Bundesamt für Veterinärwesen BVET

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Atypische Myopathie der Pferde : intensive Suche nach den Ursachen

Mit den schönen Tagen kommt auch die atypische Weidemyopathie der Pferde wieder. Belgien, Frankreich, Deutschland, Grossbritannien und Schweden haben Fälle gemeldet. Auch in der Schweiz sind drei Fälle bekannt. Die Krankheit beunruhigt Pferdehaltende, weil 90% der betroffenen Tiere sterben. Zudem ist die Herkunft der Krankheit nach wie vor nicht geklärt. Das Institut für Veterinärbakteriologie der Vetsuisse-Fakultät in Bern untersucht die Krankheit intensiv. Vinzenz Gerber, Chefveterinär (a.i.) der Pferdeklinik Bern, erklärt.

Vinzenz Gerber, was genau ist die atypische Myopathie der Pferde ?

Die Myopathie der Pferde wurde schon vor sehr langer Zeit erstmals beschrieben. Intensiv beschäftigt man sich seit den 90er Jahren mit der Krankheit. Sie befällt ausschliesslich Weidepferde, vor allem junge und ältere, geschwächte Tiere. Der Name kommt von den Muskelschäden, welche die Krankheit hervorruft. Sie entwickelt sich sehr rasch, ohne Warnsignale. Die Pferde erleiden einen Kreuzschlag (sehr starke Myopathie : akute Zerstörung der Muskulatur), sie ruhen oft auf den Flanken, der Urin ist dunkel und in 90% der Fälle stirbt das Pferd Stunden oder Tage nach den ersten Symptomen. Für Pferdehaltende ist dies sehr hart, emotional, aber auch wirtschaftlich. Wir haben Pferdehaltende, welche drei Viertel ihrer Tiere so verloren haben.

Wie ist die Situation in der Schweiz und in Europa?

Vergangenen Herbst gab es viele Fälle in Europa. Auch die Schweiz traf es schwer: zählte man 2007 noch 7 Fälle und 2008 keinen einzigen, so gab es 2009 deren 40, vor allem im Jura. Auch in den vergangen Wochen wurden Fälle gemeldet, 3 in der Schweiz.

Kennt man die Ursache, den Krankheitserreger?

Nein. Der Krankheitserreger ist unbekannt. Man kann der Krankheit deshalb bis heute weder vorbeugen noch sie behandeln. Die Forschenden untersuchen jedoch mehrere Möglichkeiten. Zusammen mit dem Institut für Veterinärbakteriologie von Prof. Joachim Frey vermuten wir, dass die Krankheit durch einen Giftstoff -  produziert durch ein Bakterium des Typs Clostridium – verursacht wird. Bei allen Pferden, die wir untersucht haben, entdeckten wir einen tödlichen Giftstoff des Bakteriums Clostridium sordelli. Man findet ihn im Inhalt des Magens und im Darm, im Blut und auch direkt in der Muskulatur bei beinahe allen betroffenen Pferden. Dieses Bakterium kommt übrigens überall in der Natur vor, produziert aber den Giftstoff meist nicht in gefährlicher Menge.

Da die Krankheit mit der Produktion eines bakteriellen Toxins zusammenhängt, spielen die klimatischen Bedingungen eine Rolle ?

Man vermutet dies. Dies würde erklären, weshalb die Krankheit in der Schweiz vor allem im Frühling und im Herbst vorkommt. Vermutlich fördert der Wechsel von kalten Nächten und milden Tagen die Produktion des Giftstoffs. Zudem spielt wohl auch die Feuchtigkeit eine Rolle.

Wie gehen Sie an der Pferdeklinik gegen die Krankheit vor ?

Wir möchten die Ursache dieser Krankheit verstehen und bestätigen, dass der Giftstoff von Clostridium tatsächlich die Krankheit auslöst. Wir haben eine fruchtbare Zusammenarbeit mit unserem Institut für Veterinärbakteriologie und wir sind in Kontakt mit Forschenden anderer betroffener Länder, etwa mit dem Institut Pasteur in Frankreich. So können wir hoffentlich mittelfristig einen Impfstoff entwickeln, um der Krankheit vorzubeugen.

Was kann der Pferdehaltende tun ?

Wie gesagt gibt es zur Zeit leider weder präventive Massnahmen noch eine Behandlung. Wenn ein Pferdehalter Fälle hatte auf einer Weide, soll er diese nach Möglichkeit nicht weiter benutzen. Sicherlich soll er den Tierarzt informieren und mit der Pferdeklinik Bern Kontakt aufnehmen, um das Einschicken von Proben zu organisieren. Je mehr Proben wir erhalten, umso mehr Informationen haben wir über die Krankheit und umso schneller können wir vorbeugende Behandlungen entwickeln. Wir rufen deshalb alle Pferdehaltenden und Tierärzte auf: wenn Sie die atypische Myopathie beobachten, nehmen Sie Kontakt mit uns auf!

Pferdeklinik Bern +41 (0)31 631 22 43, Vinzenz Gerber oder Lucia Unger

Zu enge Ställe aus den 70er Jahren bis 2013 anpassen

Mit der neuen Tierschutzgesetzgebung müssen Milchviehbetriebe, die bereits vor September 2008 bestanden haben, keine baulichen Anpassungen vornehmen. Dabei gibt es eine Ausnahme: In alten Ställen aus den 70er Jahren gelten bisher immer noch besonders kleine Minimalmasse. Diese Ställe müssen bis 2013 – nach über 30 Jahren – angepasst werden.

 

Als Anfang der 80er Jahre in der Schweiz die erste Tierschutzgesetzgebung in Kraft trat, gab es besondere Regeln für bestehende Ställe. Noch heute gelten für Standplätze, die vor 1981 eingerichtet worden sind, kleinere Minimalmasse – die so genannten Klammermasse. Durch die Zucht sind Milchkühe in der Zwischenzeit grösser geworden – diese alten, kleinen Standplätze genügen nicht mehr. Die neue Tierschutzgesetzgebung schreibt deshalb vor, dass solche Standplätze bis Ende August 2013 an die normalen Minimalmasse angepasst werden müssen.

Wer ist betroffen?

Welche Ställe sind betroffen? Dies lässt sich einfach herausfinden. Angepasst werden müssen alle Ställe, in denen die Abmessungen für Standplätze und Liegeboxen nicht mindestens den im „Stall-Check“ aufgeführten Werten entsprechen. Liegen sie darunter, so müssen die Abmessungen den Vorgaben der neuen Tierschutzverordnung angepasst werden. Nur für Milchkühe im Sömmerungsgebiet gelten Ausnahmeregelungen, sofern die Tiere in der Regel nicht länger als acht Stunden täglich in den Ställen sind.

Bauliche Anpassungen jetzt planen

Anpassungen von Standplätzen und Liegeboxen müssen sorgfältig geplant werden. Prüfen Sie jetzt, ob Ihr Stall angepasst werden muss. Dabei hilft Ihnen die Planungshilfe mit dem Titel "Vorschläge für einfache Anpassungen in Anbindeställen für Kühe".

Freiwillige Anpassung kann sinnvoll sein

Von Gesetzes wegen nicht angepasst werden müssen Standplätze und Liegeboxen, welche den „Stall-Check“ bestehen – dies sind die normalen Masse der alten Tierschutzverordnung. So können beispielsweise Kühe mit einer Widerristhöhe von 145 cm weiterhin auf Standplätzen oder in Liegeboxen mit den Abmessungen für Kühe mit einer Widerristhöhe von 130-140 cm gehalten werden.

Dennoch kann es im Einzelfall angezeigt sein, die Abmessungen an die Widerristhöhe der im Stall stehenden Tiere anzupassen. Empfehlenswert ist dies, wenn einzelne Tiere nicht mehr Platz zum Abliegen finden und nicht artgemäss ruhen können, oder wenn gehäuft Verletzungen am Euter oder an den Gelenken auftreten. In diesen Fällen kann ein grösseres Platzangebot das Tierwohl entscheidend ver-bessern. In extremen Fällen kann die kantonale Tierschutzvollzugsstelle entsprechende Anpassungen auch verlangen.
Neue Ställe, die nach dem 31. August 2008 gebaut oder neu eingerichtet wurden, müssen alle Anforderungen der neuen Tierschutzverordnung erfüllen.

Stall-Check: Anpassungen sind notwendig, wenn folgende Abmessungen unterschritten werden

Breite in cm Länge in cm
Standplätze
Jungtiere bis 400 kg im Kurzstand 90 145
Jungtiere über 400 kg im Kurzstand 100 155
Milchvieh mit Widerristhöhe von über 130 cm im Kurzstand 110 165
Milchvieh mit Widerristhöhe von über 130 cm im Mittellangstand 110 200
Liegeboxen
Milchvieh mit Widerristhöhe von über 130 cm, wandständige Liegeboxen 120 240
Milchvieh mit Widerristhöhe von über 130 cm, gegenständige Liegeboxen 120 220

Staupe-Epidemie: Hunde jetzt impfen

„So viele Tiere wurden noch nie zur Untersuchung eingeschickt“, sagt Marie-Pierre Ryser vom Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin an der Universität Bern (FIWI). Ein Grund dafür ist die neue Staupe-Epidemie in der Schweiz. Erkrankten Anfang 2009 in Graubünden und St. Gallen einige Füchse und Dachse, so breitete sich die Staupe in den vergangenen Monaten mit Fällen von Schaffhausen über Zürich bis Uri über die halbe Schweiz aus. „Die Staupe könnte früher oder später die gesamte Schweiz erfassen“, sagt Ryser.

Bislang wurde bei rund 30 Füchsen und Dachsen Staupe entdeckt – vermutlich ein Bruchteil der tatsächlichen Fälle. Eine solche Häufung sei neu, sagt Ryser. Dabei kommt die Staupe schon seit längerem bei Wildtieren in der Schweiz vor. Nachgewiesen wurde die Krankheit zuvor nur bei Steinmardern. In Untersuchungen konnten die Forschenden jedoch zeigen, dass rund ein Viertel der Füchse und der Luchse Antikörper gegen Staupe haben und somit mindestens mit dem Erreger Kontakt hatten.

Ryser vermutet, dass sich nun ein für die hiesige Wildtierpopulation neues Staupe-Virus in der Schweiz ausbreitet, welches die Tiere öfter krank macht. Auf ein neues Virus deutet nicht nur die höhere Erkrankungsrate bei Wildtieren. Es sind laut Ryser auch alle Altersklassen betroffen – ältere Tiere haben offenbar keinen besseren immunologischen Schutz gegen das Staupe-Virus als jüngere. Die neue Epidemie hat sich von Osten her ausgebreitet und hat neben der Schweiz auch Österreich, Deutschland, Liechtenstein und Italien erfasst.

Für die Hundepopulation scheint das Risiko dennoch klein. So ist bislang keine Ansteckung eines Hundes durch Wildtiere bekannt geworden. Ausgeschlossen ist eine Ansteckung jedoch nicht. Hundehaltende sollen deshalb ihre Tiere unbedingt gegen Staupe impfen und nun prüfen, ob der Impfschutz noch aktuell ist. Für Menschen stellt die Staupe keine Gefahr dar.

Zudem: Wer Füchse, Dachse oder andere fleischfressende Wildtiere sieht, die sich seltsam verhalten und keine Scheu zeigen oder wer tote Wildtiere entdeckt, soll den lokalen Wildhüter kontaktieren. Nur so können die Fachleute am FIWI die Situation überblicken.
Weitere Informationen gibt das „Merkblatt Staupe“ des FIWI und die Website www.geliebtgeimpft.ch der Gesellschaft der Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte.