Bundesamt für Veterinärwesen BVET

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Bovine Tuberkulose in Europa – neue Probleme mit einer alten Tierseuche?

In Europa werden wieder vermehrt Fälle von Boviner Tuberkulose (TB) registriert. Auch in Ländern, die offiziell als Tuberkulose frei gelten, wurden vereinzelt TB-infizierte Rinderherden gefunden. So in Frankreich, Deutschland, Belgien, Österreich und Holland. Mit fast 6 Prozent TB-infizierten Herden hält Irland den Rekord. Im europäischen Durchschnitt sind ein halbes Prozent der Rinderherden infiziert. Die Schweiz ist frei.

Über den Handel mit Rindern kann die TB übertragen werden. Auch eine Ansteckung durch Wildtiere ist möglich. In Österreich (Tirol und Vorarlberg) und in Süddeutschland sind Tuberkuloseinfektionen von Rotwild seit den 90er Jahren bekannt. Die hohe Wilddichte trägt dazu bei, dass es immer mehr Fälle gibt und dass eben auch Rinder angesteckt werden. 

Die auftretenden TB-Fälle im Grenzgebiet zu Österreich und Bayern stellen für die Schweiz ein Risiko dar. Deshalb werden in diesem Jahr im Kanton St. Gallen und im Fürstentum Liechtenstein ca. 1‘000 Rinder auf Tuberkulose getestet. Überprüft werden vor allem Rinder, die letztes Jahr zur Sömmerung auf österreichischen Alpen gewesen sind. Es ist ausserdem geplant, das Auftreten von Tuberkulose bei den Wildtieren im Alpenraum zu untersuchen. Dies geschieht im Rahmen einer länderübergreifenden Studie zusammen mit Österreich, Italien und Deutschland. 

Bovine Tuberkulose – auch Rindertuberkulose genannt – ist eine Zoonose, die grossen wirtschaftlichen Schaden verursachen kann. Die Erkennung ist schwierig, da die Inkubationszeit lang ist und sich die Krankheit schleichend entwickelt. Besteht ein Verdacht auf Tuberkulose kann die Krankheit mit einem Hauttest nachgewiesen werden. Wichtig ist die Fleischkontrolle am Schlachthof. 

Die Schweiz ist seit 50 Jahren offiziell frei von Rindertuberkulose. Das Überwachungssystem im Rahmen der amtlichen Fleischkontrollen am Schlachthof ist etabliert und hat sich bewährt. Vereinzelt wurden Fälle von Boviner Tuberkulose gefunden – letztmals im Jahr 1998. Teilweise konnten diese auf eine Reaktivierung von Infektionen bei Menschen mit nachfolgender Infektion von Rinder zurückgeführt werden. Eine Ausbreitung konnte jeweils verhindert werden. 

Die Bovine Tuberkulose ist nicht zu verwechseln mit der Tuberkulose, die wir vom Menschen kennen. Beide Krankheiten werden durch Mykobakterien verursacht, bei der Tierseuche ist es das Mycobacterium bovis, beim Menschen das Mycobacterium tuberculosis. Der Mensch kann sich mit Rindertuberkulose anstecken durch den Genuss von Rohmilch oder im direkten Kontakt zu einem infizierten Tier. Weniger als 1% der Tuberkulosefälle beim Menschen werden durch das Mycobacterium bovis verursacht.

Könnte die Bovine Tuberkulose zu einem Problem werden? Im Moment nicht, aber wir müssen wachsam sein, indem wir die Situation in den betroffenen Regionen im Auge behalten und verstärkt aufmerksam sind, was die Fleischkontrollen am Schlachthof anbelangt.

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Tierseuchen-Prävention den aktuellen Entwicklungen anpassen

Die Schweiz hat schon lange keine grossen Seuchenzüge mehr durchmachen müssen. Die Schweinepest trat 1993 letztmals auf, die Maul- und Klauenseuche 1980 und auch die Vogelgrippe traf nur wenige Wildvögel und kein einziges Huhn in der Schweiz. Weshalb also sollen wir die Tierseuchenbekämpfung verbessern und insbesondere die Prävention stärken?

Die Welt verändert sich und zwar so, dass Tierseuchen sich leichter verbreiten können. Sie wird zum globalen Dorf: Mit Tieren und Waren, die über immer grössere Distanzen transportiert werden, können auch Seuchenerreger reisen. Man geht zudem davon aus, dass die Klimaerwärmung den Seuchen die Ausbreitung Richtung Norden erleichtert. Ein Beispiel ist die Blauzungenkrankheit, die vermutlich 2006 aus Afrika über noch unbekannte Wege nach Belgien gelangte und sich von da bis in die Schweiz ausbreitete. Ein zweites ist die Maul- und Klauenseuche, die in vielen Ländern weltweit ständig vorkommt und immer wieder ehemals freie Staaten wie aktuell Südkorea und Japan und im 2001 Grossbritannien überrascht. Ein drittes ist die afrikanische Schweinepest, die 2007 plötzlich im Kaukasus auftauchte und sich mittlerweile bis nach St. Petersburg ausgebreitet hat.

Eine weitere gesellschaftliche Entwicklung macht eine verstärkte Vorsorge nötig. Die Gesellschaft reagiert heute empfindlicher als früher auf Tierseuchen. Obwohl in der Schweiz kein einziges Huhn an der Vogelgrippe erkrankte, brach 2005/2006 der Geflügelfleischmarkt ein. Auch der Maul- und Klauenseuche Ausbruch in Grossbritannien verursachte im Fleischmarkt und im Tourismus mindestens so grosse Verluste wie in der Landwirtschaft direkt – die Verluste gingen in die Milliarden.

All die Gründe machen klar, dass die bisherigen Rezepte zur Seuchenvorsorge und –bekämpfung künftig nicht mehr reichen. Mit der Revision des Tierseuchengesetzes stärken wir nun insbesondere die Prävention - durch bessere Früherkennungs- und Präventionsprogramme, durch die Sicherstellung einer rechtzeitigen Impfstoffbeschaffung, durch eine verbesserte Krisenvorsorge und internationale Zusammenarbeit.
Die Revision ist Teil der „Tiergesundheitsstrategie Schweiz 2010+“, welche wir zusammen mit den Kantonstierärztinnen und –ärzten erarbeitet haben und in den folgenden Jahren in enger Zusammenarbeit mit Tierhaltenden und ihren Organisationen umsetzen werden. Wir brauchen eine enge Zusammenarbeit von Tierhaltenden, der Tierärzteschaft und den Veterinärdiensten. Gelingt uns dies, haben wir gute Chancen, dass grosse Seuchenzüge in der Schweiz Geschichte bleiben.