Bundesamt für Veterinärwesen BVET

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Hochansteckende Tierseuchen auf einfache Weise ausschliessen!

Hochansteckende Tierseuchen wie etwa die Maul- und Klauenseuche oder Schweinepest sind nach wie vor in vielen Ländern präsent. Ihre Einschleppung in die Schweiz hätte unabsehbare Konsequenzen für die betroffenen Landwirte, aber auch für die gesamte Wirtschaft. Deshalb sind die gesetzlichen Bestimmungen für diese Seuchen drastisch: Um jegliche Verbreitung zu verhindern, muss schon bei einem Verdacht auf eine hochansteckende Seuche ein Betrieb gesperrt werden. Weder Tiere noch ihre Produkte dürfen den Betrieb verlassen, denn das Risiko einer Weiterverbreitung der Seuche ist hoch!

Doch wann spricht man von einem Verdacht? Die Symptome der hochansteckenden Seuchen sind im Anfangsstadium nicht immer eindeutig. Was sollen Tierärzte und Tierärztinnen tun, wenn sie auf  kritische Symptome treffen, bei denen nicht ganz auszuschliessen ist, dass es erste Anzeichen einer hochansteckenden Seuche sind, die aber genauso ganz harmlos sein könnten? Sollen sie – nur um ganz sicher zu gehen – beispielsweise einen Verdacht auf Maul- und Klauenseuche melden und damit eine Betriebssperrung auslösen? In der Praxis schrecken viele Tierärzte und Tierärztinnen in dieser Situation vor so einem Schritt zurück – und auch die Tierhalter/-innen werden einen so schwerwiegenden Verdacht nur äussern, wenn die Zeichen einigermassen eindeutig sind. In den meisten Fällen geht das gut – aber was, wenn die unklaren Anzeichen sich dann doch als frühe Symptome einer Maul- und Klauenseuche entpuppen? Die Folgen wären fatal, denn jede Verzögerung bei der Früherkennung einer hochansteckenden Tierseuche erschwert ihre Eindämmung und Bekämpfung drastisch.

Seit einigen Monaten gibt es nun einen Ausweg aus diesem Dilemma: Bei den hochansteckenden Tierseuchen Maul- und Klauenseuche, Klassische Schweinepest, Afrikanische Schweinepest, Aviäre Influenza und Newcastle-Krankheit haben Tierärztinnen und Tierärzte neu die Möglichkeit, bei unklaren, seuchenähnlichen Symptomen eine Ausschluss-Untersuchung durchzuführen. Auf den Tiergesundheitsseiten des BVET ist unter den genannten Krankheiten diese Möglichkeit der Ausschluss-Untersuchung beschrieben. Bei einer Ausschluss-Untersuchung können Proben entnommen und auf die entsprechende hochansteckende Tierseuche untersucht werden, ohne dass Sperrmassnahmen gemäss Tierseuchenverordnung notwendig sind. Die Proben werden am Referenzlabor für hochansteckende Tierseuchen, dem Institut für Viruskrankheiten und Immunprophylaxe (IVI) in Mittelhäusern untersucht. Wenn sich der vage Verdacht nicht bestätigt, hat dies keine weiteren Folgen für den betroffenen Betrieb. Sollte sich ein ungutes Gefühl aber doch einmal bestätigen, können rasch Massnahmen ergriffen und weiteres Unheil und damit grosses Leid für die Tiere und ihre Halter/-innen verhindert werden.

Der Gesetzgeber eröffnet damit Bestandestierärzten, Tierärztinnen und Tierhaltern einen unkomplizierten Weg, Zweifelsfälle zu klären ohne bereits rigorose Massnahmen treffen zu müssen, die sich dann als unnötig erweisen.

Pferderegistrierung: Schon 12‘000 Tiere gemeldet

Die Registrierung der Pferde, Ponys und Esel ist seit Anfang Jahr Pflicht und nach einem Quartal sind bereits  mehr als 12‘000 Equiden bei der Tierverkehrsdatenbank TVD registriert worden. Im Rahmen der Informationskampagne zur obligatorischen Pferderegistrierung wurden einige Pferdeeigentümer für das frühzeitige Registrieren belohnt. Jede tausendste Registrierung wurde je mit einem Preis honoriert. Die Übergabe der Preise fand anlässlich der BEA/Pferd 2011 statt.

Pferdehaltende und –eigentümer hatten während der nationalen Pferdemesse Pferd 2011 die Möglichkeit ihr Tier am Agate-Stand registrieren zu lassen. Weil das System zu Beginn noch Kinderkrankheiten aufwies, nutzten viele  Besucher die Gelegenheit, ihre Tiere unter Anleitung zu registrieren.  Das Team von Agate arbeitet auf Hochtouren, die Software hinter der Datenbank wird laufend verbessert. Unterdessen sind alle Dienste und Funktionen verfügbar.

Wer nicht gezaudert und sich schnell ans Registrieren gemacht hat, dem bot sich die Chance einen von 10 Preisen zu gewinnen.  Die Preisverleihung fand im Rahmen der nationalen Pferdemesse statt. Diejenigen Gewinner und Gewinnerinnen, die die Einladung nach Bern annehmen konnten, erhielten ihren Preis von BVET-Direktor Hans Wyss überreicht.



Sie haben gewonnen: Brigitte Boller, Susanne Bürgin, Sandra Zimmermann

 

Antworten auf alle Fragen gibt es auf www.agate.ch

Die obligatorische Pferderegistrierung bedeutet einen markanten Wechsel für die gesamte Pferdebranche und die Pferdehaltenden. Es ist klar, dass ein solcher Wechsel Fragen aufwirft und es einige Zeit braucht, bis sich das System eingespielt hat und die Handhabung der neuen Regelungen selbstverständlich geworden ist. Die Mühe, sich eingehend zu informieren, lohnt sich! Sie finden sämtliche relevanten Informationen zur Pferderegistrierung auf dem Webportal www.agate.ch . Bei Problemen hilft das Agate-Helpdesk gerne weiter: Tel. 0848 222 400 (Mo bis Fr, 8:00 bis 16:30 Uhr).

Klonfleisch: Keine Regelung in der EU

In der EU sind die Vermittlungsgespräche zum Umgang mit Klonfleisch sind gescheitert. Letzte Woche hätte die Suche nach einem Kompromiss nach dreijährigen zähen Verhandlungen fortgesetzt werden sollen. Die Verhandlungen wurden aber abgebrochen und werden nicht wieder aufgenommen.

EU-Staaten, EU-Parlament und -Kommission haben sich nicht auf eine gemeinsame Regelung für das Fleisch und Produkte geklonter Tiere einigen können. Hauptstreitpunkt war die Kennzeichnung von Lebensmitteln geklonter Tiere und deren Nachfahren. Uneinigkeit herrschte insbesondere über die technische Machbarkeit und die Folgen einer obligatorischen Kennzeichnung, wie sie das Parlament forderte. Auch ein Kompromiss-Vorschlag der Kommission hatte keine Chance.

Die Gespräche über eine Aktualisierung der Verordnung für «neuartige Lebensmittel» sind damit endgültig gescheitert und der wenig geregelte Status Quo bleibt bestehen. Der EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucher, John Dalli, zeigte sich enttäuscht: «Damit haben wir überhaupt keine Kontrolle. Das wird nun in der EU die Regel bleiben». John Dalli hatte sich für ein Moratorium eingesetzt. Geplant war, das Klonen von Tieren zur Lebensmittelerzeugung  vorübergehend zu verbieten.

In der Schweiz werden weder Tiere geklont, noch solche importiert. Lebensmittel von geklonten Tieren sind nicht auf dem Markt. Allerdings dürften in der Schweiz einige hundert Rinder leben, die geklonte Vorfahren haben. Bezüglich der Lebensmittelsicherheit von Fleisch und Milch dieser Tiere gibt es laut dem Bundesamt für Gesundheit BAG keine Bedenken. Wissenschaftliche Untersuchungen hätten gezeigt, dass es ungefährlich sei, Fleisch, Eier oder Käse von Nachkommen geklonter Tiere zu essen. Bedenken sind aber aus Sicht des Tierschutzes angebracht. Das Klonen hat Auswirkungen auf das Tierwohl. Dieses sind wissenschaftlich noch wenig.  

Beschäftigung – Tiere in Aktion

Jagen, nagen, graben, wühlen, erkunden, sich verstecken. Jedes Tier verfügt über ein Spektrum an natürlichen Verhaltensweisen,  die ausgelebt werden wollen. Das gilt fürs Mastschwein genauso wie fürs Kaninchen oder das Wildtier im Zoo. Tiere brauchen Beschäftigung,  Anima-tion. Der deutsche Zoologie-Professor  Norbert Sachser über die Langeweile im Tiergehege und ihre Folgen.

Norbert Sachser ist Verhaltensbiologe mit Schwerpunkt südamerikanische Nagetiere. Er ist Leiter der Ethologie-Abteilung der Universität Münster (D). Zu seinem Team gehören Sylvia Kaiser, Lars Lewejohann und Stephanie Lürzel. Sie bilden die „Animal Welfare Unit“ und forschen unter anderem über Stress, Stresssymptome und Wohlergehen – mit Folgerungen für den Tierschutz.

                      

Wie wichtig sind Beschäftigungsmöglichkeiten?
Sehr wichtig! Grundsätzlich können wir davon ausgehen, dass Tiere im Laufe der Evolution auf bestimmte ökologische Bedingungen hin optimal angepasst sind. Zu einer solchen Anpassung gehören auch physiologische Mechanismen, die dazu führen, dass bestimmte, unter natürlichen Bedingungen überlebensnotwendige Verhaltensweisen mit positiven Empfindungen einhergehen. Dies könnte beispielsweise erklären, warum Hauskatzen, auch völlig unabhängig vom häufig reichhaltigen Nahrungsangebot, gerne jagen.
Tiere in menschlicher Obhut können Verhaltensweisen, die zum natürlichen Repertoire gehören, häufig nicht zeigen. Einige Verhaltensweisen, wie Feindvermeidung und Fluchtverhalten oder langwierige Futtersuche, müssen nicht ausgeführt werden. Dennoch haben sich die Tiere im Laufe der Evolution so in ein natürliches Umfeld eingefügt, dass sie es als leidvoll empfinden könnten, bestimmte Verhaltensweisen nicht ausführen zu können. Hier gilt es, bestmöglich durch geeignete Beschäftigungsmöglichkeiten zu kompensieren.

Kann ein Tier „Langeweile“ empfinden?
Es gibt gute Evidenzen dafür, dass auch Tiere, insbesondere Säugetiere und Vögel, Langeweile empfinden können; allerdings wird dieser Begriff in der wissenschaftlichen Literatur kaum verwandt. In ihrem natürlichen Habitat begegnen Tiere ständig neuen Herausforderungen, so dass ein Gefühl der Langeweile hier nicht aufkommt. Wenn Tiere aber unter Bedingungen leben, die zu wenig Beschäftigungsmöglichkeiten und Anregungen bieten, dann kann diese Situation durchaus zu einem Gefühlszustand führen, der dem der menschlichen Langeweile äquivalent ist.

Im Rahmen Ihrer Forschungsarbeit haben Sie u.a. das Verhalten von Meerschweinchen und Mäusen untersucht. Was sind die wichtigsten Erkenntnisse in Bezug auf das Beschäftigungs-Verhalten dieser Nagetiere?
Für Meerschweinchen stellen Artgenossen die allerwichtigste Beschäftigungsmöglichkeit dar. Das zeigt sich zum Einen in den vielfältigen Verhaltensweisen, die Meerschweinchen ausführen, wenn sie in Gruppen gehalten werden (zum Beispiel intensives Spielverhalten von Jungtieren), zum Anderen aber auch darin, dass der Sozialpartner in einer unbekannten und daher Stress auslösenden Situation einen beruhigenden Einfluss hat. Meerschweinchen sollten deshalb niemals allein gehalten werden! Weiterhin ist das Vorhandensein von Knabbergelegenheiten für Meerschweinchen essentiell. Heu, Stroh, Obst oder Äste fungieren nicht nur als Nahrung, sondern sind auch als Beschäftigungsmaterial willkommen.
Bei Mäusen haben wir detailliert die Auswirkungen von Umweltanreicherungen ("Environmental Enrichment") auf das Verhalten und Wohlergehen untersucht. Hier konnten wir zeigen, dass Tiere, die durch das Einbringen verschiedener Gegenstände wie Klettergerüste, Nage- und Rückzugsmöglichkeiten angereichert gehalten wurden, weniger ängstlich waren, mehr Spielverhalten zeigten und bessere Lernleistungen vollbrachten. Beschäftigungsmöglichkeiten scheinen auch einen positiven Einfluss auf die Gehirnentwicklung zu haben. So weisen zum Beispiel Mäuse, die eine genetische Veranlagung für die Entwicklung Alzheimer-ähnlicher Symptome haben, deutlich weniger Merkmale dieser Krankheit auf, wenn sie in einer Umwelt mit reichhaltigen Beschäftigungsmöglichkeiten aufwachsen. Dies im Vergleich zu Tieren, die in reizarmen Umwelten leben.

Fehlt es den Tieren an Möglichkeiten, sich artgerecht zu beschäftigen und ihr natürliches Verhalten auszuleben, kann das Folgen haben. Was sind die häufigsten Probleme?
Auf der Verhaltensebene kommt es dann häufig zu sogenannten Konfliktverhaltensweisen wie Stereotypien. Unter Bewegungsstereotypien wird das ständige, gleichförmige Wiederholen einer Verhaltensweise verstanden, beispielsweise das stundenlange Weben einzeln gehaltener Elefanten oder das ununterbrochene Stangenbeißen bei Schweinen in nicht-tiergerechter Haltung. Weiterhin kann es zu einer erhöhten Aggression kommen, wenn Tiere ihr natürliches Verhalten nicht ausleben können, die auch gegen den eigenen Körper gerichtet sein kann (Autoaggression beispielsweise bei einzeln gehaltenen Papageien). Es gibt Hinweise, dass mit solchen Verhaltenssymptomen auch eine erhöhte Ängstlichkeit, eine verminderte kognitive Entwicklung, verstärkte hormonelle Stressreaktionen sowie eine insgesamt erhöhte Krankheitsanfälligkeit einhergehen.

Wenn solche Verhaltensstörungen auftreten, lässt sich da noch etwas ausrichten?
Es kommt darauf an, wie lange die Verhaltensstörung schon besteht. Treten erste Anzeichen einer Verhaltensstörung auf, so können diese oft durch eine Veränderung der Haltungsbedingungen (z.B. mehr Sozialkontakte, mehr Auslauf, mehr Beschäftigungsmöglichkeiten) abgewendet wenden. Hat ein Tier jedoch über einen langen Zeitraum beispielsweise aufgrund von Einzelhaltung Stereotypien erworben oder diese aufgrund traumatischer Erlebnisse entwickelt, so kann es sein, dass solche Maßnahmen nur bedingt oder gar nicht mehr greifen. Trotzdem sollte auch in solchen Fällen nichts unversucht gelassen werden, die Haltung des Tieres im Sinne einer tiergerechten Haltung zu verbessern.

Woran arbeiten Sie zur Zeit?
In unserer aktuellen Forschung beschäftigen wir uns mit drei tierschutzrelevanten Fragen: (1) Wie beeinflussen soziale Erfahrungen während der Adoleszenz das Verhalten und die Stressreaktionen der Tiere im Erwachsenenalter? So zeigen neuere Ergebnisse: Soziale Regeln des Zusammenlebens, die es Tieren erlauben, sich mit fremden Artgenossen stress- und aggressionsarm zu arrangieren, werden vor allem in dieser Lebensphase des Erwachsenwerdens erlernt. (2) Wie spielen die genetische Veranlagungen eines Tieres und die Erfahrungen, die es während der Entwicklung macht, zusammen, um sein individuelles Verhaltensprofil hervorzubringen? Beispielsweise kann Überängstlichkeit oder hohe Aggressivität durch solche Gen-Umwelt-Interaktionen zustande kommen. (3) Welcher Zusammenhang besteht zwischen der „Persönlichkeit“ eines Tieres und seinem Wohlergehen? Die Tiere einer Art verhalten sich keineswegs mehr oder weniger alle gleich. Vielmehr entwickeln sich im Laufe des Lebens sogenannte „Tierpersönlichkeiten“, die sich bzgl. ihres Temperamentes deutlich unterscheiden und damit auch verschiedene Ansprüche an ihre Lebenswelt haben könnten.

Das BVET stellt das wichtige Thema „Beschäftigung“ ein Jahr lang in den Fokus. Schauen Sie immer wieder mal vorbei auf „Tiere richtig halten“.
     

Neu im Netz: Umfassende Informationen über Parasiten bei Hunden und Katzen

Sei es hartnäckiger Durchfall der Katze oder seien es Flöhe und Zecken beim Hund: Parasiten sind ein Thema, das Hunde- und Katzenbesitzer/innen immer wieder beschäftigt. Entsprechend gross ist das Bedürfnis nach Information und Beratung. Genau diesem Bedürfnis trägt das ESCCAP Rechnung. Das ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites) steht für unabhängige, fachkundige und verständliche Informationen zu Parasiten bei Hunden und Katzen. Die ESCCAP Schweiz bietet diese Information neu auch online an. Ein Angebot, das es zu entdecken gilt – und das zu nutzen sich lohnt. 

Die ESCCAP ist eine Vereinigung von Veterinärparasitologen und ein eigentliches Kompetenzzentrum für  Parasitologie. Die ESCCAP Schweiz will mit fundierten Informationen helfen, Hunde und Katzen vor Parasiten und deren Folgen zu schützen. Nach dem Motto „Wissen hilft Vorbeugen“. Verhindert werden soll auch, dass der Mensch sich mit vom Tier zum Menschen übertragbaren Krankheiten (Zoonosen) ansteckt. Angesprochen sind vor allem Tierärztinnen und Tierärzte, Veterinärmedizinische Fachangestellte und Tierhalter/innen.

Wer sich also genauer über Flöhe, Zecken, Läuse, Hautpilze, Würmer und Sandmücken informieren will, dem sei die neue Homepage der ESCCAP empfohlen. Der lesenswerte Inhalt reicht vom Hintergrundartikel über Tipps zur Prävention und Behandlung bis zu aktuellen Informationen. So gibt es zum Beispiel Experten-Tipps zum Schutz vor Reisekrankheiten beim Hund und zur richtigen Entwurmung von Hunden und Katzen. Die Frage „Kann man gegen Zecken impfen?“ wird genauso beantwortet wie jene, was zu tun ist, wenn das Tier immer wieder an hartnäckigem Durchfall leidet, oder ob es einen Zusammenhang gibt zwischen Floh- und Wurmbefall. Wer ausser dem erfahrenen Tierarzt oder der Parasitologin weiss schon, dass sich Hunde und Katzen vor allem im Winter Flöhe holen und zwar vorzugsweise über Eier, Larven und Puppen in der eigenen Wohnung? Das neue Informationsangebot hat nur einen Haken – in Bezug auf alle möglichen und unmöglichen Parasiten möchte man es manchmal gar nicht so genau wissen…

Informationen über Parasiten bei Hunden und Katzen: www.esccap.ch  
Informationen zur Haltung von Hunden und Katzen generell: www.tiererichtighalten.ch 

Tollwut in Norditalien : Der Kampf gegen die Seuche dient dem Schutz der Schweiz

Sie erinnern sich: vor einem Jahr haben wir über die kritische Tollwut-Situation in Norditalien berichtet. Innerhalb von zwei Jahren hatten die Fälle massiv zugenommen, die Tollwut breitete sich aus und kam bis auf 100 Kilometer an die Schweiz heran. Die italienischen Behörden reagierten und starteten eine breite Impfkampagne. Die Schweiz ist in ständigem Kontakt mit den italienischen Kolleg/innen, zum letzten Mal Ende Februar. Eine gute Gelegenheit, einen Blick auf die aktuelle Situation zu werfen.

Dank der getroffenen Massnahmen hat sich die Situation in Norditalien verbessert: Im zweiten Halbjahr 2010 wurden deutlich weniger neue Fälle gemeldet. Die Tollwut hat sich auch nicht weiter ausgebreitet. Die betroffenen Regionen sind dieselben geblieben, am stärksten betroffen ist die Provinz Belluno.

Diese vergleichsweise günstige Situation ist auf die Anstrengungen der italienischen Gesundheitsbehörden zurückzuführen. Im letzten Jahr wurden vier Impfkampagnen durchgeführt. Jedes Mal wurden gegen 650‘000 Köder verteilt auf einer Fläche von über 32‘000 Quadratkilometern. Im Sommer wurden die Köder im Gebirge sogar per Helikopter verteilt bis auf eine Höhe von 2300 Metern.

Es wurde auch ein Programm zur Überwachung der Fuchspopulation gestartet. Es hat gezeigt, dass die Impfkampagne wirksam ist. Erlegte oder tot aufgefundene Füchse wurden untersucht und gemäss dieser Analyse hatten zwischen 40 und 70 Prozent der Füchse den Impfstoff geschluckt und waren demnach geschützt. 

Neben dieser Kampagne zum Schutze der Wildtiere bleibt die Tollwutimpfung der Hunde (und einiger Nutztiere) eminent wichtig. Dies nicht zuletzt, um zu verhindern, dass sich Menschen mit dieser heimtückischen Krankheit anstecken.  

Die Impfkampagnen in Italien werden sicher 2011 und 2012 weitergeführt – es kann aber auch sein, dass sie noch länger nötig sein werden. Internationale Standards empfehlen, dass während mindestens zwei Jahren nach Auftreten des letzten neuen Falles weiter geimpft wird.

Eine solche Impfkampagne hat natürlich ihren Preis: Sie verursacht für Italien und die Europäische Union, die einen Teil der Kampagne finanziert, Kosten in der Höhe von mehreren Millionen Euro. Das Beispiel zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, frühzeitig zu reagieren, wenn eine Epidemie droht. Mit drastischen Massnahmen zu Beginn kann eine langandauernde und teure Kampagne unter Umständen verhindert werden.

Die Situation für die Schweiz ist im Moment dank der in Italien getroffenen Massnahmen nicht besorgniserregend. Die Tollwut ist in Europa aber noch lange nicht ausgerottet. In Kroatien beispielsweise stellt sie ein Problem dar. Man muss die Krankheit nach wie vor im Auge behalten. Deshalb auch die Empfehlung an alle, die mit ihrem vierbeinigen Gefährten ins Ausland reisen: Vergessen Sie nicht, ihr Tier gegen Tollwut zu impfen! Weitere Informationen finden Sie in der Online-Datenbank „Mit Hund oder Katze über die Grenze“.

EU will Alternativen zur Ferkelkastration

Europäische Ferkel sollen ab nächstem Jahr nur noch unter Betäubung kastriert werden und spätestens 2018 soll die chirurgische Ferkelkastration nicht mehr eingesetzt werden. Das fordert eine Arbeitsgruppe bestehend aus Vertretern der Landwirtschaft, der Fleischindustrie, des Handels, der Forschung und von Tierschutzorganisationen. Die Arbeitsgruppe traf sich auf Einladung der Europäischen Kommission und des belgischen Ratsvorsitzes. Die Forderungen wurden in einer gemeinsamen Europäischen Erklärung über Alternativen zur chirurgischen Kastration bei Schweinen  zusammengefasst. Bindend ist diese Erklärung nicht.

Ferkel werden aus zwei Gründen kastriert: Unerwünschtes sexuelles und aggressives Verhalten soll unterbunden und der so genannte Ebergeruch des Fleisches verhindert werden. Der Eingriff ist für die Tiere schmerzhaft und die Suche nach Alternativen deshalb ein wichtiges Tierschutzanliegen. Die Arbeitsgruppe hat nun Massnahmen definiert, die mittelfristig einen Verzicht auf die Ferkelkastration ermöglichen sollen. Bereits existierende Alternativen wie die Impfung gegen den Ebergeruch und die Ebermast sollen gezielt gefördert werden.

In einem ersten Schritt soll die Ferkelkastration ab dem 1. Januar 2012 nur noch unter Verabreichung von Schmerz- und /oder Betäubungsmitteln durchgeführt werden. In einem zweiten Schritt will man dafür sorgen, dass ab 2018 EU-weit keine Ferkel mehr kastriert werden. Dafür brauche es unter anderem allgemein anerkannte Methoden zur Feststellung und für die Messung von Ebergeruch, verbesserte Haltungs- und Produktionssysteme, die unerwünschtes Verhalten und Ebergeruch verhindern, und eine gezielte Information der Landwirte und der Konsument/innen.

Einige EU-Länder schreiben die Betäubung bei der Ferkelkastration bereits vor, andere forcieren die Impfung oder die Ebermast. Der Kommission ist daran gelegen, dass es eine europäische Regelung gibt. Der runde Tisch mit den Branchenvertretern und interessierten Verbänden und die gemeinsame Erklärung sind ein erster Schritt in Richtung eines Verbots der Ferkelkastration.

In der Schweiz ist die Ferkelkastration seit dem 1. Januar 2010 nur noch unter Schmerzausschaltung erlaubt. Der Eingriff ist Routine in der Schweinezucht und betrifft rund 1.3 Millionen Ferkel pro Jahr. Die meisten Schweineproduzenten setzen heute auf eine Kombination von Betäubung und Schmerzausschaltung vor der Kastration. Die schonendste Methode, die Impfung gegen den Ebergeruch, und die Ebermast werden im Moment lediglich in der Nischenproduktion angewendet. Längerfristig muss aber der Verzicht auf den chirurgischen Eingriff das Ziel sein - zum Wohl der Tiere.

Die Liste der Verbände, die die Erklärung unterzeichnet haben, finden Sie hier.

Deutschland startet eine nationale BVD-Ausrottung

Ab dem 1. Januar 2011 werden Kälber in Deutschland mit einer speziellen Ohrmarke gekennzeichnet, welche die Entnahme einer Ohrstanzprobe erlaubt. Rindviehhaltenden der Schweiz dürfte dies bekannt vorkommen. Tatsächlich startet Deutschland dieses Jahr ein ähnliches Programm zur Ausrottung der Bovinen Virus Diarrhoe (BVD) wie jenes der Schweiz, welches seit 2008 läuft.

Auch wenn die Ziele der Programme in Deutschland und der Schweiz die gleichen sind – nämlich die Tilgung von stark Virus streuenden Tieren, so genannten PI-Tieren – ist das Vorgehen leicht unterschiedlich. In Deutschland etwa wird zum Start nicht der gesamte Rindviehbestand durchgetestet wie in der Schweiz geschehen. Das Programm fokussiert schon zu Beginn auf die Kälber. Diese müssen in den ersten sechs Lebensmonaten getestet werden. Sind sie negativ, gilt auch das Muttertier als bestätigt negativ. Ist das Kalb positiv, muss es getötet werden und das Muttertier wird getestet. Wie in der Schweiz erfolgt die Probenahme während der Markierung durch den Bauern, welcher die Probe danach ins Labor schickt. Auch der Test per Blutprobe ist möglich.

Eingeschränkt ist auch der Tierverkehr: Nur negativ getestete Tiere dürfen verstellt werden – auf andere Betriebe, auf Märkte und Ausstellungen. Bei Schweizer Tieren ist diese Vorgabe dank des Ausrottungsprogrammes durchwegs erfüllt. In Schlachthöfe und zur Mast dürfen in Deutschland jedoch auch ungetestete Tiere verstellt werden.

Im Unterschied zur Schweiz stellt Deutschland tragende Tiere nicht unter Sperre, wenn ein Tier im Betrieb positiv getestet wird. In der Schweiz garantiert diese Massnahme, dass die ungeborenen Tiere, die angesteckt werden, den Erreger nicht in einen anderen Betrieb einschleppen.

Der Ansatz in Deutschland ist weniger intensiv als in der Schweiz, weshalb die Phase mit den Einschränkungen im Tierverkehr und die Ausrottung insgesamt voraussichtlich länger dauern wird.

Für die Schweiz ist das Ausrottungsprogramm in Deutschland eine positive Nachricht. Es hilft das in der Schweiz Erreichte zu sichern und zeigt, dass immer mehr Länder in Europa BVD ausrotten – wie es die skandinavischen Länder bereits vorgemacht haben.

Und wo stehen wir in der Schweiz ? Das Ausrottungsprogramm kommt gut voran. Im Moment sind noch 0,1% der neu-geborenen Kälber PI-Tiere – im Vergleich zu 1,5% vor Start des Programmes. Dafür braucht es jedoch den Einsatz von allen: die Sperren stets einhalten, alle Kälber testen und nicht vor Erhalt der Testresultate verstellen.

 

Infoabende zur Pferderegistrierung: Knackpunkt Aufbewahrung des Passes im Stall

Anfang November haben sich TierärztInnen, Zuchtverbände und andere Akteure der Pferdebranche an Infoabenden über die Pferderegistrierung informieren lassen. Sie werden die erhaltenen Informationen in den kommenden Wochen Pferdehaltenden weitergeben. Ob in der Deutsch- oder der Westschweiz: an den Infoabenden konnten viele Details in der Umsetzung geklärt werden.

Ein Thema wurde besonders häufig angesprochen und stört viele Pferdehaltende : weshalb muss der Pferdepass beim Pferd deponiert werden ? Pferdeeigentümer wie Besitzer von Stallungen haben sich ablehnend gegenüber dieser Vorschrift geäussert.

Diese Vorschrift hat ihren Grund : Im Seuchenfall müssen die wichtigsten Informationen (Wer ist Eigentümer ? etc.) ohne langwierige Recherchen im Stall verfügbar sein. Diese Informationen sind aber nicht im Chip gespeichert, sondern stehen im Pass. Wie verschiedene Teilnehmende an den Infoabenden richtig gesagt hatten, lässt sich dies im Prinzip auch anders lösen, als mit der Aufbewahrung des Pferdepasses im Stall. Sollte sich keine tragbare Lösung im Rahmen der jetzigen Vorschrift finden lassen, muss diese nochmals diskutiert werden.

Auch die weiteren - weniger umstrittenen - Fragen, drehten sich um die Umsetzung der Pferderegistrierung: Muss der Stallbesitzer die Pferde registrieren? (Nein, der Eigentümer.) Müssen Pferde, welche nach Frankreich zur Sömmerung gehen, gemeldet werden? (Ja, wenn sie länger als 30 Tage da bleiben.) Muss der Pass in der Schweiz ausgestellt sein? (Für alle nach dem 1. Januar 2011 in der Schweiz geborenen Pferde ja.) Die Antworten auf diese und andere Fragen finden Sie auch unter www.agate.ch.

Forschende wollen verstärkten Dialog über Tierversuche

Die Fragestellung im Titel „Research at a Crossroads?“ war Programm: Forschende aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich und Grossbritannien setzten sich während zweier Tage an einer Konferenz in Basel mit zentralen Fragen auseinander, die sich ergeben im Spannungsfeld zwischen medizinischem Fortschritt auf der einen und Tierschutz auf der anderen Seite. Fragen, die heute drängender gestellt werden, als noch vor 20 Jahren. Am Schluss der Konferenz wurde die Basler Deklaration verabschiedet.

Konkreter Anlass für die Konferenz war die neue EU-Richtlinie zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere, die im September verabschiedet worden ist. Die Konferenz ist aber auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass sich viele Forschende in ihrer Arbeit zunehmend eingeschränkt fühlen – durch neue gesetzliche Bestimmungen und zusätzlichen administrativen Aufwand. Zudem werde den Forschenden eher miss- als vertraut, so der pessimistische Tenor.

Dieser Einschätzung der Forschenden widerspricht allerdings eine Studie des gfs-Forschungsinstituts, die anlässlich der Basler Konferenz in Auftrag gegeben worden ist. Demnach glauben 60% der Forschenden, dass die Bevölkerung Tierversuche ablehnt.  Die Studie zeigt jedoch, dass die Akzeptanz der biomedizinischen Forschung in der Bevölkerung besser ist als aus Sicht der Forschung angenommen. 58 Prozent der Befragten sagen ganz klar Ja zu Tierversuchen.

Eines der zentralen Themen der Konferenz war die nach Meinung der Forschenden künstliche Unterscheidung zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung. Diese seien nicht voneinander zu trennen, wurde mehrfach betont, sondern vielmehr ein Kontinuum. Die Erforschung grundlegender physiologischer Prozesse, das Verständnis von Krankheiten und die Entwicklung von Therapien gehen fliessend ineinander über.

Die Botschaft der Konferenzteilnehmer/innen, wie sie in der abschliessend verabschiedeten Basler Deklaration formuliert wird, ist klar: Auf Forschung mit Tieren kann nicht verzichtet werden. Das betreffe auch die Forschung mit Primaten und gentechnisch veränderten Tiermodellen. Diese Tierversuche seien unverzichtbar, wenn es darum geht, neue Erkenntnisse zu gewinnen in Bezug auf komplexe Krankheiten wie Demenz oder Krebs, aber auch bei der Entwicklung neuer Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten wie Aids, Malaria und Hepatitis C. Die Deklaration beinhaltet aber auch ein Bekenntnis der Forschenden, „die ihnen anvertrauten Tiere zu respektieren und zu schützen (…) und die höchsten Standards beim Versuchsaufbau und in der Tierhaltung einzuhalten“. Zudem wollen die Wissenschaftler transparenter und aktiver über Forschung mit Tieren kommunizieren. Die Basler Deklaration findet sich nächstens auf der Homepage des Vereins Forschung für Leben.

Auch der Bundesrat möchte die Information in Sachen Tierversuche verbessern. Diesen Sommer schickte er einen entsprechenden Passus im Tierschutzgesetz in die Vernehmlassung. Die Gesetzesänderung wird voraussichtlich 2011 im Parlament beraten.

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