Bundesamt für Veterinärwesen BVET

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Des Schweizers Verhältnis zum Tier – gibt es einen Röstigraben?

Haben Deutschschweizer/innen ein grundsätzlich anderes Verhältnis zu Tieren als Welschschweizer/innen? Existiert ein Röstigraben, wenn es um Fragen des Tierschutzes geht? Spielt die kulturelle, sprachregionale Zugehörigkeit in diesem Zusammenhang eine Rolle? Antworten auf diese Frage liefert eine aktuelle Studie. Das Hauptergebnis: Es gibt keine grundlegenden Unterschiede, die insgesamt 29 Fragen wurden diesseits und jenseits des vermeintlichen Röstigrabens in etwa gleich beantwortet.

Die Teilnehmenden stimmten beispielsweise den Aussagen zu, dass Tiere Gefühle haben und dass diese anders sind als die Gefühle von Menschen. Der Besitz von Heimtieren wird als positiv für die Menschen beurteilt, und sowohl Katzen als auch Hunde werden als liebenswerte Tiere angesehen. Strenge  Tierschutzbestimmungen werden gesamt-schweizerisch befürwortet, Freilandhaltung wird klar favorisiert, Käfighaltung ebenso klar abgelehnt.

Dennis Turner ist Präsident des Instituts für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung IEMT, in dessen Auftrag die Studie verfasst worden ist. Der „Katzenpapst“ zu den Ergebnissen der Studie.

 

Sind sie überrascht, dass es so wenig Unterschiede gibt zwischen den Sprachregionen? Hätten sie mehr Differenzen erwartet?

Es war mir unklar, doch hatte ich Freude, dass sich höchstens ein "Rösti-Gräbli" und kein "Rösti-Graben" abgezeichnet hat. Wir haben unterdessen auch mit Daten aus Frankreich und Deutschland Vergleiche angestellt, weil wir dachten, dass die Deutschschweizer vielleicht den Deutschen ähnlicher sind und die Romands in ihren Antworten mehr den Franzosen gleichen. Dies ist jedoch nicht der Fall.

Unterschiede gab es bei den Antworten zum Fleischkonsum. Was fällt auf und wie interpretieren Sie diese Unterschiede?

In der Romandie haben die Teilnehmenden die Aussage, dass alle Menschen Vegetarier sein und kein Fleisch essen sollen, stark abgelehnt, stärker als die Deutschschweizer. Bei den Aussagen über Schweine- und Rindfleischkonsum sprachen sich die Romands stärker für Fleischkonsum aus. Salopp ausgedrückt könnte man sagen, dass in der Romandie offenbar eine carnivorere Konsum-Einstellung herrscht als in der Deutschschweiz.

Was kann man aus der Studie heraus lesen in Bezug auf das Verhältnis zu unseren liebsten Heimtieren, Hund und Katze?

In beiden Sprachregionen stimmten die Teilnehmenden überein, dass die Heimtierhaltung dem Menschen viele Vorteile bringt. Spannenderweise sprachen sich die Romands dabei stärker dafür aus, dass Hunde liebenswerte Tiere sind, die Deutschschweizer waren mehr für die Katze. Gesamtschweizerisch war die Zustimmung höher für Katzen (80.4%) als für Hunde (63.7%), während beide Tierarten etwa gleich viele Leute unsympathisch fanden (7.5% bei Hunden, 5.2% bei Katzen).

Sie führen analoge Studien in mehreren Ländern durch - in Asien, Nahost, Europa und Südamerika. Sind schon Vergleiche mit anderen Ländern, anderen Kulturen möglich?

Diese Ergebnisse - von 12 Ländern mit unterschiedliche Religionen - wurden anfangs Juli am IAHAIO Welt-Kongress in Stockholm erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Beim Vergleich zwischen Brasilien und Japan haben wir beobachtet, dass japanisch-stämmige Menschen, die in Brasilien leben, sich in ihrer Meinung über die Mensch-Tier-Beziehung genau zwischen Japanern in Japan und europäisch-stämmigen Brasilianern liegen, also sozusagen an ihrem Wohnort halbwegs assimiliert wurden - ohne aber ihre Wurzeln zu vergessen. Bei anderen Auswertungen, z.B. was die Religion für einen Einfluss auf die Einstellung der Teilnehmenden zu Tieren hat, sind wir noch an der Auswertung.

B. Fehlbaum, E. Waiblinger, D.C. Turner: A comparison of attitudes towards animals between the German- and French-speaking part of Switzerland.

 

BVD: Es ist noch nicht vollbracht!

Nur 0.2 % beträgt gegenwärtig die Rate neugeborener PI-Kälber. Auf 1000 neugeborene Kälber kommen also 2 permanent Infizierte (PI-Tiere). Das ist wenig, aber es ist nicht nichts. Es bedeutet, dass das Programm zur Ausrottung der BVD weiter geht. Und es bedeutet insbesondere, dass die geltenden Weisungen sorgfältig und genau befolgt werden müssen.

Doch seit einiger Zeit berichten uns Tierärzte und Tierärztinnen immer häufiger, dass Tiere aus gesperrten Beständen verstellt oder verkauft wurden, bevor ihre Testresultate bekannt waren. Seit Januar wurden mehr als 2500 gesperrte Kälber umplatziert. So etwas kann schwerwiegende Folgen haben. In diesem Stadium des Ausrottungsprogramms hatten viele junge Tiere nie Kontakt mit dem BVD-Virus – das ist ja eben das Ziel des Programms.  Doch wenn jetzt ein PI-Kalb in einen Betrieb eingeführt wird, können diese jungen Tiere neu mit BVD infiziert werden und – wenn sie tragend sind – wieder neue PI-Kälber zur Welt bringen – und schon beginnt der teuflische Zyklus von vorn! Dazu kommt, dass sich die Tiere in diesen Sommertagen häufig auf der Alp befinden. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich den Schaden auszudenken, den ein einziges unentdecktes PI-Tier auf einer Alp anrichten kann.

Damit so etwas nie geschehen kann: Bleiben Sie wachsam. Lassen Sie Ihre Kälber testen – auch die Mastkälber. Warten Sie die Testresultate Ihrer Kälber ab, bevor Sie diese verstellen. Befolgen Sie die Sperrmassnahmen. Sonst gefährden Sie die ganzen Anstrengungen, die Sie und andere schon zur Ausrottung der BVD geleistet haben.

Weitere Informationen zur Krankheit : www.stopbvd.ch