Bundesamt für Veterinärwesen BVET

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Bestimmte Hundetypen beissen häufiger – was bedeutet das?

Die Diskussion rund um gefährliche Hunde fokussierte von Beginn weg auf Pitbulls und andere Hundetypen, die unter dem Begriff „Kampfhunde“ liefen. Sind diese Hunde aufgrund der Zucht von sich aus gefährlicher? Sind sie für Halter besonders attraktiv, die selbst zur Aggression neigen? Oder ist das Problem „Pitbull“ einfach von den Medien produziert? Solche und ähnliche Fragen wurden heftig diskutiert, nachdem ein Knabe in Oberglatt von mehreren Pitbulls brutal zu Tode gebissen wurde.

Die Auswertung der Hundebissmeldungen aus dem Jahr 2007 gibt nun erstmals Anhaltspunkte zur Beantwortung der Fragen. Einige Hundetypen wie Rottweiler, Dobermänner oder Pitbulls beissen häufiger und zwar um das Mehrfache. Dies macht die Statistik deutlich. Die Zahlen beantworten jedoch die Frage nicht, ob diese Hunde von sich aus aggressiver sind oder ob das Problem eher beim Halter zu suchen ist. Oder anders gesagt: Es ist durchaus möglich, dass ein Pitbull in den Händen eines kompetenten Halter oder einer kompetenten Halterin kein erhöhtes Risiko darstellt. Die Frage ist somit, wie stellt man sicher, dass solche Hunde nicht in falsche Hände geraten.

Alle bisher auf nationaler Ebene getroffenen Massnahmen gelten für sämtliche Hunde und ihre HalterInnen gleichermassen. Hunde müssen gekennzeichnet und registriert werden und ab dem Herbst müssen Hundehaltende jeden neuen Hund ausbilden bzw. erziehen. Solche Massnahmen für alle Hunde in der Schweiz machen Sinn, werden die meisten Bissunfälle doch von den häufigsten Hundetypen verursacht. Ob diese Massnahmen aber auch für die oben erwähnten anspruchsvolleren Hundetypen reichen, muss geprüft werden.

Eines muss man sich dabei bewusst sein: Solche tragischen Vorfälle wie in Oberglatt lassen sich auch mit den strengsten Massnahmen nie ausschliessen. Unser Ziel muss es sein, einerseits das Risiko von Beissunfällen zu senken und den Vollzugsbehörden andererseits die Möglichkeit zu geben, möglichst früh einzuschreiten, wenn ein Hund-Halter-Gespann zum Risiko wird.

Hundebissstatistik 2007: http://www.bvet.admin.ch/themen/tierschutz/00760/00763/index.html?lang=de

 

Blauzungenkrankheit: Verdacht auf Impfschäden melden

Die Impfkampagne gegen die Blauzungenkrankheit wird zur Zeit diskutiert. Einige zufällig herausgegriffene Kommentare im Internet, die gegensätzlicher nicht sein könnten: „Die Kühe litten sichtbar unter der Impfung. Die Zellzahl hat sich unerklärlich innert Monatsfrist verdreifacht.“ „Innert einer Woche zwei Aborte“ Ein anderer Bauer: „Ich hatte keine Probleme.“

Diese Diskussionen sind wichtig. Bauern sollen bei Problemen nach den Impfungen - ob diese nun mit der Impfung zusammenhängen oder nicht - ihren Tierarzt hinzuziehen. Dieser wird bei Verdacht auf Impfschäden dies dem Institut für Viruskrankheiten und Immunprophylaxe melden. Bislang sind dort aus der ganzen Schweiz weniger als 30 Meldungen eingegangen.

Wir möchten die negativen Folgen der Impfung, wenn es solche gibt, so gut wie möglich kennen. Die Schwierigkeit dabei: Kommt es in einem Stall nach der Impfung zu erhöhten Zellzahlen in der Milch, zu Aborten oder sterben gar Tiere, lässt sich im Einzelfall kaum sagen, ob dies eine Folge der Impfung ist oder nicht. Wir dürfen nicht vergessen, dass in der Schweiz in ganz normalen Monaten geschätzte 1000 bis 2000 Kühe abortieren und rund 4000 Kälber, Kühe und Stiere verenden. Ob die Impfung nun tatsächlich gehäuft zu erhöhten Zellzahlen, Aborten oder anderen Problemen führt, lässt sich deshalb nur sagen, wenn man die Entwicklung in der ganzen Schweiz anschaut.

Solche wissenschaftlichen Studien führen wir durch. Bereits heute kann man aus den Daten der Milchuntersuchungen sagen, dass in den Monaten Juni und Juli 2008 die Zellzahlen nicht höher liegen als in den Sommermonaten des Vorjahres. Der Vergleich mit der Vorjahresperiode ist wichtig, da im Sommer normalerweise die Zellzahlen höher sind. Was heisst das nun konkret? Die Impfung gegen die Blauzungenkrankheit führt demnach nicht verbreitet zu erhöhten Zellzahlen. Bei wenigen Einzeltieren kann man dies aber dennoch nicht ausschliessen.

Bei Aborten lässt sich dies leider nicht so rasch herausfinden. Bis heute haben wir aber keinerlei wissenschaftliche Hinweise, dass mehr Aborte als üblich auftreten. Diese Frage werden wir so gut wie möglich rechtzeitig vor der nächsten Impfrunde im Frühjahr 2009 klären.

Die eingesetzten Impfstoffe wurden jedoch schon vorab getestet, auch bei trächtigen Tieren. In der Schweiz wurden über 100 trächtige Auen und in Deutschland mehrere hundert trächtige Kühe geimpft. Von den Kühen hat kein Tier abortiert, von den Schafen eines – keine besorgniserregende Rate.

Bei der Diskussion um die Nebenwirkungen darf die beabsichtigte Wirkung nicht vergessen gehen. Wir impfen ja alle rund 2 Millionen Kühe, Schafe und Ziegen, um Schäden durch die Blauzungenkrankheit vorzubeugen. Diese sind durchaus massiv: klinische Erkrankung, Milchrückgang, Aborte, das Verenden von Tieren und weitere. Um diese Verluste in der Landwirtschaft zu verhindern, nehmen wir die Impfkampagne in Kauf – mit all dem Aufwand für alle Beteiligten, den Kosten und in Einzelfällen auch den Nebenwirkungen.

Die Impfkampagne ist nötig. Im Juli sind beispielsweise in Baden-Württemberg bereits wieder Blauzungenfälle bei noch nicht geimpften Tieren aufgetreten. Da auch in Deutschland viele Tiere bereits geimpft sind, bilden die Fälle nur die Spitze des Eisberges. Alles deutet deshalb darauf hin, dass die Impfkampagne die Schweiz vor einer massiven Ausbreitung der Blauzungenkrankheit bewahren wird. Dazu war es nötig, die Impfkampagne so rasch als möglich durchzuführen und dazu wird es aller Voraussicht nach nötig sein, im kommenden Frühjahr wieder zu impfen.