Die neue Hundebissstatistik liegt vor. Die Zahlen sind fast genau gleich wie in den Vorjahren. Trotz dieser bemerkenswerten Stabilität vermuten wir seit längerem, dass Ärzte und Tierärzte Fälle häufig nicht melden. Wir führten deshalb eine anonymisierte Online-Befragung durch und wollten wissen, wie häufig Fälle gemeldet werden und insbesondere, weshalb bei einigen von einer Meldung abgesehen wird.

Auch wenn die eher kleine Umfrage nur beschränkt aussagekräftig ist, sind die Resultate interessant. So meldeten die befragten Tierärzte im Durchschnitt etwa jeden zweiten Fall, die Ärzte nur jeden Dritten. Die tatsächliche Anzahl der Vorfälle mit Hunden in der Schweiz dürfte also um einiges höher sein als die 5090 im Jahr 2009 gemeldeten. Dies ergab auch die kürzlich von der Suva veröffentlichte Studie: Nach Auswertung von Fällen der bei Ihnen Versicherten schätzt die Suva die Gesamtzahl der Bisse auf knapp 10.000.

Weshalb aber melden Ärzte und Tierärzte Fälle nicht? Der am häufigsten angegebene Grund: weil die gebissene Person bzw. der Halter des gebissenen Tieres keine Meldung möchte. Dies überrascht nicht, ergibt sich doch dadurch für den Arzt bzw. den Tierarzt tatsächlich eine schwierige Situation. Ausschlaggebend ist auch der Schweregrad der Verletzung. Schlimme Bisse werden meist gemeldet.

Oft wurde vermutet, dass auch die Rasse entscheidend ist. Tatsächlich gibt es eine Tendenz, Bisse von als gefährlich eingeschätzten Rassen eher zu melden als solche von nicht gefährlichen. Diese Verfälschung allein kann jedoch nicht erklären, weshalb von einigen Hundetypen um ein Mehrfaches häufiger Bisse gemeldet werden als von anderen.

Bei dieser Dunkelziffer stellt sich die Frage, ob die Meldepflicht bzw. die Statistik überhaupt Sinn macht. Dies sind zwei unterschiedliche Fragen. Die Meldepflicht wurde erlassen,  damit die kantonalen Veterinärämter problematische Hunde (bzw. Halter) möglichst frühzeitig erkennen und Massnahmen treffen können. Diese Meldepflicht ist also sicher sinnvoll. Der Kanton Bern hat übrigens soeben beschrieben, wie er nach Meldungen vorgeht. Die Statistik ist also eine Art Nebenprodukt. Interessant ist nicht in erster Linie die Gesamtzahl der Bisse, sondern viel mehr, wer besonders gefährdet ist und in welchen Situationen es häufig zu Bissen kommt. Die Statistik liefert dazu wertvolle Angaben.