Forschende wollen verstärkten Dialog über Tierversuche
Die Fragestellung im Titel „Research at a Crossroads?“ war Programm: Forschende aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich und Grossbritannien setzten sich während zweier Tage an einer Konferenz in Basel mit zentralen Fragen auseinander, die sich ergeben im Spannungsfeld zwischen medizinischem Fortschritt auf der einen und Tierschutz auf der anderen Seite. Fragen, die heute drängender gestellt werden, als noch vor 20 Jahren. Am Schluss der Konferenz wurde die Basler Deklaration verabschiedet.
Konkreter Anlass für die Konferenz war die neue EU-Richtlinie zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere, die im September verabschiedet worden ist. Die Konferenz ist aber auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass sich viele Forschende in ihrer Arbeit zunehmend eingeschränkt fühlen – durch neue gesetzliche Bestimmungen und zusätzlichen administrativen Aufwand. Zudem werde den Forschenden eher miss- als vertraut, so der pessimistische Tenor.
Dieser Einschätzung der Forschenden widerspricht allerdings eine Studie des gfs-Forschungsinstituts, die anlässlich der Basler Konferenz in Auftrag gegeben worden ist. Demnach glauben 60% der Forschenden, dass die Bevölkerung Tierversuche ablehnt. Die Studie zeigt jedoch, dass die Akzeptanz der biomedizinischen Forschung in der Bevölkerung besser ist als aus Sicht der Forschung angenommen. 58 Prozent der Befragten sagen ganz klar Ja zu Tierversuchen.
Eines der zentralen Themen der Konferenz war die nach Meinung der Forschenden künstliche Unterscheidung zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung. Diese seien nicht voneinander zu trennen, wurde mehrfach betont, sondern vielmehr ein Kontinuum. Die Erforschung grundlegender physiologischer Prozesse, das Verständnis von Krankheiten und die Entwicklung von Therapien gehen fliessend ineinander über.
Die Botschaft der Konferenzteilnehmer/innen, wie sie in der abschliessend verabschiedeten Basler Deklaration formuliert wird, ist klar: Auf Forschung mit Tieren kann nicht verzichtet werden. Das betreffe auch die Forschung mit Primaten und gentechnisch veränderten Tiermodellen. Diese Tierversuche seien unverzichtbar, wenn es darum geht, neue Erkenntnisse zu gewinnen in Bezug auf komplexe Krankheiten wie Demenz oder Krebs, aber auch bei der Entwicklung neuer Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten wie Aids, Malaria und Hepatitis C. Die Deklaration beinhaltet aber auch ein Bekenntnis der Forschenden, „die ihnen anvertrauten Tiere zu respektieren und zu schützen (…) und die höchsten Standards beim Versuchsaufbau und in der Tierhaltung einzuhalten“. Zudem wollen die Wissenschaftler transparenter und aktiver über Forschung mit Tieren kommunizieren. Die Basler Deklaration findet sich nächstens auf der Homepage des Vereins Forschung für Leben.
Auch der Bundesrat möchte die Information in Sachen Tierversuche verbessern. Diesen Sommer schickte er einen entsprechenden Passus im Tierschutzgesetz in die Vernehmlassung. Die Gesetzesänderung wird voraussichtlich 2011 im Parlament beraten.

