Bundesamt für Veterinärwesen BVET

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Schutz gegen Blauzungenkrankheit bleibt 2010 gut

Nun liegen die Zahlen vor: 87 Prozent wollen ihre Rinder und Schafe per Impfung vor der Blauzungenkrankheit schützen; 13 Prozent der Tierhalter haben sich davon befreien lassen. Die Werte können sich in den kommenden Wochen noch leicht ändern. Schon heute lässt sich aber sagen: Wir werden auch 2010 eine gute Impfabdeckung haben.

Der Anteil der Abmeldungen ist kantonal stark verschieden. Die höchsten Raten ergaben sich in den Kantonen SG (35%), den Urkantonen (25%) und AI/AR (20%), in den Westschweizer Kantonen sind sie deutlich tiefer, etwa in FR (2,4%), JU (4,3%) oder VD (1,4%). Die Gründe dafür sind vielfältig. Westschweizer Landwirte haben miterlebt, wie 2008 bei Kollegen in Frankreich die Produktion unter der Blauzungenkrankheit litt. In keinem anderen Nachbarland ist die Seuche so massiv in den Grenzregionen aufgetreten.

Die gute Impfabdeckung ist erfreulich. Wir haben damit die Chance, nicht die Sicherheit, dass es auch 2010 wie im Jahr zuvor keine neuen Ansteckungen mit der Blauzungenkrankheit mehr gibt. Können wir – und unsere Nachbarländer in den Grenzregionen – die aktuell gute Seuchenlage halten, haben wir die Grundlage, um die Schutzmassnahmen 2011 weiter zu lockern.

  Anzahl Gesuche (Rinder und Schafe) Anteil Betriebe (Rinder und Schafe, %)
AG 197 6.6
AI/AR 323 20.3
BE 1113 8.4
BL 90 9.8
BS 0 0.0
FL 4 3.0
FR 78 2.4
GE 0 0.0
GL 54 12.9
GR 440 16.1
JU 49 4.3 (korrigiert)
LU 680 13.8
NE 53 6.2
SG 1529 34.5
SH 59 16.4
SO 85 5.1
TG 400 16.0
TI 57 6.4
URK 919 25.4
VD 40 1.4
VS 332 13.5
ZG 97 17.2
ZH 461 14.9
Schweiz 7060 12.9

Weitere Informationen zur Impfkampagne 2010

Hin zu einer Einzelkennzeichnung von Pferden

Seit dem 1. Januar 2010 müssen alle Halterinnen und Halter von Pferden – Profis wie Amateure – ihren Betrieb registrieren. Dadurch wissen die Behörden, wo überall in der Schweiz Pferde stehen – im Seuchenfall ein entscheidender Vorteil für eine effiziente Bekämpfung.

Die Registrierung der Betriebe betrifft nicht die Eigentümer der Pferde, sondern nur die Halter (die Besitzer des Stalles). Dabei sind in der Landwirtschaft tätige Halter schon erfasst und müssen im Moment nichts unternehmen. Für sie ist es einfach: sie erhalten im Frühling im Rahmen der koordinierten landwirtschaftlichen Betriebsdatenerhebung per Post ein Formular, welches sie ausfüllen müssen. Nicht-landwirtschaftliche Halter dagegen müssen sich jetzt bei der entsprechenden kantonalen Stelle melden, damit sie später ebenfalls das Formular zugeschickt erhalten. Sie finden sämtliche Informationen auf www.tiererichtighalten.ch.

Die Betriebsregistrierung ist ein erster Schritt hin zu einer Einzelkennzeichnung von Pferden. Dies wird die Seuchenbekämpfung weiter erleichtern. Im Seuchenfall muss man wissen, wo ein infiziertes Tiere überall war und andere Tiere anstecken konnte. Eine Arbeitsgruppe mit Mitgliedern aus Pferdeverbänden und von Behörden erarbeiten zur Zeit die Details. Bereits 2011 könnte die Einzelkennzeichnung von Pferden starten.

In der Europäischen Union ist dies bereits beschlossen : seit dem 1. Juli 2009 müssen alle Pferdeartigen einzeln gekennzeichnet sein und einen Pferdepass besitzen. Die Mitgliedsländer sind zur Zeit daran, diese Vorgaben umzusetzen. Die meisten Mitgliedsstaaten setzen für die Kennzeichnung auf Mikrochips. Einige Länder haben eine zentrale Datenbank aufgebaut, andere erfassen die Daten über die nationalen Zuchtverbände. Mikrochips, zentrale Datenbank, Pferdepass – alle diese Punkte werden aktuell in der Schweiz diskutiert. Der Bundesrat wird die angepasste Gesetzgebung voraussichtlich bis im Herbst verabschieden.

Eigentümer und Halter von Pferden, Tierärzte, Mitglieder von Pferdeorganisationen und andere – wir halten Sie gerne auf dem Laufenden. Abonnieren Sie dazu den elektronischen Newsletter „Nutztier-News“.

"Unser Bezug zum Tier sagt viel aus über unsere Beziehung zu Menschen"

Die Kindersendung "Les Zèbres" von Jean-Marc Richard im Radio Suisse Romande war vom 26. bis 29. Januar 2010 beim BVET auf Besuch. Je eine 8., 7., 2. und 5. Klasse der "école cantonale de langue française" in Bern haben die Sendung produziert und verschiedene Facetten des BVET entdeckt. Wir sprachen mit Jean-Marc Richard.

 

Jean-Marc Richard, was hat Sie diese Woche besonders berührt ?

Kinder haben viel zu sagen und zu fragen rund ums Tier. Dies ist ein universales Thema, welches sie anspricht, weil es einen Bezug zu ihrem täglichen Leben hat. Das weckt in den Kleinen die Lust zu erzählen, ihren Hunger die Beziehung zum Tier zu erklären. Die grösseren haben viele Fragen gestellt, weil sie das Thema verstehen wollten. Der Kontakt mit den Fachleuten des BVET vor der Sendung war wichtig. Euer Ansatz ist nicht emotional. Ihr behandelt die Themen rund ums Tier auf wissenschaftliche, fast technische Art und Weise. Das Tier wird nicht überhöht und verherrlicht. Daraus entsteht ein Raum zum Nachdenken. Man sah das klar in den Debatten in „Les Zèbres“ (Anmerkung der Redaktion: das Thema der Woche war der Tierschutzanwalt): die Argumente waren gegensätzlich und nuanciert.

Weshalb haben Sie das BVET gewählt ? Ein Bundesamt ist für Kinder nicht unbedingt besonders witzig…

Erstaunlich, aber als wir im Team verschiedene Produktionsorte diskutiert haben, war das BVET einer der wenigen Orte, für das sich das ganze Team begeisterte. Allerdings aus ganz verschiedenen Gründen: Einige fanden den Tierschutz spannend, andere interessierten sich eher für Steaks… Ich wollte vor allem mit den Kindern über den Platz des Tieres in der Gesellschaft nachdenken – und die vielen Diskussionen haben gezeigt, wie sehr dieses Thema die Kinder berührt.

An der "école cantonale de langue française" hat es Kinder aus den verschiedensten Nationen und insbesondere aus Afrika. Sie arbeiten regelmässig in Afrika und kennen den Kontinent gut. Wie ist der Bezug zum Tier dort ?

Ganz anders ! Ich würde sogar sagen dies ist der grösste kulturelle Unterschied überhaupt. Die Wahrnehmung der Religion, der Familie, von Mann und Frau sind letztendlich nicht sehr verschieden. Der Platz des Tieres ist jedoch ganz anders. Wenn man ums Überleben kämpft, setzt man andere Prioritäten. Ein Kind aus dem Kongo, welches diese Woche die Sendung mitproduzierte, erzählte mir, wie schockiert es war, als es in der Schweiz zum ersten Mal Werbung für Katzen- und Hundefutter gesehen hat. Ihm habe es die Sprache verschlagen.

Ist der Schutz der Tiere also Luxus ?

Ich glaube, dass der Schutz von was auch immer nie Luxus ist. Es ist undenkbar, dass sich die Menschen in der Schweiz nicht um den Tierschutz kümmern. In Regionen, wo Menschen kaum überleben können, kann man sich dagegen nicht vorstellen, Duschen in Schweineställen zu installieren – wie wir es diese Woche in der Sendung besprochen haben. Es ist eine Frage der Prioritäten.

Während der ganzen Woche haben Sie Kinder gefragt, woran sie beim Wort "Tier" denken. Und Sie?

Für mich sagt der Bezug zum Tier, den jemand hat, viel über seine Beziehung zu Menschen aus. Wer sich von Tieren besser verstanden fühlt als von den Menschen, die ihn umgeben, wurde vielleicht schon mehrfach von menschlichen Beziehungen enttäuscht. Menschen, die Tiere quälen, haben oft Probleme mit sich selbst. Der Respekt vor dem Menschen und der Respekt vor dem Tier gehen Hand in Hand. Schauen Sie die Kinder: sie sind voller Menschlichkeit und sie haben einen spontanen Zugang zum Tier.

Erstmals EIA bei Pferden in Grossbritannien seit 1976

Bei zwei aus Rumänien importierten Pferden wurde die Equine Infektiöse Anämie (EIA) entdeckt. Die Laboruntersuchungen fanden im Rahmen der Importkontrollen statt. Wie das Departement for Environment, Food and Rural Affairs (DEFRA) mitteilte, sind dies die ersten Fälle seit 1976. Die beiden Pferde mussten getötet werden. Nachuntersuchungen bei weiteren Tieren laufen.

Der Import von Pferden in die Schweiz aus einem EIA-Betrieb in Deutschland endet dagegen gut – siehe Meldung vom 10. Dezember 2009. Auch in den Nachuntersuchungen zeigte sich, dass keines der Tiere EIA hat. Sämtliche Restriktionen in den Kantonen Zürich und Thurgau konnten aufgehoben werden.

Die Schweiz ist frei von EIA. Weltweit ist die Krankheit jedoch verbreitet. Sie kommt in Osteuropa und in Italien häufig vor und auch unsere übrigen Nachbarländer melden immer wieder einzelne Fälle – letztmals im 2008 in Deutschland und Frankreich. Die Viruskrankheit kann bei betroffenen Tieren zu hohem Fieber, Blutarmut, starker Abmagerung und manchmal gar zum raschen Tod führen. Oft entwickeln die Pferde jedoch kaum Symptome – sie bleiben aktiv, fressen gut, aber verlieren ohne ersichtlichen Grund Gewicht. Die Krankheit wird mechanisch von Bremsen, Fliegen oder Mücken übertragen. Da sich die Insekten nur schwer bekämpfen lassen, ist auch die Krankheit nicht leicht in den Griff zu kriegen. Im Seuchenfall müssen deshalb betroffene Tiere rasch getötet werden, um eine Ausbreitung zu verhindern.

Die EIA kann die Schweiz jederzeit treffen. Tierhaltende und Tierärzte sollen deshalb wachsam sein, auf Symptome achten und es ist empfohlen, bei Importen je nach Herkunftsland die Tiere vor dem Import testen zu lassen. Für Menschen ist die EIA nicht gefährlich.

Weitere Information zur Equiner Infektiöser Anämie (EIA) finden Sie hier.

Ferkel werden ab sofort schonend kastriert

Seit dem 1. Januar 2010 dürfen Ferkel in der Schweiz nur noch nach Schmerzausschaltung kastriert werden – ein wichtiger Schritt für die tierschonende Schweineproduktion in der Schweiz. Dafür engagiert hat sich der Verband der Schweineproduzenten Suisseporcs und an vorderster Front sein Präsident Peter Hofer.

Herr Hofer, wie kastrieren Sie Ihre Ferkel? Was sind Ihre Erfahrungen?

Ich arbeite in einer Tierhaltergemeinschaft zusammen mit einem Partnerbetrieb. Die Ferkel werden auf dem Partnerbetrieb mit einem Inhalationsnarkosegerät kastriert. Eigene Erfahrungen habe ich nicht.

Was musste in den vergangenen Monaten geschehen, damit die Umsetzung klappt?

Da der Markt mit ganz wenigen Ausnahmen chirurgisch kastrierte Tiere verlangt, haben mehr als 2500 Produzenten Ausbildungskurse besucht, damit sie die Kastration mit einem Inhalationsnarkosegerät selbst durchführen können. Ein kleinerer Teil der Produzenten wird die Kastration durch den Tierarzt machen lassen. Die Inhalationsgeräte mussten bestellt werden und die Produzenten hatten bei Proviande einen Antrag zur finanziellen Unterstützung einzureichen. Außerdem hat die Branche einen Starthilfefonds errichtet, der von den Produzenten, von den Abnehmern und vom Schweinehandel bezahlt wird. Die Proviande macht die Fondsverwaltung im Auftrag der Branche.

Wie weit ist die Branche nun mit der Umsetzung?

Beim Kastrationsfonds haben etwa ein Drittel der Antragsteller mitgeteilt, dass sie das Tierarzt-Modell anwenden werden. Ich glaube, dass noch etliche Betriebe bis Ende März auf die Inhalationsnarkose wechseln. Die Geräte für die Inhalationsnarkose sind auf Grund der dreimonatigen Lieferfrist und auch auf Grund von verspäteter Bestellung noch nicht auf allen Betrieben in Betrieb genommen. Diese Betriebe müssen, bis es soweit ist, mit dem Tierarzt die Injektionsnarkose anwenden. Der Kastrationsfonds ist gut auf Kurs. Die an die schlachtenden Betriebe in Rechnung gestellten Beträge werden in den allermeisten Fällen korrekt einbezahlt. Die Angaben der etwa 2500 Anträge von Züchtern werden zurzeit mit den AGIS-Daten des Bundes abgeglichen und anschliessend werden die Modellrechnungen für die Entschädigung pro durchschnittlichen Abferkelplatz gemacht. Zucht-Mastbetriebe werden speziell analysiert. Ab Ende erstes Quartal werden dann die Auszahlungen gestartet.

Haben Sie Rückmeldungen von Schweineproduzenten?

Wir haben an der „Suisse Tier“ ein Forum über die Erfahrungen bei der Umsetzung durchgeführt. Drei Produzenten haben über ihre praktischen Erfahrungen mit den Geräten und der Methode berichtet. Die Schmerzausschaltung der Ferkel sei sehr gut. Da die Ferkel schlafen, sei es wesentlich ruhiger im Stall und die Arbeit angenehmer. Der Zeitaufwand steige jedoch merklich und auch der Aufwand für den Geräteunterhalt sei nicht zu unterschätzen. Der finanzielle Aufwand für die Geräteanschaffung wird durch den Beitrag aus dem Umsetzungsfonds stark reduziert. Die Rückmeldung von weiteren Produzenten zeigt ein ähnliches Bild.

Wie begleitet Suisseporcs die Umsetzung?

Die Fäden für die Umsetzung laufen beim Schweinegesundheitsdienst SGD zusammen. Er ist mit seinen Beratungsbesuchen sehr häufig auf den Zuchtbetrieben und wird in den nächsten Monaten spezielle Hilfestellung bei allfälligen Problemen oder Fragen bei der Kastration anbieten. Der SGD wird in Zusammenarbeit mit den Tierärzten ein Monitoring durchführen und regelmässig über Verbesserungsmöglichkeiten informieren. Für die Arbeitsplatzsicherheit arbeiten wir mit der SUVA/agriss zusammen. Sollte ein Betrieb das Gefühl haben, die Belastung durch Isofluran sei zu hoch, kann er kostenlos Messungen durch die Spezialisten durchführen lassen.

Wie sehen Sie die Zukunft?

Die chirurgische Kastration wird wohl noch während Jahren praktiziert. Mit der Inhalationsnarkose mit Isofluran und der zusätzlichen Anwendung eines Schmerzmittels hat die Schweiz europaweit die beste Schmerzausschaltung. Die Schweiz wird sich den Entwicklungen in den europäischen Märkten nicht entziehen können. Dort kommen bereits heute Impulse vom Markt für einen Verzicht auf die chirurgische Kastration. Die mengenmäßige Bedeutung ist jedoch noch klein. Auch in der Schweiz muss der Markt diese Impulse setzen. Wann das sein wird, kann niemand zuverlässig voraussagen. Ein gesetzliches Verbot der Kastration von Ferkeln lehnen wir ab. Sonst müsste die Kastration generell - auch für Haustiere - verboten werden.

Weitere Informationen zur Ferkelkastration

Landwirtschaftliche Organisationen stehen für hohe Impfrate ein

Zum Schutz vor der Blauzungenkrankheit braucht die Schweiz auch 2010 eine hohe Impfrate. Landwirtschaftliche Organisationen, die Tierärzteschaft und die Veterinärbehörden empfehlen Tierhaltenden, ihre Tiere durch eine Impfung vor Ansteckung zu schützen.

Der Schweizerische Bauernverband empfiehlt den Landwirten, ihre Tiere gegen die Blauzungenkrankheit zu impfen. Die Impfung schützt die Tiere wirkungsvoll vor der Krankheit und hilft wirtschaftliche Schäden auf den Betrieben zu verhindern. Gesunde Tiere sind die Voraussetzung für eine glaubwürdige und erfolgreiche Landwirtschaft. Schützen Sie daher die Tiere mit der Impfung und helfen Sie mit, die Blauzungenkrankheit in der Schweiz zurückzudrängen!
Hansjörg Walter, Präsident Schweizerischer Bauernverband

 

Die Impfkampagne gegen die Blauzungenkrankheit bedeutet für die Tierärztinnen und Tierärzte in der Schweiz einen beträchtlichen Zusatzaufwand. Sie leisten diesen Einsatz gerne und aus Überzeugung. Der Vergleich mit der Situation in anderen Ländern Europas beweist es eindrücklich: Dank der Impfung werden unsere Tierbestände umfassend geschützt, und die Landwirtschaft wird vor enormen Schäden bewahrt. Der Einsatz lohnt sich für alle.
Charles Trolliet, Präsident der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte

 


Wer seine Tiere impft, hilft mit, damit nicht nur seine, sondern die Viehbestände der ganzen Schweiz geschützt werden.
Markus Zemp, Präsident Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter

Die Blauzungenbekämpfung ist im letzten Jahr erfolgreich verlaufen. Auch im 2010 ist das Impfen gegen die Blauzungenkrankheit obligatorisch; Ausnahmen ohne besondere Begründung sind aber möglich. Es ist für unsere Tierbestände zwingend, dass wir einen hohen Impfschutz garantieren, denn nur so können wir die Gesundheit erhalten und Leiden und Ausfälle verhindern. Damit leisten wir einen gemeinsamen Grundbeitrag für ein gesundes Viehwirtschaftsjahr, welcher die Tierzucht Schweiz stärkt.
Andreas Aebi, Präsident swiss herdbook

 

Die Blauzungenkrankheit konnte 2008 und 2009 mit den Impfungen in der Schweiz erfolgreich zurückgedrängt werden. Doch wir müssen auch für die Zukunft gerüstet sein. Unser Land ist seit mehr als einem Jahr starken ökonomischen Turbulenzen ausgesetzt, die auch die Landwirtschaft betroffen haben. Die Konsumenten erwarten auch weiterhin eine inländische Produktion von gesundem Lammfleisch. Wir Schafhalter wollen das Risiko eines Ausbruchs der Blauzungenkrankheit mit all den Folgen nicht tragen und empfehlen deshalb, unsere Schafe auch im 2010 mit der Impfung zu schützen.
German Schmutz, Präsident Schweizerischer Schafzuchtverband

„Q-Fieber nimmt wegen wachsender Ziegenpopulation zu“

Das Q-Fieber, auch Coxiellose genannt, hat sich in den Niederlanden markant ausgebreitet. Bei Schafen und Ziegen wurden nun strenge Massnahmen erlassen. Peter Braam, Programmverantwortlicher Tiergesundheit und Tierseuchen-Eradikation vom niederländischen Ministerium für Landwirtschaft, Natur und Lebensmittelqualität, erklärt die Hintergründe.

braam

Wie verbreitet ist das Q-Fieber mittlerweile in den Niederlanden?

Mit Stand vom 18. Dezember 2009 sind 60 Farmen betroffen. Beim Menschen sind bis 16. Dezember 2161 Fälle den Dutch Health Services gemeldet worden. 2007 waren es 193 und 2008 973.

Was hat zum Anstieg geführt?

Wir vermuten, dass grosse Ziegen-Milchbetriebe der Ursprung der menschlichen Epidemie sind. Die Ziegenpopulation stieg von 10.000 Tieren in den 90er Jahren auf heute 360.000 Tiere. Abortwellen auf Betrieben führten zur Verbreitung von Milliarden von Bakterien. Diese sind sehr stabil. Über Mist und Gülle kann die Umwelt kontaminiert werden, vor allem während der Ablamm-Saison, im trockenen Klima im Frühling und bei Wind. Nur wenige Dutzend Bakterien können einen Menschen krank machen!

Wie wurde der Anstieg bemerkt?

Man bemerkte 2007 zuerst die menschliche Epidemie. Die Fallzahlen waren erstaunlich, erkrankten vorher in den Niederlanden doch nur wenige Menschen pro Jahr an Q-Fieber. Im 2007 begann deshalb eine enge Zusammenarbeit zwischen den Veterinär- und Gesundheitsbehörden und der Landwirtschaft. Für Landwirte, Tierärzte und Laborpersonal wurde Q-Fieber 2008 meldepflichtig. Auch ungewöhnlich hohe Abortraten bei Nutztieren müssen seither gemeldet und untersucht werden. Zudem müssen Hygienemassnahmen beachtet werden und in einer Region im Südosten gilt eine Impfpflicht. Weiter haben wir die Forschung intensiviert, da immer noch viele Fragen offen sind, und eine aktive Überwachung installiert. Zur Zeit werden alle Ziegen- und Schaf-Milchbetriebe alle zwei Wochen per Tankmilchproben untersucht.

Mittlerweile wurden weitergehende Massnahmen wie das Keulen trächtiger Ziegen und Schafe beschlossen. Weshalb?

Die Impfungen bleiben die wichtigste Massnahme. Leider haben wir nicht genügend Impfdosen und es gibt Unsicherheiten, wie wirksam der Impfstoff bei bereits betroffenen trächtigen Tieren ist. Wir mussten deshalb dringend vor der Ablamm-Saison 2010 weitere Massnahmen treffen, um eine neue Epidemie beim Menschen zu verhindern. So müssen alle trächtigen Tiere auf betroffenen Ziegen- und Schafbeständen gekeult werden, der Tierverkehr ist national eingeschränkt, das Impfprogramm wird ausgeweitet und bis 1. Juli 2010 dürfen Schafe und Ziegen nicht befruchtet werden.

Wie haben die Landwirte darauf reagiert?

Den Landwirten ist das Problem klar. Sie haben 2007 und 2008 hart gearbeitet, um die Massnahmen umzusetzen. Das Keulen von Tieren, vor allem wenn sie soeben geimpft wurden, trifft Landwirte hart. Aus wissenschaftlichen und zeitlichen Gründen können wir nicht zwischen betroffenen und nicht betroffenen Tieren unterschieden – ist der Betrieb betroffen, müssen alle trächtigen Schafe und Ziegen gekeult werden. Dabei werden Landwirte nur für den Wert der Tiere entschädigt, jedoch nicht für alle Folgeschäden.

Ist das Q-Fieber in der breiten Bevölkerung ein Thema?

Das Keulen von Tieren löst immer starke Reaktionen aus. Seit den Ausbrüchen der Maul- und Klauenseuche vor einigen Jahren setzen wir uns deshalb EU-weit für eine Änderung der Tierseuchenbekämpfung ein - mit dem Ziel, dass im Grundsatz kein gesundes Tier mehr ausgemerzt werden muss. Dabei gewinnt die Impfung an Bedeutung. Leider führt das Q-Fieber auch zu vielen Erkrankungen beim Menschen und Betroffene müssen früh mit Antibiotika behandelt werden, um chronische Erkrankungen zu vermeiden. Zudem hatte das Q-Fieber in einigen Regionen grosse Auswirkungen. In der jetzigen Situation wird deshalb anerkannt, dass die Massnahmen, auch das Keulen, zum Schutz der Menschen nötig sind.

Weitere Informationen zum Q-Fieber

Q-Fieber wütet in den Niederlanden

In den Niederlanden wütet das Q-Fieber, auch Coxiellose, genannt. Die Fallzahlen nehmen seit zwei Jahren ständig zu. Viele Betriebe mit Schafen, Ziegen und Rindern sind betroffen und über 2000 Menschen haben sich angesteckt. Um weitere Ansteckungen des Menschen möglichst einzudämmen, sollen nun mehrere Tausend trächtige Schafe und Ziegen getötet werden. Seit Anfang 2009 werden zudem Schafe und Ziegen gegen die Coxiellose geimpft. Die Frage drängt sich auf: Wäre solches auch in der Schweiz möglich?

Auch in der Schweiz werden jedes Jahr einige Dutzend Fälle von Coxiellose bei Rindern, Schafen und Ziegen entdeckt. Die Fallzahlen sind seit Jahren ähnlich. Ein Seuchengeschehen wie in den Niederlanden gibt es in der Schweiz aktuell nicht. Für die Zukunft ausschliessen lässt sich solches jedoch nicht.

Die Fälle in der Schweiz werden meist bei Untersuchungen von gehäuften Aborten entdeckt. Die Abklärungen sind wichtig: Kommt es bei Rindern, Schafen oder Ziegen zu gehäuften Aborten, müssen diese dem kantonalen Veterinäramt gemeldet und untersucht werden, unter anderem auf Coxiellose. Dies ist zum einen so vorgeschrieben. Die Abortuntersuchungen sind jedoch auch der beste Schutz für den Betrieb und den Tierhalter. Eine Bekämpfung der Coxiellose ist nicht generell vorgeschrieben. Massnahmen sind jedoch in Betrieben sinnvoll, die schwer betroffen sind.

Weitere Informationen zum Q-Fieber

Trotz Importen keine Verschleppung in Schweiz: Fall von Infektiöser Anämie (EIA) bei einem Pferd in Deutschland

Ende November haben die kantonalen Veterinärämter Zürich und Thurgau schlechte Nachrichten aus Deutschland erhalten: ein Fall von Equiner Infektiöser Anämie (EIA), auch ansteckende Blutarmut der Einhufer genannt, wurde in einem deutschen Pferdebetrieb entdeckt. Abklärungen der lokalen Veterinärbehörden haben ergeben, dass zuvor 5 Pferde daraus in die Schweiz exportiert worden sind. Ein Kontakt zum kranken Tier schien unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Die kantonalen Veterinärämter ordneten deshalb umgehend eine Untersuchung der importierten Pferde an.

Die Schweiz ist frei von EIA. Weltweit ist die Krankheit jedoch verbreitet. Sie kommt in Osteuropa häufig vor und auch unsere Nachbarländer melden immer wieder einzelne Fälle. Die Viruskrankheit kann bei betroffenen Tieren zu hohem Fieber, Blutarmut, starker Abmagerung und manchmal gar zum raschen Tod führen. Oft entwickeln die Pferde jedoch kaum Symptome – sie bleiben aktiv, fressen gut, aber verlieren ohne ersichtlichen Grund Gewicht. Die Krankheit wird mechanisch von Bremsen, Fliegen oder Mücken übertragen. Da sich die Insekten nur schwer bekämpfen lassen, ist auch die Krankheit nicht leicht in den Griff zu kriegen. Im Seuchenfall müssen deshalb betroffene Tiere rasch getötet werden, um eine Ausbreitung zu verhindern.

Wie rasch die Ausbreitung passieren könnte, haben die kantonalen Veterinärämter Thurgau und Zürich erfahren. Die 5 Pferde sind in vier verschiedene Betriebe importiert worden. Es zeigt sich klar: Innerhalb weniger Tage könnte sich eine Krankheit über wenige importierte Tiere in mehrere Kantone ausbreiten.

Die Geschichte endet aller Voraussicht nach gut: keines der importierten Tiere wurde bisher im Labor positiv auf EIA getestet. Die Tests werden Anfang Januar zur Sicherheit wiederholt, um abzuklären, ob Tiere in der Inkubationsphase waren.
Die EIA kann die Schweiz künftig jederzeit treffen. Tierhaltende sollen deshalb wachsam sein, auf Symptome achten und bei Importen je nach Herkunftsland die Tiere vor dem Import testen lassen. Für Menschen ist die EIA nicht gefährlich.

Weitere Information zur Equiner Infektiöser Anämie (EIA)

MRSA bei Schweinen : grosse Unterschiede innerhalb Europas

MRSA kommen in europäischen Schweinebetrieben relativ häufig vor – mit grossen Unterschieden von Land zu Land. Dies zeigt eine im 2008 durchgeführte und kürzlich veröffentlichte Studie der Europäischen Union, welche erstmals das Vorkommen der Methicillin-resistenten Staphylokokken, kurz MRSA, bei Schweinen untersuchte.

 

Beteiligt waren 24 EU-Länder und zwei Nicht-Mitgliedstaaten, darunter die Schweiz. Untersucht wurden Staubproben aus mehr als 4000 Betrieben. Die Resultate: Durchschnittlich 14% der Zuchtbetriebe hatten MRSA, mit Unterschieden von Land zu Land von 0 bis 46%. Bei den Mastbetrieben lag der Durchschnitt bei 27%, mit Schwankungen von 0 bis 51%. Wie erwartet machte der Stamm ST398 90% der positiven Proben aus. In einigen Ländern wie Deutschland und Spanien tritt MRSA häufig auf. Die Schweiz gehört dagegen zu den Ländern mit sehr tiefem Vorkommen – bisher sind nur wenige isolierte Fällen nachgewiesen worden.

Die Studie gibt einen guten Überblick über das Vorkommen der MRSA in Europa. Viele Fragen bleiben jedoch offen: Weshalb sind die Unterschiede von Land zu Land so gross? Welches sind die Risikofaktoren? Wie kann die Verbreitung der MRSA bekämpft werden?

Was sind MRSA?
MRSA sind Staphylokokken, die resistent sind gegenüber einer Gruppe von Antibiotika, den Beta-Lactam-Antibiotika. Dazu gehören Methicillin genauso wie die häufig in der Humanmedizin eingesetzten Antibiotika Penicillin oder die Cephalosporine. Die MRSA führen vorab in Spitälern zu Problemen, wo häufig Kontakte zwischen kranken Personen und dem Pflegepersonal stattfinden. Für Konsumierende stellen MRSA dagegen kaum ein Risiko dar. Eine Übertragung ist nur beim Konsum von rohem Fleisch und von Rohmilch möglich – das Kochen bzw. Pasteurisieren tötet die Keime zuverlässig.
Staphylokokken machen Menschen im Normalfall nicht krank. Das gilt auch für Staphylokokken mit einer Methicillin-Resistenz, die so genannten MRSA. Bei immungeschwächten Personen oder bei Personen mit offenen Wunden, etwa nach Operationen, können Staphylokokken jedoch schwerwiegende Probleme verursachen. Patienten mit MRSA-Infektionen müssen mit einem anderen Antibiotika behandelt werden. Da MRSA jedoch prinzipiell auch gegen andere Antibiotika resistent werden können, wird eine Behandlung zunehmend schwieriger oder gar unmöglich. Die bei Schweinen entdeckten MRSA stellen ein gewisses Risiko für Züchter, Tierärzte und ihre Familien dar. Eine Überwachung ist auch deshalb wichtig.

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