Bundesamt für Veterinärwesen BVET

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"Unser Bezug zum Tier sagt viel aus über unsere Beziehung zu Menschen"

Die Kindersendung "Les Zèbres" von Jean-Marc Richard im Radio Suisse Romande war vom 26. bis 29. Januar 2010 beim BVET auf Besuch. Je eine 8., 7., 2. und 5. Klasse der "école cantonale de langue française" in Bern haben die Sendung produziert und verschiedene Facetten des BVET entdeckt. Wir sprachen mit Jean-Marc Richard.

 

Jean-Marc Richard, was hat Sie diese Woche besonders berührt ?

Kinder haben viel zu sagen und zu fragen rund ums Tier. Dies ist ein universales Thema, welches sie anspricht, weil es einen Bezug zu ihrem täglichen Leben hat. Das weckt in den Kleinen die Lust zu erzählen, ihren Hunger die Beziehung zum Tier zu erklären. Die grösseren haben viele Fragen gestellt, weil sie das Thema verstehen wollten. Der Kontakt mit den Fachleuten des BVET vor der Sendung war wichtig. Euer Ansatz ist nicht emotional. Ihr behandelt die Themen rund ums Tier auf wissenschaftliche, fast technische Art und Weise. Das Tier wird nicht überhöht und verherrlicht. Daraus entsteht ein Raum zum Nachdenken. Man sah das klar in den Debatten in „Les Zèbres“ (Anmerkung der Redaktion: das Thema der Woche war der Tierschutzanwalt): die Argumente waren gegensätzlich und nuanciert.

Weshalb haben Sie das BVET gewählt ? Ein Bundesamt ist für Kinder nicht unbedingt besonders witzig…

Erstaunlich, aber als wir im Team verschiedene Produktionsorte diskutiert haben, war das BVET einer der wenigen Orte, für das sich das ganze Team begeisterte. Allerdings aus ganz verschiedenen Gründen: Einige fanden den Tierschutz spannend, andere interessierten sich eher für Steaks… Ich wollte vor allem mit den Kindern über den Platz des Tieres in der Gesellschaft nachdenken – und die vielen Diskussionen haben gezeigt, wie sehr dieses Thema die Kinder berührt.

An der "école cantonale de langue française" hat es Kinder aus den verschiedensten Nationen und insbesondere aus Afrika. Sie arbeiten regelmässig in Afrika und kennen den Kontinent gut. Wie ist der Bezug zum Tier dort ?

Ganz anders ! Ich würde sogar sagen dies ist der grösste kulturelle Unterschied überhaupt. Die Wahrnehmung der Religion, der Familie, von Mann und Frau sind letztendlich nicht sehr verschieden. Der Platz des Tieres ist jedoch ganz anders. Wenn man ums Überleben kämpft, setzt man andere Prioritäten. Ein Kind aus dem Kongo, welches diese Woche die Sendung mitproduzierte, erzählte mir, wie schockiert es war, als es in der Schweiz zum ersten Mal Werbung für Katzen- und Hundefutter gesehen hat. Ihm habe es die Sprache verschlagen.

Ist der Schutz der Tiere also Luxus ?

Ich glaube, dass der Schutz von was auch immer nie Luxus ist. Es ist undenkbar, dass sich die Menschen in der Schweiz nicht um den Tierschutz kümmern. In Regionen, wo Menschen kaum überleben können, kann man sich dagegen nicht vorstellen, Duschen in Schweineställen zu installieren – wie wir es diese Woche in der Sendung besprochen haben. Es ist eine Frage der Prioritäten.

Während der ganzen Woche haben Sie Kinder gefragt, woran sie beim Wort "Tier" denken. Und Sie?

Für mich sagt der Bezug zum Tier, den jemand hat, viel über seine Beziehung zu Menschen aus. Wer sich von Tieren besser verstanden fühlt als von den Menschen, die ihn umgeben, wurde vielleicht schon mehrfach von menschlichen Beziehungen enttäuscht. Menschen, die Tiere quälen, haben oft Probleme mit sich selbst. Der Respekt vor dem Menschen und der Respekt vor dem Tier gehen Hand in Hand. Schauen Sie die Kinder: sie sind voller Menschlichkeit und sie haben einen spontanen Zugang zum Tier.

Erstmals EIA bei Pferden in Grossbritannien seit 1976

Bei zwei aus Rumänien importierten Pferden wurde die Equine Infektiöse Anämie (EIA) entdeckt. Die Laboruntersuchungen fanden im Rahmen der Importkontrollen statt. Wie das Departement for Environment, Food and Rural Affairs (DEFRA) mitteilte, sind dies die ersten Fälle seit 1976. Die beiden Pferde mussten getötet werden. Nachuntersuchungen bei weiteren Tieren laufen.

Der Import von Pferden in die Schweiz aus einem EIA-Betrieb in Deutschland endet dagegen gut – siehe Meldung vom 10. Dezember 2009. Auch in den Nachuntersuchungen zeigte sich, dass keines der Tiere EIA hat. Sämtliche Restriktionen in den Kantonen Zürich und Thurgau konnten aufgehoben werden.

Die Schweiz ist frei von EIA. Weltweit ist die Krankheit jedoch verbreitet. Sie kommt in Osteuropa und in Italien häufig vor und auch unsere übrigen Nachbarländer melden immer wieder einzelne Fälle – letztmals im 2008 in Deutschland und Frankreich. Die Viruskrankheit kann bei betroffenen Tieren zu hohem Fieber, Blutarmut, starker Abmagerung und manchmal gar zum raschen Tod führen. Oft entwickeln die Pferde jedoch kaum Symptome – sie bleiben aktiv, fressen gut, aber verlieren ohne ersichtlichen Grund Gewicht. Die Krankheit wird mechanisch von Bremsen, Fliegen oder Mücken übertragen. Da sich die Insekten nur schwer bekämpfen lassen, ist auch die Krankheit nicht leicht in den Griff zu kriegen. Im Seuchenfall müssen deshalb betroffene Tiere rasch getötet werden, um eine Ausbreitung zu verhindern.

Die EIA kann die Schweiz jederzeit treffen. Tierhaltende und Tierärzte sollen deshalb wachsam sein, auf Symptome achten und es ist empfohlen, bei Importen je nach Herkunftsland die Tiere vor dem Import testen zu lassen. Für Menschen ist die EIA nicht gefährlich.

Weitere Information zur Equiner Infektiöser Anämie (EIA) finden Sie hier.

Ferkel werden ab sofort schonend kastriert

Seit dem 1. Januar 2010 dürfen Ferkel in der Schweiz nur noch nach Schmerzausschaltung kastriert werden – ein wichtiger Schritt für die tierschonende Schweineproduktion in der Schweiz. Dafür engagiert hat sich der Verband der Schweineproduzenten Suisseporcs und an vorderster Front sein Präsident Peter Hofer.

Herr Hofer, wie kastrieren Sie Ihre Ferkel? Was sind Ihre Erfahrungen?

Ich arbeite in einer Tierhaltergemeinschaft zusammen mit einem Partnerbetrieb. Die Ferkel werden auf dem Partnerbetrieb mit einem Inhalationsnarkosegerät kastriert. Eigene Erfahrungen habe ich nicht.

Was musste in den vergangenen Monaten geschehen, damit die Umsetzung klappt?

Da der Markt mit ganz wenigen Ausnahmen chirurgisch kastrierte Tiere verlangt, haben mehr als 2500 Produzenten Ausbildungskurse besucht, damit sie die Kastration mit einem Inhalationsnarkosegerät selbst durchführen können. Ein kleinerer Teil der Produzenten wird die Kastration durch den Tierarzt machen lassen. Die Inhalationsgeräte mussten bestellt werden und die Produzenten hatten bei Proviande einen Antrag zur finanziellen Unterstützung einzureichen. Außerdem hat die Branche einen Starthilfefonds errichtet, der von den Produzenten, von den Abnehmern und vom Schweinehandel bezahlt wird. Die Proviande macht die Fondsverwaltung im Auftrag der Branche.

Wie weit ist die Branche nun mit der Umsetzung?

Beim Kastrationsfonds haben etwa ein Drittel der Antragsteller mitgeteilt, dass sie das Tierarzt-Modell anwenden werden. Ich glaube, dass noch etliche Betriebe bis Ende März auf die Inhalationsnarkose wechseln. Die Geräte für die Inhalationsnarkose sind auf Grund der dreimonatigen Lieferfrist und auch auf Grund von verspäteter Bestellung noch nicht auf allen Betrieben in Betrieb genommen. Diese Betriebe müssen, bis es soweit ist, mit dem Tierarzt die Injektionsnarkose anwenden. Der Kastrationsfonds ist gut auf Kurs. Die an die schlachtenden Betriebe in Rechnung gestellten Beträge werden in den allermeisten Fällen korrekt einbezahlt. Die Angaben der etwa 2500 Anträge von Züchtern werden zurzeit mit den AGIS-Daten des Bundes abgeglichen und anschliessend werden die Modellrechnungen für die Entschädigung pro durchschnittlichen Abferkelplatz gemacht. Zucht-Mastbetriebe werden speziell analysiert. Ab Ende erstes Quartal werden dann die Auszahlungen gestartet.

Haben Sie Rückmeldungen von Schweineproduzenten?

Wir haben an der „Suisse Tier“ ein Forum über die Erfahrungen bei der Umsetzung durchgeführt. Drei Produzenten haben über ihre praktischen Erfahrungen mit den Geräten und der Methode berichtet. Die Schmerzausschaltung der Ferkel sei sehr gut. Da die Ferkel schlafen, sei es wesentlich ruhiger im Stall und die Arbeit angenehmer. Der Zeitaufwand steige jedoch merklich und auch der Aufwand für den Geräteunterhalt sei nicht zu unterschätzen. Der finanzielle Aufwand für die Geräteanschaffung wird durch den Beitrag aus dem Umsetzungsfonds stark reduziert. Die Rückmeldung von weiteren Produzenten zeigt ein ähnliches Bild.

Wie begleitet Suisseporcs die Umsetzung?

Die Fäden für die Umsetzung laufen beim Schweinegesundheitsdienst SGD zusammen. Er ist mit seinen Beratungsbesuchen sehr häufig auf den Zuchtbetrieben und wird in den nächsten Monaten spezielle Hilfestellung bei allfälligen Problemen oder Fragen bei der Kastration anbieten. Der SGD wird in Zusammenarbeit mit den Tierärzten ein Monitoring durchführen und regelmässig über Verbesserungsmöglichkeiten informieren. Für die Arbeitsplatzsicherheit arbeiten wir mit der SUVA/agriss zusammen. Sollte ein Betrieb das Gefühl haben, die Belastung durch Isofluran sei zu hoch, kann er kostenlos Messungen durch die Spezialisten durchführen lassen.

Wie sehen Sie die Zukunft?

Die chirurgische Kastration wird wohl noch während Jahren praktiziert. Mit der Inhalationsnarkose mit Isofluran und der zusätzlichen Anwendung eines Schmerzmittels hat die Schweiz europaweit die beste Schmerzausschaltung. Die Schweiz wird sich den Entwicklungen in den europäischen Märkten nicht entziehen können. Dort kommen bereits heute Impulse vom Markt für einen Verzicht auf die chirurgische Kastration. Die mengenmäßige Bedeutung ist jedoch noch klein. Auch in der Schweiz muss der Markt diese Impulse setzen. Wann das sein wird, kann niemand zuverlässig voraussagen. Ein gesetzliches Verbot der Kastration von Ferkeln lehnen wir ab. Sonst müsste die Kastration generell - auch für Haustiere - verboten werden.

Weitere Informationen zur Ferkelkastration

Landwirtschaftliche Organisationen stehen für hohe Impfrate ein

Zum Schutz vor der Blauzungenkrankheit braucht die Schweiz auch 2010 eine hohe Impfrate. Landwirtschaftliche Organisationen, die Tierärzteschaft und die Veterinärbehörden empfehlen Tierhaltenden, ihre Tiere durch eine Impfung vor Ansteckung zu schützen.

Der Schweizerische Bauernverband empfiehlt den Landwirten, ihre Tiere gegen die Blauzungenkrankheit zu impfen. Die Impfung schützt die Tiere wirkungsvoll vor der Krankheit und hilft wirtschaftliche Schäden auf den Betrieben zu verhindern. Gesunde Tiere sind die Voraussetzung für eine glaubwürdige und erfolgreiche Landwirtschaft. Schützen Sie daher die Tiere mit der Impfung und helfen Sie mit, die Blauzungenkrankheit in der Schweiz zurückzudrängen!
Hansjörg Walter, Präsident Schweizerischer Bauernverband

 

Die Impfkampagne gegen die Blauzungenkrankheit bedeutet für die Tierärztinnen und Tierärzte in der Schweiz einen beträchtlichen Zusatzaufwand. Sie leisten diesen Einsatz gerne und aus Überzeugung. Der Vergleich mit der Situation in anderen Ländern Europas beweist es eindrücklich: Dank der Impfung werden unsere Tierbestände umfassend geschützt, und die Landwirtschaft wird vor enormen Schäden bewahrt. Der Einsatz lohnt sich für alle.
Charles Trolliet, Präsident der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte

 


Wer seine Tiere impft, hilft mit, damit nicht nur seine, sondern die Viehbestände der ganzen Schweiz geschützt werden.
Markus Zemp, Präsident Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter

Die Blauzungenbekämpfung ist im letzten Jahr erfolgreich verlaufen. Auch im 2010 ist das Impfen gegen die Blauzungenkrankheit obligatorisch; Ausnahmen ohne besondere Begründung sind aber möglich. Es ist für unsere Tierbestände zwingend, dass wir einen hohen Impfschutz garantieren, denn nur so können wir die Gesundheit erhalten und Leiden und Ausfälle verhindern. Damit leisten wir einen gemeinsamen Grundbeitrag für ein gesundes Viehwirtschaftsjahr, welcher die Tierzucht Schweiz stärkt.
Andreas Aebi, Präsident swiss herdbook

 

Die Blauzungenkrankheit konnte 2008 und 2009 mit den Impfungen in der Schweiz erfolgreich zurückgedrängt werden. Doch wir müssen auch für die Zukunft gerüstet sein. Unser Land ist seit mehr als einem Jahr starken ökonomischen Turbulenzen ausgesetzt, die auch die Landwirtschaft betroffen haben. Die Konsumenten erwarten auch weiterhin eine inländische Produktion von gesundem Lammfleisch. Wir Schafhalter wollen das Risiko eines Ausbruchs der Blauzungenkrankheit mit all den Folgen nicht tragen und empfehlen deshalb, unsere Schafe auch im 2010 mit der Impfung zu schützen.
German Schmutz, Präsident Schweizerischer Schafzuchtverband