darauf reagiert?

Den Landwirten ist das Problem klar. Sie haben 2007 und 2008 hart gearbeitet, um die Massnahmen umzusetzen. Das Keulen von Tieren, vor allem wenn sie soeben geimpft wurden, trifft Landwirte hart. Aus wissenschaftlichen und zeitlichen Gründen können wir nicht zwischen betroffenen und nicht betroffenen Tieren unterschieden – ist der Betrieb betroffen, müssen alle trächtigen Schafe und Ziegen gekeult werden. Dabei werden Landwirte nur für den Wert der Tiere entschädigt, jedoch nicht für alle Folgeschäden.

Ist das Q-Fieber in der breiten Bevölkerung ein Thema?

Das Keulen von Tieren löst immer starke Reaktionen aus. Seit den Ausbrüchen der Maul- und Klauenseuche vor einigen Jahren setzen wir uns deshalb EU-weit für eine Änderung der Tierseuchenbekämpfung ein - mit dem Ziel, dass im Grundsatz kein gesundes Tier mehr ausgemerzt werden muss. Dabei gewinnt die Impfung an Bedeutung. Leider führt das Q-Fieber auch zu vielen Erkrankungen beim Menschen und Betroffene müssen früh mit Antibiotika behandelt werden, um chronische Erkrankungen zu vermeiden. Zudem hatte das Q-Fieber in einigen Regionen grosse Auswirkungen. In der jetzigen Situation wird deshalb anerkannt, dass die Massnahmen, auch das Keulen, zum Schutz der Menschen nötig sind.

Weitere Informationen zum Q-Fieber

Q-Fieber wütet in den Niederlanden

In den Niederlanden wütet das Q-Fieber, auch Coxiellose, genannt. Die Fallzahlen nehmen seit zwei Jahren ständig zu. Viele Betriebe mit Schafen, Ziegen und Rindern sind betroffen und über 2000 Menschen haben sich angesteckt. Um weitere Ansteckungen des Menschen möglichst einzudämmen, sollen nun mehrere Tausend trächtige Schafe und Ziegen getötet werden. Seit Anfang 2009 werden zudem Schafe und Ziegen gegen die Coxiellose geimpft. Die Frage drängt sich auf: Wäre solches auch in der Schweiz möglich?

Auch in der Schweiz werden jedes Jahr einige Dutzend Fälle von Coxiellose bei Rindern, Schafen und Ziegen entdeckt. Die Fallzahlen sind seit Jahren ähnlich. Ein Seuchengeschehen wie in den Niederlanden gibt es in der Schweiz aktuell nicht. Für die Zukunft ausschliessen lässt sich solches jedoch nicht.

Die Fälle in der Schweiz werden meist bei Untersuchungen von gehäuften Aborten entdeckt. Die Abklärungen sind wichtig: Kommt es bei Rindern, Schafen oder Ziegen zu gehäuften Aborten, müssen diese dem kantonalen Veterinäramt gemeldet und untersucht werden, unter anderem auf Coxiellose. Dies ist zum einen so vorgeschrieben. Die Abortuntersuchungen sind jedoch auch der beste Schutz für den Betrieb und den Tierhalter. Eine Bekämpfung der Coxiellose ist nicht generell vorgeschrieben. Massnahmen sind jedoch in Betrieben sinnvoll, die schwer betroffen sind.

Weitere Informationen zum Q-Fieber

Trotz Importen keine Verschleppung in Schweiz: Fall von Infektiöser Anämie (EIA) bei einem Pferd in Deutschland

Ende November haben die kantonalen Veterinärämter Zürich und Thurgau schlechte Nachrichten aus Deutschland erhalten: ein Fall von Equiner Infektiöser Anämie (EIA), auch ansteckende Blutarmut der Einhufer genannt, wurde in einem deutschen Pferdebetrieb entdeckt. Abklärungen der lokalen Veterinärbehörden haben ergeben, dass zuvor 5 Pferde daraus in die Schweiz exportiert worden sind. Ein Kontakt zum kranken Tier schien unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Die kantonalen Veterinärämter ordneten deshalb umgehend eine Untersuchung der importierten Pferde an.

Die Schweiz ist frei von EIA. Weltweit ist die Krankheit jedoch verbreitet. Sie kommt in Osteuropa häufig vor und auch unsere Nachbarländer melden immer wieder einzelne Fälle. Die Viruskrankheit kann bei betroffenen Tieren zu hohem Fieber, Blutarmut, starker Abmagerung und manchmal gar zum raschen Tod führen. Oft entwickeln die Pferde jedoch kaum Symptome – sie bleiben aktiv, fressen gut, aber verlieren ohne ersichtlichen Grund Gewicht. Die Krankheit wird mechanisch von Bremsen, Fliegen oder Mücken übertragen. Da sich die Insekten nur schwer bekämpfen lassen, ist auch die Krankheit nicht leicht in den Griff zu kriegen. Im Seuchenfall müssen deshalb betroffene Tiere rasch getötet werden, um eine Ausbreitung zu verhindern.

Wie rasch die Ausbreitung passieren könnte, haben die kantonalen Veterinärämter Thurgau und Zürich erfahren. Die 5 Pferde sind in vier verschiedene Betriebe importiert worden. Es zeigt sich klar: Innerhalb weniger Tage könnte sich eine Krankheit über wenige importierte Tiere in mehrere Kantone ausbreiten.

Die Geschichte endet aller Voraussicht nach gut: keines der importierten Tiere wurde bisher im Labor positiv auf EIA getestet. Die Tests werden Anfang Januar zur Sicherheit wiederholt, um abzuklären, ob Tiere in der Inkubationsphase waren.
Die EIA kann die Schweiz künftig jederzeit treffen. Tierhaltende sollen deshalb wachsam sein, auf Symptome achten und bei Importen je nach Herkunftsland die Tiere vor dem Import testen lassen. Für Menschen ist die EIA nicht gefährlich.

Weitere Information zur Equiner Infektiöser Anämie (EIA)

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