Reptilienleder: Ziel sind weltweite Tierschutzstandards
Gestern hat die Rundschau des Schweizer Fernsehen Aufnahmen gezeigt, wie Echsen und Schlangen in Südostasien für die Lederproduktion getötet werden. Man müsste wohl eher von massakriert sprechen. Solches ist einfach nicht akzeptabel. Ich arbeite als Leiter Artenschutz beim BVET und ich glaube, es ist wichtig und richtig, natürliche Ressourcen zu nutzen, auch Tiere. Aber dies sollte so schonend wie möglich geschehen – schonend für das Fortbestehen der Art und schonend für das einzelne Tier selbst.
Ich konnte gestern in der Sendung im Namen des BVET Stellung nehmen. Das BVET deshalb, weil wir für den Vollzug des Übereinkommens über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten wildlebender Tiere und Pflanzen (CITES) verantwortlich sind. Nach einem solchen Beitrag stellt sich automatisch die Frage: Was passiert nun? Was macht die Schweiz?
Die Antworten konnte ich gestern nur andeuten. Ich möchte deshalb hier kurz ausführen, welche Schritte wir nun konkret unternehmen werden.
- Wir werden das CITES Sekretariat per Brief auf die Zustände aufmerksam machen und verlangen, dass Indonesien sich erklären muss.
- Wir werden auch von der Uhrenindustrie eine Antwort verlangen, wie sie sicherstellen wird, dass sie nicht weiter so hergestelltes Leder verwendet.
- Die Schweiz wird sich bei CITES dafür einsetzen, dass bei der Schlachtung von Reptilien für den internationalen Handel spezifische Anforderungen an die Tötung der Tiere gestellt werden. Als ersten Schritt nimmt die Schweiz an einem internationalen Workshop über den Handel mit Schlangen in Asien teil. Die Schweiz wird dort beantragen, dass der Workshop eine entsprechende Empfehlung an CITES (Animals bzw. Standing Committee) erstellen wird.
- Langfristig braucht es jedoch einen grundsätzlicheren Wandel. Das internationale Regelwerk für den Handel mit tierischen Produkten muss sich ändern. Heute kann der Handel nur eingeschränkt werden, wenn eine Tierseuchengefahr besteht oder der Bestand einer Art bedroht ist. Aus Tierschutzgründen sind Handelseinschränkungen aber kaum möglich. Das BVET setzt sich deshalb bei der Welt-Tiergesundheitsbehörde OIE dafür ein, dass weltweite Mindeststandards im Tierschutz festgelegt werden. Erfüllen Länder diese Mindeststandards nicht, könnte die Schweiz den Handel einschränken.
Ich bin mir bewusst, dass diese Schritte nicht schon morgen greifen werden. Schnellschüsse können jedoch keine echten Verbesserungen bringen. Die Tötung von Echsen und Schlangen kann nur weltweit wirklich verbessert werden, wenn solche Massnahmen international koordiniert erfolgen. Daran werden wir hartnäckig arbeiten. Und Sie können sich als Konsumierende schon heute durch bewusstes Einkaufen für eine nachhaltige Nutzung von Wildtieren einsetzen.



