„Bei der Blauzungenkrankheit sind wir mit einem blauen Auge davongekommen“
Für Markus Zemp ist die Impfung gegen Blauzungenkrankheit ein Erfolg. Der Nationalrat und Präsident des Schweizer Braunviehzuchtverbandes und der Arbeitsgemeinschaft Schweizer Rinderzüchter fordert eine obligatorische Impfung auch für 2009.
Die Impfkampagne gegen die Blauzungenkrankheit ist fast abgeschlossen. Welches Fazit ziehen Sie?
Markus Zemp: Die Impfung ist ein voller Erfolg. Eine massive Ausbreitung konnte in der Schweiz gerade noch verhindert werden und das ist ja das Hauptziel. Ich hörte auch sehr viele gute Reaktionen von Bauern. Mir ist es nun wichtig, dass jetzt auch die gesömmerten Tiere geimpft werden. Der Schutz gegen die Blauzungenkrankheit muss möglichst flächendeckend und lückenlos sein.
In einigen Medien wurde jedoch von Bauern berichtet, bei denen Nebenwirkungen im Stall aufgetreten sind. Wie schätzen Sie das ein?
Bei den meisten Bauern, die ich kenne, war die Impfung problemlos. Das war auch zu erwarten, da die eingesetzten Impfstoffe vorab ja getestet wurden. Sicher hat es bei einigen in den ersten ein, zwei Wochen nach der Impfung Probleme gegeben und die Bauern fragen sich nun, ob die Impfung schuld ist. Wenn man weiss, dass es in der Schweiz normalerweise jeden Monat zu 1000 bis 2000 Aborten kommt, ist das nicht verwunderlich. Ich habe immer mit diesen Diskussionen gerechnet. Die Veterinärdienste müssen nun so umfassend wie möglich abklären, welche Nebenwirkungen die Impfstoffe tatsächlich haben. Ich erwarte da klare Antworten rechtzeitig vor der nächsten Impfrunde 2009.
Sie haben Ende 2007 zusammen mit weiteren Vertretern der Landwirtschaft eine rasche und flächendeckende Impfkampagne gefordert. War diese Forderung rückblickend richtig?
Schauen wir uns die aktuelle Situation an, ist klar, dass die Forderung richtig war und es scheint, dass wir in der Schweiz gerade noch mit einem blauen Auge davon gekommen sind. In Frankreich etwa ist die Impfung in einigen Departementen freiwillig. Die Folge ist, dass bei unserem Nachbarn dieses Jahr schon über 5000 Fälle aufgetreten sind, einige hundert nahe der Schweizer Grenze. Ich bin froh, dass wir ähnliches von der Schweiz abwenden konnte. Und es zeigt für mich, dass die Impfkampagne obligatorisch sein musste und es zwingend war, im Juni zu starten.
Soll die Impfkampagne 2009 obligatorisch weitergeführt werden?
Unbedingt. Wir haben nur eine Chance, die Blauzungenkrankheit wieder loszuwerden, wenn möglichst viele Tiere in allen Regionen der Schweiz geimpft sind. Solange die Blauzungenkrankheit immer wieder bei Tieren ohne Impfschutz weitergrassieren kann, wird sie nicht zu bremsen sein. Die Folgen sind klar: In Betrieben, die nicht impfen, wird es immer wieder Ausbrüche geben und jene Betriebe, die sich schützen, sind gezwungen Jahr für Jahr wieder zu impfen. Das wird die Produktion in der Schweiz verteuern. Für mich ist deshalb klar, dass die Blauzungenkrankheit so effizient wie möglich bekämpft werden muss – mit einer obligatorischen Impfkampagne.
Die Fragen stelle Marcel Falk, Kommunikation, BVET


