Bundesamt für Veterinärwesen BVET

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Rinderpest : erste weltweit ausgerottete Tierseuche

Die FAO hat es kürzlich verkündet : die Rinderpest ist vom Planeten Erde verschwunden. Juan Lubroth, Leiter der Veterinärabteilung bei der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), schildert die Erfolgsgeschichte.

Ist die Rinderpest wirklich global ausgerottet?

Wir gehen tatsächlich davon aus, dass das Rinderpest-Virus in der Natur nicht mehr zirkuliert. Der letzte Ausbruch wurde 2001 in Kenia verzeichnet und alle Überwachungsprogramme weltweit zeigen, dass die Übertragung der Rinderpest seit mindestens 10 Jahren nicht mehr stattfindet. Damit die Welt jedoch offiziell als Rinderpest-frei deklariert werden kann, müssen sämtliche Länder von der Welt-Tiergesundheitsorganisation OIE als frei anerkannt werden. Diesen formellen Prozess haben noch nicht alle Länder abgeschlossen.

Welche Bedeutung hat die Ausrottung der Rinderpest ?

Die Ausrottung der Rinderpest ist ein bedeutender sanitarischer Erfolg und ein wichtiger Schritt zur Verringerung der Armut. Die Rinderpest tötete im Laufe der Geschichte zig Millionen von Tieren und war noch in den 80er Jahren weltweit verbreitet – alleine in Nigeria wurden die Verluste auf 2 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die Bedeutung zeigt sich auch daran, dass die Rinderpest erst die zweite weltweit ausgerottete Krankheit nach den Pocken beim Menschen ist. Die Ausrottung ist vor allem ein Erfolg für Bauern: sie verbessert die Tiergesundheit, fördert die Produktion von Milch und Fleisch und die Nutzung der Tiere, um den Boden zu bearbeiten oder Ernten zu transportieren. Dieser Erfolg war nur möglich dank der engen Zusammenarbeit von regionalen und internationalen Organisationen, von Veterinärbehörden und Tierhaltern während Dutzenden von Jahren.

Wie können Sie sicher sein, dass das Virus verschwunden ist ?

In den vergangenen acht Jahren haben wir jegliche Spuren der Rinderpest in den gefährdeten Gebieten gesucht – Viren und Antikörper, klinische und nicht sichtbare Infektionen. Wir haben Tierhalter befragt, um Anzeichen der Krankheit zu finden. Dabei zeigte sich, dass die Krankheit seit langem nicht mehr aufgetaucht war. Wir sind selbst Gerüchten aus allen Ecken und Enden der Welt nachgegangen und haben die entsprechenden Herden beprobt. Mit diesen Analysen konnten wir Verdachtsfälle ausräumen. Auch in Wildtieren haben wir gesucht und auch da gibt es seit 2001 keine Anzeichen mehr.

Was brachte die Ausrottung zum Erfolg ?

Mehrere Aspekte waren entscheidend und alle getroffenen Massnahmen hätten für sich alleine nicht zum Erfolg geführt. Wir mussten gleichzeitig regional und international vorgehen und es brauchte Kooperationen zwischen Politik und Gesundheitswesen und finanzielle Unterstützung, um im Feld Massnahmen zu treffen und die Infrastruktur zu verbessern. Auch die standardisierte Diagnostik war wichtig für den Erfolg. Ausschlaggebend war aber die Impfung. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat die FAO eine massive Informationskampagne durchgeführt, mit dem Ziel, die Impfung einzuschränken. Nachdem die Impfungen gestoppt waren, konnten die Regionen identifiziert werden, in denen die Krankheit noch grassierte. Dort wurde dann intensiv geimpft und das Virus lokal ausgerottet. Damit diese Methode akzeptiert wurde, mussten wir zeigen, dass genügend Impfstoff vorhanden war und bei Ausbruch sofort eingesetzt wurde. Heute zeigt sich: diese Strategie zahlte sich aus. 

Wie kann ein Wiederaufflackern der Krankheit verhindert werden?

Wir müssen wachsam bleiben. Die gefährdeten Regionen müssen noch während 10 bis 15 Jahren jederzeit bereit sein. Keine leichte Aufgabe. Man erinnert sich an Konflikte in der Subsahara in den 80er Jahren, welche eine rasche Reaktion verunmöglichten. Wir müssen auch weiterhin Tierhalter und Tierärzte ausbilden, vor allem die Jungen, damit sie sich dieser Krankheit bewusst sind, mit der sie nie konfrontiert waren. Schlussendlich gilt es zu verhindern, dass infiziertes Material in Umlauf kommt – die Biosicherheit in Anlagen, die mit dem Virus arbeiten, muss jederzeit gewährleistet sein.

Haben Sie bereits weitere Krankheit im Visier ?

Wir haben viele Ziele. So wollen wir die Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche bremsen, eine schwierige Aufgabe, da wegen zahlreicher Serotypen eine Impfung anspruchsvoll ist. Die Pest der kleinen Wiederkäuer könnte nach den gleichen Prinzipien wie die Rinderpest ausgerottet werden – die beiden Krankheiten haben vieles gemeinsam. Dazu müssen wir aber noch potenzielle Geldgeber überzeugen. Man erhält für generelle Massnahmen leichter Geld als zur Ausrottung einer bestimmten Krankheit. So könnte man sich generell auf die Gesundheit von Kleinwiederkäuern konzentrieren und globale Programme entwickeln. Wir haben noch viel Arbeit vor uns !

Weitere Informationen zur Rinderpest und zum Global Rinderpest Eradication Programme

Schutz gegen Blauzungenkrankheit bleibt 2010 gut

Nun liegen die Zahlen vor: 87 Prozent wollen ihre Rinder und Schafe per Impfung vor der Blauzungenkrankheit schützen; 13 Prozent der Tierhalter haben sich davon befreien lassen. Die Werte können sich in den kommenden Wochen noch leicht ändern. Schon heute lässt sich aber sagen: Wir werden auch 2010 eine gute Impfabdeckung haben.

Der Anteil der Abmeldungen ist kantonal stark verschieden. Die höchsten Raten ergaben sich in den Kantonen SG (35%), den Urkantonen (25%) und AI/AR (20%), in den Westschweizer Kantonen sind sie deutlich tiefer, etwa in FR (2,4%), JU (4,3%) oder VD (1,4%). Die Gründe dafür sind vielfältig. Westschweizer Landwirte haben miterlebt, wie 2008 bei Kollegen in Frankreich die Produktion unter der Blauzungenkrankheit litt. In keinem anderen Nachbarland ist die Seuche so massiv in den Grenzregionen aufgetreten.

Die gute Impfabdeckung ist erfreulich. Wir haben damit die Chance, nicht die Sicherheit, dass es auch 2010 wie im Jahr zuvor keine neuen Ansteckungen mit der Blauzungenkrankheit mehr gibt. Können wir – und unsere Nachbarländer in den Grenzregionen – die aktuell gute Seuchenlage halten, haben wir die Grundlage, um die Schutzmassnahmen 2011 weiter zu lockern.

  Anzahl Gesuche (Rinder und Schafe) Anteil Betriebe (Rinder und Schafe, %)
AG 197 6.6
AI/AR 323 20.3
BE 1113 8.4
BL 90 9.8
BS 0 0.0
FL 4 3.0
FR 78 2.4
GE 0 0.0
GL 54 12.9
GR 440 16.1
JU 49 4.3 (korrigiert)
LU 680 13.8
NE 53 6.2
SG 1529 34.5
SH 59 16.4
SO 85 5.1
TG 400 16.0
TI 57 6.4
URK 919 25.4
VD 40 1.4
VS 332 13.5
ZG 97 17.2
ZH 461 14.9
Schweiz 7060 12.9

Weitere Informationen zur Impfkampagne 2010

Hin zu einer Einzelkennzeichnung von Pferden

Seit dem 1. Januar 2010 müssen alle Halterinnen und Halter von Pferden – Profis wie Amateure – ihren Betrieb registrieren. Dadurch wissen die Behörden, wo überall in der Schweiz Pferde stehen – im Seuchenfall ein entscheidender Vorteil für eine effiziente Bekämpfung.

Die Registrierung der Betriebe betrifft nicht die Eigentümer der Pferde, sondern nur die Halter (die Besitzer des Stalles). Dabei sind in der Landwirtschaft tätige Halter schon erfasst und müssen im Moment nichts unternehmen. Für sie ist es einfach: sie erhalten im Frühling im Rahmen der koordinierten landwirtschaftlichen Betriebsdatenerhebung per Post ein Formular, welches sie ausfüllen müssen. Nicht-landwirtschaftliche Halter dagegen müssen sich jetzt bei der entsprechenden kantonalen Stelle melden, damit sie später ebenfalls das Formular zugeschickt erhalten. Sie finden sämtliche Informationen auf www.tiererichtighalten.ch.

Die Betriebsregistrierung ist ein erster Schritt hin zu einer Einzelkennzeichnung von Pferden. Dies wird die Seuchenbekämpfung weiter erleichtern. Im Seuchenfall muss man wissen, wo ein infiziertes Tiere überall war und andere Tiere anstecken konnte. Eine Arbeitsgruppe mit Mitgliedern aus Pferdeverbänden und von Behörden erarbeiten zur Zeit die Details. Bereits 2011 könnte die Einzelkennzeichnung von Pferden starten.

In der Europäischen Union ist dies bereits beschlossen : seit dem 1. Juli 2009 müssen alle Pferdeartigen einzeln gekennzeichnet sein und einen Pferdepass besitzen. Die Mitgliedsländer sind zur Zeit daran, diese Vorgaben umzusetzen. Die meisten Mitgliedsstaaten setzen für die Kennzeichnung auf Mikrochips. Einige Länder haben eine zentrale Datenbank aufgebaut, andere erfassen die Daten über die nationalen Zuchtverbände. Mikrochips, zentrale Datenbank, Pferdepass – alle diese Punkte werden aktuell in der Schweiz diskutiert. Der Bundesrat wird die angepasste Gesetzgebung voraussichtlich bis im Herbst verabschieden.

Eigentümer und Halter von Pferden, Tierärzte, Mitglieder von Pferdeorganisationen und andere – wir halten Sie gerne auf dem Laufenden. Abonnieren Sie dazu den elektronischen Newsletter „Nutztier-News“.