Bundesamt für Veterinärwesen BVET

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Ein Sommer mit Blüemli – Gesund zurück von der Alp

Blüemli ist zurück von der Alp. Während der Sömmerung wurde weder Blüemli noch ein anderes Rind, das den Alpsommer auf der Vorholzallmend im hinteren Simmental verbracht hat, mit dem Virus der Bovinen Virusdiarrhoe BVD angesteckt. Dies ist ein weiterer Erfolg für die BVD-Bekämpfung, der nun langfristig gesichert werden soll.

Die Blutprobe, die Tierarzt Andreas Künzi nach der Sömmerung bei Blüemli entnimmt, enthält keine Antikörper gegen das BVD-Virus. Das bedeutet, dass Blüemli während der Sömmerung nicht mit dem BVD-Virus in Berührung gekommen ist. Auch die Tiere aus den Betrieben von Andreas Knutti (siehe Blog vom 12. September 2011) und allen anderen Bestössern der Vorholzallmend haben keine Antikörper gebildet und kehren als BVD-freie Tiere in ihre Betriebe zurück. Auch auf vielen anderen Sömmerungsalpen in der Schweiz kam es in diesem Jahr zu keinen weiteren BVD-Ansteckungen.

Blüemli Oktober
Blüemli ist nicht mit der Bovinen Virusdiarrhoe BVD in Berührung gekommen und kehrt wie alle anderen Rinder, die den Sommer auf der Vorholzallmend verbracht haben, gesund von der Alp zurück.

Herr und Frau Gertsch, die Besitzer von Blüemli, Andreas Knutti und alle anderen Schweizer Rindviehhaltenden haben viel zu diesem Erfolg beigetragen. Sie sind wachsam und haben ihre Tiere immer korrekt beprobt. Wurde ein persistent infiziertes Kalb, ein sogenanntes PI-Tier geboren, haben sie dieses umgehend aus dem Bestand entfernt. So konnte es keine anderen Tiere mit dem BVD-Virus anstecken.

Der Erfolg, der dank grosser Anstrengungen seitens der Rindviehhaltenden, der Tierärzteschaft und der Veterinärbehörden verzeichnet werden kann, darf jetzt nicht gefährdet werden. Gerade jetzt ist es besonders wichtig, dass alle Tierhaltenden ihren BVD-freien Rinderbestand vor einer Infektion schützen. Noch vorhandene PI-Tiere dürfen nicht übersehen werden. Der Schaden, der ein PI-Tier in einem BVD-freien Betrieb anrichten würde, wäre gross. Deshalb müssen die neugeborenen Kälber auch im nächsten Jahr beprobt und bei einem positiven Testergebnis schnellstens aus dem Betrieb entfernt werden. Diese letzte Anstrengung aller Beteiligten braucht es, damit die Bekämpfung abgeschlossen werden kann.

Ab 2012 wird die Bekämpfungsphase abgeschlossen und in die Überwachungsphase überführt. Die Überwachung soll langfristig kostengünstiger sein und die Kälbertests ablösen. Um einen sicheren Übergang zu gewährleisten wurde für das Jahr 2012 ein spezielles Überwachungsprogramm beschlossen. Neu werden in Milchviehbetrieben die Tankmilch und in Betrieben, die keine Milch liefern, das Blut weniger junger Rinder auf Antikörper untersucht. Parallel dazu werden die Kälbertests weitergeführt. Wenn die neue Überwachungsmethode ihre Wirksamkeit voll bewiesen hat, müssen die Kälber nicht mehr getestet werden.

Diese doppelte Überwachung neugeborener Kälber mittels Gewebeproben (Kälbertests) und von Rindergruppen mittels Blutproben bzw. von Tankmilch (serologische Untersuchungen) ermöglicht es, auch die letzten Überträgertiere zu finden und das Virus auszurotten. Nur so ist der Erfolg der BVD-Bekämpfung langfristig gesichert. Die Schweizer Rinderpopulation wird gesünder sein und die durch BVD verursachten jährlichen wirtschaftlichen Schäden werden der Vergangenheit angehören.

Weitere Informationen finden Sie auf www.stopbvd.ch

Stereotypien – Hilferuf der Seele

Jeder aufmerksame Zoobesucher hat es schon beobachtet, das auffällige Verhalten einzelner Tiere: der Eisbär, der stundenlang gleichförmig im Kreis geht, die Raubkatze, die pausenlos am Gitter entlang tigert, oder der Elefant, der unermüdlich den Kopf hin und her pendelt. Das sind die bekanntesten Beispiele für Verhaltensstörungen bei Tieren. Solche Stereotypien gibt es aber nicht nur bei Zootieren, es sind die häufigsten Verhaltensstörungen überhaupt. Es sind repetitive Verhaltensmuster ohne erkennbaren Zweck. Beobachtet werden sie bei fast allen Tierarten, die von Menschen gehalten werden. So treten auch bei Hunden und Pferden Stereotypien häufig auf. Das krankhafte Verhalten kann entstehen, wenn es den Tieren an Beschäftigungsmöglichkeiten fehlt.

Der neue Tierschutzprofessor der Vetsuisse Fakultät der Universität Bern, Hanno Würbel, über die Ursachen und Hintergründe von Verhaltensstörungen.

Was sind die Ursachen für Stereotypien? Kann man vereinfacht sagen, dass Verhaltensstörungen die Folge sind von schlechter, d.h. nicht-tiergerechter Haltung?

Stereotypien entstehen, wenn Tiere durch die Haltungsbedingungen chronisch daran gehindert werden, arttypisches Verhalten auszuführen. Das heisst Verhalten, das unter natürlichen Bedingungen wichtig für ihr Überleben und ihren Fortpflanzungserfolg wäre. Bei Kaninchen z.B. ist das der Drang zum Nagen und Graben. Wildkanichen graben sich weitverzweigte Röhrensysteme, in denen sie Zuflucht suchen und auch ihre Jungen gebären und aufziehen. Für solches Verhalten besteht meist eine sehr hohe Motivation, die auch nicht einfach vorübergeht, wenn das Verhalten nicht ausgeführt werden kann. Die Tiere versuchen immer wieder, das entsprechende Verhalten auszuführen, und aus diesen Versuchen entwickeln sich über Zeit die stereotypen Verhaltensmuster. Insofern kann man durchaus sagen, dass Stereotypien eine Folge von schlechter, nicht-tiergerechter Haltung sind. Es gibt allerdings für Stereotypien auch andere Ursachen, zum Beispiel genetische Defekte oder Krankheiten.

Können diese Verhaltensstörungen behandelt werden?

Wir gehen heute davon aus, dass Stereotypien Ausdruck einer fortschreitenden krankhaften Störung bestimmter Hirnfunktionen sind. Eine solche Störung entsteht, wenn die Gehirnentwicklung wegen einer reizarmen Umwelt zu wenig stimuliert wird und wenn die Tiere gestresst sind wegen der chronischen Frustration. Deshalb hängt der Therapieerfolg vom Entwicklungsstadium der Stereotypie ab. In einem frühen Stadium verschwinden Stereotypien meist wieder, wenn die Ursachen behoben werden, das heisst wenn die Tiere in artgerechte Haltungsbedingungen verbracht werden. Je länger Stereotypien jedoch bereits bestehen, desto resistenter werden sie gegenüber einer solchen Therapie. In solchen Fällen kann meist nur noch eine medikamentöse Behandlung helfen, wobei die Tiermedizin hier noch ganz in den Anfängen steckt.

Artgerechte Haltung ist wichtig für das Wohlbefinden der Tiere. Das ist eines der Leitmotive modernen Tierschutzes. Wie lässt sich „das Wohlbefinden“ von Tieren messen?

Messen lässt es sich leider nicht. Wohlbefinden und Leiden sind subjektive Empfindungen, die per Definition nicht objektiv gemessen werden können. Anhand geeigneter, wissenschaftlich erprobter Indikatoren können wir subjektive Zustände bei Tieren jedoch zunehmend plausibel erschliessen. Dabei machen wir Tierschutzforscher es wie die Humanmediziner – nur umgekehrt: Wir benutzen den Menschen als Tiermodell für unsere Tiere. So haben zum Beispiel Untersuchungen an Menschen gezeigt, dass emotionale Stimmungen zu einer verzerrten Wahrnehmung der Umwelt führen, die in entsprechenden Tests objektiv gemessen werden können. Negativ gestimmte Menschen bewerten neutrale Reize oder Ereignisse negativer als positiv gestimmte Menschen – für sie ist ein halbgefülltes Glas nicht halb voll, sondern halb leer. Mittlerweile wurden solche kognitiven Verzerrungen auch an vielen verschiedenen Tierarten – sogar an Bienen – nachgewiesen. Dies ist derzeit einer der vielversprechendsten Ansätze zur Beurteilung des Wohlbefindens von Tieren. Aber auch differenzierte Verhaltensbeobachtungen können zuverlässige Hinweise auf subjektive Empfindungen liefern. So wurde erst kürzlich eine Grimassen-Skala für Mäuse entwickelt, anhand der sich die Stärke post-operativer Schmerzen bewerten lässt.


© 2010 Nature America, Inc.


Wie viel ist Interpretation und wie viel ist Wissen, wenn es um die kognitiven Fähigkeiten von Tieren geht und um ihre Empfindungen?

Kognitive Fähigkeiten – z.B. die Fähigkeit zu lernen, denken und sich zu erinnern -  lassen sich objektiv erfassen. Vorausgesetzt es handelt sich um gut kontrollierte Studien, ist der Interpretationsspielraum gering. Empfindungen dagegen sind wie bereits erwähnt subjektiv und lassen sich deshalb nur indirekt erschliessen. Hier ist der Interpretationsspielraum entsprechend grösser. Die entscheidende Frage ist allerdings in erster Linie die, welche Tiere überhaupt die Fähigkeit zu subjektiven Empfindungen haben. Wenn wir davon ausgehen können, dass ein Tier diese Fähigkeit besitzt, dann sind unsere Indikatoren aller Wahrscheinlichkeit nach zuverlässig. Wir können zwar nie mit Sicherheit wissen, wie stark die Schmerzen oder Leiden eines Tieres absolut sind oder im Vergleich zu unserem Empfinden. Wir können aber zumindest beurteilen, unter welchen Bedingungen ein Tier mehr oder weniger Schmerzen hat oder leidet. Heute gehen wir davon aus, dass zumindest alle Wirbeltiere – also auch Fische – grundsätzlich schmerz- und leidensfähig sind.

Informationen zum Thema "Beschäftigung - Tiere in Aktion" auf www.tiererichtighalten.ch