Bundesamt für Veterinärwesen BVET

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Fleisch und Milch von geimpften Tieren sind sicher

Am 27. Januar verlangte die Stiftung für Konsumentenschutz im Zusammenhang mit der Impfung gegen Blauzungenkrankheit Rückstandsuntersuchungen in Fleisch und Milch. Werden Impfstoffe oder Arzneimittel bei Nutztieren eingesetzt, stellt sich immer die Frage der Rückstände in Lebensmitteln. Auch beim Impfstoff gegen die Blauzungenkrankheit haben die Experten des Instituts für Viruskrankheiten und Immunprophylaxe (IVI) die Frage deshalb frühzeitig analysiert. Das Resultat ist klar: Fleisch und Milch von geimpften Tieren stellt für Konsumentinnen und Konsumenten keinerlei Risiko dar.

Diesen Schluss ziehen wir aus folgenden Fakten und Überlegungen:

  • Der im 2009 eingesetzte Impfstoff BTVPUR AlSapTM8 von Merial enthält abgetötete Blauzungenviren, Saponin (ein natürlicher Stoff aus Eichenrinde), Wasser und Aluminiumhydroxid. Das Virus und Saponin sind natürliche Stoffe, die im Körper des Tieres innert Stunden abgebaut werden – sie können keine Rückstände hinterlassen.
  • Aluminiumhydroxid ist ein gängiger Inhaltsstoff in Impfstoffen – sowohl in der Tiermedizin (Rinder-Impfstoff gegen Rauschbrand, Schweine-Impfstoff gegen Rotlauf,...) wie in der Humanmedizin (Impfstoffe gegen Diphtherie, Tetanus, Hepatitis und weitere; die auch bei Kleinkindern ab dem 1. Geburtstag eingesetzt werden können). Die Verträglichkeit von Aluminiumhydroxid beim Menschen ist deshalb gut belegt. Es macht keinen Sinn, die Verträglichkeit der Substanz bei jedem neuen Impfstoff erneut zu untersuchen.
  • Der Impfstoff gegen Blauzungenkrankheit enthält 2,7 mg Aluminiumhydroxid pro Dosis. Die Menge ist sehr gering. Zum Vergleich: Nehmen Menschen bei Verdauungsproblemen bestimmte Kautabletten, dann schlucken sie das 30- bis 100-fache dieser Menge.
  • Rinder und Schafe, die in weniger als 1 Monat geschlachtet werden, müssen nicht geimpft werden. Diese Frist hat nichts mit Rückständen zu tun. Der Grund ist ein ganz anderer: Innert dieser kurzen Zeit kann die Impfung schlicht keinen Schutz aufbauen. Rückstände im Fleisch wären aber selbst dann kein Problem, wenn die Tiere am Tag nach der Impfung geschlachtet würden. Dies gilt umso mehr für eine Schlachtung mehrere Wochen nach der Impfung.
  • Entgegen der Mitteilung der Stiftung für Konsumentenschutz enthält der 2009 eingesetzte Impfstoff keine Schwermetalle.

Die Unbedenklichkeit der Impfungen gegen Blauzungenkrankheit für die Konsumentinnen und Konsumenten von Fleisch und Milch ist gut belegt. Aus fachlicher Sicht gibt es keinen Anlass für ein Rückstandsuntersuchungsprogramm während der jetzt anlaufenden Impfkampagne.

Die Impfung oder die Krankheit?

Nach einer intensiven Impfkampagne ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Immer wieder tauchen in Diskussionen Bedenken auf, die Impfung hätte zu Nebenwirkungen geführt. Sind die Impfstoffe sicher? Haben sie nicht Aborte und erhöhte Zellzahlen in der Milch ausgelöst? Und schliesslich: Hat die Impfung wirklich etwas gebracht?

Ein Blick auf eine Karte mit den Ausbrüchen 2008 in Europa führen einem den Nutzen der Impfung wortwörtlich vor Augen. Die Grenze zu Frankreich ist wie ausgestanzt, sind doch in unserem Nachbarland derart viele Fälle aufgetreten. In Zahlen: Frankreich hatte 2008 rund 30.000 Fälle zu verkraften, in der Schweiz waren es 35. Der Grund ist einfach: In Frankreich war die Impfung freiwillig, was nicht gereicht hat, um die Krankheit unter Kontrolle zu halten. Frankreich hat nun die Konsequenzen gezogen und für 2009 eine obligatorische Impfkampagne gestartet.

In der Schweiz hatten wir Glück und sind dank der Impfung weitgehend verschont geblieben. Eine Folge davon ist, dass wir uns der Auswirkungen der Krankheit nicht richtig bewusst sind. Dabei ist klar: Ohne obligatorische Impfkampagne wären wir in der Situation von Frankreich mit Hunderten, vielleicht sogar Tausenden von Fällen. Schauen Sie sich den Film eines Bauern-Ehepaars aus Frankreich auf unserer Seite an. Die wirtschaftlichen Folgen der Blauzungenkrankheit sind massiv und halten über Wochen an, selbst bei geringer Sterblichkeit. Die Tiere fressen wenig, zeigen Fruchtbarkeitsstörungen, rindern um – alles Symptome mit gravierenden wirtschaftlichen Folgen.

Die Impfkampagne hat das wichtigste Ziel erreicht, die Schweizer Nutztierpopulation vor der Blauzungenkrankheit weitgehend zu schützen. Was aber ist mit den Nebenwirkungen? Hat die Impfung vielleicht mehr geschadet als genützt? Die Antwort ist Nein. Die drei verwendeten Impfstoffe wurden in der Schweiz und in Deutschland schon vor der Impfkampagne getestet. In den vergangenen Monaten haben zudem Forschende der Vetsuisse-Fakultät und von uns, dem BVET, Hunderttausende von Datensätzen ausgewertet. Bei all diesen umfangreichen Studien haben wir keinerlei Hinweise auf gravierende Nebenwirkungen gefunden. Die Impfkampagne 2008 hat sich gelohnt.

Im Februar startet die Impfkampagne 2009. Wir werten auch dieses Jahr den Nutzen und die Folgen der Impfungen gründlich aus. Auf dieser Basis werden wir mit den bäuerlichen Organisationen rechtzeitig diskutieren, wie wir die Bekämpfung der Blauzungenkrankheit in den nächsten Jahren fortführen. Eines ist klar: Die Impfkampagne ist eine Dienstleistung für die Landwirtschaft und macht nur Sinn, wenn die Landwirtschaft diese auch möchte. 

Weitere Informationen: www.bluetongue.ch