Bundesamt für Veterinärwesen BVET

-»Diese Ausgabe ist für Browser ohne zureichende CSS-Unterstützung gedacht und richtet sich vor allem an Sehbehinderte. Alle Inhalte sind auch mit älteren Browsern voll nutzbar. Für eine grafisch ansprechendere Ansicht verwenden Sie aber bitte einen modernen Browser wie z.B. Mozilla 1,4 oder Internet Explorer 6.«-

Beginn Sprachwahl

Ein Sommer mit Blüemli – Blüemli auf der Alp

Blüemli, inzwischen 8 Monate alt, weidet auf der Vorholzallmend im Simmental, der zweitgrössten Allmend der Schweiz. Tiere aus verschiedenen Betrieben verbringen ihren Sommer da, darunter trächtige Tiere, in deren Herkunftsbetrieb die Bovine Virusdiarrhoe BVD aufgetreten ist. Kommt Blüemli – vor fünf Wochen negativ auf Antikörper gegen BVD getestet – mit einer frühzeitigen Geburt oder unvorhergesehenen Fehlgeburt dieser Tiere in Kontakt, steigt die Gefahr, dass es sich doch noch mit BVD-Viren infiziert.

Blüemli, 8 Monate alt, verbringt die Sömmerung auf der Vorholzallmend.


Die Vorholzallmend im hinteren Simmental ist mit ihren mehr als 9 km2 Fläche die zweitgrösste Allmend in der Schweiz. Sie wird seit rund 700 Jahren von einer öffentlich rechtlichen Körperschaft gemeinsam verwaltet und bewirtschaftet.

Die Vorholzallmend im hinteren Simmental, Sömmerungsalp von Blüemli, erstreckt sich über mehr als 9 km2 und sömmert Tiere aus 27 Betrieben.


Tiere aus 27 Betrieben verbringen ihren Sommer auf der Allmend. Darunter sind trächtige Tiere, in deren Herkunftsbetrieb im Verlauf des Frühjahrs persistent, d.h. lebenslänglich infizierte Kälber, sogenannte PI-Tiere, geboren wurden. Die Mütter dieser PI-Tiere haben den Sommer des Vorjahres auf der Vorholzallmend verbracht, wo sie möglicherweise zwischen dem 2. und 4. Trächtigkeitsmonat mit dem Virus infiziert wurden. Das so geborene Kalb kann zu einem PI-Tier werden, das an chronischer BVD leidet, sein Leben lang Viren ausscheidet und Tiere ansteckt, die mit ihm in Kontakt kommen. In den letzten Jahren konnte festgestellt werden, dass Infektionen während der Alpung für eine beträchtliche Anzahl von PI-Tieren verantwortlich sind und die Sömmerung so zu einem heiklen Moment für die BVD-Ausrottung wird.

Im Herkunftsbetrieb von Blüemli auf der Mettmenegg ist BVD noch nie aufgetreten und im Juni wurden im Blut von Blüemli keine Antikörper nachgewiesen. Sollte Blüemli im Herbst Antikörper aufweisen, so wäre dies ein Zeichen dafür, dass es während der Sömmerung mit dem BVD-Virus in Berührung gekommen ist. Diese Reaktion nennt man Serokonversion. Ein Tier aus einem Betrieb, in dem BVD aufgetreten ist, kann u.U. mit einem PI-Tier trächtig sein. Kommt es auf der Allmend zu einer frühzeitigen Geburt oder gar zu einer Fehlgeburt, würde ein so geborenes PI-Tier massenhaft Viren freisetzen, die auch Blüemli infizieren könnten. Die Alpbewirtschafter und -bewirtschafterinnen schauen deshalb regelmässig nach ihren Tieren. Kündigt sich eine frühzeitige Geburt an, wird das Muttertier von den anderen Tieren getrennt und ins Tal gebracht. Durch Drahtzäune ist Blüemli zusätzlich vor engem Kontakt mit Tieren aus anderen Betrieben geschützt.

Auf der Sömmerungsalp Vorholzallmend sind Rinderherden aus verschiedenen Talbetrieben mit Drahtzäunen voneinander getrennt.


Wie es mit Blüemli weitergeht und welche Anstrengungen seitens der Tierhaltenden, Tierärzteschaft und Behörden unternommen werden, damit BVD ganz aus der Schweiz verschwindet, lesen Sie in loser Folge auf dieser Seite. 

Weitere Informationen finden Sie auf www.stopbvd.ch

Neue Veterinärbestimmungen ab Juli 2011

Anfang Juli 2011 sind im Veterinärbereich verschiedene Bestimmungen neu in Kraft getreten, so etwa in der revidierten Verordnung über die Entsorgung von tierischen Nebenprodukten (VTNP): Die hauptsächlichen Änderungen betreffen den Geltungsbereich der Verordnung, das Verbot der Verfütterung von Speiseresten an Schweine und strengere Bestimmungen zu Entsorgungsanlagen. Gleichzeitig wurde die Tierseuchenverordnung (TSV) angepasst. Hier ist das von Süden her vordringenden West-Nil Fieber zu erwähnen, das neu meldepflichtig ist.

Der Geltungsbereich der Verordnung über die Entsorgung von tierischen Nebenprodukten wurde auf Nebenprodukte auf der Basis von Milch, Eiern und Honig ausgeweitet. So regelt die Verordnung beispielsweise neu auch die Verwendung der mit Antibiotika belasteten Rohmilch, die nach einer Behandlung einer Euterentzündung (Mastitis) anfällt. Diese Milch darf künftig nur noch auf dem Ursprungsbetrieb verwendet werden - entweder zum Tränken von Kälbern oder als Beimischung zur Jauche. Ansonsten muss sie vernichtet werden.

Schweinesuppe verboten
Die Verfütterung von Speiseresten („Schweinesuppe") an Schweine ist seit 2006 in der ganzen EU verboten. Um die bilateralen Abkommen im Veterinärbereich einzuhalten und die Schweizer Exportmöglichkeiten nicht einzuschränken, musste auch die Schweiz diese Verfütterung verbieten. Es konnte eine lange Übergangsfrist ausgehandelt werden, um der Branche die Möglichkeit zu geben, sich neu zu organisieren. Diese Übergangsfrist ist nun am 30. Juni 2011 abgelaufen - entsprechend wurde das Verfütterungsverbot von Speiseresten in die revidierte VTNP übernommen.

Strengere Bestimmungen für Entsorgungsanlagen
Strengere Bestimmungen gibt es auch für Entsorgungsanlagen. Wer tierische Nebenprodukte entsorgt, muss das dem zuständigen kantonalen Veterinäramt melden. Biogasanlagen und gewerbliche Kompostierungsanlagen, die Speisereste oder andere tierische Nebenprodukte verwerten, brauchen eine Betriebsbewilligung des Kantonstierarztes / der Kantonstierärztin. Die Zufahrtswege zu Entsorgungsanlagen müssen so angelegt sein, dass die Anlieferung der tierischen Nebenprodukte von der Auslieferung der verarbeiteten Erzeugnisse getrennt erfolgt. Befinden sich solche Anlagen auf einem Tierhaltungsbetrieb, müssen sie und ebenso ihre Zufahrtswege baulich klar von den Tierhaltungseinrichtungen getrennt sein.

West-Nil Fieber neu meldepflichtig
Der Bundesrat hat im Weiteren die Tierseuchenverordnung der veränderten Tierseuchensituation, neuen Risiken und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst. Die Verordnung umfasst neu Bestimmungen über das West-Nil Fieber. Das West-Nil Fieber ist eine Zoonose - also zwischen Tieren und Menschen übertragbar. Das Virus kommt vor allem bei Wildvögeln vor. Mücken, welche Blut von Vögeln saugen und danach Menschen oder Tiere – zum Beispiel Pferde - anfliegen, können das Virus übertragen und eine Krankheit auslö-sen. Zur Zeit tritt das West-Nil Fieber vor allem in südlichen Regionen Europas auf. Die Mücken, welche das Virus übertragen, kommen aber auch in der Schweiz vor. Aus heutiger Sicht ist es deshalb durchaus möglich, dass die Krankheit auch hierzulande eines Tages ausbricht.

Neue Ausbildungen - gute Resonanz

Wer für ein Tier verantwortlich ist, muss dessen Bedürfnisse kennen. Das ist der Grund, weshalb das neue Tierschutzgesetz eine ganze Reihe neuer Ausbildungen vorschreibt. Ausbildung dient direkt dem Tierwohl. Nun liegen Zahlen  vor, die einen Eindruck vermitteln, ob das neue Ausbildungsangebot auch tatsächlich genutzt wird. So haben 2009 und 2010 insgesamt knapp 35‘000 Hundehalter und Hundehalterinnen den praktischen Sachkundenachweis erbracht und 20‘000 haben den Theoriekurs besucht. Dies gemäss den Meldungen der Ausbildungsstätten.

Je besser jemand Bescheid weiss über die Bedürfnisse seines Tieres, umso besser wird er es halten. Die Tierschutzverordnung, die 2008 in Kraft getreten ist, schreibt deshalb für die Halter oder Betreuer bestimmter Tierarten Ausbildungen vor. Es sind Tierarten, deren Haltung besonders anspruchsvoll ist. Eine Ausbildung wird auch verlangt, wenn es sich um eine gewerbsmässige Haltung handelt.  Es gibt zwei Arten von Kursen: den einfacheren Sachkundenachweis (SKN) oder die vertiefte und zeitaufwändigere FBA (fachspezifische berufsunabhängige Ausbildung). Welche Anforderungen erfüllt werden müssen, hängt davon ab, wie anspruchsvoll die Aufgabe ist.  Wer privat Alpakas hält, braucht einen SKN, wer Tiere während eines Transports betreut, muss die FBA absolvieren.

Hund Kurs

Ein Beispiel ist der Sachkundenachweis (SKN) für Hundehaltende. Ersthundehalter müssen vor Anschaffung  eines Hundes einen Theoriekurs machen und  danach einen praktischen Kurs zusammen mit dem Tier.  Wer vorher schon einen Hund hatte, muss nur den Praxiskurs besuchen. Die Tierhaltenden lernen in diesen Kursen die Bedürfnisse und das Verhalten des Tieres kennen und wie sie den Hund in verschiedenen Alltagssituationen unter Kontrolle halten können. 2010 haben knapp 27‘200 Hundehaltende den praktischen SKN erhalten, der SKN Theorie wurde 14‘600 mal ausgestellt. Nimmt man das Jahr 2009 hinzu, kommt man auf rund 35‘000 praktische Kurse und 20‘000 Theorie-Kurse, die besucht worden sind. 1‘330 Personen haben die FBA zum Hundetrainer, zur Hundetrainerin absolviert und dürfen  SKN-Kurse geben.

Neben den Hundekursen sind die übrigen Ausbildungen nicht zu vergessen, die seit 2008 obligatorisch sind. Beispielsweise jene für die Haltung von Wildtieren, die gewerbsmässige Zucht oder diejenigen für das Tiertransport- und Schlachthofpersonal. Auch in diesen Bereichen haben sich die neuen Ausbildungsangebote etablieren können und das Angebot findet Anklang.

Eine Übersicht über die verschiedenen Ausbildungen und wie sie geregelt sind finden Sie hier. Weitere Informationen zur Haltung von Nutz- und Heimtieren: www.tiererichtighalten.ch

Der Veterinärdienst übt den Notfall – Tag 3 der Krisenübung „NOSOS 2011“

Die Übungsleitung hat sich für den dritten und letzten Tag der Nationalen Krisenübung ein Worst-Case-Szenario ausgedacht: Zwei Monate sind seit dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche vergangen. Auf allen Ebenen wurden die nötigen Massnahmen ergriffen, um ein weiteres Ausbreiten zu verhindern. Der Tierverkehr ist in der ganzen Schweiz verboten, auf den betroffenen Betrieben sind alle Tiere gekeult worden – und trotzdem kommen neue MKS-Fälle hinzu.

Trotz einem enormen Effort aller Beteiligten hat sich die Krise noch nicht entschärft. Das Nationale Krisenzentrum NKZ, die kantonalen Veterinärämter, die Einsatzkräfte vor Ort von Bund und Kantonen, die Wissenschaftler in den Laboren: Sie alle stossen an Ressourcengrenzen. Die Hotline kann die Flut der Anrufe kaum bewältigen und muss mit den Emotionen der Anrufenden – Angst, Verunsicherung, Ärger – umgehen können. Nicht zu vergessen ist der zunehmende politische Druck. Angesichts der grossen wirtschaftlichen Folgen werden die Strategie des NKZ und die getroffenen Massnahmen in Frage gestellt und es werden Forderungen nach Entschädigungen laut. 

Gleichzeitig müssen die beschlossenen Restriktionsmassnahmen konsequent umgesetzt werden. An den beiden ersten Tagen der Übung wurden die Krisenszenarien auf Bauernbetrieben und in Schlachthöfen durchgespielt. Heute ist eine Käserei im Seetal Schauplatz des fiktiven Krisengeschehens:

Kurz nach 8 Uhr geht die Meldung ein, dass verseuchte Milch in die Käserei geliefert wurde. Der Amtstierarzt erscheint auf dem Betrieb und ermittelt anhand von Fragebogen, die regelmässig per Fax eintreffen, kritische Punkte im Arbeitsablauf, welche eine weitere Verschleppung der Seuche begünstigen können.

              

Beim Einsammeln der Milch auf den verschiedenen Betrieben innerhalb der Schutzzone muss der Chauffeur höchste Vorsicht walten lassen. Für jeden einzelnen Betrieb braucht er eigens eine frische Schutzbekleidung, die auf dem jeweiligen Hof zurückgelassen und entsorgt wird. 90 Schutzanzüge täglich braucht es im Seuchenfall nur für das Einzugsgebiet der Käserei Seetal. Dementsprechend sind Engpässe bei der Lieferung von genügend Schutzbekleidungen zu erwarten. Beim Verlassen der Betriebe muss der mit einem Virenfilter ausgestattete Tanklastwagen gereinigt und desinfiziert werden. Die Frage taucht auf, ob die Chauffeure für dieses sachgerechte Zusammentragen der Milch zusätzlich geschult werden müssten.

In der Käserei werden unterdessen die Warenflüsse der letzten drei Wochen von Amtstierarzt und Käser zurückverfolgt. Was geschieht im Krisenfall mit der Schotte, die täglich unbehandelt von der Käserei zu den Tierhaltenden gebracht wird? Dies ist eine weitere offene Frage, die anhand der konkreten und 1:1 durchgespielten Übungsanlage sichtbar wird und nachfolgend geklärt werden kann. 

In der Realität ist die Milch in der Käserei einwandfrei und kein Klauentier in der Schweiz ist an MKS erkrankt. Alles ist nur eine Übung gewesen. Es sind nicht zuletzt solche Übungen, die mithelfen, dass die Schweiz im Ernstfall gut vorbereitet wäre.

Der Veterinärdienst übt den Notfall – Tag 2 der Krisenübung „NOSOS 2011“

Zwei fiktive Monate nach dem inszenierten Ausbruch der Maul- und Klauenseuche MKS befinden wir uns in einem fortgeschrittenen Stadium des Seuchenzuges in der Schweiz. Tag 2 der nationalen Krisenübung NOSOS 2011 dient vor allem der nationalen Ressourcenabklärung. Neben den wieder zunehmenden Fall- und Verdachtszahlen in den Kantonen sind nun auch  Schlachthäuser betroffen.

Seit dem ersten MKS-Fall sind zwei Monate vergangen. Am Nationalen Krisenzentrum NKZ findet die morgendliche Lagebesprechung statt. Etwa zur gleichen Zeit fällt einem Metzger im Schlachthof Basel während der Routine-Fleischkontrolle auf, dass Schweine lahm gehen und Blasen an den Klauen haben. In Kenntnis der Seuchensituation verständigt er sofort das kantonale Veterinäramt. Der Amtstierarzt erscheint vor Ort und äussert einen MKS-Verdacht – dieser wird bestätigt.

               

Um die Verschleppung der Seuche aus dem Schlachthof zu verhindern, tritt das Notfallszenario in Kraft:  Der Schlachthof wird durch den Veterinärdienst sofort vollständig gesperrt. Unterdessen werden die epidemiologischen Abklärungen getroffen. Woher kommen die kranken Tiere? Wurden vom Transporter weitere Betriebe angefahren und eventuell Tiere aufgeladen? Wohin fährt der Transporter nach dem Ablad? Diese Abklärungen dienen dazu, den Seuchenherd zu finden und den betroffenen  Betreib zu sperren.

               

Im Schlachthof werden die bereits geschlachteten Tiere separiert und gesperrt bis die Ergebnisse der Abklärungen da sind. Der gesamte Schlachthof wird nach Notfallkonzept gereinigt und desinfiziert. Die Anlage wird abgesperrt und dekontaminiert, ebenfalls das Personal und alle Lastwagen, die das Areal verlassen wollen. Der Amtstierarzt steht den Medien Rede und Antwort. Im Normalfall sind Reinigung und Abklärungen nach 24 Stunden erledigt, so dass der Betrieb wieder aufgenommen werden kann.

Tierseuchen-Übung „NOSOS 2011“ – Ein Blick ins Nationale Krisenzentrum

Der Veterinärdienst Schweiz testet im Rahmen der Übung „NOSOS 2011“ die Bekämpfung eines massiven Ausbruches von Maul- und Klauenseuche (MKS) in der Schweiz. Das Nationale Krisenzentrum NKZ des Bundes ist eine zentrale Schaltstelle, die für eine bestmögliche Koordination der zahlreichen Beteiligten, der Massnahmen und Informationen sorgt. Ein Blick hinter die Kulissen.

Meldungen aus den Kantonen strömen ins Nationale Krisenzentrum. Welche Betriebe mit wie vielen Klauentieren (Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen) sind von der Maul- und Klauenseuche erfasst? Wo ist es erst eine Vermutung? Welche Daten sind durch Laboruntersuchungen gesichert?

Solche Daten sind das Rohmaterial, um Betriebe zu sperren, Schutz- und Überwachungszonen einzurichten oder gar ganze Regionen und Kantone zum Seuchengebiet zu erklären. Zur anschaulichen Darstellung werden mit speziellen Computerprogrammen Übersichts- und Detailkarten laufend aktualisiert.

               

Täglich mehrmals treffen sich die Experten und Expertinnen zu Lagebeurteilungen die auch Massnahmen zur Bekämpfung beinhalten. Neben dem Sperren betroffener Betriebe, auf denen alle Klauentiere getötet werden müssen, kann das auch ein regionales oder gar landesweites und grenzüberschreitendes Verbot von Tiertransporten sowie die Vernichtung aller anfallender Milch bedeuten. Dies sind ganz massive Eingriffe, die nötig sind, weil sich MKS-Viren sehr rasch verbreiten und für Klauentiere hochansteckend sind. Für Menschen sind sie direkt keine Gefahr.

Die Massnahmen setzen die Kantone, Gemeinden und Betriebe um. Im Extremfall, wenn abertausende Tiere rasch getötet und verbrannt werden müssen, kann der Bund via NKZ auch die Armee zur Hilfe rufen.

Eine zentrale Rolle spielt das NKZ auch in der Kommunikation. Zum einen müssen insbesondere die Kantone, die Massnahmen umsetzen, rasch und einheitlich informiert werden. Dazu werden u.a. spezielle Internetseiten oder die Elektronische Lagedarstellung ELD der Nationalen Alarmzentrale NAZ eingesetzt.

Mehrmals täglich orientiert das NKZ auch die Medien mit Pressekonferenzen und Medienmitteilungen und beantwortet zahlreiche Anfragen der Medien. Spezielle Hotlines beantworten Fragen besorgter Bürgerinnen und Bürger möglichst sachlich, egal wie berechtigt oder ausgefallen die Fragen sind.

Das NKZ wird übrigens nicht nur bei einem MKS-Ausbruch aktiviert, sondern bei Ausbrüchen aller als hochansteckend klassifizierten Tierseuchen.

Daniel Marthaler

Der Veterinärdienst Schweiz übt den Notfall – Tag 1 der Übung „NOSOS 2011“

Am ersten Tag der Krisenübung NOSOS wird ein sehr früher Zeitpunkt des Tierseuchenausbruchs geübt. Meldesysteme von Verdachtsmeldungen bei kranken Tieren, erste Sofortmassnahmen, Probenentnahme und Diagnostik, Tier- und Warenverkehrseinschränkungen, epidemiologische Abklärungen und die Etablierung von Sperrzonen stehen im Vordergrund.

NOSOS-Übung - Kuh wird untersucht

Vom Rainhof in Küssnacht wird ein Verdacht gemeldet. Der Amtstierarzt erscheint auf dem Hof. Aus dem Seuchenkoffer im Auto entnimmt er die wichtigsten Utensilien. Zufahrtstrassen zum Hof werden abgesperrt. Im Schutzanzug betritt er den Stall, untersucht die Tiere, stellt bei einzelnen Symptome, die für die Maul- und Klauenseuche sprechen, fest und bestätigt den Verdacht telefonisch dem Veterinärdienst. Er entnimmt Blutproben, die er sachverständig verpackt und nach dem Desinfektionsbad dem Kurier übergibt. Im Ernstfall werden die Proben durch den Kurier ans IVI gebracht.

Derweil hat auf dem Hof Erli, wenige Kilometer entfernt, die Chemiewehr von Uri eine Schutzzone eingerichtet. Ein am Vortag ausgesprochener Verdacht wurde bestätigt. 32 Mann der Chemiewehr sperren den Hof rundum ab, definieren die verschiedenen Sperrzonen mit Zu- und Ausfahrt. Nur Berechtigte dürfen die Zonen in Schutzanzügen betreten. Medien erscheinen auf dem Hof und erhalten die nötige Auskunft. Der Abtransport von fiktiven getöteten Tieren aus der Schutzzone wird geübt. Der Transporter verlässt, wie alle Personen und Waren, durch eine Desinfektionsschleuse den Hof. Der Stall wird gereinigt und desinfiziert.

Anfang Nachmittag geben verschiedene Amtsvertreter und die Leitung der Chemiewehr abseits des Hofes eine Pressekonferenz. Der Standstill, eine vorerst 72-Stündige Sperre von Tier- und Warenverkehr, sowie eine eingeschränkte Sperre des Personenverkehrs wird verkündet.

Alles ist sehr spannend aber auch beklemmend: Wenn das nun keine Übung sondern Realität wäre – nicht auszudenken!

Anne Luginbühl

Ein Sommer mit Blüemli – Blüemli soll gesömmert werden

Blüemli ist 7 Monate alt und noch nie mit der Bovinen Virusdiarrhoe BVD in Berührung gekommen. Während der Sömmerung kommt das Rind mit Tieren aus verschiedenen Betrieben in Kontakt und die Gefahr, doch noch mit BVD angesteckt zu werden, steigt. Denn obwohl die BVD-Ausrottung in der Schweiz seit ihrem Beginn 2008 gut vorangekommen ist, ist die Krankheit noch nicht ausgerottet. Die Sömmerung 2011 wird deshalb streng überwacht. In der Folge begleiten wir Blüemli durch den Alpsommer und dokumentieren die unbedingt nötigen Anstrengungen, die unternommen werden, damit Blüemli und alle anderen Rinder in der Schweiz frei von BVD bleiben.

Am 8. November 2010 wird Blüemli in den Stall von Christian und Marianne Gertsch auf der Mettmenegg im hinteren Simmental geboren. Blüemli gehört zum Simmentaler-Fleckvieh und ist ein schönes und starkes Tier, wie alle Rinder in seinem Stall.

Blüemli, geboren am 8. November 2010 auf der Mettmenegg
Blüemli, geboren am 8. November 2010 auf der Mettmenegg

 

Kurz nach seiner Geburt wird Blüemli auf BVD getestet. Das ist wichtig. Denn obwohl BVD heute schon aus vielen Schweizer Ställen verschwunden ist, ist der Kampf gegen eine ansteckende Krankheit erst dann gewonnen, wenn auch die letzten überträgertiere ausgerottet sind.
So entnimmt Christian Gertsch Blüemli gleichzeitig mit dem Anbringen der gelben Ohrmarke eine Gewebeprobe und schickt diese ins Labor. Kurze Zeit später erfährt Marianne Gertsch auf der Tierverkehrsdatenbank, dass Blüemli nicht nur gesund aussieht, sondern auch gesund ist. Blüemli ist BVD-negativ, wie bis jetzt alle Rinder auf der Mettmenegg.
Dieses gute Resultat ist auch der Verdienst von Christian und Marianne Gertsch. Sie sind immer wachsam und achten bei ihren Tieren auf Symptome, die für BVD sprechen könnten. Haben ihre Tiere vermehrt Durchfall, kommt es zu Fruchtbarkeitsstörungen und Aborten, oder wird ein schwaches Kalb geboren, besprechen sie dies sofort mit dem Tierarzt. Auch achten Gertsches auf gute Hygiene beim Abkalben und kaufen nur BVD-negativ getestete Tiere zu.  

Besprechung
 Christian Gertsch bespricht mit dem Tierarzt Andreas Künzi die Vorkommnisse im Stall

Im Juni 2011 soll Blüemli, inzwischen 7 Monate alt, erstmals auf die Alp. Schon auf der Frühlingsallmend kommt es mit Rindern aus anderen Betrieben in Kontakt. Darunter trächtige Tiere, die gesperrt sind, weil es in ihrem Herkunftsbetrieb BVD gab. So steigt die Gefahr, dass sich Blüemli mit BVD ansteckt, und die Sömmerung wird zu einem heiklen Moment für die BVD-Ausrottung.

Blick von der Mettmenegg auf die Frühlingsallmend
Blick von der Mettmenegg auf die Frühlingsallmend

 

Deshalb werden in diesem Jahr auf grossen Alpen, auf denen viele Tiere aus verschiedenen Betrieben zusammenkommen, zusätzliche Tests durchgeführt. Ein Teil der jungen Tiere, die zwischen 6 und 18 Monate alt sind, werden vor und nach der Sömmerung auf Antikörper gegen BVD im Blut getestet. Blüemli ist eines davon, da es noch nie mit BVD in Kontakt gekommen ist und daher keine Antikörper gegen das Virus im Blut hat. Tierarzt Andreas Künzi entnimmt ihm eine Blutprobe. Eine Woche später bestätigt sich: Blüemli ist Antikörper-negativ!

Blüemli wird für den BVD-Antikörper-Test Blut entnommen
Blüemli wird für den BVD-Antikörper-Test Blut entnommen

 

Sollte Blüemli im Herbst Antikörper aufweisen, würde das heissen, dass es während der Sömmerung doch noch mit dem BVD-Virus in Berührung gekommen ist. In einem solchen Fall werden alle trächtigen Kühe, die den Sommer ebenfalls auf dieser Alp verbracht haben, bis zum Abkalben gesperrt, und die Veterinärdienste werden versuchen, die Ursache für die Ansteckung zu finden.

Wie es mit Blüemli weitergeht und welche Anstrengungen seitens der Tierhaltenden, Tierärzteschaft und Behörden unternommen werden, damit BVD ganz aus der Schweiz verschwindet, lesen Sie in loser Folge auf dieser Seite.

Weitere Informationen finden Sie auf www.stopbvd.ch

„Ein wichtiges Instrument zur Früherkennung von Seuchen“

Seit einigen Monaten haben Tierärztinnen und Tierärzte die Möglichkeit, bei unklaren Symptomen, die vielleicht auf eine hochansteckende Krankheit hindeuten könnten,  eine Ausschluss-Untersuchung durchzuführen. Dabei werden Proben entnommen und untersucht, ohne dass Sperrmassnahmen gemäss Tierseuchenverordnung notwendig sind.
Der Erste, welcher die neue Möglichkeit nutzte, war der junge Tessiner Amtstierarzt Francesco Albanese. Wir haben mit ihm gesprochen:

                Francesco Albanese

Herr Albanese, Sie haben im März Blutproben von 2 Schweinen auf Maul- und Klauenseuche und Vesikulärkrankheit der Schweine testen lassen und damit als erster von der neuen Möglichkeit der Ausschlussuntersuchungen Gebrauch gemacht. Was waren Ihre Überlegungen dabei?
Ich bin Fleischkontrolleur in einem Schlachthof. Bei der Untersuchung der Tiere vor der Schlachtung fielen mir zwei Schweine auf, die verdächtige Symptome zeigten, die eventuell auf eine Maul- und Klauenseuche (MKS) hindeuten könnten. Beide Tiere waren lahm, hatten eine Entzündung am Kronsaum, einige Aphten auf dem Rüssel und eine vermehrte Speichelabsonderung. Doch die Tiere hatten kein Fieber, was für MKS untypisch ist, deshalb habe ich mich entschlossen, zur Sicherheit eine Ausschluss-Untersuchung für MKS und Ve-sikulärkrankheit  zu beantragen.

Woher kannten Sie die Möglichkeit der Ausschluss-Untersuchungen?
Anfangs März war ich an einem Fortbildung für amtliche Tierärzte, das Thema war: „Die Rolle der amtliche Tierarzt bei einem MKS-Ausbruch“; dort wurde uns diese neue Möglichkeit vorgestellt.

Was hätten Sie getan, wenn es diese Möglichkeit nicht gegeben hätte?
Ich hätte wohl den Kantonstierarzt angerufen und der hätte dann entscheiden müssen, was zu tun ist. Einen echten Seuchenverdacht in einem Schlachthof auszusprechen, hätte weit-reichende Folgen. Man hätte den Schlachthof sperren müssen, das hätte beträchtliche wirt-schaftliche Konsequenzen gehabt. Deshalb hat man schon etwas Respekt vor so einem Schritt und ich war froh um die Möglichkeit der Ausschlussuntersuchung, die durchgeführt werden kann, ohne dass eine Sperre angeordnet wird. Der Verdacht auf Maul- und Klauen-seuche hat sich ja dann auch nicht bestätigt.

Wie waren Ihre Erfahrungen mit dieser Untersuchung?
Es hat alles bestens funktioniert. Ich habe die Proben eingeschickt, hatte auch telefonischen Kontakt mit dem IVI und die Untersuchung wurde sofort durchgeführt.

Glauben Sie, dass das Mittel der Ausschlussuntersuchungen etwas zur Verhinderung von Seuchenausbrüchen in der Schweiz beiträgt?
Auf jeden Fall. Es werden so sicher mehr zweifelhafte Fälle untersucht, als wenn es die Möglichkeit nicht gäbe. Die Ausschlussuntersuchungen sind ein wichtiges Instrument zur Früherkennung von Seuchen. Dadurch kann man auch früher intervenieren und das ist bei der Be-kämpfung von hochansteckenden Seuchen entscheidend.

Herr Albanese, ich danke Ihnen für dieses Gespräch!

Weitere Informationen auf der Webpage des BVET.

250 Jahre Veterinärwesen – Menschen- und Tiergesundheit sind untrennbar

Vor 250 Jahren wurde in Lyon (F) die erste veterinärmedizinische Ausbildungsstätte gegründet. Aus diesem Anlass erklärte das  Internationale Tierseuchenamt (OIE) 2011 zum Jahr der Veterinärmedizin. Weltweit finden viele Veranstaltungen statt, welche die Bedeutung der Veterinärmedizin für Tier und Mensch aufzeigen.
In der Schweiz luden am 31. Mai 2011 das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET), die Gesellschaft für Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte und die Vetsuisse Fakultät der Universitäten Bern und Zürich gemeinsam zu einem Sommerempfang ein.

Bundesrat J. Schneider-Amman
Bundesrat Johann Schneider Ammann (Quelle: LID)

In seiner Begrüssungsrede brachte  Bundesrat Schneider-Ammann, selber Sohn eines Tierarztes, seine enge Verbundenheit mit dem Veterinärwesen immer wieder mit persönlichen Gedanken zum Ausdruck. Er zeigte auf, welche Bedeutung der Veterinärmedizin für Mensch und Tier auch heute noch zu kommt. So hätte auch heute der Ausbruch einer schweren Tierseuche verheerende Auswirkungen – nicht nur auf die Landwirtschaft, sondern auf die gesamte Wirtschaft des Landes. Der Bundesrat wies auch darauf hin, dass das schweizerische Veterinärwesen ein Erfolgsmodell ist. Immer wieder wurden in der Schweiz gezielt, mit grossem Können und grossem Einsatz Seuchen ausgerottet. Um den sehr guten Tierseuchenstatus der Schweiz weiter aufrechterhalten zu können, hat das Bundesamt für Veterinärwesen kürzlich die Tiergesundheitsstrategie Schweiz 2010+ ausgearbeitet. Diese Strategie setzt stark auf die Prävention, aber auch auf den intensiven Einbezug der Tierhalter bei der Gesunderhaltung des Viehbestandes. Denn bei der Vorsorge, Diagnostik und Bekämpfung von Tierseuchen ist der Einbezug aller Beteiligten entscheidend. Neben der Partnerschaft von Tierärzten und Tierhaltern ist in der Schweiz das Zusammenspiel zwischen Bund und Kantonen, aber auch zwischen dem Veterinärdienst und der Vetsuisse-Fakultät der Universitäten Bern und Zürich von grosser Bedeutung. Nur durch das reibungslose Zusammenspielen aller Kräfte und Fähigkeiten können Tierseuchen wirksam bekämpft  oder - noch besser - verhindert werden.

 M. Eloit
Monique Eloit, stv. Generaldirektorin der Weltorganisation für Tiergesundheit.

Frau Dr. Monique Eloit, Stellvertretende Generaldirektorin der Internationalen Organisation für Tiergesundheit in Paris (OIE), sprach über die Bedeutung des tierärztlichen Berufes in der Gesellschaft und zeigte, wie sehr heute das Veterinärwesen  weltweit mit  dem Wohl der Gesellschaft verbunden ist. Denn über 1 Milliarde armer Bauern überleben nur dank der Viehhaltung. Die Gesundheit der Menschen ist wesentlich abhängig von der Gesundheit der Tiere, so gibt es viele Krankheiten, die sogenannten Zoonosen, die von Tieren auf Menschen übertragen werden können und umgekehrt. Auch die Lebensmittelsicherheit ist eng verbunden mit der Gesundheit der Tiere. Und nicht zuletzt ist das persönliche Wohlbefinden vieler Menschen geprägt von Tieren: Tiere sind wichtige Begleiter im Alltag, sei es als Schutz oder zur Rettung (Polizeihunde,  Lawinenhunde, Suchhunde), sei es als Helfer (Blindenhunde) oder als Begleiter in der Freizeit. Damit machte Frau Dr. Eloit deutlich, dass das Veterinärwesen nicht mehr unabhängig vom Gesundheitswesen ist und umgekehrt. Die OIE verfolgt deshalb ein „One Health Concept“. Dieses umfasst einerseits die Kontrollen entlang der Lebensmittelkette, aber auch die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung, die Bekämpfung der Zoonosen etc.

Prof.Dr. F. Althaus
Felix Althaus, Dekan Vetsuisse Zürich (Quelle: LID)

Der Dekan der Vetsuisse Universität, Prof. Dr. Felix Althaus, zeigte in seinen „Gedanken zur Veterinärmedizin in der Schweiz“, dass die Vetsuisse Bern Zürich sich ebenfalls in dieser Hinsicht entwickelt. So orientiert sich die Ausbildung zukünftiger Tierärztinnen und Tierärzte an den sich verändernden Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft und trägt dem vermehrten globalen Handel und den damit verbundenen Risiken der Einschleppung von Krankheitserregern Rechnung. Mit der Gründung von Agrovet und dem Veterinary Public Health - Institut (VPHI) werden Zusammenarbeit zwischen Agrarwirtschaft und Gesundheitswesen gefördert und Synergien genutzt. Während das «AGROVET-STRICKHOF – Translational Research Center» zum Ziel hat, in Zusammenarbeit mit der Vetsuisse Fakultät der Universitäten Zürich und Bern, dem Departement für Agrar- und Lebensmittelwissenschaften der ETH Zürich, der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und dem Amt für Landschaft und Natur des Kantons Zürich ein umfassendes Kompetenzzentrum für Forschung und Lehre im Bereich der «Produktion von gesunden Lebensmitteln mit gesunden Tieren und Überwachung der ganzen Lebensmittelkette» aufzubauen, beinhalten die Aktivitäten im Bereich VPH die Überwachung, Verhütung und Bekämpfung von Zoonosen, weiter die Lebensmittelhygiene sowie die Aspekte des Tierschutzes und der damit verbundenen Verbesserungen für die Tiere.
Das Ziel ist auch hier: eine Bündelung der Kräfte zum Schutz der Tiere und zur Stärkung eines zukunftsorientierten Agrarsektors in der Schweiz, aber auch zur Erhaltung der Tiergesundheit und damit zur Garantie von sicheren und gesunden tierischen Lebensmitteln für die Bevölkerung.

Beiträge 11 - 20 / 122