Die Impfung oder die Krankheit?
Nach einer intensiven Impfkampagne ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Immer wieder tauchen in Diskussionen Bedenken auf, die Impfung hätte zu Nebenwirkungen geführt. Sind die Impfstoffe sicher? Haben sie nicht Aborte und erhöhte Zellzahlen in der Milch ausgelöst? Und schliesslich: Hat die Impfung wirklich etwas gebracht?
Ein Blick auf eine Karte mit den Ausbrüchen 2008 in Europa führen einem den Nutzen der Impfung wortwörtlich vor Augen. Die Grenze zu Frankreich ist wie ausgestanzt, sind doch in unserem Nachbarland derart viele Fälle aufgetreten. In Zahlen: Frankreich hatte 2008 rund 30.000 Fälle zu verkraften, in der Schweiz waren es 35. Der Grund ist einfach: In Frankreich war die Impfung freiwillig, was nicht gereicht hat, um die Krankheit unter Kontrolle zu halten. Frankreich hat nun die Konsequenzen gezogen und für 2009 eine obligatorische Impfkampagne gestartet.
In der Schweiz hatten wir Glück und sind dank der Impfung weitgehend verschont geblieben. Eine Folge davon ist, dass wir uns der Auswirkungen der Krankheit nicht richtig bewusst sind. Dabei ist klar: Ohne obligatorische Impfkampagne wären wir in der Situation von Frankreich mit Hunderten, vielleicht sogar Tausenden von Fällen. Schauen Sie sich den Film eines Bauern-Ehepaars aus Frankreich auf unserer Seite an. Die wirtschaftlichen Folgen der Blauzungenkrankheit sind massiv und halten über Wochen an, selbst bei geringer Sterblichkeit. Die Tiere fressen wenig, zeigen Fruchtbarkeitsstörungen, rindern um – alles Symptome mit gravierenden wirtschaftlichen Folgen.
Die Impfkampagne hat das wichtigste Ziel erreicht, die Schweizer Nutztierpopulation vor der Blauzungenkrankheit weitgehend zu schützen. Was aber ist mit den Nebenwirkungen? Hat die Impfung vielleicht mehr geschadet als genützt? Die Antwort ist Nein. Die drei verwendeten Impfstoffe wurden in der Schweiz und in Deutschland schon vor der Impfkampagne getestet. In den vergangenen Monaten haben zudem Forschende der Vetsuisse-Fakultät und von uns, dem BVET, Hunderttausende von Datensätzen ausgewertet. Bei all diesen umfangreichen Studien haben wir keinerlei Hinweise auf gravierende Nebenwirkungen gefunden. Die Impfkampagne 2008 hat sich gelohnt.
Im Februar startet die Impfkampagne 2009. Wir werten auch dieses Jahr den Nutzen und die Folgen der Impfungen gründlich aus. Auf dieser Basis werden wir mit den bäuerlichen Organisationen rechtzeitig diskutieren, wie wir die Bekämpfung der Blauzungenkrankheit in den nächsten Jahren fortführen. Eines ist klar: Die Impfkampagne ist eine Dienstleistung für die Landwirtschaft und macht nur Sinn, wenn die Landwirtschaft diese auch möchte.
Weitere Informationen: www.bluetongue.ch


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