Bundesamt für Veterinärwesen BVET

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Zusammenarbeit der schweizerischen und mongolischen Veterinärdienste

Erste Reise nach Ulaanbaatar – 1. bis 10. Oktober 2012

Von Susan Stierlin BVET

Im Rahmen des AHP-Projekts (Animal Health Project) bin ich zum ersten Mal in meinem Leben in die Mongolei gereist.

Doch gehen wir etwas weiter zurück.

Das Projekt der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen dem schweizerischen und dem mongolischen Veterinärdienst wurde im April 2012 gestartet und bereits im Mai war eine Delegation aus der Mongolei bei uns in der Schweiz zu Besuch. Ziel des Besuches war für sie, einen Einblick in die Funktionsweise unseres Veterinärdienstes (auf eidgenössischer und kantonaler Ebene) und in die Organisation unserer Tiergesundheitsstrategie zu erhalten. Für mich stellte dieser erste Kontakt eine Gelegenheit dar, meine Partner und ihren Veterinär- und Zuchtdienst kennenzulernen.

Das AHP besteht aus mehreren Teilbereichen. In dem Bereich, der das BVET betrifft, geht es um die Erarbeitung von mongolischen veterinärrechtlichen Bestimmungen, die den Empfehlungen der OIE entsprechen.

Im Anschluss an den Besuch in der Schweiz wurde der Aktionsplan für das Ende des Jahres 2012 erstellt. Es wurde beschlossen, in der Mongolei einen Workshop zur Gesetzgebung zu organisieren. Um die Reiseaufwände für die Personen dieses riesigen Landes möglichst gering zu halten, konnte der Workshop mit einem anderen Workshop zur Strategie zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche verbunden werden. Die zwei Workshops fanden in der ersten Oktoberwoche statt. Meine Reise dauerte vom 1. bis am 10. Oktober.

Die Idee war, möglichst viele verschiedene Partner zusammenzubringen, die von der Einführung und Umsetzung des Veterinärrechts betroffen sind. Im Workshop sollten die Ideen, Vorschläge und Empfehlungen von sämtlichen Teilnehmenden gesammelt werden, ungeachtet davon, ob diese aus einem Ministerium oder einer Provinz kommen, aus der Hauptstadt oder vom Land, ob sie jung oder weniger jung, männlich oder weiblich sind.

Es wurde in Gruppen gearbeitet und die vorgegebenen Themen wurden engagiert und in einer offenen und durch freie Meinungsäusserung geprägten Atmosphäre diskutiert. Jede Gruppe stellte anschliessend die Ergebnisse der Diskussion vor. Diese wurden protokolliert und sind momentan Gegenstand von redaktionellen Arbeiten zur Gesetzgebung, die unter der strengen Aufsicht einer mongolischen Anwältin ausgeführt werden.

Die Personen, die ich in den paar Tagen getroffen habe, sind alle sehr interessiert an der Entwicklung ihres Landes und hoch motiviert.

Jurten in der Umgebung von Ulaanbataar 

Was die Hauptstadt anbelangt, so ist Ulaanbaatar eine Stadt, die sehr rasch gewachsen ist und weiterhin wächst. Sie hat mich in verschiedener Hinsicht überrascht. Neben sehr modernen und zum Teil architektonisch wirklich schönen Gebäuden finden sich heruntergekommene Häuser und Jurten, wo die Lebensbedingungen in starkem Kontrast zu jenen in den neuen Wohnungen stehen. Alles ist riesig: die Bauten, die Plätze, die Parks – alles in XL-Ausführung. Die Stadt scheint ganz plötzlich zu enden, um der Natur Platz zu machen. Der Übergang ist sehr abrupt. Der Himmel ist strahlend blau und die Stadt erstickt zu bestimmten Zeiten unter dem Smog.

Letztlich war der erste Abstecher in diese Ecke der Welt, in eine Umgebung aus motivierten Menschen, eine völlig andere Kultur und in ein erfolgreich voranschreitendes Projekt, gleichwohl eine schöne Erfahrung.

Die Workshops nahmen in lebhaften Gruppendiskussionen Gestalt an.

Im Gespräch mit Bruno Mainini (BVET), Vorsitzender der Jahreskonferenz Internationalen Walfangkommission IWC 2012

Sie sind im Jahr 2012 ad interim Vorsitzender der Jahreskonferenz des IWC. Wie sieht Ihre Bilanz dieser alljährlichen Versammlung aus?

Die Bilanz ist aus Schweizer Sicht ist sicher positiv. Im Gegensatz zu den vergangenen vier Jahren wurden einige wichtige Entscheidungen getroffen. So werden z.B. zukünftig die Konferenzen nicht mehr jährlich, sondern nur noch alle zwei Jahre stattfinden. Dieser Wechsel soll nicht nur die Kosten senken und vor allem auch die Effizienz steigern. Weiter wurden die Quoten für die Indigenen Völker in Alaska, Sibirien, im kleinen Karibikstaat St. Vincent und auf den Grenadinen für die nächsten sechs Jahre festgelegt. Dass es nicht gelang, eine Quote für Grönland festzulegen, trübt die insgesamt positive Bilanz ein bisschen.

Wie erklären Sie sich, dass die Schweiz, ein Land ohne Meeranstoss, damit beauftragt wurde, in diesem Jahr die Diskussionen zu leiten?

Natürlich liegt die Vermutung nahe, die Schweiz sei angefragt worden, weil sie als Binnenland keine direkten Interessen im Zusammenhang mit dem Walfang habe. Die Schweiz zeigt aber seit Jahren durch ihre aktive, lösungsorientierte Teilnahme, dass sie auch bei diesem Thema eine Mitverantwortung trägt und diese auch wahrnehmen will. Sie geniesst dadurch eine grosse Glaubwürdigkeit. Zusätzlich ist es bis zu einem gewissen Punkt immer auch eine Personenwahl. Hier kam mir entgegen, dass ich schon seit einigen Jahren die Position der Schweiz vertreten darf und den meisten Teilnehmern bekannt bin, was bei Gesprächen natürlich von Vorteil ist.


Bruno Mainini (links) mit Simon Brockington, Sekretär IWC

Was konnten Sie als Vorsitzender bewirken?

Der Vorsitzende hat hauptsächlich dafür zu sorgen. dass die verschiedenen Themen sachlich diskutiert werden können. Weiter soll die Öffentlichkeit in der Gestalt von NGO’s, Beobachtern und Journalisten an der Diskussion teilnehmen können. Schliesslich geht es darum, die Geschäfte, notfalls auch mittels Abstimmungen zu einem Abschluss zu bringen. Nur wenn Entscheide vorliegen, ist auch klar, ob und in welcher Richtung weitergearbeitet werden muss.

Wie beurteilen Sie aus der Sicht des Vorsitzenden die Arbeit und vor allem die Bedeutung der verschiedenen Nichtregierungsorganisationen (NGO)?

Ich glaube, die Arbeit der NGO’s ist sehr wichtig. In vielen Ländern oder Regionen fehlen oft die Mittel, manchmal auch der Wille, die Natur besser zu schützen. Den NGO’s kommt dabei eine wichtig Rolle zu, da sie auf solche Versäumnisse aufmerksam machen können und sich nicht selten auch finanziell an der Lösung von Problemen beteiligen. Die NGO’s leisten diese wichtige Arbeit aber nicht an den Konferenzen. Die an einer Konferenz zu verhandelnden Themen werden schon im Vorfeld auf nationaler Ebene vorbesprochen . Während der Konferenz erfolgt nur noch die „Feinarbeit“. Diese findet oft in kleineren Arbeitsgruppen statt, ohne Beteiligung der NGO’s. Ihr Einfluss während der Konferenz ist daher oft sehr klein.
Die Teilnahme bietet den NGO’s aber die Möglichkeit, auf die im Verlaufe eines Jahres geleistete Arbeit aufmerksam zu machen und so möglicherweise zukünftige Beschlüsse zu beeinflussen. Spricht man von NGO’s, so setzt sich der Grossteil von ihnen für den Schutz der Wale und Delfine ein.  Es darf aber nicht vergessen werden, dass es auch Organisationen gibt, die sich für die Nutzung einsetzen. Wenn ich davon spreche, dass NGO’s eine wichtige Rolle spielen, gilt dies natürlich für alle. Denn auch die an der Nutzung interessierten Organisationen vertreten Interessen, die es zu respektieren gilt.

Jährlich sterben 100’00 bis 300'000 Walartige an Nebenwirkungen von Aktivitäten des Menschen : Beifang bei intensiver Fischerei, Umweltverschmutzung, Kollisionen mit Schiffen. Auf das Konto des umstrittenen wissenschaftlichen Walfangs und der Jagd durch indigene Völker gehen weniger als 2‘000 getötete Wale. Kümmert sich die IWC auch um die „wirklichen“ Probleme?

Gemäss dem Übereinkommen kann die Kommission nicht über den wissenschaftlichen Walfang bestimmen. Das gleiche gilt, wenn ein Land einen Vorbehalt gegen einen Beschluss eingebracht hat wie dies beim kommerziellen Walfang für Island und Norwegen der Fall ist. Von den in den letzten Jahren durchschnittlich 2‘000 erlegten Grosswalen hat die IWC faktisch nur über das Schicksal von rund 400 Walen/Jahr die tatsächliche Entscheidungsgewalt.
Die IWC hat aber in den letzten Jahren viele Forschungsarbeiten zu Themen wie Verschmutzung, Beifang, Schiffskollisionen usw. durch das Wissenschaftliche Komitee ausführen lassen. Diese Ergebnisse sind von zentraler Bedeutung für den besseren Schutz vieler Walarten, zu denen natürlich auch alle Delfine gehören An der Konferenz informieren einzelne Mitgliedsstaaten über national ergriffene Schutzmassnahmen, die dann von anderen Staaten übernommen werden können.
Trotz diesen Bemühungen bleibt das Hauptproblem der Beifang und somit eine Frage die primär in den Organisationen besprochen werden muss, welche sich mit Fischerei beschäftigen.

Veterinärdienst - BVET im „Twinning“ mit der Mongolei

Die Mongolei ist 37 Mal so gross wie die Schweiz, hat aber nur einen Drittel der Schweizer Einwohner. Dafür leben auf den schier endlosen Weidelandschaften rund 30 bis 40 Millionen Nutztiere: Schafe, Ziegen, Rinder, Pferde aber auch Kamele und Yaks. Viehzucht hat hier eine grosse Tradition und ist nach wie vor die Lebensgrundlage von rund einem Viertel der Bevölkerung. Überweidung und eine beeinträchtigte Gesundheit der Herden gefährden diese Lebensgrundlage.

Eine Voraussetzung für eine bessere Zukunft ist ein modern konzipierter und funktionierender Veterinärdienst. Im Rahmen des „Animal Health Projects (AHP)“ (2012 – 2015), welches mehrheitlich von der Schweiz finanziert wird, arbeitet das BVET eng mit den mongolischen Veterinärbehörden zusammen, um den mongolischen Veterinärdienst auf nationaler, regionaler und lokaler Stufe zu stärken. Anfang Juni 2012 weilte eine mongolische Delegation am BVET, um die Umsetzung des gemeinsam erarbeiteten Projektes zu starten.

Schweizer Veterinärdienst als Modell

„Als Erbe der früheren sozialistischen Staatsform haben wir immer noch stark zentralisierte Strukturen“, unterstreicht Dr. Batsukh Zayat, Oberster staatlicher Veterinär der Mongolei. „Daher interessieren wir uns sehr für das Modell der Schweiz mit ihrer viel stärkeren Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen“.

Ganz im Sinne des „Twinning“, der partnerschaftlichen Zusammenarbeit über die Landes- und Kulturgrenzen hinweg, waren die mongolischen Fachleute schon sehr früh in die konzeptionellen Vorarbeiten miteinbezogen. Das sei ein sehr positiver Unterschied zu früheren Projekten, meint Zayat.

 


Neben der Mitarbeit auf Ebene Behörden stellt das BVET mit der erfahrenen Veterinärin Susan Stierlin auch die Schweizer Projektkoordinatorin, die sowohl in der Schweiz wie auch in Kurzeinsätzen in der Mongolei tätig sein wird. Für sie ist es aus mehreren Gründen interessant, bei diesem Projekt mitzuarbeiten: „Das Projekt hat klar definierte Ziele. Es ist praxisbezogen und wird dazu beitragen, den Alltag der Bevölkerung und insbesondere der Viehzüchter zu verbessern. Die Mongolei ist ein Land mit starken Traditionen. Gleichzeitig sollen Projekte wie das AHP dazu führen, internationale Normen zu erfüllen. Die Beteiligten sind sehr motiviert und suchen die Zusammenarbeit. Gemeinsame Erfahrungen werden alle bereichern“.

Weitere Ziele

Die verbesserten Strukturen des Veterinärwesens sind das eine Ziel. Messbare positive Auswirkungen dieser Verbesserungen sind ein zweites Ziel. So soll die Bekämpfung der Brucellose, welche Tier und Mensch bedroht und in der Mongolei ein gewichtiges Problem ist, spürbar effizienter werden. Oder für die westlichen Teile des Landes wird ein international anerkannter Status „frei von Maul- und Klauenseuche MKS“ angestrebt. MKS-Freiheit ist eine Voraussetzung, um Fleisch international vermarkten zu können und so die Wertschöpfung der Nutztierhaltung zu verbessern. Die Mongolei möchte hochwertiges Bio-Fleisch vorerst nach Asien (Korea, Japan), in den Mittleren Osten und später auch nach Europa exportieren.

Ein drittes Ziel des AHP ist die Optimierung der Aus- und Weiterbildung von mongolischen Veterinärfachleuten, sei es durch Unterstützung von Lehrpersonen vor Ort, durch Workshops oder Studienreisen in die Schweiz. Umgekehrt wäre es für Schweizer Studierende oder Praktizierende sicher wertvoll und horizonterweiternd, mal das Veterinärwesen der Mongolei und Krankheiten, die es bei uns kaum mehr zu beobachten gibt, persönlich kennenzulernen. Das ist im AHP zwar nicht vorgesehen. Aber mit den gewachsenen Kontakten wäre das wohl recht einfach zu organisieren.

Das AHP ist eine eher neue, mittel- bis langfristig angelegte Form der Zusammenarbeit. Die konkrete Umsetzung hat Anfang Juni 2012 begonnen. Man darf auf die Resultate gespannt sein.

Achtung Tier - Was sagt das Gesetz?

Die Warnung "Achtung Tier" kann unterschiedlich verstanden werden und soll es auch. Es kann die gebotene Vorsicht im Umgang mit Tieren aller Arten gemeint sein, aber auch der Respekt gegenüber dem Tier. Je nachdem ob man „Achtung Hund“ oder „Achtung Rindvieh“ sagt, wird es um andere Fragen gehen. Spannend sie allemal und allesamt.

Achtung Tier! Das BVET startet dazu eine Serie von Gastkommentaren. Was assoziiert der neue Tierschutzprofessor Hanno Würbel mit dieser Warnung, was Bauernverbandspräsident Hansjörg Walter und welche Gedanken machen sich Eva Waiblinger vom Schweizer Tierschutz STS und Olivier Pagan vom Zoo Basel?

Den Anfang macht Heinrich Binder, Leiter Tierschutz im BVET. Sein Beitrag auf tiererichtighalten.ch ist der rechtlichen Stellung des Tieres gewidmet. Der gesellschaftliche Wandel in unserem Verhältnis zu Tieren spiegelt sich in der geltenden Gesetzgebung. War das Tier früher "eine Sache", wird ihm heute ein Eigenwert zugestanden.

Achtung Tier!

Die Menschen in der Schweiz lieben Tiere. Davon zeugen die Zahlen zur Heimtierstatistik – in jedem dritten Haushalt miaut es, wird gebellt und gezwitschert, wobei die Katzen mit 1.3 Millionen und die Hunde mit einer halben Million zu den beliebtesten Vierbeinern gehören. Beobachten lässt sich des Schweizers Liebe zum Tier tagtäglich und sie zeigt sich auch am Portemonnaie: Jährlich werden mehr als 800 Millionen Franken ausgegeben -  alleine für Futter und Zubehör der tierischen Freunde.

Unser Umgang mit Tieren ist aber auch von allzu Menschlichem geprägt und von falsch verstandener Tierliebe. Es gilt, unser Verhältnis zu Nagern, Vögeln und Säugetieren aller Art denn auch ehrlich zu hinterfragen: Haben wir genügend Achtung für das Tier und genügend Respekt vor dem Tier? Respektieren wir seine Eigenart als TIER und nehmen wir es als das wahr, was es ist? Ein Lebewesen nämlich, das spezifische Bedürfnisse hat, denen es Rechnung zu tragen gilt. Sind wir uns bewusst, dass der Hund vor unserem Sofa ein Abkömmling des Wolfes ist und die Schlange in unserem Terrarium ein Wildtier? Und vor allem: Sind wir uns der Verantwortung bewusst, die mit der Haltung eines Tieres zeitlebens verbunden ist? Das BVET geht diesen Fragen auf den Grund: Achtung Tier!

Diskutieren Sie mit!

Achtung Tier - was kommt Ihnen bei diesem Stichwort in den Sinn? Wo lassen es die Menschen Ihrer Meinung nach mitunter an der Achtung und der nötigen Vorsicht mangeln? Sind Sie eine begeisterte Tierhalterin oder eher ein Skeptiker, der vor übertriebener Tierliebe warnt? Welche Beobachtungen und Erfahrungen haben Sie gemacht? Ihre Meinung interessiert uns. Egal ob konkretes Beispiel aus dem Alltag oder prinzipielle Gedanken zu Moral und Ethik – diskutieren Sie mit!

Forum - Achtung Tier

Chronischer Botulismus - ein umstrittenes Krankheitsbild

Botulismus wird durch einen Giftstoff (Botulinumtoxin) verursacht. Dieser wird von einem Bakterium namens Clostridium botulinum gebildet. Die vom Erreger gebildeten Sporen sind extrem hitzestabil, in Böden können sie viele Jahre überleben. Die „klassische“ Form des Botulismus ist seit Jahrhunderten bekannt - früher als „Wurst- oder Konservenvergiftung“ bezeichnet.

Eine Vergiftung mit Botulinumtoxin tritt in den meisten Fällen nach Einnahme von verdorbenen Lebensmitteln auf, kann jedoch auch eine Folge mangelhafter Wunddesinfektion sein. Das Botulinumtoxin führt zu Muskellähmungen, die nicht selten tödlich ausgehen. Botulinumtoxin ist eines der stärksten bekannten Gifte; weniger als 1 Millionstel Gramm reichen, um einen Menschen mit 70 kg Körpergewicht zu töten.

Das Bakterium Clostridium botulinum kommt überall vor

Der Boden, das Wasser, das Gemüse und die Eingeweide von Säugetieren und Vögeln bilden das Reservoir. Gemüse wird direkt durch den Boden kontaminiert. Die Nahrungsmittel tierischer Herkunft werden durch Sporen aus der Umwelt kontaminiert. Clostridium botulinum ist nahezu ubiquitär verbreitet und gelegentlich auch im Magen-Darmtrakt völlig gesunder Rinder nachzuweisen. Dennoch kommt Botulismus relativ selten vor.

Bei Rindern, Schweinen oder Pferden tritt Botulismus seit langem sporadisch auf. Die Vermehrung des Erregers und insbesondere die Bildung von Toxinen ist an bestimmte Milieubedingungen (wie Begleitflora, Sauerstoff, Temperatur etc.) gebunden. Wenn z.B. Mäuse oder Katzen im Heu verenden, vermehren sich die Clostridien in den Tierleichen und produzieren die berüchtigten Botulinumtoxine. Das Gift lähmt die motorischen Nerven und damit die Muskulatur. Was mit einer gelähmten Zunge beginnt, kann schliesslich die Atemmuskulatur erfassen und damit tödlich enden. Die Verhütung von Botulismus setzt eine hygienische Futtererzeugung voraus. Wirtschaftsdünger und Silagen dürfen keinerlei Tierkadaver enthalten. Grünlandflächen müssen von innen nach außen gemäht werden, dass evtl. darin befindliche Tiere herausgedrängt werden. Stall, Weide, Tränken und Futterlagerstätten müssen auf das Vorkommen von Tierkadavern überwacht werden. Ratten und Mäuse müssen fachgerecht bekämpft werden (Gift und Fallen). Weiden sollten nicht mit Geflügelmist oder -kot gedüngt werden.

Chronischer Botulismus- eine neue „Seuche“?

Neben dem altbekannten, akut und häufig tödlich verlaufenden Botulismus wird seit einigen Jahren aus Deutschland eine chronisch verlaufende Form der Krankheit bei Rindern beschrieben. Dabei sollen über längere Zeit zunehmend Vergiftungs- und Lähmungserscheinungen auftreten. Es erscheinen regelmässig Pressemeldungen, die von einer rätselhaften oder ignorierten Seuche sprechen. Einigen Berichten zufolge sollen in Norddeutschland Hunderte, ja sogar Tausende von Rinderhaltungen betroffen sein. Und nicht nur die Rinder, sondern auch die Landwirte selbst sollen über Monate an rätselhaften Lähmungen leiden. Es konnte aber bisher nicht geklärt werden, ob es sich überhaupt um ein einheitliches und „neues“ Krankheitsbild handelt, und ob es gegebenenfalls etwas mit Botulismus zu tun haben könnte.

Gefahr im Verzug?

Botulismus ist eine Erkrankung , die durch ein Gift, das „Botulinum-Toxin“, ausgelöst wird. Dieses Gift wird von Bakterien der Spezies Clostridium botulinum gebildet und kann über Nahrungsmittel aufgenommen werden. Bei dem „viszeralen Botulismus“ soll es sich um eine Erkrankung handeln, die durch Besiedlung des Magen-Darmtraktes mit Clostridium botulinum und durch vom Erreger gebildetes Botulinum-Toxin verursacht wird. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch, von Tier zu Tier und von Tier zu Mensch ist anders als bei bakteriellen oder viralen Erkrankungen nicht möglich. Eine Übertragung erfolgt lediglich durch Verzehr derselben Lebensmittel oder Kontakt mit der Kontaminationsquelle. Vergiftungen über konsumtaugliches Frischfleisch sind bislang nicht bekannt.

Was immer an den Medienberichten dran ist – niemand bestreitet, dass die Krankheit im Auge behalten und weiter erforscht werden muss. In der Schweiz sind vergleichbare Krankheitsfälle bei Nutztieren bisher nicht aufgetreten. Das Bundesamt für Veterinärwesen beobachtet die Situation, damit sich die Krankheit nicht unbemerkt einschleichen kann.

Geschichten-Wettbewerb „Ich ♥ Tiere": Die Gewinner/innen

Eine Geschichte über einen jungen Wolf, der in eine Bärenfalle tappt und von einem mitfühlenden Menschen gerettet wird – das ist der Gewinner des neutierig-Geschichten-Wettbewerbs für Kinder. Der 15jährige Moritz Stocker aus Schaffhausen erhält für seine berührende und anrührend geschriebene Geschichte „Das Wolfsjunge“ den 1. Preis. Er kann sich über ein Nachtwandeln im Zoo Zürich für die ganze Familie freuen.

Sie sind spannend, lustig, traurig, überraschend und vielfältig. Die Helden sind Löwen, Tiger, Katzen, Kaninchen, Delphine, Zebras, Eulen, Kühe, Adler und Ameisenbären. Die 70 Geschichten, die wir im Rahmen unseres Wettbewerbs für Kinder „Ich liebe Tiere“ bekommen haben, sind so unterschiedlich, wie die Kinder, die sie geschrieben haben. Der Grossteil der Geschichten hat uns aus der Deutschschweiz erreicht, in der Romandie haben sich 5 Kinder zu einer Geschichte inspirieren lassen. Das Themenspektrum reicht vom Alltag eines ganz normalen Hundes über die Träume von Zootieren bis zu den abenteuerlichen Erlebnissen von Fabelwesen. In vielen Geschichten geht es um Freundschaft und darum, dass man einander hilft. So gehen in einer Geschichte ein Pferd, ein Eichhörnchen und eine Gans zusammen durch dick und dünn. Ein Sujet, das ebenfalls häufig vorkommt, sind Tierkinder und ihre Beziehung zu den Eltern und Geschwistern. Und auffällig viele Tiere haben gerne Glacé – egal ob Löwe oder Känguru.


Es ist der Jury schwer gefallen zu bestimmen, welche Geschichten, die besten sein sollen. Fast jede Geschichte hat in irgendeiner Form überzeugt. Die einen sind besonders phantasievoll oder lustig, anderen merkt man an, wie sehr das Kind Tiere liebt, und nicht wenige beeindrucken durch die Zeichnungen, die die Geschichte illustrieren.

Weitere Preise haben gewonnen:
2. Preis – Streetskate
Maren Sauer
(11jährig) aus Rüschlikon für ihre Geschichte über ein Schwein, das seinen Namen sucht.
3.-5. Preis – Wissen im Doppelpack: «Kinder-Brockhaus Tiere» und «Das grosse Tierquiz»
Ileana Creutz (8jährig) aus Genf für « La petite fille qui rêvait d’un animal »
Leandra Plüss
(12jährig) aus Zürich für «Ausbruch aus dem Zoo»
Janic Sese
(8jährig) aus Zollikofen für « Power Deif »

Herzliche Gratulation den Gewinner/innen und vor allem ein grosses Dankeschön an alle, die mitgemacht haben. Ihr habt Euch grosse Mühe gegeben und tolle Geschichten geschrieben!

Die besten Geschichten gibt es zum Nachlesen auf neutierig.ch – der schlauen Seite für Kinder, die ihre Heimtiere richtig halten. Der Wettbewerb wurde von neutierig.ch in Zusammenarbeit mit Krax, dem Kinder- und Jugendprojekt des Schweizer Tierschutzes STS, ausgeschrieben.

Ein Sommer mit Blüemli – Gesund zurück von der Alp

Blüemli ist zurück von der Alp. Während der Sömmerung wurde weder Blüemli noch ein anderes Rind, das den Alpsommer auf der Vorholzallmend im hinteren Simmental verbracht hat, mit dem Virus der Bovinen Virusdiarrhoe BVD angesteckt. Dies ist ein weiterer Erfolg für die BVD-Bekämpfung, der nun langfristig gesichert werden soll.

Die Blutprobe, die Tierarzt Andreas Künzi nach der Sömmerung bei Blüemli entnimmt, enthält keine Antikörper gegen das BVD-Virus. Das bedeutet, dass Blüemli während der Sömmerung nicht mit dem BVD-Virus in Berührung gekommen ist. Auch die Tiere aus den Betrieben von Andreas Knutti (siehe Blog vom 12. September 2011) und allen anderen Bestössern der Vorholzallmend haben keine Antikörper gebildet und kehren als BVD-freie Tiere in ihre Betriebe zurück. Auch auf vielen anderen Sömmerungsalpen in der Schweiz kam es in diesem Jahr zu keinen weiteren BVD-Ansteckungen.

Blüemli Oktober
Blüemli ist nicht mit der Bovinen Virusdiarrhoe BVD in Berührung gekommen und kehrt wie alle anderen Rinder, die den Sommer auf der Vorholzallmend verbracht haben, gesund von der Alp zurück.

Herr und Frau Gertsch, die Besitzer von Blüemli, Andreas Knutti und alle anderen Schweizer Rindviehhaltenden haben viel zu diesem Erfolg beigetragen. Sie sind wachsam und haben ihre Tiere immer korrekt beprobt. Wurde ein persistent infiziertes Kalb, ein sogenanntes PI-Tier geboren, haben sie dieses umgehend aus dem Bestand entfernt. So konnte es keine anderen Tiere mit dem BVD-Virus anstecken.

Der Erfolg, der dank grosser Anstrengungen seitens der Rindviehhaltenden, der Tierärzteschaft und der Veterinärbehörden verzeichnet werden kann, darf jetzt nicht gefährdet werden. Gerade jetzt ist es besonders wichtig, dass alle Tierhaltenden ihren BVD-freien Rinderbestand vor einer Infektion schützen. Noch vorhandene PI-Tiere dürfen nicht übersehen werden. Der Schaden, der ein PI-Tier in einem BVD-freien Betrieb anrichten würde, wäre gross. Deshalb müssen die neugeborenen Kälber auch im nächsten Jahr beprobt und bei einem positiven Testergebnis schnellstens aus dem Betrieb entfernt werden. Diese letzte Anstrengung aller Beteiligten braucht es, damit die Bekämpfung abgeschlossen werden kann.

Ab 2012 wird die Bekämpfungsphase abgeschlossen und in die Überwachungsphase überführt. Die Überwachung soll langfristig kostengünstiger sein und die Kälbertests ablösen. Um einen sicheren Übergang zu gewährleisten wurde für das Jahr 2012 ein spezielles Überwachungsprogramm beschlossen. Neu werden in Milchviehbetrieben die Tankmilch und in Betrieben, die keine Milch liefern, das Blut weniger junger Rinder auf Antikörper untersucht. Parallel dazu werden die Kälbertests weitergeführt. Wenn die neue Überwachungsmethode ihre Wirksamkeit voll bewiesen hat, müssen die Kälber nicht mehr getestet werden.

Diese doppelte Überwachung neugeborener Kälber mittels Gewebeproben (Kälbertests) und von Rindergruppen mittels Blutproben bzw. von Tankmilch (serologische Untersuchungen) ermöglicht es, auch die letzten Überträgertiere zu finden und das Virus auszurotten. Nur so ist der Erfolg der BVD-Bekämpfung langfristig gesichert. Die Schweizer Rinderpopulation wird gesünder sein und die durch BVD verursachten jährlichen wirtschaftlichen Schäden werden der Vergangenheit angehören.

Weitere Informationen finden Sie auf www.stopbvd.ch

Stereotypien – Hilferuf der Seele

Jeder aufmerksame Zoobesucher hat es schon beobachtet, das auffällige Verhalten einzelner Tiere: der Eisbär, der stundenlang gleichförmig im Kreis geht, die Raubkatze, die pausenlos am Gitter entlang tigert, oder der Elefant, der unermüdlich den Kopf hin und her pendelt. Das sind die bekanntesten Beispiele für Verhaltensstörungen bei Tieren. Solche Stereotypien gibt es aber nicht nur bei Zootieren, es sind die häufigsten Verhaltensstörungen überhaupt. Es sind repetitive Verhaltensmuster ohne erkennbaren Zweck. Beobachtet werden sie bei fast allen Tierarten, die von Menschen gehalten werden. So treten auch bei Hunden und Pferden Stereotypien häufig auf. Das krankhafte Verhalten kann entstehen, wenn es den Tieren an Beschäftigungsmöglichkeiten fehlt.

Der neue Tierschutzprofessor der Vetsuisse Fakultät der Universität Bern, Hanno Würbel, über die Ursachen und Hintergründe von Verhaltensstörungen.

Was sind die Ursachen für Stereotypien? Kann man vereinfacht sagen, dass Verhaltensstörungen die Folge sind von schlechter, d.h. nicht-tiergerechter Haltung?

Stereotypien entstehen, wenn Tiere durch die Haltungsbedingungen chronisch daran gehindert werden, arttypisches Verhalten auszuführen. Das heisst Verhalten, das unter natürlichen Bedingungen wichtig für ihr Überleben und ihren Fortpflanzungserfolg wäre. Bei Kaninchen z.B. ist das der Drang zum Nagen und Graben. Wildkanichen graben sich weitverzweigte Röhrensysteme, in denen sie Zuflucht suchen und auch ihre Jungen gebären und aufziehen. Für solches Verhalten besteht meist eine sehr hohe Motivation, die auch nicht einfach vorübergeht, wenn das Verhalten nicht ausgeführt werden kann. Die Tiere versuchen immer wieder, das entsprechende Verhalten auszuführen, und aus diesen Versuchen entwickeln sich über Zeit die stereotypen Verhaltensmuster. Insofern kann man durchaus sagen, dass Stereotypien eine Folge von schlechter, nicht-tiergerechter Haltung sind. Es gibt allerdings für Stereotypien auch andere Ursachen, zum Beispiel genetische Defekte oder Krankheiten.

Können diese Verhaltensstörungen behandelt werden?

Wir gehen heute davon aus, dass Stereotypien Ausdruck einer fortschreitenden krankhaften Störung bestimmter Hirnfunktionen sind. Eine solche Störung entsteht, wenn die Gehirnentwicklung wegen einer reizarmen Umwelt zu wenig stimuliert wird und wenn die Tiere gestresst sind wegen der chronischen Frustration. Deshalb hängt der Therapieerfolg vom Entwicklungsstadium der Stereotypie ab. In einem frühen Stadium verschwinden Stereotypien meist wieder, wenn die Ursachen behoben werden, das heisst wenn die Tiere in artgerechte Haltungsbedingungen verbracht werden. Je länger Stereotypien jedoch bereits bestehen, desto resistenter werden sie gegenüber einer solchen Therapie. In solchen Fällen kann meist nur noch eine medikamentöse Behandlung helfen, wobei die Tiermedizin hier noch ganz in den Anfängen steckt.

Artgerechte Haltung ist wichtig für das Wohlbefinden der Tiere. Das ist eines der Leitmotive modernen Tierschutzes. Wie lässt sich „das Wohlbefinden“ von Tieren messen?

Messen lässt es sich leider nicht. Wohlbefinden und Leiden sind subjektive Empfindungen, die per Definition nicht objektiv gemessen werden können. Anhand geeigneter, wissenschaftlich erprobter Indikatoren können wir subjektive Zustände bei Tieren jedoch zunehmend plausibel erschliessen. Dabei machen wir Tierschutzforscher es wie die Humanmediziner – nur umgekehrt: Wir benutzen den Menschen als Tiermodell für unsere Tiere. So haben zum Beispiel Untersuchungen an Menschen gezeigt, dass emotionale Stimmungen zu einer verzerrten Wahrnehmung der Umwelt führen, die in entsprechenden Tests objektiv gemessen werden können. Negativ gestimmte Menschen bewerten neutrale Reize oder Ereignisse negativer als positiv gestimmte Menschen – für sie ist ein halbgefülltes Glas nicht halb voll, sondern halb leer. Mittlerweile wurden solche kognitiven Verzerrungen auch an vielen verschiedenen Tierarten – sogar an Bienen – nachgewiesen. Dies ist derzeit einer der vielversprechendsten Ansätze zur Beurteilung des Wohlbefindens von Tieren. Aber auch differenzierte Verhaltensbeobachtungen können zuverlässige Hinweise auf subjektive Empfindungen liefern. So wurde erst kürzlich eine Grimassen-Skala für Mäuse entwickelt, anhand der sich die Stärke post-operativer Schmerzen bewerten lässt.


© 2010 Nature America, Inc.


Wie viel ist Interpretation und wie viel ist Wissen, wenn es um die kognitiven Fähigkeiten von Tieren geht und um ihre Empfindungen?

Kognitive Fähigkeiten – z.B. die Fähigkeit zu lernen, denken und sich zu erinnern -  lassen sich objektiv erfassen. Vorausgesetzt es handelt sich um gut kontrollierte Studien, ist der Interpretationsspielraum gering. Empfindungen dagegen sind wie bereits erwähnt subjektiv und lassen sich deshalb nur indirekt erschliessen. Hier ist der Interpretationsspielraum entsprechend grösser. Die entscheidende Frage ist allerdings in erster Linie die, welche Tiere überhaupt die Fähigkeit zu subjektiven Empfindungen haben. Wenn wir davon ausgehen können, dass ein Tier diese Fähigkeit besitzt, dann sind unsere Indikatoren aller Wahrscheinlichkeit nach zuverlässig. Wir können zwar nie mit Sicherheit wissen, wie stark die Schmerzen oder Leiden eines Tieres absolut sind oder im Vergleich zu unserem Empfinden. Wir können aber zumindest beurteilen, unter welchen Bedingungen ein Tier mehr oder weniger Schmerzen hat oder leidet. Heute gehen wir davon aus, dass zumindest alle Wirbeltiere – also auch Fische – grundsätzlich schmerz- und leidensfähig sind.

Informationen zum Thema "Beschäftigung - Tiere in Aktion" auf www.tiererichtighalten.ch

Forschung zum Wohl der Tiere

Er ist der einzige Tierschutzprofessor der Schweiz: Seit dem 1. August ist Hanno Würbel Professor für Tierschutz an der Universität Bern, genauer am Veterinary Public Health Institut der Vetsuisse-Fakultät. Der studierte Verhaltensforscher war die letzten Jahre Professor für Tierschutz und Ethologie in Giessen (D). Mit der Berufung nach Bern erfüllt sich für ihn ein langgehegter Traum: sein Fachgebiet in der Schweiz zu vertreten, da wo er aufgewachsen ist und wo er mit seiner Familie lebt.


Hanno Würbel schätzt an seinem Fachgebiet die gesellschaftspolitische Dimension und die spannenden wissenschaftlichen Fragen, die damit verbunden sind. Mit innovativer Grundlagenforschung praxistaugliche Lösungen ermöglichen – das ist eines der Ziele, die er sich für seine Professur gesteckt hat. Gesucht seien Lösungen, die unseren Interessen und auch dem Schutz der Tiere Rechnung tragen.

Was das konkret heissen kann, macht seine bisherige Forschung deutlich: In mehreren Projekten haben er und sein Team aufgezeigt, dass Versuchstiere weniger Verhaltensstörungen entwickeln, wenn die Käfige artgerechter ausgestattet sind, z.B. mit Beschäftigungsmaterial. Die Forschung hat auch gezeigt, dass diese Anreicherung der Käfige die Aussagekraft von Tierversuchen nicht beeinflusst. Damit wurde es möglich, dass eine Vorschrift für tiergerechtere Haltung in die neue EU-Direktive aufgenommen wurde. Es sind solche Erfolge, die Hanno Würbel antreiben. Frustrierend sei einzig, dass es von der Forschung bis zur Umsetzung manchmal sehr lange dauert. 

Lesen Sie ein ausführliches Interview mit Hanno Würbel auf Tiere richtig halten: Der Tierschutzprofessor über erreichte und gesteckte Ziele, innovative Forschung und über ethische Fragen, die nach biologischen Antworten verlangen.

Hanno Würbel studierte Biologie mit Schwerpunkt Ethologie an der Universität Bern und promovierte 1996 an der ETH Zürich. 2002 wurde er als Professor für Tierschutz und Ethologie an die Universität Giessen (D) berufen. Seine Forschungen zur Verbesserung der Haltungsbedingungen von Versuchstieren und der Aussagekraft von Tierversuchen wurden mit dem Hessischen und dem Felix-Wankel-Tierschutz-Forschungspreis ausgezeichnet. Der 48-jährige Hanno Würbel ist in Langenthal aufgewachsen und lebt heute mit seiner Familie in Zürich.
 

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