Die Mongolei ist 37 Mal so gross wie die Schweiz, hat aber nur einen Drittel der Schweizer Einwohner. Dafür leben auf den schier endlosen Weidelandschaften rund 30 bis 40 Millionen Nutztiere: Schafe, Ziegen, Rinder, Pferde aber auch Kamele und Yaks. Viehzucht hat hier eine grosse Tradition und ist nach wie vor die Lebensgrundlage von rund einem Viertel der Bevölkerung. Überweidung und eine beeinträchtigte Gesundheit der Herden gefährden diese Lebensgrundlage.

Eine Voraussetzung für eine bessere Zukunft ist ein modern konzipierter und funktionierender Veterinärdienst. Im Rahmen des „Animal Health Projects (AHP)“ (2012 – 2015), welches mehrheitlich von der Schweiz finanziert wird, arbeitet das BVET eng mit den mongolischen Veterinärbehörden zusammen, um den mongolischen Veterinärdienst auf nationaler, regionaler und lokaler Stufe zu stärken. Anfang Juni 2012 weilte eine mongolische Delegation am BVET, um die Umsetzung des gemeinsam erarbeiteten Projektes zu starten.

Schweizer Veterinärdienst als Modell

„Als Erbe der früheren sozialistischen Staatsform haben wir immer noch stark zentralisierte Strukturen“, unterstreicht Dr. Batsukh Zayat, Oberster staatlicher Veterinär der Mongolei. „Daher interessieren wir uns sehr für das Modell der Schweiz mit ihrer viel stärkeren Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen“.

Ganz im Sinne des „Twinning“, der partnerschaftlichen Zusammenarbeit über die Landes- und Kulturgrenzen hinweg, waren die mongolischen Fachleute schon sehr früh in die konzeptionellen Vorarbeiten miteinbezogen. Das sei ein sehr positiver Unterschied zu früheren Projekten, meint Zayat.

 


Neben der Mitarbeit auf Ebene Behörden stellt das BVET mit der erfahrenen Veterinärin Susan Stierlin auch die Schweizer Projektkoordinatorin, die sowohl in der Schweiz wie auch in Kurzeinsätzen in der Mongolei tätig sein wird. Für sie ist es aus mehreren Gründen interessant, bei diesem Projekt mitzuarbeiten: „Das Projekt hat klar definierte Ziele. Es ist praxisbezogen und wird dazu beitragen, den Alltag der Bevölkerung und insbesondere der Viehzüchter zu verbessern. Die Mongolei ist ein Land mit starken Traditionen. Gleichzeitig sollen Projekte wie das AHP dazu führen, internationale Normen zu erfüllen. Die Beteiligten sind sehr motiviert und suchen die Zusammenarbeit. Gemeinsame Erfahrungen werden alle bereichern“.

Weitere Ziele

Die verbesserten Strukturen des Veterinärwesens sind das eine Ziel. Messbare positive Auswirkungen dieser Verbesserungen sind ein zweites Ziel. So soll die Bekämpfung der Brucellose, welche Tier und Mensch bedroht und in der Mongolei ein gewichtiges Problem ist, spürbar effizienter werden. Oder für die westlichen Teile des Landes wird ein international anerkannter Status „frei von Maul- und Klauenseuche MKS“ angestrebt. MKS-Freiheit ist eine Voraussetzung, um Fleisch international vermarkten zu können und so die Wertschöpfung der Nutztierhaltung zu verbessern. Die Mongolei möchte hochwertiges Bio-Fleisch vorerst nach Asien (Korea, Japan), in den Mittleren Osten und später auch nach Europa exportieren.

Ein drittes Ziel des AHP ist die Optimierung der Aus- und Weiterbildung von mongolischen Veterinärfachleuten, sei es durch Unterstützung von Lehrpersonen vor Ort, durch Workshops oder Studienreisen in die Schweiz. Umgekehrt wäre es für Schweizer Studierende oder Praktizierende sicher wertvoll und horizonterweiternd, mal das Veterinärwesen der Mongolei und Krankheiten, die es bei uns kaum mehr zu beobachten gibt, persönlich kennenzulernen. Das ist im AHP zwar nicht vorgesehen. Aber mit den gewachsenen Kontakten wäre das wohl recht einfach zu organisieren.

Das AHP ist eine eher neue, mittel- bis langfristig angelegte Form der Zusammenarbeit. Die konkrete Umsetzung hat Anfang Juni 2012 begonnen. Man darf auf die Resultate gespannt sein.