Bundesamt für Veterinärwesen BVET

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CITES – heute geht’s ums Geld

Noch wurde an der CITES Konferenz nicht über den Schutz einzelner Arten diskutiert. Heute sprach man jedoch über Strategisches – und über die Finanzierung des Übereinkommens. Mit diesem Geld wird das CITES-Sekretariat, verschiedene Forschungsprojekte, Meetings und weiteres finanziert. Das Geld ist so etwas wie das Blut im CITES-Organismus: Die CITES-Schutzbestimmungen taugen nur so viel, wie sie auch tatsächlich umgesetzt werden.

In den Diskussionen zum Budget begegnen sich jeweils stark gegensätzliche Interessen. Auf der einen Seite stehen Länder, die möglichst keine Zunahme der Ausgaben befürworten und auf der anderen Seite Länder, die ein Wachstum der Ausgaben oder zumindest den Ausgleich der Teuerung befürworten. Somit schwanken die Vorstellungen für eine Zunahme der Beiträge zwischen 0% und 16%! Eine Erhöhung von 16% bedeutet nichts anderes, als die Anpassung an die Teuerung und den Verfall des Dollars über drei Jahre zu kompensieren. In Anbetracht der angespannten Budget-Situation in vielen Staaten dürften diese Diskussionen nicht einfach sein.

CITES-Konferenz ist gestartet!


Es ist soweit. Heute startet hier in Doha (Katar) die 15. Vertragsstaatenkonferenz des Artenschutzübereinkommens CITES. Etwa 1500 Delegierte aus 175 Staaten weltweit, Vertreter von NGOs, Journalisten und weitere werden bis am 25. März über den Schutz von Thunfischen, Haien, Tropenhölzern, Elefanten und vielen weiteren Tier- und Pflanzenarten beraten. Auf mich und die weiteren Mitglieder der Schweizer Delegation warten intensive Debatten. Regeln für die ganze Welt zu finden ist nie einfach, aber es lohnt sich – durch das CITES-Regelwerk sind schon viele Arten erfolgreich geschützt worden.

Ich werde Ihnen ab Montag täglich die wichtigsten Beschlüsse in diesem Blog schildern – hoffentlich sind viele wichtige Fortschritte für den Schutz von Arten dabei.

Informationen zu CITES generell: www.cites.ch

Rinderkrankheit Besnoitiose breitet sich in Europa aus

Die Besnoitiose breitet sich in Europa aus und führt zu immer mehr Fällen in immer neuen Regionen. Dies schreibt die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA in einer soeben veröffentlichten Zusammenstellung der verfügbaren Daten. Die Krankheit kann bei Rindern schwere Symptome wie massive Hautschäden und Unfruchtbarkeit und gar den Tod auslösen, ist für Menschen jedoch ungefährlich.

Die Schweiz könnte jederzeit betroffen sein. In den französischen Alpen kam es schon mehrfach zu grösseren Ausbrüchen der Besnoitiose. Über aus Frankreich importierte Rinder gelangte die Krankheit bereits nach Deutschland und Italien. Gegen die Besnoitiose gibt es in Europa weder wirksame Impfstoffe noch Medikamente. Wirklich wirksam kann die Ausbreitung der Krankheit nur durch das Töten der ganzen Herde unterbunden werden.
Vieles ist bei der Besnoitiose noch unbekannt. Übertragen wird die Krankheit vermutlich vor allem über Bremsen und andere stechende Fliegen. Aber auch beim direkten Kontakt von Tieren über offene Wunden und beim Natursprung scheint eine Übertragung möglich. Die Autoren der Studie fordern in erster Linie eine Verstärkung der Forschung, um die Verbreitungswege der Krankheit zu klären. Zudem sollen Tierhaltende und Tierärzte auf die Krankheit aufmerksam gemacht werden.

Zum Schutz der Schweizer Rinderpopulation braucht es vor allem zwei Massnahmen:

  • Testen Sie bei Importen aus betroffenen Regionen, insbesondere Frankreich, die Tiere vorab auf Besnoitiose.
  • Machen Sie sich mit den Symptomen der Krankheit vertraut und reagieren Sie bei Verdachtsfällen sofort. Erste Anzeichnen sind starker Tränenfluss und Veränderungen am Flotzmaul und an den Zitzen. Oft wird die Krankheit anhand von Knötchen (Zysten) auf dem Augapfel entdeckt, die sehr typisch für die Besnoitiose sind. Untersuchungen macht das Institut für Parasitologie der Vetsuisse-Fakultät Bern.

Viele weitere Informationen zur Besnoitiose finden Sie auf der Website des BVET. Unter anderem erklärt Prof. Bruno Gottstein, der an der EFSA-Studie mitgewirkt hat, in einem 10-minütigen Video die Krankheit.

Tollwut in Italien: Hunde unbedingt vorschriftsgemäss impfen

Die Tollwut breitet sich seit Herbst 2008 wieder in Italien aus. Wurde Italien 1997 als Tollwut-frei erklärt, wurden 2009 68 Fälle entdeckt und im 2010 bis am 4. März bereits 86. Italien hat nun die Bekämpfung verstärkt. Der beste Schutz für Reisende in die betroffenen Regionen Italiens ist die korrekte Tollwut-Impfung von Hunden.

Betrachtet man die Tollwut-Fälle in ganz Europa, ist die Ausbreitung in Italien wenig überraschend. In Osteuropa tritt die Krankheit in einigen Ländern immer noch häufig auf, auch in Slowenien. Von da sind befallene Füchse nach Italien eingewandert und die Krankheit hat mittlerweile die Regionen Friaul, Veneto und das Südtirol ergriffen. Die Tollwut scheint in den Regionen wieder endemisch geworden zu sein, was heisst, dass die Krankheit sich dort in der lokalen Wildtierpopulation ausbreitet. Italien und vorbeugend auch Österreich haben deshalb Hunderttausende von Impfködern ausgelegt. Über diese mit Impfstoffen versehenen, zündholzschachtelgrossen Happen sollen die Füchse geimpft werden.

Betroffen waren in Italien bisher vor allem Füchse. Aber auch bei Hirschen, Dachsen, Eseln – und bei drei Hunden und einer Katze – wurde Tollwut nachgewiesen. Dies macht eines deutlich: Wer mit seinen Hunden in diese Regionen reist, soll unbedingt prüfen, ob die Hunde die vorgeschriebene Tollwut-Impfung erhalten haben und diese noch wirksam ist. Die Angaben finden Sie im Heimtierausweis. Sind Sie unsicher, fragen Sie Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt. Zeigen die Tiere Tollwut-Symptome – auffällige Verhaltensveränderungen und  Bewegungsstörungen – und waren sie nicht korrekt geimpft, kontaktieren Sie sofort Ihre Tierärztin / Ihren Tierarzt. Zudem sollen Personen, die in diesen Regionen von Wildtieren geleckt, gekratzt oder gebissen worden sind, umgehend einen Arzt aufsuchen.

Die Tollwut-Impfungen von Hunden und Katzen sind bei jeder Auslandreise vorgeschrieben. Die Bestimmungen je Land finden Sie in der Online-Hilfe „Mit Hund oder Katze über die Grenze“. Die übrigen Vorsichtsmassnahmen sind auch bei Aufenthalten in allen anderen Ländern zu empfehlen, in denen Tollwut häufig auftritt (siehe Karte).

Die Tollwut ist eine heimtückische Krankheit. Tiere wie Hunde und Katzen sind genauso betroffen wie der Mensch. Unbehandelt führt die Krankheit zum Tod. Bei Verdacht – nach einem Biss eines Wildtieres – muss deshalb rasch gehandelt werden. Dabei gilt es zu beachten, dass die Tollwut in Menschen wie in Tieren während Wochen unbemerkt schlummern und plötzlich ausbrechen kann. Dann kommt jede Behandlung zu spät.

Die Schweiz hat die Tollwut ausgerottet und ist seit 1998 frei. Wegen der Fälle in Italien wurden in der Schweiz bislang keine vorbeugenden Massnahmen nötig. Die Ausbreitung der Tollwut wird jedoch ständig beobachtet.

Weitere Informationen zur Tollwut generell beim Bundesamt für Veterinärwesen, bei der Schweizerischen Tollwutzentrale und beim Bundesamt für Gesundheit. Informationen zur Tollwutlage in Italien (auf italienisch). 

 

 

Rinderpest : erste weltweit ausgerottete Tierseuche

Die FAO hat es kürzlich verkündet : die Rinderpest ist vom Planeten Erde verschwunden. Juan Lubroth, Leiter der Veterinärabteilung bei der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), schildert die Erfolgsgeschichte.

Ist die Rinderpest wirklich global ausgerottet?

Wir gehen tatsächlich davon aus, dass das Rinderpest-Virus in der Natur nicht mehr zirkuliert. Der letzte Ausbruch wurde 2001 in Kenia verzeichnet und alle Überwachungsprogramme weltweit zeigen, dass die Übertragung der Rinderpest seit mindestens 10 Jahren nicht mehr stattfindet. Damit die Welt jedoch offiziell als Rinderpest-frei deklariert werden kann, müssen sämtliche Länder von der Welt-Tiergesundheitsorganisation OIE als frei anerkannt werden. Diesen formellen Prozess haben noch nicht alle Länder abgeschlossen.

Welche Bedeutung hat die Ausrottung der Rinderpest ?

Die Ausrottung der Rinderpest ist ein bedeutender sanitarischer Erfolg und ein wichtiger Schritt zur Verringerung der Armut. Die Rinderpest tötete im Laufe der Geschichte zig Millionen von Tieren und war noch in den 80er Jahren weltweit verbreitet – alleine in Nigeria wurden die Verluste auf 2 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die Bedeutung zeigt sich auch daran, dass die Rinderpest erst die zweite weltweit ausgerottete Krankheit nach den Pocken beim Menschen ist. Die Ausrottung ist vor allem ein Erfolg für Bauern: sie verbessert die Tiergesundheit, fördert die Produktion von Milch und Fleisch und die Nutzung der Tiere, um den Boden zu bearbeiten oder Ernten zu transportieren. Dieser Erfolg war nur möglich dank der engen Zusammenarbeit von regionalen und internationalen Organisationen, von Veterinärbehörden und Tierhaltern während Dutzenden von Jahren.

Wie können Sie sicher sein, dass das Virus verschwunden ist ?

In den vergangenen acht Jahren haben wir jegliche Spuren der Rinderpest in den gefährdeten Gebieten gesucht – Viren und Antikörper, klinische und nicht sichtbare Infektionen. Wir haben Tierhalter befragt, um Anzeichen der Krankheit zu finden. Dabei zeigte sich, dass die Krankheit seit langem nicht mehr aufgetaucht war. Wir sind selbst Gerüchten aus allen Ecken und Enden der Welt nachgegangen und haben die entsprechenden Herden beprobt. Mit diesen Analysen konnten wir Verdachtsfälle ausräumen. Auch in Wildtieren haben wir gesucht und auch da gibt es seit 2001 keine Anzeichen mehr.

Was brachte die Ausrottung zum Erfolg ?

Mehrere Aspekte waren entscheidend und alle getroffenen Massnahmen hätten für sich alleine nicht zum Erfolg geführt. Wir mussten gleichzeitig regional und international vorgehen und es brauchte Kooperationen zwischen Politik und Gesundheitswesen und finanzielle Unterstützung, um im Feld Massnahmen zu treffen und die Infrastruktur zu verbessern. Auch die standardisierte Diagnostik war wichtig für den Erfolg. Ausschlaggebend war aber die Impfung. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat die FAO eine massive Informationskampagne durchgeführt, mit dem Ziel, die Impfung einzuschränken. Nachdem die Impfungen gestoppt waren, konnten die Regionen identifiziert werden, in denen die Krankheit noch grassierte. Dort wurde dann intensiv geimpft und das Virus lokal ausgerottet. Damit diese Methode akzeptiert wurde, mussten wir zeigen, dass genügend Impfstoff vorhanden war und bei Ausbruch sofort eingesetzt wurde. Heute zeigt sich: diese Strategie zahlte sich aus. 

Wie kann ein Wiederaufflackern der Krankheit verhindert werden?

Wir müssen wachsam bleiben. Die gefährdeten Regionen müssen noch während 10 bis 15 Jahren jederzeit bereit sein. Keine leichte Aufgabe. Man erinnert sich an Konflikte in der Subsahara in den 80er Jahren, welche eine rasche Reaktion verunmöglichten. Wir müssen auch weiterhin Tierhalter und Tierärzte ausbilden, vor allem die Jungen, damit sie sich dieser Krankheit bewusst sind, mit der sie nie konfrontiert waren. Schlussendlich gilt es zu verhindern, dass infiziertes Material in Umlauf kommt – die Biosicherheit in Anlagen, die mit dem Virus arbeiten, muss jederzeit gewährleistet sein.

Haben Sie bereits weitere Krankheit im Visier ?

Wir haben viele Ziele. So wollen wir die Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche bremsen, eine schwierige Aufgabe, da wegen zahlreicher Serotypen eine Impfung anspruchsvoll ist. Die Pest der kleinen Wiederkäuer könnte nach den gleichen Prinzipien wie die Rinderpest ausgerottet werden – die beiden Krankheiten haben vieles gemeinsam. Dazu müssen wir aber noch potenzielle Geldgeber überzeugen. Man erhält für generelle Massnahmen leichter Geld als zur Ausrottung einer bestimmten Krankheit. So könnte man sich generell auf die Gesundheit von Kleinwiederkäuern konzentrieren und globale Programme entwickeln. Wir haben noch viel Arbeit vor uns !

Weitere Informationen zur Rinderpest und zum Global Rinderpest Eradication Programme

Schutz gegen Blauzungenkrankheit bleibt 2010 gut

Nun liegen die Zahlen vor: 87 Prozent wollen ihre Rinder und Schafe per Impfung vor der Blauzungenkrankheit schützen; 13 Prozent der Tierhalter haben sich davon befreien lassen. Die Werte können sich in den kommenden Wochen noch leicht ändern. Schon heute lässt sich aber sagen: Wir werden auch 2010 eine gute Impfabdeckung haben.

Der Anteil der Abmeldungen ist kantonal stark verschieden. Die höchsten Raten ergaben sich in den Kantonen SG (35%), den Urkantonen (25%) und AI/AR (20%), in den Westschweizer Kantonen sind sie deutlich tiefer, etwa in FR (2,4%), JU (4,3%) oder VD (1,4%). Die Gründe dafür sind vielfältig. Westschweizer Landwirte haben miterlebt, wie 2008 bei Kollegen in Frankreich die Produktion unter der Blauzungenkrankheit litt. In keinem anderen Nachbarland ist die Seuche so massiv in den Grenzregionen aufgetreten.

Die gute Impfabdeckung ist erfreulich. Wir haben damit die Chance, nicht die Sicherheit, dass es auch 2010 wie im Jahr zuvor keine neuen Ansteckungen mit der Blauzungenkrankheit mehr gibt. Können wir – und unsere Nachbarländer in den Grenzregionen – die aktuell gute Seuchenlage halten, haben wir die Grundlage, um die Schutzmassnahmen 2011 weiter zu lockern.

  Anzahl Gesuche (Rinder und Schafe) Anteil Betriebe (Rinder und Schafe, %)
AG 197 6.6
AI/AR 323 20.3
BE 1113 8.4
BL 90 9.8
BS 0 0.0
FL 4 3.0
FR 78 2.4
GE 0 0.0
GL 54 12.9
GR 440 16.1
JU 49 4.3 (korrigiert)
LU 680 13.8
NE 53 6.2
SG 1529 34.5
SH 59 16.4
SO 85 5.1
TG 400 16.0
TI 57 6.4
URK 919 25.4
VD 40 1.4
VS 332 13.5
ZG 97 17.2
ZH 461 14.9
Schweiz 7060 12.9

Weitere Informationen zur Impfkampagne 2010

Hin zu einer Einzelkennzeichnung von Pferden

Seit dem 1. Januar 2010 müssen alle Halterinnen und Halter von Pferden – Profis wie Amateure – ihren Betrieb registrieren. Dadurch wissen die Behörden, wo überall in der Schweiz Pferde stehen – im Seuchenfall ein entscheidender Vorteil für eine effiziente Bekämpfung.

Die Registrierung der Betriebe betrifft nicht die Eigentümer der Pferde, sondern nur die Halter (die Besitzer des Stalles). Dabei sind in der Landwirtschaft tätige Halter schon erfasst und müssen im Moment nichts unternehmen. Für sie ist es einfach: sie erhalten im Frühling im Rahmen der koordinierten landwirtschaftlichen Betriebsdatenerhebung per Post ein Formular, welches sie ausfüllen müssen. Nicht-landwirtschaftliche Halter dagegen müssen sich jetzt bei der entsprechenden kantonalen Stelle melden, damit sie später ebenfalls das Formular zugeschickt erhalten. Sie finden sämtliche Informationen auf www.tiererichtighalten.ch.

Die Betriebsregistrierung ist ein erster Schritt hin zu einer Einzelkennzeichnung von Pferden. Dies wird die Seuchenbekämpfung weiter erleichtern. Im Seuchenfall muss man wissen, wo ein infiziertes Tiere überall war und andere Tiere anstecken konnte. Eine Arbeitsgruppe mit Mitgliedern aus Pferdeverbänden und von Behörden erarbeiten zur Zeit die Details. Bereits 2011 könnte die Einzelkennzeichnung von Pferden starten.

In der Europäischen Union ist dies bereits beschlossen : seit dem 1. Juli 2009 müssen alle Pferdeartigen einzeln gekennzeichnet sein und einen Pferdepass besitzen. Die Mitgliedsländer sind zur Zeit daran, diese Vorgaben umzusetzen. Die meisten Mitgliedsstaaten setzen für die Kennzeichnung auf Mikrochips. Einige Länder haben eine zentrale Datenbank aufgebaut, andere erfassen die Daten über die nationalen Zuchtverbände. Mikrochips, zentrale Datenbank, Pferdepass – alle diese Punkte werden aktuell in der Schweiz diskutiert. Der Bundesrat wird die angepasste Gesetzgebung voraussichtlich bis im Herbst verabschieden.

Eigentümer und Halter von Pferden, Tierärzte, Mitglieder von Pferdeorganisationen und andere – wir halten Sie gerne auf dem Laufenden. Abonnieren Sie dazu den elektronischen Newsletter „Nutztier-News“.

"Unser Bezug zum Tier sagt viel aus über unsere Beziehung zu Menschen"

Die Kindersendung "Les Zèbres" von Jean-Marc Richard im Radio Suisse Romande war vom 26. bis 29. Januar 2010 beim BVET auf Besuch. Je eine 8., 7., 2. und 5. Klasse der "école cantonale de langue française" in Bern haben die Sendung produziert und verschiedene Facetten des BVET entdeckt. Wir sprachen mit Jean-Marc Richard.

 

Jean-Marc Richard, was hat Sie diese Woche besonders berührt ?

Kinder haben viel zu sagen und zu fragen rund ums Tier. Dies ist ein universales Thema, welches sie anspricht, weil es einen Bezug zu ihrem täglichen Leben hat. Das weckt in den Kleinen die Lust zu erzählen, ihren Hunger die Beziehung zum Tier zu erklären. Die grösseren haben viele Fragen gestellt, weil sie das Thema verstehen wollten. Der Kontakt mit den Fachleuten des BVET vor der Sendung war wichtig. Euer Ansatz ist nicht emotional. Ihr behandelt die Themen rund ums Tier auf wissenschaftliche, fast technische Art und Weise. Das Tier wird nicht überhöht und verherrlicht. Daraus entsteht ein Raum zum Nachdenken. Man sah das klar in den Debatten in „Les Zèbres“ (Anmerkung der Redaktion: das Thema der Woche war der Tierschutzanwalt): die Argumente waren gegensätzlich und nuanciert.

Weshalb haben Sie das BVET gewählt ? Ein Bundesamt ist für Kinder nicht unbedingt besonders witzig…

Erstaunlich, aber als wir im Team verschiedene Produktionsorte diskutiert haben, war das BVET einer der wenigen Orte, für das sich das ganze Team begeisterte. Allerdings aus ganz verschiedenen Gründen: Einige fanden den Tierschutz spannend, andere interessierten sich eher für Steaks… Ich wollte vor allem mit den Kindern über den Platz des Tieres in der Gesellschaft nachdenken – und die vielen Diskussionen haben gezeigt, wie sehr dieses Thema die Kinder berührt.

An der "école cantonale de langue française" hat es Kinder aus den verschiedensten Nationen und insbesondere aus Afrika. Sie arbeiten regelmässig in Afrika und kennen den Kontinent gut. Wie ist der Bezug zum Tier dort ?

Ganz anders ! Ich würde sogar sagen dies ist der grösste kulturelle Unterschied überhaupt. Die Wahrnehmung der Religion, der Familie, von Mann und Frau sind letztendlich nicht sehr verschieden. Der Platz des Tieres ist jedoch ganz anders. Wenn man ums Überleben kämpft, setzt man andere Prioritäten. Ein Kind aus dem Kongo, welches diese Woche die Sendung mitproduzierte, erzählte mir, wie schockiert es war, als es in der Schweiz zum ersten Mal Werbung für Katzen- und Hundefutter gesehen hat. Ihm habe es die Sprache verschlagen.

Ist der Schutz der Tiere also Luxus ?

Ich glaube, dass der Schutz von was auch immer nie Luxus ist. Es ist undenkbar, dass sich die Menschen in der Schweiz nicht um den Tierschutz kümmern. In Regionen, wo Menschen kaum überleben können, kann man sich dagegen nicht vorstellen, Duschen in Schweineställen zu installieren – wie wir es diese Woche in der Sendung besprochen haben. Es ist eine Frage der Prioritäten.

Während der ganzen Woche haben Sie Kinder gefragt, woran sie beim Wort "Tier" denken. Und Sie?

Für mich sagt der Bezug zum Tier, den jemand hat, viel über seine Beziehung zu Menschen aus. Wer sich von Tieren besser verstanden fühlt als von den Menschen, die ihn umgeben, wurde vielleicht schon mehrfach von menschlichen Beziehungen enttäuscht. Menschen, die Tiere quälen, haben oft Probleme mit sich selbst. Der Respekt vor dem Menschen und der Respekt vor dem Tier gehen Hand in Hand. Schauen Sie die Kinder: sie sind voller Menschlichkeit und sie haben einen spontanen Zugang zum Tier.

Erstmals EIA bei Pferden in Grossbritannien seit 1976

Bei zwei aus Rumänien importierten Pferden wurde die Equine Infektiöse Anämie (EIA) entdeckt. Die Laboruntersuchungen fanden im Rahmen der Importkontrollen statt. Wie das Departement for Environment, Food and Rural Affairs (DEFRA) mitteilte, sind dies die ersten Fälle seit 1976. Die beiden Pferde mussten getötet werden. Nachuntersuchungen bei weiteren Tieren laufen.

Der Import von Pferden in die Schweiz aus einem EIA-Betrieb in Deutschland endet dagegen gut – siehe Meldung vom 10. Dezember 2009. Auch in den Nachuntersuchungen zeigte sich, dass keines der Tiere EIA hat. Sämtliche Restriktionen in den Kantonen Zürich und Thurgau konnten aufgehoben werden.

Die Schweiz ist frei von EIA. Weltweit ist die Krankheit jedoch verbreitet. Sie kommt in Osteuropa und in Italien häufig vor und auch unsere übrigen Nachbarländer melden immer wieder einzelne Fälle – letztmals im 2008 in Deutschland und Frankreich. Die Viruskrankheit kann bei betroffenen Tieren zu hohem Fieber, Blutarmut, starker Abmagerung und manchmal gar zum raschen Tod führen. Oft entwickeln die Pferde jedoch kaum Symptome – sie bleiben aktiv, fressen gut, aber verlieren ohne ersichtlichen Grund Gewicht. Die Krankheit wird mechanisch von Bremsen, Fliegen oder Mücken übertragen. Da sich die Insekten nur schwer bekämpfen lassen, ist auch die Krankheit nicht leicht in den Griff zu kriegen. Im Seuchenfall müssen deshalb betroffene Tiere rasch getötet werden, um eine Ausbreitung zu verhindern.

Die EIA kann die Schweiz jederzeit treffen. Tierhaltende und Tierärzte sollen deshalb wachsam sein, auf Symptome achten und es ist empfohlen, bei Importen je nach Herkunftsland die Tiere vor dem Import testen zu lassen. Für Menschen ist die EIA nicht gefährlich.

Weitere Information zur Equiner Infektiöser Anämie (EIA) finden Sie hier.

Ferkel werden ab sofort schonend kastriert

Seit dem 1. Januar 2010 dürfen Ferkel in der Schweiz nur noch nach Schmerzausschaltung kastriert werden – ein wichtiger Schritt für die tierschonende Schweineproduktion in der Schweiz. Dafür engagiert hat sich der Verband der Schweineproduzenten Suisseporcs und an vorderster Front sein Präsident Peter Hofer.

Herr Hofer, wie kastrieren Sie Ihre Ferkel? Was sind Ihre Erfahrungen?

Ich arbeite in einer Tierhaltergemeinschaft zusammen mit einem Partnerbetrieb. Die Ferkel werden auf dem Partnerbetrieb mit einem Inhalationsnarkosegerät kastriert. Eigene Erfahrungen habe ich nicht.

Was musste in den vergangenen Monaten geschehen, damit die Umsetzung klappt?

Da der Markt mit ganz wenigen Ausnahmen chirurgisch kastrierte Tiere verlangt, haben mehr als 2500 Produzenten Ausbildungskurse besucht, damit sie die Kastration mit einem Inhalationsnarkosegerät selbst durchführen können. Ein kleinerer Teil der Produzenten wird die Kastration durch den Tierarzt machen lassen. Die Inhalationsgeräte mussten bestellt werden und die Produzenten hatten bei Proviande einen Antrag zur finanziellen Unterstützung einzureichen. Außerdem hat die Branche einen Starthilfefonds errichtet, der von den Produzenten, von den Abnehmern und vom Schweinehandel bezahlt wird. Die Proviande macht die Fondsverwaltung im Auftrag der Branche.

Wie weit ist die Branche nun mit der Umsetzung?

Beim Kastrationsfonds haben etwa ein Drittel der Antragsteller mitgeteilt, dass sie das Tierarzt-Modell anwenden werden. Ich glaube, dass noch etliche Betriebe bis Ende März auf die Inhalationsnarkose wechseln. Die Geräte für die Inhalationsnarkose sind auf Grund der dreimonatigen Lieferfrist und auch auf Grund von verspäteter Bestellung noch nicht auf allen Betrieben in Betrieb genommen. Diese Betriebe müssen, bis es soweit ist, mit dem Tierarzt die Injektionsnarkose anwenden. Der Kastrationsfonds ist gut auf Kurs. Die an die schlachtenden Betriebe in Rechnung gestellten Beträge werden in den allermeisten Fällen korrekt einbezahlt. Die Angaben der etwa 2500 Anträge von Züchtern werden zurzeit mit den AGIS-Daten des Bundes abgeglichen und anschliessend werden die Modellrechnungen für die Entschädigung pro durchschnittlichen Abferkelplatz gemacht. Zucht-Mastbetriebe werden speziell analysiert. Ab Ende erstes Quartal werden dann die Auszahlungen gestartet.

Haben Sie Rückmeldungen von Schweineproduzenten?

Wir haben an der „Suisse Tier“ ein Forum über die Erfahrungen bei der Umsetzung durchgeführt. Drei Produzenten haben über ihre praktischen Erfahrungen mit den Geräten und der Methode berichtet. Die Schmerzausschaltung der Ferkel sei sehr gut. Da die Ferkel schlafen, sei es wesentlich ruhiger im Stall und die Arbeit angenehmer. Der Zeitaufwand steige jedoch merklich und auch der Aufwand für den Geräteunterhalt sei nicht zu unterschätzen. Der finanzielle Aufwand für die Geräteanschaffung wird durch den Beitrag aus dem Umsetzungsfonds stark reduziert. Die Rückmeldung von weiteren Produzenten zeigt ein ähnliches Bild.

Wie begleitet Suisseporcs die Umsetzung?

Die Fäden für die Umsetzung laufen beim Schweinegesundheitsdienst SGD zusammen. Er ist mit seinen Beratungsbesuchen sehr häufig auf den Zuchtbetrieben und wird in den nächsten Monaten spezielle Hilfestellung bei allfälligen Problemen oder Fragen bei der Kastration anbieten. Der SGD wird in Zusammenarbeit mit den Tierärzten ein Monitoring durchführen und regelmässig über Verbesserungsmöglichkeiten informieren. Für die Arbeitsplatzsicherheit arbeiten wir mit der SUVA/agriss zusammen. Sollte ein Betrieb das Gefühl haben, die Belastung durch Isofluran sei zu hoch, kann er kostenlos Messungen durch die Spezialisten durchführen lassen.

Wie sehen Sie die Zukunft?

Die chirurgische Kastration wird wohl noch während Jahren praktiziert. Mit der Inhalationsnarkose mit Isofluran und der zusätzlichen Anwendung eines Schmerzmittels hat die Schweiz europaweit die beste Schmerzausschaltung. Die Schweiz wird sich den Entwicklungen in den europäischen Märkten nicht entziehen können. Dort kommen bereits heute Impulse vom Markt für einen Verzicht auf die chirurgische Kastration. Die mengenmäßige Bedeutung ist jedoch noch klein. Auch in der Schweiz muss der Markt diese Impulse setzen. Wann das sein wird, kann niemand zuverlässig voraussagen. Ein gesetzliches Verbot der Kastration von Ferkeln lehnen wir ab. Sonst müsste die Kastration generell - auch für Haustiere - verboten werden.

Weitere Informationen zur Ferkelkastration

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